Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 6 (5.2.1932)
- Date
- 1932-02-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis dieser Nummer 50 Groschen Jüdische Die tDanrheif Erscheint jeden Freitag mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden" und den Amtlichen Verlautbarungen der israelifischen Kultusgemeinde Wien Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 13 — Telephon R 46-2-16 — Postsparkassenkonto Wien: A 100.918 XLV1II. Jahrgang Wien, 5. Februar 1932 Nummer 6 Kabinettsweehsel und Studentenrecht Die seit langem vorausgesagte und immer wieder hinausgeschobene Demission des Kabinetts Buresch ist vorige Woche plötzlich erfolgt, und zwar um so unerwarteter, als der Kanzler noch wenige Tage vorher öffentlich verkündet hatte, daß wir in Oesterreich andere Sorgen haben als einen Kabinettsweehsel. Es müßten somit sehr gewichtige Gründe gewesen sein, die diese Wendung so plötzlich herbeiführten. Es ist an dieser Stelle nicht der geeignete Ort, auf die aus der Tagespresse bekannten Einzelheiten näher einzugehen, aber aus der Tatsache, daß die zurückgetretene Regierung drei Tage nachher mit einer geringfügigen Aenderung in ihrer Zusammensetzung wieder ernannt worden ist, ist klar zu ersehen, um was es sich eigentlich gehandelt hatte: um nichts mehr und um nichts weniger als um die Ausschiffung des bisherigen Vizekanzlers und Außenministers Dr. Schober. Um diesen los zu werden, hat der Kanzler sogar den Nachteil in Kauf genommen, die bisherige ohnehin sehr schmale Mehrheitsbasis seines Kabinetts zu zerschlagen und sich zunächst mit der Bildung eines Minderheitskabinetts zu begnügen. Dr. Schober mußte aber angeblich gehen, weil seine Zollunionspolitik in Paris Mißfallen erregte und man von dort aus den österreichischen Faktoren zu verstehen gab, Oesterreich könnte, insolange Doktor Schober an der Spitze des Außenamtes stehe, auf keine finanzielle Unterstützung rechnen. Wir wollen heute das Problem Dr. Schober nicht näher behandeln. Aber zweifellos liegt eine gewisse Tragik in dem Schicksal dieses Mannes, der noch vor wenigen Jahren zu den populärsten Männern Oesterreichs gehörte und der gewissermaßen als der „Liebling der Götter" bezeichnet wurde. Er konnte auf dieser Höhe bleiben, insolange er sich selbst treu blieb. Als er aber gelegentlich der letzten Nationalratswahlen sich dazu herbeiließ, mit den Großdeutschen zusammenzugehen, als er seiner bisherigen Politik so weit untreu wurde, daß er sich von den neuen Bettgenossen die Marschroute vorschreiben ließ, es dürfen auf seine Liste keine Juden kandidieren, obwohl diese Bettgenossen mehr auf ihn angewiesen waren als er auf sie, da nur seine Popularität und seine Autorität es waren, die die Großdeutschen vor dem gänzlichen Zusammenbruch retten konnten, als also Dr. Schober diese falsche Bahn betrat, da war es um ihn geschehen, da begann sein Abstieg, der nun mit seiner gewaltsamen Ausbootung aus dem Staatsschiff endete .... Wie dem immer sein mag: die Tatsache steht fest, daß sich die österreichische Regierung gezwungen sah, der öffentlichen Meinung des Auslandes den Kopf Schobers zu opfern, selbst um den Preis einer Zerschlagung der bürgerlichen Mehrheit. Nun gibt es aber in Oesterreich zur Zeit ein zweites Problem, das noch mehr als die Zollunionsfrage geeignet ist, die kleine Republik zu schädigen und in Verruf zu bringen, aber merkwürdigerweise ist gelegentlich des Kabinettswechsels nichts geschehen, um hier Remedur zu schaffen. Als die Regierung zurücktrat, hörte man selbst in christlichsozialen Kreisen, daß bei dieser Gelegenheit auch der Unterrichtsminister Dr. C z e r m a k ausgeschifft werden wird, dessen Engagement hinsichtlich des „Studentenrechtes" auch in den Kreisen der eigenen Partei Unzufriedenheit und geradezu Kopfschütteln erregte. Man nannte auch bereits die Namen seiner Nachfolger. Aber als das Kabinett Buresch II ernannt wurde, befand sich Dr. Czermak weiterhin auf der Ministerliste. Es bleibt also diesbezüglich beim alten — und das ist jammerschade, nicht nur für Wir verkaufen und VERLEIHEN Elektr. 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Nicht die Juden werden es sein, die diesen Sturm entfachen würden; nicht die sogenannte „anonyme jüdische Macht", nicht die „Weisen von Zion" werden da in Aktion treten — sondern alle Kulturfreunde, alle Anhänger der Gleichberechtigung, alle Gegner des Rassenhasses und des Rassendünkels werdengegen OesterreichFront m a ch e n... Zu spät wird man hierzulande erkennen, welche Suppe man sich da eingebrockt hat — und all das nur, weil sich ein Herr Unterrichtsminister in seiner politischen Unerfahrenheit von den Herren Gleispach und Genossen hat einfangen lassen und weil er von der Wahnidee nicht lassen will, die Einführung „dieses" Studentenrechtes sei notwendig, da es sonst in den Hochschulen keine Ruhe geben werde... Wie es mit dieser Ruhe bestellt ist, dafür haben ja gerade die jüngsten Tage einen neuen Beweis geliefert. Als die Demission des Kabinetts bekannt wurde, ahnten die Herren Hakenkreuzler instinktiv, daß die Position ihres ministeriellen Protektors bedroht sei; sie scheinen die politische Einsicht des Herrn Bundeskanzlers Dr. Buresch etwas übertrieben eingeschätzt zu haben: wenn er mm darangeht, Dr. Schober auszubooten, dann könnte ihm der Einfall kommen, auch die zweite Belastung, den Dr. Czermak, über Bord zu werfen — und die Antwort darauf waren neue Krawalle an den Hochschulen, blutige Schlägereien, skandalöse Vorkommnisse, die selbst der Rektor als „Feigheit'* brandmarken mußte, eine Stellungnahme, die auch der Akademische Senat und das Unterrichtsministerium gebilligt hat. So sieht die Ruhe und Ordnung an den Hochschulen aus, die Herr Dr. Czermak mit seinem ..Studentenrecht" angeblich sichern will... Solchen Elementen will man die österreichischen Hochschulen ausliefern, diesem Rowdytum soll das höchste kulturelle Gut der österreichischen Republik überlassen werden!... Wahrlich, Herr Dr. Buresch hätte zweifellos gut daran getan, wenn er zwei Fliegen mit einem Schlage getroffen hätte, wenn mit Dr. Schober auch Dr. Czermak von der Ministerbank verschwunden wäre. Da er es nicht getan, damit übernimmt auch er und die Gesamtregierung die Mitverantwortung für all das Unheil, das ein Qesetzwerden des Studentenrechtes im In- und Auslande auslösen wird . . . Noch ist es Zeit zur Umkehr; noch ist es möglich, diesem pittoresken Gesetzentwurf ein Begräbnis letzter Klasse zu verschaffen. Der Bundeskanzler wird gut daran tun, die letzte Frist zu benützen, bevor es zu spät sein wird. Die jüngsten Vorgänge an der Universität haben selbst die „Reichspost" dazu veranlaßt, in scharfen Worten das Treiben jener ausländischen Elemente zu geißeln, die immer bei solchen Anlässen als die treibende Kraft auftreten. Nun gruselt es auch schon den Herren von der Strozzigasse vor den Emissären Hitlers — aber noch fehlt ihnen der Mut zum letzten Entschluß, zum Abschütteln dieser Elemente, die nur im Trüben zu fischen verstehen. Insolange sie diesen Mut nicht aufbringen, werden sie selbst an diesem Treiben mitschuldig. Und wenn sich selbst ein sonst ernst und sachlich Milglleder und rrennde der „Union" überfragen Lebens- und Elemenfar- Verädrcrnngcn der Städfisdien Versidierangsansfalt