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Die Wahrheit · 1931-12-04 · Heft 49 (4.12.1931) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 49 (4.12.1931)
Date
1931-12-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 DHE WAHRHEIT Die Lage in Polen. Die antisemitische UoraheweUe in Polen ist abge. ebbt Die Stimmung ist aber in den Hauptstädten wie in der Provinz infolge der systematisch geführten antisemitischen Boykott-Agitation eine sehr «ernannte. Die Wiedereröffnung der Hochschulen hat sich im allgemeinen in Ruhe vollzogen. Die nationaldemokratischen Studenten besetzten sowohl die ersten Bänke.'auf die die Vorzugsstudenten. darunter viele jüdische, ein Recht haben: auch besetzten sie in allen Hörsälen die Bänke auf der rechten Seite und überließen den Juden die linksseitigen Bänke, um sie als Kommunisten zu stigmatisieren. Die nationaldemokratisch-akademischen Vereine ganz Polens erklären in einem Aufruf, sie seien vom Faustkampf zum gesellschaftlich-wirtschaftlichen Kampf übergegangen, um das gesamte öffentliche und wirtschaftliche Leben Polens judenrein zu machen. Die fortschrittlichen Studentenvereine und die auf der Seite der Regierung stehende -Junge Legion" bereiten eine Aktion zur Bekämpfung der das Vaterland schädigenden nationaldemokratischen Bewegung vor. Mally Picon als Mamale. Nach mehrjähriger Abwesenheit ist Mally P ic o n wieder auf kurze Zeit nach Wien gekommen, wo ihre Karriere — in der Rolandbühne als „Jankele" — begonnen hatte. Schon das Stück, das sie sich aus Amerika mitbrachte und im Wiener Bürgertheater gegeben wird, bringt eine angenehme Ueberraschung, es weicht merklich von der Schablone jener Aufführungen ab, die man sonst bei jüdischen Ensemblegastspielen zu sehen bekommt Mally Picon spielt ein kleines Aschenbrödel, das nach dem Tode der Mutter nicht nur den Haushalt der ganzen Familie zu bestellen hat, sondern sich auch noch nebstbei wie eine Mutter um all die kleinen Sorgen des Vaters und der Geschwister kümmern muß. Und die sind nicht gering. Da ist der Vater, der in seinem Faulenzen auch bei Tag nicht gestört werden will, der ältere Bruder, für den sie als kaum Fünfzehnjährige schon den Schadehen spielen muß, die männersüchtige und die leichtfertige Schwester (von den Damen Glücksmann und Smilovici ausgezeichnet dargestellt) und schließlich der kleine Bruder, ein AI Caponikerl, wie sie ihn selbst nennt, der einem entzückenden und äußerst begabten Theaterkind Tanja Sczekacz Gelegenheit gibt, sich auszuzeichnen. Aber das Stück und die gute Darstellung, in der in einer groteskkomischen Rolle Josef Fleisch mann und der vornehme Charakterdarsteller K ä 1 i s c h auffällt, auch die gleich ins Ohr gehende, auf jüdische Weisen zurückgreifende Schlagermusik Ellmanns und die auf Volkston Bedacht nehmende Regie Direktor Kälisch' müssen zurücktreten hinter dem Spiel der Picon. Nur einer ganz großen Künstlerin ist es gegönnt, ein kritisches und verwöhntes Premierenpublikum fast zu gleicher Zeit zum Weinen und Lachen zu bringen. Wenn sie in ihrer unnachahmlichen Weise das Hohelied der jüdischen Melodie singt und in Tanz und Gesang kontrastierend mit russischer Volksmusik, Jimmy und Walzer den tiefen Gehalt des jüdischen Klageliedes Oj, Oj, o jo jo jo joi... beweist, wenn sie im Lied erzählt, daß alles, was für ihre Mutter gut war, auch für sie gut sein müsse, da bleibt kein Auge trocken; und gleich darauf bringt sie mit einer fabelhaften Chaplin-Kopie das ganze Haus zum Lachen. Mally Picon wurde in den Kritiken der Wiener Tageszeitungen mit verschiedenen Künstlerinnen verglichen, mit der Niese, mit der sie die Herzlichkeit teilt, mit der Werbezirk ob ihres sprudelnden Humors, mit der Kartousch wegen ihres Temperaments und der Bergner wegen des Spiels ihrer großen klugen Kinderaugen. Sie scheint noch mehr zu sein; sie ist die Picon. E. H. Gemeinde - "Chronik Jüdische Kunstgegenstände. Der Vorstand des Vereines „Krügerheim" bemüht sich fortwährend, gediegene jüdische Arbeit der großen Oeffentlichkeit vorzuführen. So hat die Vorstandsdame Paula Pappenheim seit voriger Woche in den Räumen des Heims in anerkennenswerter Weise nur von jüdischen Arbeitern und jüdischen Arbeiterinnen hergestellte kunstgewerbliche Arbeiten untergebracht Wir lenken die Aufmerksamkeit der breiten Oeffentlichkeit auf die besonders kunstvoll in Miniature hergestellte Menorah, sowie auch auf andere dort ausgestellte wunderschöne Gegenstände, die zu den Herstellungskosten täglich .von 10 bis 12 Uhr abgegeben werden. Gründung eines jüdischen WohltätigkeHsvereines für die Bezirksteile Kagran, Stadlau und Aspern. In Floridsdorf beeinflussen das jüdischsoziale Leben ganz besonders, die im Bezirke seit mehr als einem halben Jahrhundert bestehenden Vereine „Ghewra Kadischa — Floridsdorf" und der „Israelitische Frauen verein Floridsdorf" wie auch der vor fast 25 Jahren von Rabbiher Dr. Rosenmann und einer Anzahl Glaubensgenossen ins Leben gerufene Verein „Chaunen Dol". Seit vielen Jahren bringen diese drei Vereine jährlich mehr als 7000 Schilling zur Unterstützung von Armen und Bedürftigen des Bezirkes und teilweise auch für durchreisende Arme auf. Die neugegründete Bezirkskommission der israelitischen Fürsorgezentrale für den 21. Bezirk unter dem Obmann Herrn Gabriel Dukes ist auch für diese Zwecke segensreich tätig; so hat Floridsdorf bei der im Frühsommer 1931 durchgeführten Sammelaktion sich mit einem ansehnlichen Betrage fast an die Spitze aller Wiener Bezirke gestellt. Für die in den Bezirksteilen Kagran, Stadlau und Aspern ansässigen Glaubensgenossen, die zu weit vom Floridsdorfer jüdischen Leben entfernt sind, wurde nun auf Intervention des Herrn Rabbiner Dr. Rosenmann im Sitzungssaal, Wien XXL, Holzmeistergasse 12, am 24. v. M. unter Vorsitz des Herrn Gabriel Dukes eine Versammlung veranstaltet, die sehr zahlreich besucht war. Rabbiner Dr. Rosenmann hielt einen gedankenreichen Vortrag über das Thema: „Der jüdische Idealismus und die gegenwärtige Lage", der mit großem Beifall aufgenommen wurde und mit dem Appell schloß, für die ^angeführen drei Bezirksteile ■ fek Die glückliche Geburt eines gesunden Töchterchens zeihocherfreut an Dr. Fritz u. Grete Seifter Bielitz, Polnlsch-Schlesien eine Vereinigung zu schaffen, die den dortigen armen und bedürftigen Glaubensgenossen eine Stütze werden soll. Es entwickelte sich eine lebhafte Debatte, an der sich Herr Gabriel Dukes, Ad. Sobel, Medizin.alVat Dr.lRuß, Dr. Ticho, Hugo Deutsch, Emil Fanto, besonders aber Alfred Lö wy und Marcus Rottstein beteiligten. Herr Emil Engel, Amtsvorstand der Fürsorge-Zentrale, hielt ein sehr erschöpfendes Referat über die Winterhilfe-Aktion, das mit großem Beifalle aufgenommen wurde. Die Gründung eines Wohltätigkeitsvereines für die Bezirksteile Kagran, Stadlau und Aspern wurde hierauf beschlossen und Frau Fabrikantin Leop. M a y e r als Ehre n.m i t g 1 i e d und die Herren Alfred Löwy und Markus Rottstein bestimmt, diesen Verein ins Leben zu rufen. Glaubensgenossen aus diesen Bezirksteilen, die sich dieser Neugründung anschließen wollen, mögen ihre Adressen diesen beiden Herren bekanntgeben. , Emil Fanto. "h Trauung. Sonntag, den 29. v. M., fand im Turner-Tempel die Trauung des Fräulein Grete Schulz, Tochter des Herrn und Frau Emanuel Schulz, mit dem Leiter des Hotels Exzelsior in Pistyan, Herrn Alexander Just, statt. Der große Tempel konnte kaum die ungeheure Schar der Erschienenen fassen, so sehr drängte es die vielen Freunde und Verehrer der in weitesten Kreisen beliebten und geschätzten Familie Schulz, Zeugen des freudigen Ereignisses dieses Hauses zu sein. Die hervorragende Betätigung des Brautvaters im Vorstande des Tempelvereines „Emunas Awes" und die soziale Wirksamkeit seiner Gattin als Präsidentin der Frauensektion dieses Vereines boten auch vielen jüdischen Körperschaften willkommenen Anlaß zu inniger Anteilnahme. Unter anderem waren erschienen der Vizepräsident der Kultüsgemeinde, Herr Dr. J. 0 r n s t e i n, wie auch Kultusvorsteher Komm.-Rat Albers, der Bethausvorstand sowie die Bezirkskommission für die Bezirke XII bis XV, der Gesamtvorstand des Tempelvereines „Emunas Awes" mit Obmann Emanuel W e i ß an der Spitze, eine starke Abordnung der „Union österreichischer Juden" sowie der Jugendgruppe dieser Vereinigung, deren erste Vizepräsidentin Fräulein Grete Schulz seinerzeit gewesen ist zahlreiche Vertreter von Tempel- und Humanitätsvereinen u. v. a. Rabbiner Dr. I. Taglicht richtete an das Brautpaar eine gedankenriefe Ansprache, in der er zunächst das hinge- — ~ : : ~k GROSSFLEISCHHAUEREI IIIGM, KORNMEHL tMaBinaaBaHHnaaawBMiaHMMBa WIEN IX., BERGGASSE MR. 19 FILIALE i XVIII., U/ttHRINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16*34 ' Uafarant für Hallanmtalton Abteilungemnr Koscherfleisch unter Aufsicht des ehrar. Rabbinatea Amr Isp. Kultnageincinde Wien. - Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen bungsvolle Wirken der Brauteltern lobend charakterisierte. Das Haus, das das junge Paar nun zu gründen sich anschicke, möge sich' gleicher Achtung wie das Elternhaus erfreuen, dem man allseits so große Sympathien entgegenbringe. Die kantorale Funktion versah erster Kantor Leo. Funke in ganz hervorragender Weise. Brauteltern und Brautpaar waren Gegenstand herzlichster Gratulationen, denen auch in mehreren Ansprachen Ausdruck verliehen wurde, die bei dem anschließenden Festbankett im Hotel de France gehalten wurden, zu welchem sich Freunde^ und Verwandte der Familien wie auch Vertreter jüdischer Vereinigungen, so der Gesamtvorstand des Tempelvereines „Emunas Awes", eingefunden hatten. Herzliche Ansprachen hielten u. a. Rabbiner Weiß, Obmann Emanuel Weiß und Sekretär Oskar Hirschfeld als Obmann der Jugend-Union, die alle dem Brautpaare recht viel Glück für die fernere Zukunft wünschten. 60. Geburtstag. Der emeritierte Assistent der Wiener Poliklinik, Dr. Julius F1 e s c h, der Begründer der Seminarfortbildung des Wiener medizinischen Doktorenkollegiums, feierte am 1. Dezember seinen 60. Geburtstag. Todesfälle. Am 28. v. M. ist im. seiner Wohnung im Döbling der Seniorcbef der Firma Schenker & Co.. Herr Emil Karpeles-Schenker. nach längerem Leiden im 63. Lebensjahre gestorben. Mit ihm ist. ein Repräsentant der besten Wiener Gesellschaft dahingegangen. Der Mann,, der .inii.', .einer, unerhörten.. prga?r nisätörischen Begabung,' dem Takt und 'dem' Auftreten! eines Diplomaten und dem Konzept eines Wirtschäfts-. Strategen der Firma Schenker durch 40jährige uner^ müdliche Arbeit zu jenem internationalen Weltruf verholfen hat, den sie heute besitzt, ist der Sohn des Mitbegründers der Firma Schenker & Co., Moritz Karpeles,. Emil Karpeles bewies schon als junger Mann eine, hervorragende organisatorische Begabung, und er war es, der besonders die Beziehungen der Firma zum Ausland nach einem genialen Konzept herstellte und so einweitverzweigtes Netz von Geschäftsverbindungen schuf, die dieser Firma ihre eigentliche Bedeutung gaben. Emli Karpeles war der Typus des Kaufmannes, der mit Leib und Seele an seiner Wirklichkeit gewordenen Idee, der Firma, hing, der alles dieser Firma opferte, seine Zeit seine Gesundheit und der Titel und Auszeichnungen ausschlug, um nur der Firma zu leben. Im Privatleben hattet sich Emil Karpeles durch sein weltmännisches und vornehm menschliches Auftreten einen großen Kreis von- Freunden erworben, die sein Hinscheiden aufrichtig bedauern. Emil Karpeles hat in" seiner zurückhaltenden, stillen Weise auch auf humanitärem Gebiete hervorragend gewirkt. — Das Mitglied der ..Union österreichischer Juden", der bekannte Kaufmann Herr Josef Beer. Wien IX... hat einen schweren Verlust erlitten. Sein hoffnungsvoller Sohn. Paul Beer, ist am 27. Oktober in Madras im jugendlichen Alter von bloß 31 Jahren gestorben. Das Leben eines ungewöhnlichen Menschen hat fern der Heimat ein unerwartetes Ende gefunden. Seine Freundebetrauern in ihm einen der Friedensidee hingebungsvoll! ergebenen, selbstlosen und hochbegabten Menschen- Ganz jung noch schrieb er das seltsame Drama „A". eins vom Kampfgeist für den Frieden erfülltes Stück, das ihm die Feindschaft der Kriegshetzer eintrug. Später trat, er eine Reise in den Orient an: nach mehrjährigem Aufenthalt in Aegypten, in Abessinien und im Sudan zog ihn die indische Unabbängigkeitsbewegung in ihren: Bann. In unermüdlicher Selbstbildung hatte er sich umfassende Sprachkenntnisse angeeignet und. im indischen; Viertel von Bombay und Madras unter den Hindus lebend, sich mit den indischen Verhältnissen so vertraut gemacht, daß Ghandi ihm eine Unterredung gewährte und ihm auch zu einer Zeichnung saß. die die hervorragenden zeichnerischen Fähigkeiten Paul Beers, der auch ein ausgezeichneter Reiseschriftsteller war. erkennen ließ. Kurz vor Antritt seiner Weiterreise nach Singapore ist Paul Beer einem tückischen Nervenleidenerlegen. , Adas Jisroel (Schiffschul). Wien II.. Große Schiffgasse 8. Anläßlich, der Jahrzeit nach dem seligen Rabbiner Sal. Spitzer wird Sr. Ehrw. S. Fürst* Rabbiner der Adas Jisroel, im Beth Hamidrasch Sonntag, den 2. Tag Chanukka (6. Dezember um K4 Uhr nachmittags) eine Deraschat halten. Thema: Traktat Synhedrion 12 a. Im Bethausverein Montefktre. H. Taborsrraße. hält Rabbiner M. Rothschild Samstag, den 5. d. M.» vormittags, eine Predigt.

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