Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 46 (13.11.1931)
- Date
- 1931-11-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis dieser Nummer 60 Groschen Jüdische Die U)anrnftif Erscheint jeden Freitag mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden" und den Amtlichen Verlautbarungen der Israelitischen Kultosgememde Wien Redaktion und Administration: Wien 11., Heinestraße 13 — Telephon R 46-2-16 XLVU. Jahrgang Wien, .13 November 1931 Nummer 46 Notstandsaktion 1931/32 der israelitischen Kultusgemeinde und der jüdischen Organisationen in Wien Aufruf! Ein Winter, für Hunderttausende so schwer wie seit langem nicht, steht bevor. Hunger und Kälte, die grimmigsten Feinde der Menschen, droben mit ihren Schrecken den einzelnen Notleidenden, drohen aber auch der Gesamtheit mit den unabsehbaren Folgen der Verzweiflung. Unter Führung des Wohlfahrtsamtes der Stadt Wien hat sich die Aktion „Winterhilfe" konstituiert, in deren Kuratorium auch die Juden Wiens durch die „Zentral-Kommission für soziale Fürsorge der israelitischen Kultusgemeinde Wien" vertreten sind. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Judenschaft, wie immer bisher, auch in diesem Falle als ein pflichtbewußter und opferbereiter Teil der Gesamtheit die allgemeine Aktion in weitestgehendem Maße unterstützen wird. Aber diese Aktion muß sich damit bescheiden, in erster Linie den ausgesteuerten Arbeitslosen zu helfen, dann erst kämen die anderen Notleidenden eventuell in Betracht. Gerade aber unter diesen anderen Notleidenden befindet sich ein sehr großer Teil erwerbsloser Viele Tausende warten sehnsüchtig auf Hilfe! Juden, die entsprechend der sozialen Schichtung der jüdischen Gesamtbevölkerung Angehörige der freien Berufe, Handels- oder Gewerbetreibende sind und daher niemals im Bezüge einer Arbeitslosenunterstützung waren. Deshalb muß die jüdische Gemeinschaft wie immer für die besondere Judennot ein weiteres Opfer bringen. Diese Not ist unbeschreiblich groß; sie wirkt um so drückender, als es sich vielfach um Menschen handelt, die — bis vor kurzem noch wohlhabend und gebefreudig — jetzt auf fremde Hilfe angewiesen sind. Zu dieser Hilfeleistung rufen wir die Juden Wiens auf. Einfachste Nahrungsmittel und ein wenig Kohle wollen wir den AUerbedürf tigsten bieten. Wir wären glücklich, wenn wir wenigstens den kinderreichsten Familien, den Alten und Kranken diese Hilfe bringen könnten. Wir wissen, daß niemand von der Not des Tages verschont ist. Trotzdem ist es für jeden, der für sich und die Seinigen vor den Unbilden des Winters, vor Not und Kälte geschützt ist, unabweisliche Menschenpflicht, den Hungernden und Frierenden unter uns beizustehen. Geben Sie rasch und ausgiebig! Auch Naturalspenden sind willkommen! Jeder Schilling, den Sie spenden, bewahrt einen Menschen einen Tag lang vor Hunger und Kälte! Spenden erbeten an die Fürsorgezentrale der israelitischen Kultusgemeinde, Wien F., Seitenstettengasse 2 (Tel. Nr. U 25-5-85 Serie, Postsparkassenkonto B 29.659). Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien Zentralkommisslon für soziale Fürsorge der israelitischen Kultusgemeinde Wien Union österreichischer Juden Zionistischer Landesverband für Oesterreich Vereinigung werktätiger Juden Agudas Isroel Landesverband Misracbi Poale Zkto Verband der B'nai B'rith Logen ..Weibliche Fürsorge" Verband von Wohllahrts-Vereinen Die jüdischen Fürsorgevereine und -anstalten Wiens. Zionistische Illusionen. Es war beim IV. Kongreß in London im Jahre 1900. Kurz vorher hatte Dr. H e r z 1 eine seiner Reden gehalten, die von äußerstem Optimismus getragen waren; unter anderem hatte er gesagt, daß sich das jüdische Volk gar bald in Bewegung setzen werde, um vom Lande seiner Väter Besitz 7U ergreifen. Er wurde wegen dieser Rede von Dr. Leon Motzkin heftig angegriffen und getadelt: es gehe, doch nicht an, derartige Illusionen zu erwecken, da ja dje Enttäuschung gar bald folgen müsse — meinte Motzkin. Dr. Herzl SCHAFWOLLODEN -SKIHOSE .Et» Sehlagar für Damen und Herren, im | allen OröBen, S 19-SO Lnrnberjack. wasserdichter Zelutolf mit ZippverschlufS, S : SIT ii Sportvatter 9H ippllagarttralt Nr. ^m%m Nur bei w Ski-Walk-Socken, S 2.— Ski-Walk-F«u«tling. 3 it-SO Dopn«>l Mopptrt. Mode-Sportbem« für Herren u. Damen in Oelb, Rot u. Khaki Ski-Anzug «InSchlager, Prima m a< Scbafwoiloden imprägniert, für M *t Damen und Herren erklärte in seiner Replik, daß er wohl den „kalten Strahl", den ihm Motzkin versetzte, über sich ergehen lassen müsse, aber, fügte er hinzu, wer ein Volk für eine große Idee mitreißen wolle, ist eben gezwungen, Illusionen zu erwecken, auf nahe gesteckte Ziele hinzuweisen, da nur so die nötige Begeisterung und die erforderliche Opferwilligkeit zu erreichen wären. Dieser Gedankengang Herzls ist seinen Epigonen ins Fleisch und Blut übergegangen und es wirkt zuweilen geradezu grotesk, mit welcher Hartnäckigkeit sie immer wieder an ihren Illusionen festhalten und nach jeder Enttäuschung immer neue erfinden, nur um sich selbst und ihren Anhängern das „Durchhalten" zu ermöglichen. Wagt es aber einer aus ihrer Mitte, sich von jeder Illusion frei zu halten und auf den Boden der realen Tatsachen zu stellen — wird er schnurstracks zumindest als „Nichtzionist", wenn nicht gar als „Verräter" gebrandmarkt. Das mußte schon mancher zionistischer Kämpfer erleben und selbst Dr. ' W e i z m a n n, der 12 Jahre lang an der Spitze der Zionistischen Weltorganisation stand, blieb hiervon nicht verschont. Als bei den Parlamentswahlen im Sommer 1929 die englische Arbeiterpartei ihren großen Sieg errungen hatte und ihre Führer das neue Kabinett bildeten, da hing der zionistische Himmel voller Geigen: Macdonald und Henderson, die „geschworenen" Freunde des Zionismus, an der Spitze des britischen Kabinetts — da muß doch für den Zionismus das „goldene Zeitalter" beginnen .... Vergeblich waren die Warnungen der besonneneren Elemente, sich ja nur keinen Täuschungen hinzugeben; vergeblich der Hinweis darauf, daß Macdonald, der englische Premier, in erster Reihe englische Politik werde machen müssen und daß gerade seine zionistenfreundliche Vergangenheit ihn eher zwingen werde, sich eine äußerste Reserve aufzuerlegen, — man schwelgte in weitestgehenden Illusionen, bis bald darauf die furchtbaren Pogrome vom August und September 1929 und nachher die Shaw-Kommission und ihr Bericht, das Passfieldsche „Weißbuch" und der Simpson-Bericht die Aufrechterhaltung der Illusionen unmöglich machten und man schließlich so weit gehen mußte, Macdonald direkt der Zionistenftindschaft zu bezichtigen. Aber auch diese bösen Erfahrungen haben die Herren nicht dahin gebracht, ihre illusionistischen Segel zu streichen. Denn nun ist die Arbeiterregierung gestürzt und die Konservativen haben wiederum das Ruder in die Hand bekommen. Da gibt es neue Illusionen: ja, die Arbeiterpartei mußte (?) gerade wegen ihrer Zionistenfreundlichkeit eine antizionistische Politik betreiben; die Konservativen aber würden mehr freie Hand haben und deswegen — sei das beste zu er- Mitglieder und rrcondc der „Union" überfraßen Lebens- und Elemenlar- Versidiernngcn der Stadtisdicn YersldierangsanslaH