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Die Wahrheit · 1931-11-06 · Heft 45 (6.11.1931) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 45 (6.11.1931)
Date
1931-11-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis dieser Nummer 00 Groschen Jüdische Die Wahrheit Erscheint jeden Freitag mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden" und den Amtlichen Verlautbarungen der israelitischen Ktdtusgemeinde Wien M^iHi^MtelliilMi; Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 13 — Telephon R 46-2-16 XLVII. Jahrgang Wien, 6. November 1931 Nummer 45 Der Sündenbock. SCHAFWOLLODEN - SKIHOSE Creditanstalt and Juden. Seit genau sechs Monaten wird Oesterreich von einem Krisenfieber geschüttelt, das immer weitere Kreise erfaßt Seitdem sich die Leitung der angesehenen und weit über die Grenzen Oesterreichs rühmlich bekannten Oesterreichischen Creditanstalt gezwungen sah, der Regierung zu enthüllen, daß ihr Institut sich in einer Krise befinde und einer Stützung bedürfe, haben die Auswirkungen der dadurch hervorgerufenen Krise das gesamte Wirtschaftsleben der Republik ergriffen und Dimensionen angenommen, die wahrlich überaus bedrohlich sind. Die Uebernahme der Bundeshaftung für die Creditanstalt hat auch die staatsfinanzielle Kapazität in Mitleidenschaft gezogen, die allgemeine Unruhe und die pessimistische Beurteilung der Zukunft haben eine Flucht vor dem Schilling bewirkt, was wiederum zu einer Erschütterung der Stabilität unserer Währung und zur Erlassung der Devisenordnung führte, die wiederum Handel und Wandel beeinträchtigt. Der voraussichtliche Abgang im Staatshaushalt zwang die Regierung — unter dem Druck auswärtiger Faktoren — zu weitgehenden und einschneidenden Ersparungsmaßnahmen, die alle Klassen und Schichten hart treffen, besonders aber von den Festbesoldeten überaus schwer empfunden werden. Alle diese und ähnliche Maßnahmen schwächten die Kaufkraft der Bevölkerung, verschärften die Krise und ließen diese Formen annehmen, die in ihren Auswirkungen geradezu erschreckend sind. Begreiflich daher,, daß sich aller Schichten und Klassen der österreichischen Bevölkerung eine gewaltige Unruhe bemächtigte und daß man, nach bewährtem Muster, nach dem Schuldigen forscht. Ebenso begreiflich ist es aber auch, daß man es sich auf der Suche nach den Schuldigen sehr bequem macht und ohne viel Mühe zu dem Ergebnis gelangt: „Dar Jud!" Die Creditanstalt — das ist doch eine „Judenbank", wer ist also an dem Elend der Oesterreicher schuld: die Juden! . . . Da gibt es nicht viel zu fragen und zu forschen — und eben, diese Schuldigen sollen es büßen ... In erster Reihe naturgemäß die jüdischen Leiter der Creditanstalt und die jüdischen Beamten dieses Itstituts. Um Mißverständnissen vorzubeugen, wollen wir ausdrücklich betonen, daß uns nichts ferner liegt als etwa das Bestreben, für die wirklich Schuldigen eine Lanze einzulegen, nur weil sie Juden sind. Im Gegenteil, insoferne sich die unmittelbare Schuld einzelner Faktoren feststellen läßt, sollen diese so hart als möglich vom Arm der Gerechtigkeit getroffen werden. Aber, wohlgemerkt: sie sollen der Gerechtigkeit — nicht aber einer bedenkenlosen Demagogie ausgeliefert werden! Und deswegen ist es notwendig, ein wenig tiefer zu forschen, um dem österreichischen Elend auf den wirklichen Grund zu sehen. Dann wird sich zeigen, daß die Juden mit der Schuldfrage nichts zu tun haben. Das Wirtschaftselend Oesterreichs ist zunächst eine Folge des Weltkrieges und der Friedensverträge, die ein lebensunfähiges Staatswesen geschaffen haben, das vom ersten Tage seines Daseins auf fremde Hilfe angewiesen war. Kein Mensch mit gesunden Sinnen wird behaupten wollen, daß die Juden den Weltkrieg provoziert und die Friedensverträge geschaffen haben. Das Elend Oesterreichs ist in zweiter Linie eine Folge der Weltwirtschaftspolitik, in der Nachkriegsperiode, der Aufrichtung der Zollschranken, der AbSchließung der einzelnen Länder voneinander, der unsicheren Weltlage,, der fortgesetzten Kriegsdrohungen usw. Mit all diesen Erscheinungen haben die Juden nichts zu tun, ebensowenig wie mit ihren Auswirkungen: Ansteigen der Arbeitslosigkeit, Erschwerung des Absatzes der österreichischen Produkte usw. Es ist somit eine im Immer reine Türen und Tapeten durch kalt abwaschbare, extrastarke „Ax-Aliai" CbIWoü-TIJRiid Tantu-SCHONER Ersparen teueren Anstrich. Leicht anzubringen. Alle Farben, Formen und Größen von S 1.50 an. Preisliste frei. Provinzversand seit 1896. ♦ SPEZIALIST MIKOLASCH Telephon B 41-1-85 - Wien, Taborstr. 22 Monteurbesuch und Kostenvoran«ch1ag gratis! SIT »■<• Sektes«* für Damen und Herren. I* al en OrSSeo, S ISrao Lombarjack. wasserdichter Zellstoff alt Zippverschluß. S 2-»M» 3«l-W»tk-Socken, S Skl-Walk-F*u»tllm. 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Nachdem die Juden aus der Leitung verdrängt worden waren, ging es mit dem Institut immer mehr abwärts und als dieses noch aus politischen Gründen gezwungen wurde, einige verkrachte „arische" Banken, wie die „Steirerbank" usw., zu übernehmen, war sein Fundament erschüttert und die Bank konnte einem ernsten Ansturm, nicht mehr standhalten. Und dieser Ansturm — er kamnicht von jüdischer Seite . . . Die fortgesetzten Drohungen mit einem Heimwehrputsch haben im Herbst 1929 eine allgemeine Beunruhigung ausgelöst, die Einleger der Bodenkreditanstalt waren um ihre Ersparnisse besorgt und veranstalteten einen Run — und dieRegierung fand sich veranlaßt, gerade den Juden Rothschild undseineCreditanstalt /.u Hilfe zu rufen. Damals verstand es der Bundeskanzler, an den Chef des Wiener HausesRothschildden Appell zu richten, der „Tradition seines Hauses" treu zu bleiben und die österreichische Wirtschaft vor einer Katastrophe zu bewahren. Die Uebernahme der Bodenkreditanstalt mit ihren vielfach faulen Geschäften hat nun die Creditanstalt derart belastet, daß sie an dieser Last schwer zu tragen hatte. Trotz der schweren Verluste wäre dieses im allgemeinen gut geleitete Institut zweifellos imstande gewesen, nach und nach alles wett zu machen und sich aus eigener Kraft zu erholen, wäre nicht im vergangenen Frühjahre als Folge des bekannten Zollunionsprojektes die Zurückziehung der ausländischen Guthaben gekommen... Auch an diesem Projekt haben die Juden wohl den geringsten Anteil . . . Wenn die österreichische Regierung sich veranlaßt sah, die Haftung für die Creditanstalt zu übernehmen, so geschah dies ebensowenig im Interesse der Juden oder den schönen Augen der Leiter der Creditanstalt zuliebe, sondern im Interesse der gesamtösterreichischen Wirtschaft, deren Industrieunternehmungen zu 75 Prozent dem Konzern der Creditanstalt angehören — eben als Folge der Uebernahme der Bodenkreditanstalt. Alles, was seither geschah — die Auswirkungen der Creditanstaltskrise, die Währungskrise, die Unterbindung von Handel und Verkehr infolge der Zwangsbewirtschaftung des Devisenhandels — an all dem trifft nicht Juden die Schuld. Das muß zur Steuer der historischen Wahrheit festgestellt werden. Die Juden sind an dem Elend der Osttiroler Bauern ebensowenig schuld, wie daran, daß Frankreich alles Gold der Welt an sich flttglleder nnd Freunde der „Union" obertragen Lebensand Elementarversldiernngen der Stödtlsdien Versldieronasanslait

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