Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 39 (25.9.1931)
- Date
- 1931-09-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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!' DIE WAHRHEIT Seite? ©berrabbiner Dr. Altmann-Trier, der zur Einführung seines Sohnes nach Berlin gekommen war. Nachdem hierauf Herr Nußbaum den Rabbiner unter Chorgesang zu seinem Sitze geleitet hatte, richtete der Vater gehallvolle Mahnworte an seinen Sohn. der. wenn auch jung an Jahren, so doch reich an Begabung an einen so verantwortungsvollen Posten gestellt sei. In einer tief durchdachten warmherzigen Predigt zeichnete hierauf Herr Rabbiner Dr. Alexander Alt mann in großen Linien den Weg, den er zu gehen beabsichtigt. Im Anschluß an einen Vers der Haftara und dessen Ausdeutung durch den Midrasch gelobte er, für Verbreitung jüdischen Wissens und jüdischen Lernens, für Ausgestaltung und Förderung des Gottesdienstes im Geiste der jüdischen Tradition, für Erziehung der Jugend zu wissenden und thoratreuen Juden nach seinen besten Kräften Sorge zu tragen. Sein Wunsch und seine Hoffnung sei es, daß er auch auf der Wacht stehen werde, um das Bollwerk des Judentums gegen die in unserer stürmischen Zeit immer höher steigenden Fluten einer revolutionären Strömung, die das Althergebrachte, das Ideelle und Jüdische niederzureißen droht, nach Möglichkeit zu schützen. Personalnachricht. Generalkonsul Dr. Paul Hohenau, Chefredakteur der Zeitschrift „Das neueEurop a", wurde auf Vorschlag des Ministers für die Handelsmarine vom Präsidenten der französischen Republik zum Offizier de l'Ordre du Merite Maritime ernannt. Goldenes Ehrenzeichen und Bühnenvereinsring für Josef Moser. Zum 40jährigen Burgtheaterjubiläum Josef Mosers wurde dem Künstler das Goldene Ehrenzeichen verliehen und vom Bühnenverein, dessen Ehrenmitglied Herr Moser ist, ist ihm der Ehrenring überreicht worden. Direktor Wildgans hielt an den Jubilar eine festliche Ansprache, der Bürgermeister, das Präsidium der israelitischen Kultusgemeinde, der Journalisten- und Schriftstellerverein „Concordia", die Kollegenschaft aus dem Burgtheater (vertreten durch Georg Reimers) und aus der Oper, die Philharmoniker, der Schubertbund und viele Freunde Josef Mosers gratulierten. Angesichts der furchtbar schweren Situation, in der sich in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise die jüdischen Wohlfahrtsinstitutionen befinden, hat Herr Großindustrieller Hans Engel am Jom kipur im Stadttempel S 5000—, im Tempel, III., Erdbergerstraße S 500.— für verschiedene Wohlfahrtszwecke gespendet. Die .lugendgruppe des Tempelvereines „Aeschel- Awrohom" ladet auch auf diesem Wege zu der am Montag, den 28. September 1931, im Giebelsaale des Tempels. II.. Pazmanitengasse 6. %8 Uhr abens stattfindenden Generalversammlung ein. Hochzeitsjubiläum. Am «rsten Neujahrstage fand das 35jährige Hochzeitsjubiläum des Herrn Leopold Berger. Obmann des Simmeringer Tempelvereines, und seiner Gattin Mathilde, geb. Schwarzkopf, statt. Am 7. September wurde bereits die Enthüllung seines Bildes in der Tempelkanzlei vorgenommen, das ihm zu Ehren vom Vorstand gespendet wurde. Beim Aufruf zur Thora hat Herr Berger zahlreiche Spenden wohltätigen Zwecken gewidmet. Nach Beglückwünschung durch den Vorstand hielt Rabbiner Dr. S. M a rg u 1 i e s einen Segensspruch. Der sehr beliebte Oberkantor Max Schidlo rezitierte mit seiner klangvollen Tenorstimme einen Mischeberach in vorzüglicher Weise. 70. Geburtstag. Freitag, den 2. Oktober, begeht der hervorragende Gelehrte und Pädagoge, Studienrat Prof. Dr. Leopold Goldhammer, in voller geistiger und körperlicher Frische seinen 70. Geburtstag. Der Jubilar war nicht nur der gefeierte Gelehrte, der durch seine gedankenreiche Vorträge das geistige Niveau seiner zahlreichen Schüler gehoben hat, sondern auch bei aller Strenge und Gerechigkeit der warmfühlende väterliche Freund der Jugend, die in jeder Not, in jeder Seelenpein und Herzensangst entweder selbst oder durch ihre Eltern sich an ihren Professor wandte, der verständnisvoll und immer hilfsbereit seinen Schülern beigestanden ist. So werden nun an dem 70. Geburtstage des Jubilars viele von der großen Schar seiner ehemaligen Schüler in Liebe und Dankbarkeit ihres einstigen Lehrers gedenken, der ihnen durch Jahre hindurch ein sprudelnder Quell des Wissens und eine schützende Burg während ihres Studiums gewesen ist. Dr. Bernard Lauterstein. — Am ersten Tage Sukoth begeht Herr Samuel Hirsch. Beamter des Bethausvereines „Montefiore", IL. Taborstraße 38. das Fest seines 70. Geburtstages. Wer diesen überaus pflichttreuen und fachkundigen Mann kennt, wird ihm nicht nur höchste Anerkennung zollen, sondern ihn auch ob seiner Gewissenhaftigkeit und Gelehrsamkeit bewundern. Seit etwa 25 Jahren versieht er seinen heiligen Dienst in vielfacher Weise und ist bestrebt, allen an ihn gestellten Anforderungen bereitwilligst nachzukommen. Wir wünschen, daß Herr Hirsch, der sich allgemeiner Beliebtheit erfreut, noch viele Jahre in vollkommener Gesundheit zur Freude seiner Angehörigen und seiner vielen Freunde ein glückliches und zufriedenes Alter genieße. M^yİJÄIHIIR%illTy€MTii* im Glas und ohne Glas, ununterbrochene 30stündige Brenndauer Z« hahea ia alles einschlägigen Geschäften „MANHA" FABRIK CHEMISCHER PRÄPARATE WIEN II., TABORSTRASSE 22 TELEPHON Ht 40-6-1« Böhmisch-Budweis. Am Rosch haschana feierte Rabbiner Prof. Dr. Karl Thieberger sein 25jähriges Jubiläum als Seelsorger der Kultusgemeinde Böhm.- Budweis. Da diese Stadt einst mit Wien in engster Fühlung war, ist der Jubilar österreichischen Fach, und vor allem Bne Brith-Kreisen eine wohlbekannte Persönlichkeit. Denn er hat sein umfassendes jüdisches und allgemeines Wissen sowie seine hervorragenden Geistesgaoen immer gesamtjüdischer Arbeit zur Verfügung gestellt. In seiner Gemeinde begründete er sich durch seine geistvollen Predigten und zahllosen ..Vorträge sowie durch seine stete Hilfsbereitschaft seine überragende Stellung. Herzensgüte lauterster Art und seine Gerechtigkeit gegen jedermann konnten ihm nur Freunde werben. Jeder schätzt an ihm, daß es Dr. Thieberger geradezu Herzensbedürfnis ist, überall einzugreifen, wo er von Sorge oder Not erfährt. So wie sein stets reger Geist immer Betätigung braucht, so auch seine Güte. Die Flüchtlingsfürsorge während des Krieges fand in ihm den richtigen Mann, aber auch die Friedensarbeit. Es gibt keinen jüdischen Verein, dessen Hauptmitarbeiter er nicht wäre; ohne ihn läge das Gemeindeleben brach. Und es braucht nicht betont zu werden, daß dies in Böhmen im gemischtsprachigen Gebiete auf viele Hindernisse stößt, deren Dr. Thiebergers überparteiliches, geniales Führertalent immer Herr wurde. Auch in den Zentralstellen ist er mittätig, scheut weder ausgedehnte Korrespondenz nach allmonatliche Reisen. Daher erstreckt sich sein großer Einfluß nicht bloß auf Südböhmen, sondern auch auf Prag, wo er als eine der bekanntesten und angesehensten Persönlichkeiten der Judenschaft Böhmens gilt, führend im Rabbinerverband, im Gemeindebund, in der Großloge Bne Brith usw. Die Verehrung und Liebe seiner Gemeindemitglieder, die ihm bei jeder Gelegenheit bezeugt wird, hat er sich wohl verdient, denn er ist ein Seelsorger im wahrsten Sinne des Wortes. Aber auch unter den Nichtjuden ist sein Ansehen und sein Einfluß beispiellos, denn man schätzt besonders, wie er der neuen Zeit und allen politischen Richtungen gerecht wurde; er ist eben kein Alltagsmensch, sondern ein Mann seltener Geistes- und Herzensgaben. Möge er viele Jahre zum Segen des Judentums weiter wirken! Todesfall. Am 18. d. M. verschied Buchsachverständiger Hermann Berliner im 83. Lebensjahre. Er war das älteste von 11 Kindern! einer angesehenen Hannoveraner Familie, der berühmte Erfinder des Mikrophons, Emil Berliner, die Gründer der Weltfirma Telephonfabrik Jakob und Josef Berliner: dieser, der Letzte noch Ueberlebende. sind seine Brüder. Er wanderte nach New York aus, kam später nach Zürich und stand als einer der Schriftführer des I. Basler Zionistenkongresses an der Wiege der Bewegung, die er in Zürich organisierte; besonders durch Gründung einer Zeitung „Jüdische Wochenschrift" 1898 kam er in die neugegründete Fabrik seiner Brüder nach Wien. Hier war er einer der Gründer der Toynb e e h a 11 c und beteiligte sich lebhaft an dem religiösen und Vereinsleben im XV. und XIII. Bezirke. Zahlreiche Artikel sind von ihm im volkswirtschaftlichen Teile der angesehensten europäischen Blätter erschienen. Er konnte bis in die letzte Lebenswoche beruflich tätig sein. Bei dem Leichenbegängnisse sprach Rabbiner Dr. T a g 1 i c h t, ein langjähriger Freund, gehaltvolle Worte; es waren anwesend Geheimer Kommerzienrat Martin Berliner aus Hannover, zahlreiche Vertreter der Telephon-Industrie, Mandatare des jüdischen Vereinslebens im XIII. und XV. Bezirk, sowie der Vorstand der „Weiblichen Fürsorge", deren Revisor der Verewigte war. Die kantorale Funktion versah Oberkantor S. E i n h o r n. An der Bahre trauern seine Witwe, die um das Wiener WohJiahrtswesen hochverdiente Bundesfürsorgerat Ida Berliner und drei Kinder aus C. Benedikt. Die jüdische Siedlung in Hankau vernichtet. Die katastrophale Hochflut, welche Stadt und Provinz Hankau zum großen Teil vernichtete, wobei hunderttausende Menschen ums Leben kamen, hat auch die kleine jüdische Siedlung in der Stadt Hankau zerstört. Vor einiger Zeit waren aus C h a r b i n und Shanghai mehrere hauptsächlich aus Rußland stammende jüdische Emigranten nach Hankau gekommen, hatten dort verschiedene Industrie- und Handelsberufe ergriffen und manchen Zweig der Wirtschaft von Hankau zum Blühen gebracht. Diese jüdischen Kaufleute, Industriellen und Handwerker haben nun durch die Hochflut ihr ganzes Hab und Gut verloren, sind obdachlos und befinden sich gleich den übrigen Einwohnern von Hankau in einer äußerst bedrohlichen Lage. Die Mensa academica judaica ohne Geldmittel. Der Verein zur Erhaltung und Förderung der Mensa academica judaica, der sich zur Aufgabe gestellt hat, den Studenten in der Mensa academica judaica ein Mittagessen — oft die einzige Mahlzeit des Studenten — ohne jedes oder nur um ein sehr geringes, an die tatsächlichen Gestehungskosten nicht heranreichendes Entgelt zu bieten, ist zu Beginn des neuen Schuljahres jeder Geldmittel bar. Um doch die Mensa academica judaica. in der hunderte jüdische Studenten ausgespeist werden, wieder eröffnen zu können, sieht sich der genannte Verein gezwungen, die Aufmerksamkeit der gesamten jüdischen Oeffentlichkeit auf diese, für die jüdische Studentenschaft lebenswichtige Institution zu lenken und zur raschen und ausgiebigen Hilfe aufzurufen. Adressen für Geldsendungen: Verein zur Erhaltung und Förderung der Mensa academica judaica. 9. Bezirk, Zimmermannplatz 8; Postsparkassenkonto Nr. 34X372. Verein Machsike Hadatn, zur unentgeltlichen Ausspeisung jüdischer Notleidender, Wien iL. Haidgasse 1. Der seit dem Jahre 1903 in Wien segensreich wirkende Verein „Machsike HadatIi" hat sein neues Heim im eigenen Haus bezogen. In demselben sind die Speiseräume und Kücheueinrichtung den modernsten hygienischen Aniorderungen angepalit. Wöchentlich werden in diesem Verein mehrere Hundert Personen unentgeltlich ausgespeist, und besonders hervurzuheuen ist die üort getrotiene Einrichtung, verschämten armen unu herubgekominenen Personen des Mittelstandes die Speisen in die Wohnung zu schicken. Der rührige Vereinsvorstanci, an dessen Spitze seit der Gründung Herr Jakob März steht, hat anläßlich der Erweiterung seiner Tätigkeit im eigenen Haus eine Mitieistanusküehe eingerichtet und werden für geringes Entgelt aueu Angehörigen des Mittelstandes sehmaeKhatte, streng rituelle bpeisen verabreicht. Trotz Ungunst der Verhältnisse gelang es dem humanitären Vcreme, mit Hille seiner Wiener und auswärtigen Uonner und mit Unterstützung des Wiener Kultusvorstandes bis heute seine Aufgabe zu erfüllen. Der Verein richtet an alle den Appell, mit Rücksicht aui den bevorstehenden Winter und die große Not ihn wie bisher auch lernerlun zu unterstützen. Auiruf. Aus Leserkreisen erhielten wir folgende Zuschrift: Die älteste Tochter des vor einem Dezennium verstorbenen, als Jugeudbildner hochgeachteten und pfu'chtgctreueri Religionsprofessors und Ortschulrates Emil Frankel befindet sich in tiefstem Elend, so daß die 63jährige Frau bar aller Mittel dem Hunger und der Delogierung preisgegeben ist. Professor Emil F r ä n k e I. ehemaliger Oberkantor, war der Schüler seines berühmten Onkels Saiomon S u 1 z e r. des genialen Klassikers synagogaler Liturgie, und wenn auch Generationen ins Grab sanken, so ertönen noch heute die mächtigen melodischen Klänge aus seinem Schir Zion in den Tempeln zur Ehre Gottes nieder. Sollte mau da nicht der armen Großnichte Saiomon Sulzers gedenken und ihren kummervollen Lebensabend durch gute Werke erleichtern? Spenden übernimmt die Redaktion. Grand-Cafe National, II., Taborstraße 18. Dieser seit Jahrzehnten als Familien-Kaffeehaus bestbekannte und namentlich in jüdischen Kreisen besonders beliebte Betrieb wurde am 17. d. M. nach gründlicher Renovierung unter neuer fachkundiger Leitung wieder eröffnet. Bauliche Veränderungen großen Stils wurden vorgenommen, die Kaffeehauslokalitäten und Spielsäle — Bridge- und Rummystuben — modernst ausgestattet, so daß das Kaffeehaus, dessen Lichterglanz schon weitbin eine Anziehungskraft ausübt, geradezu als mustergültig bezeichnet werden kann. Nach dem überaus guten Gelingen des Eröffnungsabends, an dem die neue Leitung von dem zahlreich erschienenen distinguierten Publikum lebhaft beglückwünscht wurde, ist anzunehmen, daß den Besuchern der Aufenthalt in den schönen Kaffeehauslokalitäten und Spielsälen zu einem wirklichen Vergnügen werden wird, das angesichts der durchaus zivilen Preise für vorzügliche Speise und Trank selbst heute jedermann erschwinglich ist. E. Jüdische lüatentafei Berlin. Proiessor Albert Einstein hat. wie die Zeitschrift „Philobiblon" berichtet, als Dank für die Ehrungen, die ihm in Amerika erwiesen wurden, der Bibliothek der Yale-Universität das Originalmanuskript seiner Abhandlungen „Ueber den gegenwärtigen Stand der allgemeinen Relativitätstheorie" überwiesen. Budapest. Vor kurzem beging Primararzt Doktor Samuel Low, einer der populärsten Persönlichkeiten von Budapest, die Feier seines 85. Geburtstages. Er empfing Glückwünsche von vielen Hunderten von Verehrern. Dr. Samuel Low. ein Sohn des ersten israelitischen Predigers von Budapest. Dr. Leopold Low, der als Feldrabbiner am ungarischen Freiheitskrieg teilgenommen hat, übt seit fünfundsechzig Jahren eine ärztliche Tätigkeit aus und liegt auch heute unentwegt seinen ärztlichen Pflichten ob.