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Die Wahrheit · 1932-01-01 · Heft 1 (1.1.1932) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 1 (1.1.1932)
Date
1932-01-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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T"7 jjt-J j /" ■) Preis dieser Nummer 50 Groschen \\\ n ± J üj - v / / ■ - Jüdische Die bbanrneit mit den? Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden" v und den v"ay Amtlichen Verlautbarungen der v:.; - x. j c Israelifischen Kultusgemeinde Wien Erscheint Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 13 - Telephon R 46-2-16 — Postsparkassenkonto Wien: A 100.918 XLVIil. Jahrgang Wien, 1. Jänner 1932 t N cmmer 1 " i t Anläßlich der 150. Wiederkehr des denkwürdigen Tages der Erlassung des Toleranzpätentes hält unser Präsident Dr. Jakob Örnstein am 7. Jänner d. J., präzise halb 8 Uhr abends, im Festsaale des Niederösterr. Gewerbevereins, I., Eschenbachgasseil einen Vortrag über Die Judengesetze Maria Theresias und das Toleranzpatent Josef II. Um zahlreiches Erscheinen bittet Der Zentralvorstand der Union österreichischer Juden Die „Wahrheit" und ihre Aufgaben. \- Mit der heutigen Nummer tritt die „Wahr- I heit" in ihren XLVIII. Jahrgang ein. Zunächst 1 ein Organ vornehmlich für jüdische Kultusan- | gelegenheiten, ist das Blatt besonders seit der } Uebernahme der Leitung durch den vor eini- | gen Monaten aus dem Leben geschiedenen I langjährigen Chefredakteur Herrn Ludwig f Hirschfeld nach und nach zu einem Zen- I tralorgan für allgemeine jüdische Angelegen- I heit ausgestaltet worden und hat besonders, I seitdem es offizielles Sprachrohr der I „Union österreichischer Juden" f geworden ist, immer mehr an politischer Ka- | pazität, Bedeutung und Einfluß gewonnen. l Weit entfernt von jedem Selbstlob und jeder I Selbstzufriedenheit, findet es die Redaktion \ dennoch angebracht, am heutigen Tage einige | Worte über sich selbst zu sagen. r Das jüdische öffentliche Leben ist insbesondere in den letzten Dezennien stark diffe-; renziert geworden. Parteien und Gruppen mit * ausgesprochenen Tendenzen und Ideologien |. sind entstanden; die Meinungsverschiedenheit I und die spezielle Einstellung zu den aktuellen | Lebensfragen der Juden im allgemeinen und l der österreichischen Juden im besonderen ha- 1 ben dazu geführt, daß auch die Judenheit der | österreichischen Republik über eine Reihe von Blättern verfügt, die je nach ihrem Parteistandpunkt zu den öffentlichen Angelegenheiten Stellung nehmen. In normalen Zeiten hatte dieser Umstand nichts außergewöhnliches an sich; es handelte sich um die natürliche Entwicklung des öffentlichen Lebens. Die Parteiblätter spiegelten ja nur die Strömungen wieder, die innerhalb des österreichischen Judentums um Geltung ringen, und mochte die parteimäßig eingestellte Polemik zuweilen auch übers Ziel schießen, so konnte und mußte man sich mit dieser Erscheinung, die übrigens keine spezifisch jüdische ist, immerhin abfinden. Seit einiger Zeit hat jedoch dieser Stand der Dinge eine radikale Äenderung erfahren — und wahrlich nicht zum Bessern. Wir durchleben eine Periode der schwersten politischen und wirtschaftlichen Krise und die Dinge sind leider Gottes so weit gediehen, daß — ohne den Teufel an die Wand malen zu wollen — die staatsbürgerlichen Rechte und die wirtschaftliche Basis der österreichischen Judenheit ernstlich bedroht sind. Hakenkreuz und Hahnenschwanz ringen um die Macht und werden trotz ihrer hirnverbrannten Ideen von der allgemeinen Not und der überhandnehmenden allgemeinen Unzufriedenheit sehr wesent- SilberschUsseln Silberkannen Neue Formen aus eigener Werkstatt Entwürfe berühmter Künstler Oesierreiclier Juweliere und Silberschmiede I., Wipplingerstraße Nr. 29 lieh begünstigt. Es ist so weit gekommen, daß Elemente, die bis vor kurzem noch niemand ernst nehmen konnte, ihre Hände nach der Macht im Staate ausstrecken dürfen, ohne vom Fluche der Lächerlichkeit hinweggefegt zu werden. Wir sind wohl voll und ganz überzeugt, daß es sich hier um eine Verirrung der Geister handelt, die nicht lange anhalten dürfte, wir sind dessen gewiß, daß die Ernüchterung nicht lange ausbleiben werde. Aber momentan stehen wir überaus ernsten Erscheinungen gegenüber, die keineswegs unterschätzt werden dürfen. In einer solchen ernsten Perlode erleben wir die groteske Erscheinung, daß die jüdische Parteipresse in Oesterreich trotz des Ernstes der Zeit ihre parteimäßige Einstellung und ihre Phraseologie nicht aufgeben will oder kann. Zuweilen direkt wider besseres Wissen finden sich Stellungnahmen zu den aktuellen Lebensfragen der österreichischen Judenheit, die geradezu Kopfschütteln erregen müssen. Einzig und allein die „Wahrheit" wandelt ihres Weges, ohne durch Parteidogmatik an der Erfüllung ihrer Aufgaben behindert zu werden; einzig und allein unser Blatt tritt als Verfechterin der allgemeinen jüdischen Interessen auf, unbeschadet unserer sonstigen Weltanschauung und unserer ideellen Einstellung. Wir verleugnen unser Programm keineswegs, wir halten an unseren Grundsätzen fest — aber wir sind der Ansicht, daß die gegenwärtige ernste Zeit es gebieterisch erheischt, alle theoretischen Kontroversen zurückzustellen und alle Kräfte zur Verteidigung der Lebensinteressen der österreichischen Judenheit zu konzentrieren. Ohne Selbstlob und Ruhmredigkeit dürfen wir die Feststellung machen, daß die „Wahrheit'1 als Sprachrohr der „Union österreichischer Juden" in diesem Kampfe führend ist und daß dieser Kampf nicht ganz fruchtlos bleibt. Unser Blatt hat gerade in der letzten Zeit an Ansehen und Bedeutung gewonnen und alle maßgebenden Faktoren rechnen mit unserer Stellungnahme. Die österreichische Judenheit besitzt zur Zeit in f. Mitglieder und Freunde der „Union" Oberlraaen Lebens- und Qemenfar- 1_Verslcnernngen der städtischen versifficrungsansfalt

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