Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 48 (27.11.1931)
- Date
- 1931-11-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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ÜIE WAHRflErf Seite IflyMMUAAl Jddlsdi Deftrdlsdie Dadffiaiidiiing L. D. HIRSCHLER & Co., Wien I.. Rabensteig 6 empfiehlt sein reichhaltiges Lager von Ctianukaü - Leudiiern Chanuhah öesdienhen tür Jung und Alt Seiden-, u. Woll-Taiessim, GebefbOdier, Mesusoth, Telinm. Goldsudferelen, JanrzelisiaDeilen. (Dirigent Reisenmann) überhaupt lobend anerkannt sei, das Ma Tauwu in prächtiger Weise. Die Ansprache des Herrn Rabbiner Dr. Murraeist ein stand auf ganz exzeptioneller Höhe; er entwickelte glänzend den Gedanken des jüdischen Gotteshauses als Heimstätte der sittlich-religiösen Ideale des jüdischen Volkes, die Jahrtausende in stets gleichbleibender Beständigkeit überdauert haben. Der Brigittenauer Tempel im besonderen dient der Verherrlichung Gottes in einem Bezirke, dessen Bewohner mit Glücksgütern nicht allzu sehr gesegnet sind, und seine Errichtung und Erhaltung in diesen schweren Zeiten ist eine Arbeit, für die den opferbereiten Lenkern dieser Gemeinde Dank und Anerkennung gebührt. Der Festgottesdienst erhielt seine besondere Weihe durch die Mitwirkung des Brünner Oberkantors I. Mann, der nach Vortrag des Maariw-Gebetes verschiedene kantorale Gesänge (Rezeh von Gottschall, Kodausch attoh, Adaun Aulom) zu Gehör brachte. Oberkantor I. Mann ist in unserer Stadt kein Unbekannter, seine prachtvolle starke Stimme wurde schon oft bewundert. Diesmal aber brachte er seine .begeisterten Zuhörer zu wahrem Entzücken, denn selbst in Wien, der Stadt des kantoralen Meistergesanges, werden solche Höchstleistungen nicht allzu oft gehört. Oberkantor Landerer hatte nach Oberkantor Mann sicherlich einen schweren Stand; es beweist die Gediegenheit seines Könnens, daß er mit seiner weichen, melodiösen Stimme bei seinen kantoralen Vorträgen (Psalm: Mismaur schir chanukath, Rezeh wesecheseno von Schloßberg!) sich ausgezeichnet durchzusetzen vermochte und ebenfalls sehr gefiel. Mit abermaligen musikalischen Darbietungen schloß die erhebende Feier, die allen Teilnehmern in schöner, angenehmer Erinnerung bleiben wird. Adas JisroeL Die für den 1. d. M. im Tumsaale der Talmud Thora einberufene Generalversammlung wurde vom Obmanne, Kommerzialrat Siegmund Bondi geleitet. In seiner Begrüßungsansprache gab der Vorsitzende seiner Freude darüber Ausdruck, daß die Generalversammlung so ungewöhnlich zahlreich besucht sei. Es waren an 200 Mitglieder erschienen. Der Vorsitzende begrüßte die als Gäste erschienenen Vertreter der verschiedenen Vereine und den Vertreter der Kultusgemeinde, Herrn E. Hof mann, und widmete hierauf den seüt der letzten Generalversammlung verstorbenen Mitgliedern Josef Blau, Max Roth. Heinrich Kohn, Nathan Pisk und Norbert Diamant ehrende Nachrufe, welche die Versammlung stehend anhörte. In der sodann vorgenommenen Wahl wurde Herr Wolf Pappenh«im nahezu einstimmig gewählt; über wiegende Mehrheit erhielten die Herren: Leopold R i c h t e rs Kommerzialrat Moriz L e i t n e r, Nathan Schiff, Sandor Adler. Joachim Wosner. Josef Herzog, Jakob Fuchs und Josef Schick, die für 6 Jahre, und Herr David Breuer, der für 3 Jahre gewählt wurde. Zu Revisoren wurden gewählt die Herren Geza Braun, Siegmund Figdor und Artur S p u t z. — Am 17. d M. fand die konstituierende Sitzung des Vorstandes statt. Es wurde zum Obmanne Herr Kommerzialrat Bondi, zum 1. Obmannstellvertreter Herr Medizinalrat Dr. Reiniger, zum II. Obmannstellvertreter Herr Wolf Pappenheim, zum Schriftführer Herr Kommerzalrat Moriz Leitner, zum Kassaverwalter Herr Leopold Richter gewählt. Zur Ergänzung der Vereinsleitung wurden die Herren Michael Sternfeld und Joachim Wosner berufen. Trauung. Sonntag, den 29. d. M., findet um 3 Uhr nachmittags, im Tempel XV., Turnergasse 22, die Trauung des Fräuleins Grete Schulz, Tochter des Ehepaares E m a n u e 1 Schulz, mit Herrn Alexander Just statt. Vortrag. Im großen Saale des Krüger- Heims hält Herr Dr. Leo Deutschländer am 28. d. M., um 6 Uhr abends, einen Vortrag „An der Schwelle des Goethe-Jahres, beleuchtet vom Standpunkt des Judentums." Gäste herzlichst willkommen. Verein für jüdische Geschichte und Literatur In Wien. Montag, den 30. d. M., *8 Uhr abends, im Klubsaale der „Hakoah", I., Wiesingerstraße II (Cafe Atlashof. eigener Eingang, Souterrain), Vortrag des Herrn Rabbiner Prof. Dr. J. Drobinsky: „Aus dem inneren Leben der Juden im 16. Jahrhundert." Eintritt frei. Gäste willkommen. Fünfzigjähriges Jubiläum der Kinderireunde XVI. und XVII. Bezirk. Als Abschluß des Jubiläumsjahres veranstaltet der Vorstand des Vereines der Kinderfreunde zur Bekleidung armer israelitischer Schulkinder für den 16. und 17. Bezirk in Wien, XVI., Hubergasse 8, am 6. Dezember — Chanuka — um alt5 Uhr nachmittags im Gotteshause, XVI., Hubergasse 8, einen Festgottesdienst, bei dem das Ehrenmitglied des Vereines, Herr Rabb. Professor Dr. Julius Max Bach die Festpredigt halten wird. Hierzu ergeht erneut die höflichste Einladung. — Seit seinem Bestand hat der Verein mehr als 10.000 der ärmsten Schulkinder vollständig mit warmen Winterkleidern, Schuhen und Wäsche ausgerüstet und so ist er bis zum heutigen Tage seiner Devise: „In Ottakring-Hernals darf es kein frierendes jüdisches Schulkind geben" treu geblieben. Für die diesjährige am 29. November stattfindende Beteilung sind 150 Schulkinder bereits angemeldet. Der Ansturm ist diesmal besonders groß — eine Folgeerscheinung der schrecklichen Not — und noch immer pochen Bittsteller an unserer Tür, denen wir gerne helfen möchten. Leider reichen unsere Geldmittel hierzu nicht aus, wir haben alles verausgabt, unsere Kassen sind leer. Darum wenden wir uns an alle Kinderireunde mit der inständigen Bitte, uns in unseren humanitären Bestrebungen durch Ueberweisung von Spen- den unterstützen zu wollen. Jede, selbst die geringste Spende ist uns willkommen, denn sie fördert den heiligen Zweck. Hilfe für hungernde Notleidende. Aus Anlaß des 10jährigen Gründungsfestes des Vereines „Ohel Rachel" zur unentgeltlichen Ausspeisung jüdischer Notleidender veranstaltet der Verein am Samstag, den 28. <t M-, 8 Uhr abends, im Saale des Hotel Continental Wien IL Taborstraße, eine Künstlerakademie unter Mitwirkung prominenter Künstler. Anschließend Tanz. Musik besorgt die berühmte Jazz-Band „The-Winapte-Band". Das Remerträgnis wird zur Gänze der Ausspeisung hungernder arbeitsloser Faimflien, Waisenkinder und Greise zugeführt. Eintrittspreis S 2.50. Um zahlreichen Besuch wird gebeten. Der humanitäre Verein „Kurfürsorge". Unterstützung armer kurbedürftiger Lungenkranker, II., Große Stadtgutgasse 7, Telephon R 45-3-43. veranstaltet seine diesjährige Festakademie mit Tanz am Samstag, den 12. Dezember 1931, präzise J49 Uhr abends, im Kursalon Stadtpark. Die künstlerische Leitung (Regisseur Kramer-Königsmark) verbürgt durch die auserwählten Namen der Mitwirkenden einen Abend wahrhaft künstlerischen Genusses und bei den wirtschaftlichen Verhältnissen doppelt wohltuender Unterhaltung. Es werden anftreten: Richard Eybner, Reg. Viktor Flemming, Walter Huber, Louise Kartousch. Kammersänger Josef Kalenberg. Reg. Herbert Kramer, Hilde Loewe, Emmerich Reimers, Konzertsänger Dr. Marcel Rottwin. Josefine Stransky, Philipp Zeska. Tanzmusik: Original Happy Syncopators (Fritz Lustig). Tanzarrangement und Ueberraschungen unter der bewährten Leitung des Herrn Pepi Feigl. Herren: Abendkleidung. Damen: Balltoilette. Karten im Vorverkauf beim Obmann Me<L-Rat Dr. I. L. Braun, IL, Große Stadtgutgasse 7, Telephon R 45-3-43; bei der Präsidentin Frau Med.-Rat Dr. Regine Kris, III., Radetzkystraße 27. Telephon A 38-4-96 und beim Kassier 5. W e c h s 1 c r, II., Josefinengasse 4, Telephon R 41-7-79. ttkanuba-Peiem Der Leopoldstädter Tempelverein Aeschel Awrohom (IL, Pazmanitengasse 6, Tel. R 47-8-63) veranstaltet unter dem Protektorate Sr. Ehrw. Rabbiner Dr. Zwi Taubes, des Obmannes Oskar Schramek und der Frau Bundesstaatlichen Fürsorgerat Ottilie Politzer am Sonntag, den 6. Dezember präzise HS Uhr abends im Tempel eine Chanuka-Feier, deren Reinerträgnis der Bekleidung armer Kinder der Bibelschule dieses Tempelvereines dienen soll. Bei der Feier wird Rabbiner Dr. Z. T a u b e s die Festrede halten und Oberkantor J. M ü 11 e r unter Mitwirkung eines verstärkten Chores die kantorale Funktion versehen. Das Komitee wendet sich auch auf diesem Wege an die breiteste Oeffentlichkeit mit der gleichen Bitte, denn es gilt, armen jüdischen Kindern in der Not des bevorstehenden harten Winters zu helfen. Karten sind im Sekretariate des Tempelvereins — Der Bethausvorstand für den 18. Bezirk veranstaltet wie alljährlich auch heuer für die Jugend seines Bezirkes einen feierlichen Gottesdienst, der Samstag^ den 5. Dezember d. J., um %5 Uhr nachmittags, stattfinden wird. Die Festpredigt hält Se. Ehrwürden Rabbiner Dr. David Feuchtwang. Der normale Jugendgottesdienst entfällt an diesem Tage. — Am Sonntag, den 6. Dezember, 'A5 Uhr abends, findet im israelitischen Bethaus, III.. Erdbergerstraße 15, die Chanukafeier der „Talmud Thora" statt Jüdischer Bet- und Unterstützungsverein Tomehe] Jeschurun Zwischenbrücken. Donnerstag, den 10. Dezember, %& Uhr abends, findet im Bethauslokaie Allerheiligengasse 1, ein Chanukka-Abend statt, bei dem Herr Rabb. Dr. Zwi Taubes die Festrede hält. Gäste herzlich willkommen. nochzeifs-Gesriienke BM-Krlstatt* und Überfama-6fas, Bier-, Wein- und Likörservice, Jourgarn., Toilettgarn., Schüssel. Teller, Dosen, Vasen, Jardlniere, Körbchen. Obstwascher. 1 Kuchen und 1 Kompottgarnitur zusammen und An rteres in großer Auswahl kaufenSie gut und billig bei QOnrRiCD. II .Taöorstr. O Telephon ß~ t Tlmtlidjz VerfäutÖarungen der Jsraefitisdjen Xuftusgemeinöe Wien Zur Frage der Einäscherung jüdischer Leichen. Durch Mitteilungen, die aus dem Kreise der Gemeindemitglieder dem Präsidium der Israelitischen Kultusgemeinde zugekommen sind und aus einer Veröffentlichung in der „Jüdischen Presse" mußte das Präsidium die Wahrnehmung machen, daß über die Haltung, welche das ehrwürdige Rabbinat der israelitischen Kultusgememde und der Kultusvorstand in der Frage der Funktionen bei jüdischen Leichen, welche zur Einäscherung bestimmt sind, einnehmen, vollständig unrichtige und jeder Grundlage entbehrende Nachrichten verbreitet werden. Es ist völlig aus der Luft gegriffen, daß auf Grund eines Gutachtens des Rabbinates vom Vorstande die religiöse Weihe bei Leichenverbrennungen bewilligt worden sei und es ist vollkommen unrichtig, daß den Funktionären der Gemeinde die Mitwirkung bei Verbrennungen gestattet worden ist oder gestattet werden soll. Alle die eingangs erwähnten Gerüchte und Veröffentlichungen, welche geeignet erscheinen, im Kreise der orthodoxen Judenschaft Beunruhigung hervorzurufen, scheinen darauf zurückzuführen zu sein, daß im Kreise des ehrwürdigen Rabbiantes und des Kultusvorstandes über Anregung von Gemeindemitgliedern die Frage in Erwägung steht, ob im Trauerhause oder in der Zeremonienhalle der jüdischen Friedhöfe — also n i c h t im Krematorium — eine Funktion bei solchen jüdischen Leichen bewilligt werden darf, die nachher zur Kremation gebracht werden sollen. Die Mitwirkung von Funktionären der Kultusgemeinde bei Leichenverbrennungen oder überhaupt im Krematorium ist niemals zur Diskussion gestanden. Die ganze Angelegenheit ist über das Stadium der Vorerhebungen, die sich naturgemäß auch auf den Vorgang in den anderen jüdischen Großgemeinden erstrecken, noch nicht hinausgelangt. Notstandsaktion 1931/32. Die von der israelitischen Kultusgemeinde und den jüdischen Organisationen Wiens eingeleitete Notstandsaktion ist in vollem Gange. Der Widerhall, den der kürzlich versandte Aufruf bei der jüdischen Bevölkerung gefunden hat, läßt die Annahme zu, daß bei Andauern der einlangenden Spenden wenigstens solche Mittel zur Verfügung stehen werden, daß die baldige Inangriffnahme der Hilfstätigkeit im Sinne des vorliegenden Programmes möglich sein wird. Zwecks Beschaffung der weiteren Mittel, die für die fortlaufende Durchführung der Notstandsaktion in den Wintermonaten erforderlich ist, werden schon in den nächsten Tagen Blocks, enthaltend Ein-Schilling-Coupons, zur Ausgabe gelangen. Eine große Schar freiwilliger Sammler, welche die angeschlossenen Organisationen stellen, werden im Verlaufe der nächsten Zeit ihre Freunde und Bekannten bei jeder passenden Gelegenheit um Spenden angehen. Die Marken tragen die Aufschrift: „Durch ihre Spende von 1 Schilling bewahren Sie einen Menschen einen Tag lang vor Hunger und Kälte." Mit besonderer Genugtuung ist die Tatsache zu verzeichnen, daß sich sämtliche jüdischen Sport- und Turnvereine Wiens, vor allem die Hakoah, mit all ihren Sektionen in den Dienst unserer Aktion gestellt haben. Das Reinerträgnis einiger Veranstaltungen wird der Notstandsaktion gewidmet beziehungsweise sollen zugunsten derselben Zuschläge zu den Eintrittspreisen gemacht werden. Dieses Beispiel darf wohl allen jüdischen Organisationen und Vereinen insbesondere anläßlich der bevorstehenden Chanuka-Feiern zur Nachahmung empfohlen werden.*) *) Als eine der ersten hat die „U n i o n" den Reingewinn ihrer diesjährigen Chanuka-Feier (siehe Ankündigung auf Seite 4) der Notstandsaktion zugedacht Anm. d. Red.