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Die Wahrheit · 1931-10-23 · Heft 43 (23.10.1931) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 43 (23.10.1931)
Date
1931-10-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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DIE WAHRHEIT Satt» 7 Wien L, Seltenstettengasse 2, Tel. ü 28-1-28 XL, Zentralfriedhol, Kits Im I. tw, Tel. U18-0-85 1917 Teilhaber dieser Firma. Er gehört zu den führenden Wirtschaftssachverständigen Deutschlands, war im Weltkrieg Delegierter in Rumänien zum Abschluß von üetreide- und Finanzverträgen und Finanzreferent der deutschen Delegation in Petersburg in Kiew. In den Jahren 1918 und 1919 war er Vorsitzender des Finanzausschusses der deutschen Waffenstillstandskommission, 1919 war er einer der sechs bevollmächtigten deutschen Delegierten bei den Friedensverhandlungen in Versailles. 1920 nahm er als Sachverständiger an dem zwischen Deutschland und den Ententeländern abgehaltenen Konferenzen in Spaa und Brüssel und 1922 an der Konferenz von Genua teil. Seit 1926 ist er als Vertreter Deutschlands Mitglied des Ständigen Finanzausschusses des Völkerbundes, zuletzt fungierte er als Vorsitzender dieses Finanzausschusses. 1929 wurde er zum stellvertretenden Bevollmächtigten des Deutschen Reiches bei den Reparationsverhandlungen in Paris ernannt. An der Gründung der Bank für Internationales Zahlungswesen (B. I. Z.) in Basel wirkte er als Deutschlands Vertreter mit, er wurde auch von der deutschen Regierung in den Vorstand dieser Bank delegiert. Seinen Geburtstag verbrachte Dr. Carl Melchior in Basel, wo er neben Reichsbankpräsident Dr. Luther an der Besprechung der Leiter der Notenbanken und an der Sitzung des Verwaltungsrates der B.I.Z.. die der Lösung der internationalen Währungskrise gewidmet war. teilnahm. Er wirkte auch an dem Zustandekommen der sogenannten Stillhalteaktion zugunsten Deutschlands hervorragend mit. Dr. Carl Joseph Melchior hat bei verschiedenen Gelegenheiten ein warmes Interesse für jüdische Angelegenheiten bekundet. — Reichspräsident v. H i n d e n b u r g hat Dr. Carl Melchior zur Vollendung des 60. Lebensjahres in besonderer Anerkennung der Verdienste, die sich Dr. Melchior als Vertreter des Reiches auf zahlreichen finanzwirtschaftlichen Konferenzen seit dem Kriege erworben hat, in einem persönlichenSchreiben seine Glückwünsche ausgesprochen und als Geburtstagsgabe sein Bild mit eigenhändiger Unterschrift übersandt. General Sir John Monash. Sonntag, den Iß, d. M., wurde in Melbourne der im 66. Lebensjahr verstorbene General Sir John Monash, der die australischen Truppen im Weltkrieg führte, zu Grabe getragen. Die R e g i e r u ng und die Spitzen der Behörden nahmen an der Trauerfeier teil, aus allen Gegenden Australiens trafen Sonderzüge mit Trauergästen zur Teilnahme an dem Begräbnis des „größten Sohnes Australiens" ein. Die Beisetzung erfolgte auf dem jüdischen Friedhof zu Brighton. neben der vor einigen Jahren verstorbenen Gattin des Generals. Rev. Jacob D a n g 1 o w, der jüdische Feldkaplan der australischen Armee im Kriege, und Rabbi Israel Brodie, Prediger der St. Kilda Road Synagogue, deren Vorstand General Monash angehörte, leiteten die Begräbniszeremonie. Während die sterblichen Reste des Generals in das Grab gesenkt wurden, donnerten die Kanonen Salut und alle Kirchenglocken läuteten. Die Londoner Presse über General Monash. Captain B. Liddell Hart schreibt im „Daily Telegraph": Der Tod von General Sir John Monash reißt eine empfindliche Lücke in die Reihe der berühmten Heerführer. Hätte der Krieg länger gedauert, Monash wäre bei seinem Genie sicherlich vom Kommandeur des australischen Korps zum Oberstkommandierenderi der. britischen Armee heraufgestiegen. —- „Times" rühmen in einem langen Nachruf Monashs militärisches Genie und weisen darauf hin, daß er „ein Jude der Rasse und der Religion nach" gewesen war. — „Morning Post" schreibt: General Monash v/ar nicht nur ein militärisches Genie, er war auch hervorragend als Ingenieur. Schriftsteller. Redner, Musiker und Kunstkenner. Mit ihm geht ein großer Australier von uns, der, hätte er sich entschlossen, die politische Laufbahn zu ergreifen, britischer Premierminister hätte werden können. Das Britische Reich wird dieses Genie nur schwer entbehren. England gedenkt nicht weniger als Australien mit Stolz dieses genialen Mannes und großen militärischen Führers, der aus der Reihe der großen englischen Heerführer nicht iortzudenken ist. Gemeinde - thronik Professor Albert Einstein. Gelegentlich seiner Anwesenheit in Wien hat Professor Albert Einstein am 16. d. M. den Seitenstettentempel besichtigt. Daran schloß sich ein Empfang des Gelehrten im Präsidium und in den Sitzungsräumen der Israelitischen Kultusgemeinde. Mit lebhaftem Interesse besichtigte Professor Einstein die Porträtgalerie, wobei die Vize-Präsidenten Doktor Ornstein und Dr. Löwenherz die historischen Erläuterungen gaben und über die Entwicklungsgeschichte der Wiener Israelitischen Kultus- Gemeinde Herrn Professor Einstein das Wissenswerteste mitteilten. Beim Abschiede wurde dem Gelehrten, der bekanntlich für alle das Judentwa berührenden Angelegenheiten das lebhafteste Interesse an den Tag legt, vom Präsidium als Andenken ein Exemplar des zur Hundertjahrfeier des Stadttempels faksimiliert herausgegebenen „Ersten Statutes des Bethauses in der Inneren Stadt" überreicht. Professor Einstein brachte für die ihm gewidmete Aufmerksamkeit seinen wärmsten Dank zum Ausdrucke. Begrenztes Steuerrecht der jüdischen Gemeinden in Polen. - Das Amtsblatt der polnischen Regierung veröffentlicht eine Verordnung, dergemäß die jüdischen Gemeindesteuern auf das Maximum von 10 Prozent der Staatssteuern begrenzt werden. Zeichen der Zeit Die letzte Berliner „Jüdisch-liberale Zeitung" teilt u. a. mit: Das im Jahre 1930 abgeschlossene Kompromiß zwischen den Parteien der Gemeindevertretung Breslau war auf die Dauer von einem Jahre vereinbart. Dasselbe läuft somit mit dem 31. Dezember 1931 ab. Die Liberale Fraktion, wie auch die anderen Parteien, waren sich bei den nun notwendigen Verhandlungen darüber einig, daß Neuwahlen in der jetzigen Zeit unter allen Umständen zu vermeiden sind. Die Verhandlungen zur Verlängerung des Kompromisses wurden durch den Vorsitzenden des Vorstandes, Herrn Geheimrat Goldfeld, eingeleitet ----Die Verteilung der Sitze in der Gemeindevertretung bleibt somit wie foigt: Von den 23 Sitzen erhalten Liberale 11, Jüdische Volkspartei 4, Konservative Partei 3, Mittelpartei 2, Wirtschaftspartei des jüdischen Mittelstandes 2, Arbeitsgemeinschaft ostjüdischer Organisationen 1. Im Vorstand verbleiben: Liberale 6, Jüdische Volkspartei 2, Konservative Partei 2. Mittelpartei 1, Wirtschaftspartei des jüdischen Mittelstandes 1. Die Liberalen stellen den Vorsitzenden der Gemeindevertretung wie auch den Vorsitzenden des Gemeindevorstandes. Die wesentlichen weiteren Bedingungen des Kompromisses gehen zunächst dahin, daß während der Dauer dieses Kompromisses die bestehenden Gemeindeeinrichtungen, insbesondere diejenigen des Kultus, des Unterrichtes und des R i t u a 1 w e s e n s, in bisheriger Weise aufrecht zu erhalten sind. Es ist Vorsorge getroffen, daß sowohl in Fragen der jüdischen Schule als auch bei Anträgen betreffs Palästinaunterstützung den liberalen Wünschen entsprochen wird. Die Israelitisch-theologische Lehranstalt in Gefahr. Die altehrwürdige und in der gesamten jüdischen Welt bekannte Israelitische-theologische Lehranstalt (Rabbinerseminar) in Wien ist in ihrem fast 40jährigen Bestände aufs höchste bedroht. Schon lange lastet die Not der Zeit wie eine eiserne Fessel auf dieser Anstalt, <fie im Jahre 1893 von angesehenen, Wiener Juden begründet worden war. Ihre Stifter und Gönner starben dahin und neue traten nicht an ihre Stelle. Die Fonds wurden durch die Kriegsanleihe entwertet! ödier in der Nachkriegszeit aufgezehrt. Schon vor mehreren Jahren mußten wertvolle Handschriften und sonstige Bestände der Bibliothek verkauft werden, um das Seminar weiterführen zu können. Nun sind auch die bisherigen ständigen Beiträge amerikanisch-jüdischer Institutionen zum Budget der Lehranstalt eingestellt worden, der Wiener Kultusvorstand aber erklärte sich in einer interparteilichen Besprechung finanziell außerstande, neben den eigenen Budgetbeiträgen für das Rabbinerseminar auch noch den Ausfall aus Amerika zu ersetzen. Es werden gegenwärtig von seiten des Kuratoriums, ari dessen Spitze Präsident Dr. J. Ornstein steht, im In- und Auslande ernste Anstrengungen zur Sicherung des Budgets gemacht und hoffentlich wird es gelingen, dieses für das Gesamtjudentum wichtige Lehrinstitut, das der jüdischen Welt tausende Rabbiner, Religionslehrer, Hochschulprofessoren und Gelehrte geschenkt hat, in seiner Existenz zu erhalten. Die Schulen in Palästina noch geschlossen. Ein Beschluß der Lehrerschaft der palästinensischen hebräischen Schulen, am 12. Oktober die Schulen der Jewish Agency wieder zu eröffnen, ist nicht zur Durchführung gelangt. Der Beschluß der Lehrerschaft hatte zur Voraussetzung, daß idas vom 17. Zionistenkongreß angenommene Erziehungsbudget bestehen bleibt, die Exekutive der Jewish Agency hält aber an ihrem Beschluß fest, das Schulbudget in diesem Jah,re um 20.000 Pfund zu kürzen. Jubiläum des protestantischen Toleranzpatents. In der Vorwoche fand in der protestantischen Kirche A. B. in der Dorotheergässe die Feier des 150jährigen Bestandes des von Kaiser Josef für die Protestanten erlassenen Toleranzpatentes statt. Zu der Feier, der auch Bundespräsident Miklas beiwohnte, hatten sich in Vertretung der Wiener Israelitischen KiUtusgemeinde Vizepräsident Dr. J. O r n s t e i n, und Amtsdirektor Regierungsrat G. Fuchsgelb eingefunden. — In' seiner am vorigen Freitag beim Abendgottesdienste gehaltenen Predigt nahm auch Rabbiner Prof. Dr. J. M. Bach Gelegenheit, das Jubiläum de» protestantischen Toleranzpatentes in. gehaltvoller Weise in den Kreis seiner Betrachtungen zuziehen. Räuber überfallen die Brooklyn-Synagoge. Eine Räubertruppe überfiel dieser Tage die Synagoge in New York-Brooklyn, terrorisierte und beraubte die in der Synagoge weüenden Andächtigen. Den Räubern fielen Geld und Juwelen im Gesamtwerte von etwa 10.000 Dollar in die Hände. Es ist dies der zweite Ueberfall auf eine Synagoge in Amerika in den letzten 14 Tagen. Maler Lesser-Ury gestorben. Einer der bekanntesten Maler Berlins, Lesser-Ury, ist als Neunundsechzigjähriger gestorben, gerade als man daran war, die große Jubiläumsausstellung für den 70. Geburtstag zu besprechen. Lesser-Ury hat zweifachen Ruhm geerntet. Das eine Mal, als er sich — von Posen kommend, nach vollendeten Studien in Paris, Düsseldorf und München — in Berlin niederließ und das damals moderne Straßen-, Kaffee- und Gasthausleben mit etwas dunkler Koloristik, aber impressionistischer Realistik festhielt. Das zweite Mal. als er sich altjüdischen Themen und palästinensischen Landschaften zuwandte, sie mit mystisch-allegorischem Gehalt erfüllte. „Jerusalem", ein Triptychon „Der Menschen". „Adam und Eva nach dem Sündenfall" und andere entstammen dieser jüdisch-symbolischen Epoche. Auch als Porträtmaler hat sich Lesser-Ury Ruhm errungen. Hoffentlich wird die geplante Ausstellung doch noch Zustandekommen und Einblick gewähren in das Lebensbild eines originellen Malers. Fürsorgekomitee Lainz. Wie alljährlich, fand auch heuer anläßlich des Simchas-Thora-Festes eine Jause, verbunden mit musikalischen Vorträgen, für die jüdischen Insassen im Versorgungshaus Lainz, statt. Das Fürsorgekomitee mit seinem Präsidenten Herrn Karl A11 m a n n an der Spitze hat wieder sein Bestes getan, um 200 jüdischen Insassen einen vergnügten Nachmittag zu bereiten. Während die bettlägerigen Pfleglinge vo* Herren und Damen des Komitees auf den Pavillons besucht wurden, welche den Kranken reichliche Liebesgaben überreichten, fanden sich die übrigen Pfleglinge im Saale bei gedeckten Tischen zusammen. Hier konnte man die Rührigkeit des Komitees bewundern, welches in kurzer Zeit die Pfleglinge mit Schokolade. Backwerk, Obst, Rauchwaren und Geldspenden beteilte. Unter den zahlreichen Gästen, die erschienen waren, sah man Rabbiner Dr. T a g 1 i c h t samt Gemahlin, den Verwalter des Versorgungshauses, Oberrechnungsrat L e i n e r, den Oberkantor vom Fünfhauser Tempel, Taschlitzky und Kultusrat G r ü n h u t. Präsident A11 m a n n begrüßte mit herzlichen Worten alle Gäste und Pfleglinge. Rabbiner Dr. Taglicht brachte in einer kurzen Ansprache seine Freude über die Tätigkeit des Komitees zum Ausdruck, worauf Oberkantor Taschlitzky hebräische Gesänge wunderbar zum Vortrag brachte. Julius K o b 1 i t z als Konferencier entledigte sich seiner Aufgabe in humorvoller Weise. Für den musikalischen Teil sorgte Fritz A11 m a n n, Es Alto Saxophon. Fräulein Lotto Fasal. Pianistin. Ernst Klein. Geige, Erich K e s a c o f f. Gesang. Alle Vorträge wurden mit großem Beifall aufgenommen. Herr Verwalter L e i n e r gab seiner Freude -Ausdruck, dem Feste beigewohnt zu haben, und dankte für die wohltätige Gesinnung. Zum Schlüsse richtete Frau Fleischmann einige herzliche Worte an die Pfleglinge. Es war ein Fest der Freude, für welches Herr S c h u 1 h o f im Namen aller Pfleglinge dankte. Der Verein „Ferienheim" (Präsidentin Sophie G r ü n f e 1 d), hat — wie alljährlich — auch im vergangenen Sommer in sein eigenes Heim, den ..Mühlhof" in Bad Vöslau, Ferienkolonien entsendet. Das Heim, welches vollständig neu adaptiert wurde, entspricht allen Anforderungen moderner Hygiene und bot mit seinem riesigen Park 170 erholungsbedürftigen Wiener Kindern in drei Serien einen herrlichen Ferienaufenthalt von je 30 Tagen. Die Kinder wiesen besonders gute Erholungscrfolge und Gewichtszunahmen auf. Ebenso hat der Verein „Oesterreichische Seehospiz". welcher gleichfalls seit vielen Jahren von Präsidentin Sophie G r ü n f e 1 d geleitet wird, im vergangenen Sommer 120 zarte, zur Tuberkulose neigende Kinder i» drei Serien zu je 30 Tagen in sein eigenes Heim im Grado entsendet. Auch diese Kinder haben sich, unter der Einwirkung von Luft, Sonne, Strand und Meer, ausgezeichnet erholt und kamen glänzend aussehend und braungebrannt zurück. Beide Vereine beabsichtigen ein» gemeinsame Aktion, um den bedürftigsten ihrer Schützlinge auch im Winter durch Unterstützung mit Lebensmitteln, Kleidern, Kohle u. dgl.. Hilfe angedeihen z» lassen. 60. Geburtstag. Am 15. d. M. beging der Obmannstellvertreter des Jüdischen Hilfsvereines Prater. Herr Joachim Kutscher seinen 60. Geburtstag. Die intime Feier im blumengeschmückten Sitzungssaale des Jüdischen Hilfsvereines, bei der alle Vorstandsmitglieder und viele Freunde des Jubilars erschienen, eröffnet» Obmann Salo N a t o w i c * mit einer Begrüßungsansprache. Hierauf hielt der Obmannstellvertreter Herr Wilhelm Taplansky eine sehr herzliche Rede. I» der er die Verdienste des wohltätigen Jubilars um de» Verein hervorhob und dessen Bescheidenheit und vietjährige segensreiche Tätigkeit rühmte. Herr Kutscher dankte für die vielen Beweise der Sympathie und versicherte, stets gerne für den Verein wirken zuwollen.

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