Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 7 (12.2.1932)
- Date
- 1932-02-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Softe 6 DIE WAHRHPiT Wohin? morgen abends ■ Selbsffersländlidi zum Gründungsfest der Jugend-Union im Festsaale des Etablissements Volksgarten Große Künstler-Akademie Canada-Band Beginn präzise 9 Uhr abends Vorwerkaufskarten zu S 3.— nur mehr noch heute bis 4 Uhr nachmittags im Sekretariat der „UNION" Auch Steintnann sucht Freunde und Förderer für seine Wochenschrift. Es scheint, daß unsere arme Diaspora, die „Galuth", selbst dort, wo sie wirtschaftlich am schwächsten ist wie im notleidenden Wien, und selbst in sorgenvollen Tagen wie der unsrigen, noch immer die große Hoffnung auch der literarischen Kreise Palästinas bildet und, nach dem Versiegen der Hilfsquellen in Amerika, aus den europäischen Ländern um so dringender die unerläßliche Stützung der in ihrer Existenz bedrohten Büch er -Verlagsanstalten und Zeitschriften erwartet wird. Dies mit vollem Rechte. Denn an der Möglichkeit in den großen jüdischen Gemeinden, Wien voran, das Interesse für das Hebräische zu erwecken und dadurch einen natürlichen Kreis von innerlich beteiligten Kennern und Förderern des neuen geistigen Schaffens hervorzurufen, fehlt es sicherlich nicht. Man kann nicht für jeden literarischen Kreis in Palästina gesonderte Unterstützungen suchen und eine eigene Propaganda entfallen (es müßte dies gerechterweise dann auch etwa für die notleidenden Lehrer und die vom Zusammenbruch bedrohten hebräischen Schulen geschehen). Wohl aber könnten der mächtige Appell Bialiks und der jetzt auf ihn folgende Ruf Steinmanns vereinigt den Erfolg haben, daß bei uns eine Stelle systematischer und planmäßiger Förderung der alt- und neubebräischen Literatur kreiert werde. Die Schulen in Palästina noch immer geschlossen. Am 4. und am 5. Februar fanden in Tel Aviv neuerdings Beratungen zwischen Vertretern des hebräischen Lehrerverbandes, des Magistrats, der Kolonisten und der Jewish Agency statt, die das Ziel hatten, eine Einigung zwischen den streikenden hebräischen Lehrern und der Jewish Agency herbeizuführen, damit die infolge des Streiks seit Wochen geschlossenen hebräischen Schulen wieder eröffnet werden können. Eine Einigung ist nicht erzielt worden, da die Exekutive der Jewish Agency sich außerstande erklärt hat, die Garantie für prompte Zahlung der Gehälter, eine der Hauptforderungen der streikenden Lehrer, zu übernehmen. JtfaßeiiJzreifz am Werfe Schächtverbot in Deutschland verfassungswidrig. In Neubrandenburg wurde kürzlich ein von den Nationalsozialisten beantragtes Verbot des „tierquälerischen" Schächtens von den Stadtverordneten angenommen. Die Mehrheit der Stadtverordneten hatte der nationalsozialistischen Darstellungsart Glauben geschenkt und, einseitig orientiert, dem Antrag die Zustimmung erteilt. Ein Vertreter der Reichszentrale für Schächtangelegenheiten hat inzwischen Gelegenheit genommen, auf die gutachtlichen Erklärungen europäischer Kapazitäten der Tier- und Hirnphysiologie sowie der obersten Veterinärbehörde des Deutschen Reiches, der Veterinärabteilung des Reichsgesundheitsamtes, hinzuweisen, daß im Schächtakt keinerlei Tierquälerei erblickt werden kann, ja sogar der Schächtschnitt selbst betäubende Wirkung ausübt. Wie wir nunmehr von der Reichszentrale für Schächtangelegeniheiten erfahren, hat die zuständige Regierung von Mecklenburg-Strelitz das, Neubrandenburger Schächtverbot als unzulässig bezeichnet und in einem Ministerialerlaß erklärt, daß ein solches Artikel 135 der Reichsverfassung widersprechen würde. Die „Deutsche Studentenschaft" ist nicht die deutsche Studentenschaft! Die in Berlin unter äußerst üblen Begleitumständen verlaufenen Hoch sc hui wählen hatten an der Universität folgendes Ergebnis: Es erhielten: 1. Nationalsozialisten 3300 Stimmen (65 Mandate); 2. Deutschnationale und Stahlhelmstudenten 1055 Stimmen (20 Mandate); 3. Korporationen 700 Stimmen (15 Mandate). Das sehr lehrreiche Ergebnis zeigt, daß erstens die katholischen Korporationen von den Nationalsozialisten völlig an die Wand gedrückt wurden, und so die wohlverdienten Früchte ihres Hinterherlaufens ernten. Sodann ergibt sich aus der Wahlbeteiligung, daß überhaupt nur 5055 Studenten von insgesamt 12.000 Interesse an den Bestrebungen der „Deutschen Studentenschaft" bekunden. Nur 42 Prozent der Studenten haben ihr Gefolgschaft geleistet, während mehr als die Hälfte aller Studierenden ernstere Dinge kennt als die Beteiligung an einem reaktionären Privatverein, dessen Name angesichts dieser Mehrheitsverhältnisse reichlich irreführend ist. Gemeinde - 'Chronik Die Juden und die Abrüstungskonferenz. Aus Anlaß der am 2. Februar in Genf unter dem Vorsitz Hendersons begonnenen Weltabrüstungskonferenz erließ das Londoner Präsidium des Weltverbandes für liberales Judentum (Dr. Claude G. Montef i o r e) die folgende Kundgebung: Wir, die Verwaltungskörperschaft des Weltverbandes für liberales Judentum, bringen im Namen der Verbandsmitglieder in den verschiedenen Ländern unsere tiefste Hoffnung auf den Erfolg der Abrüstungskonferenz zum Ausdruck. Wir glauben, daß umfassende Wettrüstungen nur dazu angetan sind, den Kriegsgeist auflodern zu lassen und somit den Fortschritt der Menschheit zu hemmen. Als Anhänger jenes Glaubens, der zuerst die universale Vaterschaft Gottes verkündet und das Ideal des Friedens unter der Menschheit gelehrt hat geben wir unserer tiefsten Hoffnung Ausdruck, daß die Konferenz in der Lage sein wird, eine Politik und ein praktisches Programm auszuarbeiten, die dem dauernden Frieden zwischen allen Nationen dienen sollen. — In der Genfer Synagoge fand aus Anlaß der Eröffnung der Weltabrüstungskonferenz ein feierlicher Gottesdienst statt, bei dem Gebete für den Erfolg der Konferenz gesprochen wurden. Jerusalem. Am 2. Februar fanden in Jerusalem die Wahlen zum Waad Hair (Rat der Jüdischen Gemeinde) statt. Von etwa 14.000 Stimmberechtigten waren 5735 an der Wahlurne erschienen. Von den 31 Sitzen des Rates entfielen auf die A rbeiterpartei 11, auf die Toschaw-Partei (Gruppe der alteingesessenen Bürger, die eine Loslösung der Juden von der bisherigen Stadtverwaltung und die Schaffung einer gesonderten jüdischen Stadtverwaltung erstrebt) 8, auf den Misrachi 4, Yeineniteil 3, Allgemeine Zionisten 2 (!), Verband orientalischer Gemeinden 2 Sitze, die Frauenpartei erhielt 1 Sitz. Auszeichnung. Frau Irma Rosenberg, Präsidentin des Krankenunterstützungsvereines B i k u r C h a u 1 i m, wurde zum Bundesstaatlichen Fürsorgerat ernannt. Wer die Tätigkeit dieser Frau seit mehr als einem Jahrzehnt für Arme und Kranke mitansehen konnte, der wird sich besonders darüber freuen, daß die aufopfernde Tätigkeit dieser Frau vom Staate anerkannt wurde. Sie gehört zu jenen seltenen jüdischen Frauengestalten, die selbst unendlich bescheiden, keine Mühe und keine Opfer scheuen, um anderen mit vollen Händen geben zu können. Der Dank, der ihr durch die staatliche Auszeichnung zuteil wurde, ist nur eine äußere Anerkennung. Der größte Dank, der dieser Frau abgestattet wird, ist bei jenen kranken und armen Juden zu finden, die, allein und verlassen, in den Spitälern und Siechenhäusern Wiens durch ihre Hilfe in der Not ihres Daseins manche freudige Stunde verbringen können. Es ist sicher der Wunsch aller mitfühlenden Menschen, daß es dem Krankenverein Bikur Chaulim noch recht lange gegönnt sein möge, von seiner Präsidentin Frau Irma Rosenberg geleitet zu werden, die als leuchtendes Vorbild jüdischer Nächstenliebe sich allseitiger Verehrung erfreut. Gedächtnisfeier für Rektor Hofrat Schwarz s. A. Donnerstag, den 4. d. M., fand im Leopoldstädter Gemeindetempel im Rahmen des Abendgottesdienstes eine solenne Gedächtnisfeier anläßlich des ersten Jahrestages des Hinscheidens des unvergeßlichen Rektors der theologischen Lehranstalt Hofrat Schwarz statt. Im festlich beleuchteten Gotteshaus hatten sich in Vertretung des Kultusvorstandes Präsident Prof. Dr. Pick, Vizepräsident Dr. Ornstein und Börserat Glück, mehrere Mitglieder des Bethausvorstandes, eine Reihe von Mitgliedern des Zentralvorstandes der Union", fast sämtliche Rabbiner der großen Tem- ~-V GROSSFLEISCHHAUEREI SIECH, KORNMEHl unaHKBanuionaBMnianBnaaHBBi WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., WAHRINGERSTRASSE 9? Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten AbteiiungenfürKoscherfleisch unter Aufsicht des ehrw. Rabbinates der lar. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen pel, zahlreiche Schüler des dahingeschiedenen Meisters und viele seiner Freunde und Verehrer eingefunden. In der Vorstandsloge hatten die Mitglieder der Familie des Verewigten Platz genommen. Rabbiner Dr. T a g 1 i c h t entwarf in der ihm eigenen unübertrefflichen Form das Lebensbild des einzigartigen Menschen, dessen unvergängliche Wirkung auf alle, die ihm nahestanden, darin begründet war, daß in ihm das Wort und die äußere Lebensführung in voller uneingeschränkter Harmonie standen. Der Redner skizzierte in einer markanten Darstellung die bewunderungswürdigen Arbeiten des Talmudforschers undl Gelehrten, der damit neue Wege für das Talmudstudium eröffnet hat. Dr. Taglicht verrichtete in ergreifender Weise das El mole rachamim. Oberkantor G. Marguli e s versah unter Chorassistenz die kantoraleri Funktionen der Trauerandacht. Tempelverein des VIII. Bezirkes. Am 7. d. M. fand im Tempelgebäude, VIII., Neudeggergasse, die Generalversammlung dieses Tempelvereines statt. Obmann Dir. Anton Stein begrüßte in seiner Eröffnungsrede insbesondere den Delegierten der Kultusgemeinde, Doktor Desider Friedmann, den Obmann der Organisation der Tempelvereine, Börserat Ignatz Glück, sowie die Vertreter der Tempelvereine IV/V und VI/VII. Schriftführer Kcmm.-Rat Ignaz P o 11 a c h erstattete den Rechenschaftsbericht, aus dem hervorging, daß der Verein trotz aller Schwierigkeiten, mit denen er in dieser krisenhaften Zeit zu kämpfen hatte, seinen Aufgaben voll und ganz gerecht wurde und daß deT Gottesdienst auf einer sehr beachtlichen Stufe steht. Er sprach den Funktionären Rabbiner Dr. Bauer, Oberkantor Landau und Kantor Grob den Dank des Vorstandes für ihre Leistungen aus und rühmte insbesondere die Beliebtheit, deren sich Rabbiner Dr. Bauer bei der Jugend erfreut, eine Anhänglichkeit, die sich auch im guten Besuch des Jugendgottesdienstes und der unter Leitung des Lehrers Sprinzeles stehenden Bibelschule ausdrückt. Kassier Moritz K o b 1 i t z mußte in seinem Kassabericht mitteilen, daß das Jahr 1931 mit einem Defizit von S 4300.— abschließt, was auf Rückgänge bei den Mitgliedsbeiträgen und Trauungstaxen und beim Verkauf der Tempelsitze zurückzuführen ist. Revisor Dir. Alois Donnebaum gab seiner Anerkennung übr die musterhafte Kassaführung Ausdruck, zu der auch Sekretär S1 a t i n a beigetragen hat, und beantragte für den Vorstand das Absolutorium, das nach einer Debatte über Möglichkeiten der stärkeren Interessierung der Vereinsmitglieder einstimmig erteilt wurde. Dr. Desider Friedmann wies auf die wirtschaftlichen Nöten unserer Zeit hin. die zu einschneidenden Sparmaßnahmen bei der Kultusgemeinde geführt habe, ein Beispiel, dem leider heute auch die Tempelvereine folgen müssen. Börserat Ignatz Glück stellte fest, daß die Aufrechterhaltung der Vereine nur durch Opferwilligkeit der Mitglieder möglich sei, die im vorliegenden Falle so schön gegeben ist. Es folgten noch Begrüßungsansprachen der anwesenden Tempelvereinsdelegierten. Hierauf schritt man zur Vornahme der Wahlen, die folgendes Ergebnis zeitigten: Wiedergewählt wurden zu Vorstandsmitgliedern die Herren Siegmund Bodansky, Hermann E d e r. Alois H a y e k, Ludwig Medak, Komm.-Rat Ignatz Po11 ach, Max Rotholz und Dir. Anton Stein. Neugewählt wurde Herr Samuel M a i e r, der dem Tempelverein schon bisher großes Interesse entgegenbrachte. Zu Revisoren wurden bestellt die Herren Dir. Alois Donnebaum, Paul O poczy nsk y und Franz Schön mann. Mit Dankesworten an die Erschienenen schloß der Obmann Dir. AntoiT Stein die würdig verlaufene Generalversammlung. Grabsteinstellung. Der Vorstand des israelitischen Tempel- und Schulvereines für den 10. Bezirk gibt bekannt, daß die Grabsteinstellung für den verewigten Herrn Rabbiner Prof. Dr. A. L. Mandl s. A. Sonntag, den 14. Februar 1. J., um 10 Uhr vormittags, auf der israelitischen Abteilung des Zentralfriedhofes, 1. Tor, stattfindet. Sarah Osnath Halevy, die jemenitische Schauspielerin und Sängerin, deren erstes Auftreten im Theater in der Josefstadt ein großer Erfolg war, wurde vom Theater in der Josefstadt zu einem nochmaligen Auftreten verpflichtet Sarah Osnath Halevy gibt demnach eine Matinee am Sonntag, den 14. Februar, um halb zwölf Uhr vormittags. Das originelle Programm: