Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 45 (6.11.1931)
- Date
- 1931-11-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien L, Seltenstettengasse 2, Tel. II 28-1-28 XL, Zentraltriedhof, idn im I. tut, Tel. U18-0-85 Budapest An den Folgen einer Sepsis verstarb in Budapest im Alter von 64 Jahren Dr. Adolf Kecskemeti, ein hervorragender Rechtsanwalt und Mitglied des Vorstandes der Pester Israelitischen Gemeinde. Im sozialen Leben der Hauptstadt spielte er eine bedeutende Rolle. Seine Brüder sind der Oberrabbiner von Großwardein Dr. Leopold Kecskemeti und der Oberrabbiner von Mako Dr. Armin Kecskemeti. Verein der Zurawner (11.. Sterneckplatz 3). Am il. v. M. fand im Cafe Franzensbrücke ein vom humanitären Geselligkeitsverein der Zurawner veranstalteten allgemein zugänglicher Geselligkeitsabend statt, bei welchem Herr Rabbiner Dr. M. Rosenmann einen Vortrag über das Thema: „Die neuzeitlichen Wanderungen der Judenheit" hielt Der .Redner, welcher beim ganzen Auditorium eine ungewöhnliche Begeisterung hervorrief und auch mit einem lebhaften Applaus bedankt wurde, bewirkte dies nicht allein wegen der. schönen und vornehmen Form seines Vortrages, sondern auch durch den sehr interessanten und aktuellen Inhalt desselben. Herr Dr. Rosenmann schilderte nämlich vorerst die verschiedenen Ursachen.- die in der menschlichen Geschichte zu Volkswanderungen Veranlassung gegeben haben. Er charakterisierte hauptsächlich fünf Arten derselben, und zwar: erstens die Eroberungssucht, zweitens das Bestreben, die Handelsbeziehungen über weitere Kreise und Länder auszudehnen, drittens die religiösen und politischen Verfolgungen, viertens die wirtschaftliche Not und fünftens die ideelle Begeisterung für einen bestimmten Landstrich. Auf Grund historischer Tatsachen wurden diese fünf Motive in ihren jeweiligen Erscheinungsformen erörtert und. auch deren weitere Folgen und Auswirkungen beleuchtet Er besprach auch die, gegenwärtige, besonders Iiier in Wien herrschende Verzweiflung der Jugend wegen, der Aussichtslosigkeit weder in irgend einem freien Berufe noch in irgend einem Unternehmen Unterkunft und eine Existenzmöglichkeit zu finden. Diese Ausführungen, welche mit besonderem Interesse von allen anwesenden Damen und Herren aufgenommen wurden, verdienen es, auch weiteren Kreisen mitgeteilt zu werden, weil sie . nicht allein wissenschaftlichen und historischen Wert besitzen, sondern weil sie ein sehr aktuelles Thema zur Diskussion gestellt haben. Budapest. Das Kunstereignis der vorigen Woche war das musikalische Debüt des Oberkantors Gerson H. Margolies aus. Wien. Das Konzert des „Mult es Jövö" bildete den Treffpunkt der Meistersänger und kantoralen Fachgrößen der ungarischen Residenz, die mit gespannter Erwartung den Darbietungen ihres berühmten Wiener Kollegen entgegensahen. Margolies hat mit seiner gereiften Kunst und klassischen Vortragsweise alle Hoffnungen weit übertroffen. Alles, was er bot .waren schimmernde Kleinodien neu- und altjüdischer Musikstücke in goldglitzernder edelster Fassung. Der rauschende Applaus, mit dem das kunstsinnige dankbare Auditorium den Liederabend des Oberkantors Margolies belohnte, verdolmetschte zugleich den Abschiedsgruß der Budapester Kunstfreunde: „Auf baldiges Wiedersehen". B. L i n k o w s k y. Jüdischer Frauenverein Leopoldstadt Für sämtliche Wiener jüdische Wohlfahrtsvereine, insbesondere aber die jüdischen Frauenvereine in den einzelnen Wiener Bezirken ist nun eine besonders schwere Zeit gekommen. Wir stehen vor einem Winter, dessen Härte die von diesen Vereinen bisher bedachten Aermsten der Armen besonders arg zu fühlen haben werden. In klugem Verständnis für die schreckliche Periode, die nun für seine Schützlinge heranzubrechen droht, hat der Jüdische Frauenverein Leopoldstadt bereits seit einiger Zeit eine Kohlenaktion in die Wege geleitet, bei der er auf die Unterstützung edelgesinnter Glaubensgenossen rechnet Vor allem soll diesem Zwecke das Reinerträgnis einer Festvorstellung im Schwedenkino, II., Taborstraße 1, dienen, die Sonntag, den 8. November, um J411 Uhr vormittags, stattfindet. Zur Aufführung gelangt »David Golder". Der Verein hat schwere Pflichten auf sich genommen, es ist Sache der Allgemeinheit Ihm bei der Erfüllung dieser Pflichten behilflich zu sein. Karten zum Preise von S 1.50, 2— und 2.50 sind bei allen Vorstandsdamen, ferner Im Sanitätshaus Fischer, II., Taborstraße 24, im Möbelhaus Oppenheim, IL, Praterstraße 30, in der Redaktion „Die Wahrheit", Wien IL, Heinestraße 13, Telephon R 46-2-16, und an der Tageskassa des Schweden-Kinos ab 9 Uhr zu haben. Barmizwahfeier. Samstag, den 7. November findet um 9 Uhr vormittags im Bethause Qemilus Chessed, IL, Lilienbrunngasse 13, die Barmizwahfeier des Siegmund Schi], Sohn des Herrn und Frau Elias S c h i j, statt. Verlobungsaiizeige. Herr J. Wahrraann, Oberkantor des Bethausvereines „Tefilath Jeschuron". Prater, hat sich mit Fräulein Sofie Mehr verlobt Trauung. Sonntag, den 8. November 1931, um 5 Uhr nachmittags, findet im Tempel XVI., Hubergasse 8, die Trauung des Fräulein Erna Karpf, Tochter des Herrn Bethausvorstehers Siegfried Karpf und seiner Gattin Milly, mit Herrn Hans Hoff er statt. Ehrung. Sonntag, den 24. v. M.. fand die feierliche Ueberreicbung des Ehrendäploms an den Präses der Chewra KadSscha, Baden, Herrn Ludwig Lackenbacher, im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde statt Herr Oberrabbiner Dr. Hartwig Carlebach hielt an den Gefeierten eine Ansprache, in, der er m herzlichen Worten die Verdienste desselben während seiner langjährigen Tätigkeit als VorstandsmitgBed der Kultusgemeinde, sowie als Präses der heiligen Bruderschaft schilderte und ihn im Namen der ganzen Gemeinde beglückwünschte. Herr Alexander Braun, Alterspräsident und! Ehrenmitglied der Kultusgemeinde, übergab mit herzlichen Dankesworten das prachtvoll ausgestattete Ehrendfplbm dem Gefeierten. Herr Anton Stern. Präsident der Kultusgemeinde, hielt eine Ansprache. Cn der er den Dank der Kultusvorstehung für die selbstlose, hingebungsvolle Tätigkeit des Präses Lackenbacher zum Ausdrucke brachte. Herr David Daniel gratulierte im Namen des jüdischen Klubs Baden. Der Israelitische Frauen-Wohltätigkeits-Verein für den 16. und 17. Bezirk veranstaltete Samstag, den 24. Oktober in den Säten des Restaurant „Volksgarten" eine Akademie mit Tanz, zu welcher steh ein zahlreiches und vornehmes Publikum eingefunden hatte. Ais. Ehrengäste waren unter anderen der Vizepräsident der Kultusgemeinde Dr. Jakob Ornstein und1 Kultusvorsteher MedizinaJrat Dr. Jakob Deutsch erschienen. Aus dem reichhaltigen Programm sind die künstlerischen Vorträge der Damen Grete H o 1 m und Ada Kelsen sowie der Herren Viktor Flemming und Ernst Urbach besonders zu erwähnen. Die Akademie wies auch einen guten materiellen Erfolg auf und geböhrt den Vorstandsdamen mit der Präsidentin Frau Dr. Adele Bach an der Spitze für die gelungene Veranstalten« volles Lob. Die vom Brigittenauer Israelitischen Frauen-Wohitätigkeitsverein am letzten Sonntag nachmittags im Hotel Continental veranstaltete Akademie erfreute sich eines überaus zahlreichen Besuches. Dies ist um so erfreulicher, als der erzielte Reingewinn es dem unter der Leitung der neuen Präsidentin, Frau Olga Friedmann stehenden Vorstande ermöglicht, seine segensreiche Tätigkeit unter der von der Wirtschaftskrise besonders hart getroffenen jüdischen Bevölkerung des 20. Bezirkes fortzusetzen. Die unter der künstlerischen Leitung der Frau Regierungsrat Dr. Lenk säehende Veranstaltung, zu deren Gelingen die Mitwirkung hervorragender Kunstkräfte beitrug, nahm einen stimmungsvollen Verlauf. Als Ehrengäste hatten sich u. a. eingefunden: Präsident Dr. J. O r n s t e i n. die Rabbiner Dr. B. M u r m e Istein und Dr. M. Rosenmann. £itetatut Masaryks Beziehung zum Judentum. Im Prager „Mars-Verlag" ist soeben ein umfangreiches, 400 Seiten starkes Werk „Masaryk und! das Judentum" erschienen, als dessen Herausgeber Dr. Ernst Rychnovsky zeichnet Diese erste erschöpfende Zusammenfassung der Beziehungen zwischen Masaryk und den. Juden enthält 13 Artikel, darunter eine mehr als 100 Seiten tange Arbeit des Herausgebers über den. Kampf Masaryks gegen die RituaJmordlegende. Außerdem schreiben: Heinrich Kohn: „Masaryks Schule der Weisheit und das Judentum", Friedrich ThSeberger: „Masaryks Credo und die jüdische Religion", Felix Weätsch: „Masaryk und der Zionismus", Josef Penizek, der Senior der tschechischen Journalisten: „Masaryk und die Jüdischen Tschechen". Oskar Donath: „Juden auf Masaryks Lebensweg", Jan Herben, der bekannte tschechische Schriftsteller: „T. G. Masaryk über Juden und Antisemitismus". J. Rokycana: „Freunde in der Not", Jarosiav CLsar, der Personalsekretär Masaryks im Kriege: „Masaryk und die amerikanischen Juden", Hugo Bergmann: ..Masaryk m Palästina". Das Buch enthält noch Erinnerungen an Masaryk von Max Brod und Eduard Lederer. Das Werk ist gleichzeitig in deutscher und tschecfHcher Sprache erchienen. „Von Vergangenheit und Zukunft des Judentums", so dürften sich die letzten Hefte der bekannten „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums" überschreiben lassen, die nicht nur der geschichtlichen Erforschung des Judentums dienen, sondern auch in das jüdische Schutwesen, also in die Bildungsstätten der heranwachsende« Generation einführen, wie sie steh überaß da, wo stärkere jüdische Siedlungen vorhanden sind, entwickelt haben, tm Anschluß an die Bilder aus Deutschland, Ungarn und Polen, wie die früheren Hefte sie brachten, zeichnet Ernst Simon-Haifa im neuesten Heft ein äußerst lebensvolles Bild des Schulwesens m Palästina, seiner verschiedenen Richtungen und seiner eigenartigen Aufgabe. Durchaus auf den Juden der Gegenwart bezogen, ist auch die Uebersächt Ernst Jacobs über die Pauhisforschung der letzten Jahre, in welcher der Gegensatz jüdischer und pautömscher Frömmigkeit herausgearbeitet ist und Einseitigkeiten der christlichen. Forscher zurückgewiesen werden. Eingeleitet wird das Heft durch einen warmherzigen und feftifüMrgen Nachruf auf den Frankfurter Semitistert Josef Horovitz aus der Feder . seines Nachfolgers Gotthokl Weil. Man abonniert die Monatsschritt, indem man Mitglied der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums in Berlin wird und den jährlichen Mindestbeitrag von Mk. 10.— an die Gesellschaft (Postscheckkonto Paul Veit Simon. Berlin 7030) oder an einen der Vertrauensmänner sendet welche in jedem Heft der Monatsschrift aufgeführt sind. S. Wiltingen Große Jüdische Nationatbiographie. Soeben ist die 42. Lieferung (d. i. die zweite Lieferung, zum 6. Band) dieses Standard-Werkes*) erschienen. Sie enthält auf 80 Doppelseiten mehr als 200 Lebensbeschreibungen namhafter jüdischer Männer und Frauen mit den Anfangsbuchstaben Ta bis Un (Tamareth bis Ungar). Wir haben an dieser Stelle schon oft genug auf die Bedeutung dieses großen Werkes und auf die Wertschätzung hingewiesen, die es in der großen Welt der Gelehrten und Wissenschaftler sowie der Publizistik gefunden hat Diesmal woWen wir nur wieder unsere Bewunderung zum Ausdrucke bringen für die Energie und die Zähigkeit, die Herr Wininger Im Kampfe gegen aUe Mißltchkeiten finanzfeiler und anderer Natur aufbringt. Es ist wirklich zum Bewundern, wieer allen materiellen Schwierigkeiten zum Trotze vorwärts schreitet und unter Aufwendung der letzten Kräfte ohne jedwede Mithilfe Lieferung um Lieferung und Band um Band herausbringt, mutig und rüstig seinem Ziele zuschreitet und sein Lebenswerk beendet jüdisches Jahrbuch 1!>3I. (Verlag Judisches Jahrbuch. Berlin S 42. Luisenufer 34.) Die vorliegende Ausgabe des Jüdischen Jahrbuches wird in einer Zeit schwerster VVirtschaitsdepression. großer Not weitester. Kreise /.um sechsten Male der Oettentlichkeit unterbreitet. Trotzdem hat sich der Verlag unter Zurück-' Stellung jedweder Bedenken zur Herausgabe entschlossen, in der bestimmten Erwartung, daß nicht allein die alten Leser dem Jahrbuch die bewiesene Treue halten, sondern auch viele neue Freunde sich ihnen zugesellen. Ks war das Bestreben des Verlages, den Inhalt nicht allein aktuell, sondern auch gleichzeitig über den Ta,g hinaus wertvoll zu gestalten. Es werden die wichtigsten jüdischen Zeitprobleme durch Aufsätze aus fachmännischer Feder von allen Seiten eingebend beleuchtet, so das " Siedlungsproblem. Darlehenskassenwesen, Wohlfahrtstragen. Der Nachschlageteil mit seinem umfangreichen Adressenmaterial der Berliner Organisationen und Vereine, Gemeindeverwaltungen und Einrichtungen, sowie der jüdischen Gemeinden in Deutschland, wurde in Anbetracht seiner Wichtigkeit für jeden, der sich über die Aufgaben der Berliner Gemeindeverwaltung und über das Organisations- und Vereinswesen unterrichten will,. , einer sehr genauen Durchsicht unterzogen. Daneben sind Tätigkeitsberichte fast sämtlicher Organisationen und Vereine, soweit sie dtyt lokalen Rahmen an Bedeutung überragen, erstmalig zusammengestellt worden. Auf dem Bilderteil wurde besondere Sorgfalt gelegt. Neben den großen Toten des Jahres fanden lebende markante Persönlichkeiten mehr als bisher Berücksichtigung. Auch kamen Neuschöpfungeh der Berliner Synagogenbauten mit ihrer Innenausstattung zum Abdrucke, sowie Abbildungen über Sport. Der Preis des Jahrbuches (Halbleinen RM 4.80) ist unter Berücksichtigung der guten Ausstattung und des vielseitigen Inhaltes als besonders niedrig zu bezeichnen. Daher ist das Jahrbuch zur Anschaffung nur zu empfehlen. M. Brawer, Z'wi lazoddik. herausgegeben von L. Taubes. Wien IX.. Liechtensteinstraße 60. Diese neue Biographie Z'wi Hirschs aus Zydaczow. zu seinem 100. Todestage von M. Brawer verfaßt und seinem Nachkommen L. Taubes ergänzt und verlegt, bietet vor allem manchen beachtenswerten Einblick in die chassidische Geisteswelt in Galizien und genealogischen Zusammenhänge, die auf den Beseht und Saul Wahl zurückführen. Für die jüdische Kulturgeschichte kommen besonders die Schilderungen des häuslichen Lebens des Helden der Broschüre in Betracht Einzelne Züge seines Charakters und Szenen aus seinem gemeinnützigen Wirken verdienten, einem Publikum bekanntgegeben zu werden, größer als der Kreis von Gelehrten, auf den diese verdienstliche Leistung wohl zunächst berechnet ist G. *) Das Werk erscheint in 6 Bänden und eventuell einem Nachtragsband, Lexikonformat, enthält über 12.000 Lebensbeschreibungen namhafter jüdischer Männer und Frauen a'Der Länder und Zeiten und ist in jeder größeren Buchhandlung oder direkt beim Verfasser (S. Wininger, Cennauü, Rata Decebal 4) zum Preise von 120 Lei per Lieferung oder 1100 Lei per Band in HalbJeder gebunden auch zu bequemen Teilzahlungen erhältlich. E5fl!i!iiniioiiWMiMHri REICHHALTIGE. MODERNE LEIHBIBLIOTHEK DER BÜCHERSTUBE M. RATH «ISN II., TABORSTRftSSI Nr. SO» TEL R 43-1-58 ALLE NEUERSCHEINUNGEN f REICHE AUSWAHL IM HWRAIKA UND JIMMUKft hi eagllaefcvr m4 fraazfoteekar Ltteratar MONATSdEBUHR NUR S 3. KEINE BANDGEBÜHR! TÄGLICHER UMTAUSCH! *