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Die Wahrheit · 1932-05-20 · Heft 21 (20.5.1932) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 21 (20.5.1932)
Date
1932-05-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis dieser Nummer 50 Groschen Jüdisch e mit den Veröffentlidmngen der „Union österreichischer Juden" and den Amtlichen Verlautbarungen der Erscheint jeden Freitag Israelitischen Kultusgemeinde Wien Die Wahrheit Redaktion und Administration: Wien 11., Heinestraße 13 — Telephon R 46-2-16 — Postsparkassenkonto Wien: A 100.918 XLVIII. Jahrgang Wien, 20. Mai 1932 Nummer 21 Ein jüdischer Weltkongreß in Genf? Aus New York kommt die Meldung, daß in einer vom American Jewish Congress einberufenen Beratung beschlossen worden ist, für Juli 1932 eine jüdische Weltkonferenz einzuberufen, <Be darüber beraten soll, ob ein jüdischer Wellkongreß als ständige Einrichtung zu schaffen sei. Wenn möglich, soll die Genfer Konferenz die Einberufung des I. Jüdischen Weltkongresses vorbereiten. Ziel des Jüdischen Weltkongresses wird es sein, dem Versuch des jetzt in einer Weltbewegung organisierten Antisemitismus aller Länder, uns herabzudrücken und1 unsere Existenz zu untergraben, ebenfalls auf einerWeltgrundlage entgegenzutreten. Der Jüdische Weltkongreß wird eine organisierte jüdische Weltbewegung repräsentieren und dafür arbeiten, daß polirische, wirtschaftliche und soziale Aenderungen Platz greifen, die dazu angetan sind, die Lage der Juden in jenen Ländern, in denen Juden leben, zu stärken. Die New Yorker Tagung stimmte auch dem von Prof. Tedeschi in Rom entwickelten Plan der Schaffung einer internationalen Konvention zur Aechtung des Antisemitismus zu. So weit die New Yorker Meldung, die angesichts der tatsächlich den Juden in verschiedenen Ländern drohenden Gefahren zweifellos von großer Wichtigkeit ist. Es ist kennzeichnend für die gegenwärtigen Stimmungen unter den Juden, daß fast zu gleicher Zeit von verschiedenen Seiten ähnliche Projekte zum Schutze der Juden auftauchen. Den ersten Anstoß gab hierzu die in der „W a h r h e i t' vom 22. Jänner 1. J. veröffentlichte Anregung von Regierungsrat J. K r e p p e 1 hinsichtlich der Schaffung eines Zentralkomitees der jüdischen Abwehrvereine in Genf. Fast um die gleiche Zeit tauchte der Vorschlag des Prof. Tedeschi auf, eine internationale Konvention zur Aechtung des Antisemitismus herbeizuführen. Nunmehr greift auch der American Jewish Congress mit seinem Projekt eines ständigen Jüdischen Weltkongresses ein. Ob und in welchem Ausmaße alle diese Anregungen und Projekte zum Ziel führen werden, bleibt abzuwarten. Zweifellos dbrf diese Trizität der Ereignisse an und für sich begrüßt werden. Dennoch soll gleich vorwegnehmend gesagt werden, daß diese Vielheit der Vorschläge unter Umständen geeignet sein könnte, das Problem zu komplizieren und <üie Durchführung der Aktion zu erschweren. Was den sicherlich sehr löblichen Vorschlag des Prof. Tedeschi betrifft, so ist eigentlich nicht zu sehen, wie sich dessen Durchführung verwirklichen ließe. Ohne die Bedeutung des Antisemitismus an sich irgendwie unterschätzen zu wollen, darf nicht übersehen werden, daß der Judenhaß im Grund genommen nur ein Teil des allgemein üblichen Hasses gegen die „Anderen" ist, gegen diejenigen, die äußerlich oder in ihrem inneren Wesen anders geartet sind. Der Kampf gegen gewisse Völker und1 Rassen, gegen nationale, religiöse und soziale Minderheiten ist trotz allen Fortschrittes fast überall1 zu Hause und die Schwächeren haben überall zu leiden. Wenn der Antisemitismus sich besonders brutal gebärdet, wenn er besonders gefährlich erscheint, so deswegen, weil die Juden eben "die Allerschwächsten sind und weil sie besonders in den östlichen Ländern mannigfache Merkmale aufweisen, die nur allzuleicht zum Gegenstande der Anfeindung gemacht werden können, und weil eben die Juden infolge tfer geschichtlichen Entwicklung in den verschiedensten Ländern anzutreffen sind und daher überall das Ziel einer Anfeindung bilden können. Nun bedarf es aber keiner besonderen Konvention zur Aechtung des Antisemitismus. Die Verfassung aller Länder, auch der zurückgebliebensten, enthalten Bestimmungen gegen jede nationale und religiöse Verhetzung usw. Diese Bestimmungen würden überall hinreichen, um die Auswüchse des Antisemitismus zu bekämpfen — wenn sie nur richtig und1 sinngemäß angewendet werden würden. Darum handelt e s s i c h! Wenn in Genf eine solche Konvention angeregt werden würde, kann man 1 gegen 100 wetten, daß die meisten Staaten darauf hinweisen würden, daß ihre Verfassungen ohnehin jede Verletzung der religiösen Rechte und jede Verhetzung usw. unter Strafe stellen. Im besten Falle käme es zu irgend einer Deklaration ohne greifbaren Effekt. TEPPICHE MÖBELSTOFFE VORHÄNGE TEPPICHHAUS S. SCHEIN §: NUR I., BAUERNMARKT 12 - 14 Keine Filialen in Wien Etwas anderes wäre ein Jüdischer Weltkongreß als ständige Institution. Der Gedanke eines jüdischen Weltkongresses ist nicht neu und' hat wiederholt die jüdische Oeffentlichkeit beschäftigt. Schon vor dem Weltkriege wurden diesbezügliche Versuche gemacht, sogar Vorbesprechungen abgehalten usw. Aber der Erfolg blieb versagt, denn es zeigten sich allerhand Differenzen in bezug auf die Einzelheiten, Differenzen ideologischer und sachlicher Natur, so daß man zu keinem positiven Ergebnfese gelangen konnte. Nach dem Weltkriege wurdte besonders von zionistischer Seite die Einberufung eines jüdischen Kongresses angeregt und erörtert — allerdings hauptsächlich zum Zwecke einer Förderung der zionistischen Aspirationen. Wie bekannt, ist es dazu nicht gekommen, weil eben die inneren Differenzen auch unter den Zionisten sich als unüberbrückbar erwiesen, und man konnte schließlich nur zur Schaffung der „J e w i s h A g e n c y" gelangen, die aber noch heute den Gegenstand heftiger Kontroversen und Anfechtungen bildet. Da der American Jewish Congress bislang eine nationalpolitische Richtung vertrat, muß vorerst die Frage aufgeworfen werden, wie er sich eigentlich' die Zusammensetzung und die Arbeit des Jüdischen Kongresses vorstellt. Soll dieser die Politik des sogenannten „Komitees der jüdischen Delegationen" fortsetzen, das bekanntlich für die Erwirkung von Minderheitsrechten für die Juden in Mittel- und Osteuropa eintrat und dessen Politik vielfach mehr Schaden als Nutzen brachte? Oder soll der Kongreß sich darauf beschränken, die bürgerlichen, wirtschaftlichen und sozialen Rechte der Juden zu wahren, ohne nationalen Einschlag? Diese Frage ist von besonderer Wichtigkeit. Ohne an dieser Stelle dias Probtem der nationalen Rechte für die Juden anschneiden zu wollen, sei nur auf das gerade jetzt in Oesterreich drohende „Studentenrecht" hingewiesen, das die Zionisten trotz aller Gefahren nicht gut bekämpfen können, da es im Grunde genommen denn doch ihrer eigenen Ideologie entspricht. Solche Diskrepanzen würden sich nur zu oft wiederholen, wenn der Jüdische Kongreß ein Organ der diversen jüdischen Parteien und Gruppen sein würde. Und würden Kongreßbeschlüsse nur nach tumultären Abstimmungen Zustandekommen, unter Protestkundgebungen der Ueberstimmten usw., so würden sie keineswegs jene Stoßkraft besitzen, die nötig wäre, um diesen Beschlüssen die gebotene Autorität zu geben. Abgesehen davon, würden dfe öffentlichen Diskussionen und Reibungen nur den Judenfeinden die Handhabe bieten, die Aktionen des Kongresses zu paralysieren, ebenso wie wir es jetzt in Oesterreich mit dem „Studentenrecht" erleben und wie es in anderen Ländern in vielfacher anderer Hinsicht der Fall ist, indem sich die Judenfeinde auf die Meinungsverschiedenheiten unter den Juden selbst berufen. Der „Jüdische Weltkongreß", vorausgesetzt, daß er zustandekommt, wird nur dann segensreiche Arbeit leisten können, wenn er sich auf den Standpunkt der jüdischen Abwehrvereine stellt und sich ausdrücklich auf den Schutz dier bürgerlichen Rechte der Juden beschränktunter Ausschluß aller Momente, die innerhalb der jüdischen Parteien und Richtungen strittig sind. Sollte dies der Fall sein, dann könnte man darüber sachlich diskutieren, ob die Schaffung der Institution dies ständigen Jüdischen Kongresses mit einer öffentlichen Tribüne nötig ist, oder ob nicht der andere Vorschlag — dem übrigens zeitlich die Priorität gebührt —, wonach zunächst eine Spitzenorganisation der bereits bestehenden jüdischen Abwehrvereine und -Organisationen in die Wege geleitet werden soll, viel leichter, rascher und einfacher der Verwirklichung zugeführt werden könnte. Sollte der American Jewish Congress tatsächlich keine nationale Politik im Auge haben, dann könnte er sich ganz einfach mit den SCHULERFEST IM AUGARTEN Zugunsten der jüdischen Volks- und HauDtschnle, Ii.. Malzeasse 16 (Talmud Thora), findet am 24. Mai 1932 ein grofles SChUlarfest statt. Beginn 2 Ohr. Rleseittombola J«de Karte ein Los; Jeden Los gewinnt. Wartvolle Gewinnet Haupttreffer: Ein* Wodra un«nto«lt> llchar Ferienaufenthalt am SemaMrine)

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