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Die Wahrheit · 1931-12-11 · Heft 50 (11.12.1931) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 50 (11.12.1931)
Date
1931-12-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis dieser Nummer 50 Groseben Jüdische Die tÜahrlieit Erscheint jeden Freitag mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden" und den Amtlichen Verlautbarungen der Israelitischen Kultusgememde Wien Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 13 — Telephon R 46-2-16 — Postsparkassenkonto Wien: A 100.918 XLVII. Jahrgang Wien, 11. Dezember 1931 Nummer 50 Der antisemitische Hochschulterror als gesamtjüdisches Problem. Nun wissen wir es genau: Die neue „Studentenordnung" soll nichts anderes als ein Wegbereiter für den Numerus clausus sein. Die darin gelegene Behinderung der jüdischen Hörer wäre unter normalen Verhältnissen geeignet, einen Fluch in einen Segen zu verwandeln. Denn es würde sich herausstellen, daß die gefürchtete jüdische Ueberlegenheit, statt unterbunden zu werden, erst recht gefördert wird, wenn die christlichen Studenten physisch und geistig im engen Horizont der Heimat haften bleiben, während ihre jüdischen Kollegen auf der ihnen aufgenötigten Wanderfahrt die Bildungsfrüchte der verschiedensten Kulturpflegestätten ernten. Aber leider sind, die Verhältnisse nicht normal. Nicht nur konfessionelle und rassenpolitische Motive sind es, die hinter den Forderungen der Hakenkreuzler stehen, sondern auch soziologische Probleme. Soziale Uebelstände aber können nicht durch Moralsprüchlein, sondern nur durch soziale Gegenmaßregeln überwunden werden. Diese Tatsache macht die Bekämpfung der schädlichen Auswirkungen des Hochschulantisemitismus zu einer Aufgabe der Gesamtjudenschaft, weil sie von den Juden eines Staates nicht zu lösen ist. Denn diese Aufgabe besteht darin, den jungen Juden von echtem Wissensdurst und Bildungseifer, deren Zuführung in minder geistige Berufe eine menschlichen Kulturgemeinschaft das ihnen im eigenen Lande erschwerte Studium in der Fremde zu möglichen. Auf dem Zionistenkongreß wurde die Forderung verfochten, daß die von ihren heimischen Hochschulen verdrängte jüdische Jugend die Möglichkeit, akademische Grade zu erlangen, an der hebräischen Universität zu Jerusa- 1 e m finden müsse. Es wurde auch eine dahin gehende Entschließung angenommen, die aber den höchst unsachlichen Zusatz erhielt, die hebräische Universität müsse vor allem den „nationalen Geist" der jüdischen Jugend pflegen. Auf diese Art ist anstatt praktischer Abwehr des Antisemitismus dessen moralische Rechtfertigung erfolgt. Denn es ist naturgemäß nur Wasser auf die Mühlen der Unduldsamkeit, die die jüdische Jugend von gewissen Hochschulen vertreibt, wenn die jüdische Jugend dort, wo sie dominiert, von demselben „Geist" — besser Ungeist — erfüllt werden soll, den sie dort, wo sie in der Minderheit ist, bekämpft. Dieser Kampf wird gewöhnlich im heiligen Namen der Lehr- und Lernfreiheit geführt, also eines Prinzips, das dem nationalen Chauvinismus entgegengesetzt ist. Aber auch ohne den Unsinn, der in Basel begangen worden ist, — es ist unsinnig, den Antisemitismus bekämpfen und gleichzeitig nachäffen Schädigung der bedeuten würde, verwehrte oder e rzu wollen, — ist es sehr fraglich, ob der Ausbau der Jerusalemer Universität r.u einer normalen Hochschule die jüdische Jugend vor jenen Schäden bewahren könnte, die ihr der Numerus clausus in Europa und Amerika verursacht. Denn der Zionismus will vor allem ein jüdisches Palästina aufbauen. Es stünde im Gegensatz zu seiner natürlichen Bestimmung, wollte er junge Leute ins Heilige Land locken, um sie nach einer dort genossenen Ausbildung wieder in alle Welt ziehen zu lassen. Was aber sollen die absolvierten Hörer der Jerusalemer Universität und des Polytechnikums zu Haifa in dem kleinen Lande beginnen? Wenn Palästina wirklich einmal einen jüdischen Zukunftstraum erfüllen wird — als „Gelehrtenrepublik" wird es das ganz bestimmt nicht. Die Anhäufung und Zusammendrängung von Akademikern auf einem verhältnismäßig so kleinen Territorium müßte die in Europa befürchtete Züchtung eines geistigen Proletariats ins entsetzlichste Ausmaß steigern. BANDAGEN ALLER ART OUMMISTROMPFE, Gammilose Krampfadernstrümpfe, 0UMM1WAREN, Gummischuhe, Watte, Verbandstoffe, Orthopäd. Baachbinden, Umstandsbinden, Mieder nach Operation, Schlüpfer, Basenhalter, Brachbänder mit und ohne Feder, Mieder, Monatsbinden, Baby-Waagen, Plattfußeinlagen. Alle Artikel zur Oesnndhetts-, Krankcnand Kinderpflege. 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Das muß auch den Anhängern der auf dem Zionistenkongreß angenommenen Hochschul-Resolution entgegengehalten werden. Es wäre überhaupt Räson, eine Zusammenballung jüdischer Studenten an einzelnen Hochschulen, diese seien in welchem Lande immer, tun- SKI-SCHUHE, prlM Waterproof<tfVs* B" $diafwolIoden$hiIiose.QTjL.a und Herren in allen Qrößen, S IB.K Lumberjack, wasserdichter Zeltstoff mit Zippverschluß, S 2.SO Ski.Walk-Socken, S JB.— Ski-Walk* Fäustling. nur bei I., w 7.90ShiH(Mieiienid€Dt Sportvatter Oft lipplIngtrilraB« Nr. 4m\0 liehst zu vermeiden. Noch mehr gilt dies von den erfolgreichen Absolventen der Hochschulen. Es gibt auf Erden noch viele, weit ausgedehnte Strecken geringer Zivilisation, wo der Arzt, der Techniker und in weiterer Folge jeder Kulturpionier noch gesucht wird, während heute die Masse der Akademiker in trägem Beharrungsvermögen dichtgepfercht in überkultivierten Ländern kleben bleibt, wo sie sich gegenseitig Luft und Brot wegnehmen. Heimatliebe in allen Ehren! Aber auch die alten Griechen und Römer waren gute Patrioten und haben doch niemals gezaudert, ihre .Jugend in Kolonien fern der Heimat anzusiedeln, sobald der Bevölkerungsüberschuß zuhause den Lebenskampf der Einheimischen erschwerte. Das jüdische Hochschulproblem der Gegenwart besteht also meines Erachtens weniger in der Abwehr ungerechter oder wenigstens gegen uns Juden sich ungerecht auswirkender Folgeerscheinungen soziologischer Krisen als vielmehr in der klugen Anpassung an die Erfordernisse unserer krisenhaften Zeit Dr. Hugo Spiegier. Nachwort der Redaktion: Der Verfasser spricht in seinem Aufsatze selbst davon, daß die gegenwärtigen Verhältnisse ganz abnormale sind. Unter dieser Abnormahtät leidet vor allem die jüdische Studentenschaft, der es schon aus wirtschaftlichen Gründen ganz unmöglich ist, dem antisemitischen Hochschulterror dadurch ein Paroli zu bieten, daß sie die heimischen Stätten des Geistes, die jetzt leider oft genug Stätten des Ungeistes sind, verläßt und in freundlicherer Ferne ihr akademisches Glück versucht. So richtig die Erwägungen des Autors über die gesamtjüdische Verpflichtung gegenüber dem studentischen Antisemitismus also auch sein mögen, so besteht doch für die österreichische Judenschaft die vornehmlichste Pflicht heute darin, ihren Söhnen und Töchtern in dem ihnen aufgenötigten schweren Kampf um Recht und Gerechtigkeit an den heimischen Hochschulen treu zur Seite zu stehen. Denn es handelt sich im Wesen nicht um eine studentische, sondern um eine alljüdische Angelegenheit. Mitglieder nnd Freunde der „Union' ODertraeen Lebens- und FJemenfar- Versidiernnöen der Stadflsdien Versidiernnasansialt

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