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Die Wahrheit · 1932-05-13 · Heft 20 (13.5.1932) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 20 (13.5.1932)
Date
1932-05-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seite 7 Wien IL, Haidgasse 1, bezogen. Dieses neue Heim ist mit geräumigen, sonnigen Lokalitäten und einer großen, mit modernen technischen Kochinstrumenten eingerichteten Küche versehen. In diesem neuen Heim ist es der Verehisleitung möglich geworden, ihre humanitäre Tätigkeit noch in viel größerem Umfang wie bisher zu entfalten und die diesjährige Pessach-Aktion außerordentlich imposant zu gestalten. Zu erwähnen ist vor allem, daß im Lokale selbst die ganzen acht Feiertage hindurch hunderte armer hungriger Zöglinge zweimal täglich mit ritueller Kost unentgeltlich verpflegt, außerdem viele verschämte Arme mit Mazzoth und anderen Lebensmitteln versorgt wurden und daß bedürftigen Kranken warme Mittags- und Abendmahlzeiten ins Haus geschickt wurden. Besonders feierlich aber sind die traditionellen Sederabende im. Heim selbst ausgefallen. Im festlich beleuchteten großen Saal saßen etwa 200 Zöglinge beiderlei Geschlechtes bei weiß gedeckten und blumengeschmückten Tischen, die mit Wein und anderen Ritualen versehen waren. Nach Beendigung der zeremoniellen Hagada-Gebete begann das Festmahl: Fische, Suppe, Fleisch und Beilage wurden reichlich verabfolgt. Unter den vielen Freigebigen und Helfern, welche sich um die armen Gäste bemühten, sind besonders Herr Nathan B r odetzky beim Verabreichen der Speisen, Frau Brode tzky und Frau Redlich, die in der Küche eifrig mithalfen, hervorzuheben. Zu diesen festlich abgehaltenen Sederabenden haben sich zahlreiche Gönner und Förderer eingefunden, darunter der Vizepräsident der Kultusgemeinde Dr. Josef Löwenherz, die Kultusräte Dr. Leo Landau und Ministerialrat Moriz Weiner. Allgemein wurde dem Schmerz Ausdruck gegeben, daß der kürzlich verstorbene Begründer und Präsident dieser Wohltätigkeits-Institution, Herr Jakob März, diese Festlichkeiten in dem von ihm ersehnten und durch ihn mit schwerer Mühe geschaffenen Eigenheim nicht miterlebte. Es ist wohl klar, daß nur dank der großzügigen Unterstützung seitens der edlen Gönner und Förderer und dank der kräftigen Mithilfe unserer Kultusgemeinde diese großartige Pessach-Hilfsaktion durchgeführt werden konnte. Ihnen wird von dieser Stelle aus für ihre humanen Leistungen, an welchen sie es auch in Zukunft für diese so wichtige und nützliche Armenausspeisungs-Anstalt nicht fehlen lassen mögen, der innigste und herzlichste Dank ausgesprochen. J. L. Sefer-Torah-Einweihungsfeier im 20. Bezirk. Sonntag, d&n 8. Mai, fand in den Räumen des Vereines „TomcheTorah", XX., Bäuerlegasse 36, eine Sefer- Torah-Einweihungsfeier zum Andenken an den Herrn Jakob Scheiner s. A. aus Sablotow unter großer Beteiligung der Brigittenauer Judenheit statt Nachdem Herr Rabbiner Gerschon Hager die zahlreich erschienenen Gäste herzlich begrüßt und auf die große Bedeutung dieser Feier hingewiesen hatte, ergriff dessen Sohn Herr Samuel Hager das Wort zur Festrede. In meisterhafter Weise besprach er unter anderem die Tätigkeit der Talmud Torah, in welcher täglich viele jüdische Kinder unterrichtet werden und ihnen der torahtreue Geist beigebracht wird. Er bat die Zuhörer, diese segensreiche Anstalt zu unterstützen, damit sie auch weiterhin ihre Tätigkeit fortsetzen könne. Das Publikum zollte dem temperamentvollen Redner großen Beifall. Die Kantoren Rabinowitsch und Kimmer trugen durch ihre Gesangsvorträge zur Verschönerung der imposanten Feier bei. I Elise von Singer-Bach. l In den Sechziger- und Siebzigeriahren spielte in der vornehmen Wiener jüdischen Gesellschaft eine blendend schöne, geistreiche, vornehme und gebildete Bühnenkünstlerin eine Rolle, Elise Bach, die Tochter eines früh verstorbenen Arztes. Mit den besten Familien verwandt, hat sie durch ihr Wesen vielfach dazu beigetragen, die damaiWgen Vorurteile gegen Schauspielerinnen zu zerstreuen. J a u n e r schätzte sie als Salondame am Carl- und R i n g t h e a t e r, sie spielte an jenem 8. Dezember des Brandes in der Nachmittagsvorstellung. Ihre Anhänglichkeit an ihren Glauben verschloß ihr das Burgtheater; in Deutschland feierte sie in München und Berlin, namentlich in Bauernstücken, Triumphe; die Kritik pries ihre echte Wiener Anmut, Berthold Auerbach feierte sie öffentlich als die beste Lorle in „Dorf und Stadt", als sein bestes „Bärbel". Sie war ein Liebling der Damen des Berliner und Münchner Hofes. Nach ihrer Eheschließung mit einem Sohn des populären Herausgebers des Wiener Extrablattes verließ sie die Bühne; sie verlor ihre einzige fünfzehnjährige bildschöne Tochter, ihr Heim, ihr Vermögen. Ihr einziger Trost war die Wohltätigkeit. Tag und Nacht arbeitete sie für den I. Wiener Kinderhort, „Kaiser-Franz- Josef s- Kind er hört" in der Augartenstraße, erschloß ihm ihre Geld- und journalistischen Verbindungen, unterrichtete unentgeltlich, war den dort untergebrachten polnischen Flüchtlingskindern so sehr eine Mutter, daß einige später die ganz Vereinsamte unterstützten. Mit dem Hort erlosch ihr Lebenszweck. Alt und krank mußte sie froh sein, in Mauer-Oehling ein Asyl zu finden, noch dort durch ihre geistige Anmut ein Liebling der Patienten, Aerzte und Schwestern, denen für ihre liebevolle, aufopfernde Pflege hiemit öffentlich Dank gesagt sei. Als ich im Auftrag einer edlen Frau die alte Freundin am Muttertag mit Süßigkeiten /überraschen wollte, konnte ich diese nur mehr ihren Zimmergenossen übergeben. Sie ruht schon in der Ecke des Friedhofes der Anstalt für Akatholiken. Kein Rasen deckt den Hügel, ich konnte nicht erfahren, welches der zehn neu geschaufelten Gräber sie birgt. Vielleicht bewegen diese Zeilen alte Freundinnen und junge Schützlinge, denen sie viel Gutes tat, wenigstens eines jener bescheidenen kleinen Holztäfelchen der prächtigen Frau zu errichten, welche zumeist die einzige Unterscheidung der Gräber am Friedhofe der Anstalt bilden. Clothiide Benedikt. Todesfälle. Unter ungemein starker Beteiligung wurde am 10. d. am Wiener Zentralfriedhof Herr Doktor Bernhard Joachim, Rechtsanwalt in Neunkirchen und! Präsident der dortigen Kultusgemeinde, zu Grabe getragen. In der Zeremonienhalle hatten sich eingefunden: Der Präsident dar Wiener Kultusgemeindte Generalstabsarzt d. R. Prof. Pick. Regierungskommissär Dr. Konstantin Siretean der Bezirkshauptmannschaft Neunkirchen, in Vertretung der Stadtgemeinde Bürgermeister Zangerl und Vizebürgermeister Roth, der Präsident der Wiener- Neustädter Kultusgemeinde Herr Hugo Reininger, der Vizepräsident der Badener KuStusgemeinde Herr Heinrich Fleischmann, der Präsident der Mödlmger Kultusgemeinde Herr David Rosenfeld, der Obmann der Neunkirchner Chewrah Kadischa Herr Moritz Gerstl und dessen Stellvertreter Herr Jakob Büchler, der Vizepräsident der Neuiikirchner Kultusgemeinde Herr Adolf Preiss, der Präsident der n.-ö. Reohtsanwaltskammer Herr Dr. Siegfried Kantor mit den Ausschußmitgliedern Dr. Abeil und Dr. Mendelsohn. aus Neunkirchen die Rechtsanwälte Dr. Wenisch, Dr. Birer, Dr. .Zdeuko Rrauß, aus Wiener-Neustadt dte Rechtsanwälte Dr. Arthur Löwe, Dr. Heinrieh Grünfeld1, Dr. Adolf Hacker, Dr. Richard Ehrenhaft undi Frau Dr. Adrienne Schnitzer, Dr. Rudolf Waller aus Wien, zahlreiche Verwandte! und Freunde u. v. a. Oberkantor Mathyas exekutierte mit dem Chor die rituellen Gesänge, worauf Herr Rabbiner Dr. Bach ein Trauergebet sprach. Herr Oberrabbhier Dr. Heinrich Weiß aus Wiener-Neustadt, welcher gleichzeitig das Rabbinat in Neunkirchen versieht, hielt dem Verstorbenen einen tiefempfundenen Nachruf, in welchem er den Dahingeschiedenen besonders als Wohltäter pries. Nach einigen Worten des Abschiedes des Herrn Präsidenten Pick inamens der Wiener Kultusgemeinde hob in einem herzlichen Nachruf der Präsident der Hl-ö. AdVokatenkammer Herr Dr. Siegfried Kantor die ausgezeichneten Charaktereigenschaften des Verblichenen hervor, weichet durch viele Jahre die Anwaltschaft des Neunkirchner Sprengeis im Ausschüsse der Kammer vertrat. Nach einem vom Kantor Bhimenfeld aus Neunkirchen (exekutierten' ..EI mole rachmim" wurde der Sang gehoben und zur letzten Ruhestätte geleitet. Am offenen Grabe nahmen Harr Gemeindierat Kehn der Neunkirchner Stadtgemeinde namens der sozialdemokratischen Partei und Herr Moritz Gerstl namens der Neunkürchner Chewrah Kadischa von dem Toten Abschied. Sodann fielen die ersten Schollen auf den Sarg. — Durch den Ted des Herrn Dr. Joachim verliert die Neunkirchner Kultusgemeinde einen Präsidenten, der für die Gemeinde durch finanzielle Unterstützung und durch Aufrechthaltung des Friedens Großes und Unvergängliches geleistet hat. — Am 8. Mai wurde auf dem türkischsephardischen Friedhofe. I. Tor. Frau Sophie K r i w e r, geborene Eskenasi. zu Grabe getragen. Wer diese Frau kannte, mußte in ihr das Muster einer liebenden Mutter und treuen Gattin verehren, die Zeit ihres Lebens nichts kannte als ihre Mutterpflicht. Still und zurückgezogen lebte sie nur ihrer Familie. Herr Rabbiner Dr. Bach würdigte in herzlichen Warten die- Mutterliebe dieser einfachen Frau, die eine jener jüdischen Frauengestalten war. die die Bibel als Ideal einer Mutter zeichnet. Gedenkt des jüdischen Handwerks! Unter der Not der Zeit leiden in erster Linie die kleinen jüdischen Handlwerksmeister, deren wirtschaftliche Verhältnisse sich durch die antisemitische Welle ganz besonders ungünstig gestalten. Allenthalben bleiben Aufträge für jüdische Handwerksmeister aus, die früher regulär hereinkamen. Da ist es Pflicht der jüdischen Familien, an den jüdischen Handwerkern nicht vorüberzugehen und überall, wo Reparaturen zu erledigen sind oder sonstige handwerkliche Arbeiten gebraucht werden, Angebote von jüdischen Handwerksmeistern anzufordern. Im letzten Jahrzehnt haben sehr viele Juden die Parole befolgt, sich dem Handwerk zuzuwenden. So sehr sie damit eine Zeitlang ihr Brot verdient haben, beginnt jetzt die Konjunktur umzuschlagen, und es scheint, daß für den jüdischen Handwerker der sprichwörtliche goldene Boden des Handwerks nicht mehr vorhanden ist. Bedenken alle jüdischen Haushaltungen, daß fast überall jüdische Schuhmacher und! Schneider, jüdische Maler, Elektrotechniker und ähnliche Berufe vorhanden sind, dann kann diese Hilfe aus jüdischen Kreisen dazu beitragen, dem jüdischen Handwerk die Ueberwindung der Krise zu erleichtern.__ Niederösterreichische Escompte-Gesellschait. Zufolge Beschlusses der neunundziebzigsten ordentlichen Generalversammlung der Aktionäre der Nied'erösterreichischen Escompte- Geseüschaft wird der Reingewinn des Jahres 1931 zuzüglich des Gewinnvortrages vom Vorjahre per zusammen S 3,859.550.64 zur Gänze auf neue Rechnung vorgetragen. Es gelangt diaher für das Geschäftsjahr 1931 keine Dividende zur Verteilung und ist der Kupon Nr. 3 pro 1931 unserer Aktien zu vernichten. Wien. 10. Mai 1932. Niederösterreichische Escomp te-Gesellschaf t. (Nachdruck wird nicht honoriert) GROSSFLEISCHHAUEREI lliGM. KORNMEHl WIEN IXn BEROOASSC NR. 19 FILIALE! XVIII., WAHRINCMRSTRASSE »7 Telephon Nr. A 17 3-99 and A 18-9-34 Lieferant fUr ttellanatalttMi AbteilungenfflrKoscherfleisch ■oter Aufsicht ttes «hrw. RabMratM dar lsr. Knltiiaiianvoind« Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Wir empfehlen allen unseren Gesinnungsgenossen bei Ihren Besuchen im Prater das angenehm und schattig gelegene "TED Selchwarenbuifet der Fa. Petyan & Co- Wien XX., i m R e s t. Praterfee, Prater Hauptallee. Die bestrenommierte Firma bietet bei billigsten Preisen vorzügliche Qualität und ist bei schönem Wetter jederzeit daselbst frisches Wurstzeug, kalt und warm in dien verschiedensten Sorten, der beste Aufschnitt u. dgl. erhältlich. Frisches Bier vom Faß, T&2 Weine. Kunst und Sit Statur Suto Sehet Jam. Von Rabbiner Moses Leiter im Selbstverlage. Wien, 1932, 464 Quartseiten. In einer Zeit, in der alle Werte umwertet wurden, saß ein bescheidener Gelehrter in seinem Studierzimmer und beschäftigte sich mit dem von uns allen so vernachlässigten Talmud und brachte wahre Perlen aus der Tiefe desselben hervor. Rabbiner Moses Leitet, der gewesene Redakteur der wissenschaftlichen Zeitschrift „Hajarden", hat ein Werk der talmudischen Welt übergeben, von dem wir sagen können, daß es besonders gelungen ist und zur Bereicherung der talmudischen Forschung viel beitragen wird. Das Buch zeichnet sich durch die Gediegenheit seiner Abhandlungen, durch seine streng wissenschaftliche Methode aus. Der Verfasser wandelt nicht auf dem Wege der radikalsten Tahnudforscher. die alles Heilige und Ueberlieferte zer- Soeben erschien: Ifldlsdics Jahrbndi 1932 1. Teil: Das Jahr 1931 im Leben der deutschen Juden, Von Dr. Hans Engel. Stimmen deutscher Juden zum Weltfriedensgedanken. Prof. Dr. David Baumgardt, Prof. Georg Bernhard, Dr. Emil Bernhard-Cohn, Alfred Döbtin, Prof. Simon Dubnow, Dr. Ismar Freund, Dr. Wrthelm Kleemann, Dr. Leo Löwenstein. Dr. Joachim Prinz. Professor Dr. Heinrich SilbergJeSit, Staatsrat Jacob Teitei, Dr. Meier Hildesheimer, Lina Wagner-Tauber, Kammergerichtsrat Leo Wolff. Bibliographische Notizen. Von Dr. S. Kaleko. i. Vom Wesen des Judentums. II. Jüdische Wissenschaft. HI. Jüdische Wirtschaftslagen. IV. Palästina und Zionismus. V. Belletristik. VI. Verschiedenes. Die Juden und das Badewesen. Von Dr. Ernst A. Ascher. Nekrologe. Gerson Simon, Prof. Josef Horovitz, Eugen Caspary. Nathan Strauß, Benjamin Segel. Ernestine Eschelbacher, Dr. Isidor Kastan. Lesser Ury. Arthur Schnitzler. 2. Teil: Organisation und Vereine. 3. Tal: Berliner Gemeindeverwaltungen und Einrichtungen 4. Te»: Die jüdischen Gemeinden in Deutschland. 5. Teil: Jüdische Zeitungen und Zeitschrilten in deutscher Sprache. 6. Teil: Tätigkeitsberichte. Abbildungen: 1. Porträts: Prof. Dr. Nikodem Caro, Ernestine Eschelbacher, Prof. Dr. med. Oskar Fehr. Georg Hermann, Direktor Dr. Wilhelm Kleemann, Manuel Schnitzer, Lesser Ury. 2. Bilder von Lesser Ury: Jude in Thaiiis, Potsdamer Platz, Moses sieht das gelobte Land. 3. Sportbilder. 4. Bilder von Neubauten: Frankfurt a. M., Friedhof der Israelitischen Gemeinde: Mannheim, Israelitisches Altersheim: München, Ostjüdisches Bethaus: Würzburg, Israelitische Lehrerbildungsanstalt. Das Jüdische Jahrbuch kostet bei vorzüglicher Aus. stattung. In Halbleinen gebunden. RM. 480. abzüglich 10 Prozent Rabatt Zu beziehen durch: VERLAG JÜDISCHES JAHRBUCH, Berlin S. 42. Luisenufer 34. Postscheckkonto Berlin 80032.

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