Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 37-38 (11.9.1931)
- Date
- 1931-09-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite 9 MÄlNIIMÄ-MMillliyOT im Glas und ohne Glas, ununterbrochene Zi habei ii allei einschlägigen Geschäften 30 stündige Brenndauer m „MANNA" FABRIK CHEMISCHER PRÄPARATE WIEN llM TABORSTRASSE 22 TELEPHON R 40-6-14 läge nichts. Vom Sultan sei die Selbstverwaltung der jüdischen Stadtviertel eingesetzt worden. (Sie besteht aus sechs von den Juden gewählten Vertretern und dem Pascha als Vorsitzenden, hat ■die Rechte und Pflichten einer Stadtverwaltung und «igenes Zwangssteuerwesen.) Nur er könne, wenn er wolle, die Juden für vollkommen selbständig erklären, und erst darin dürften die Franzosen ein Naturaliaationsdekret erwägen. Bei dieser Lage der Dinge hat es natürlich auch nicht ausbleiben können, daß sich innerjüdische Konflikte im Zusammenhange mit der lebenswichtigen Naturalisationsfrage ergaben. Wenn man auch in allen Kreisen der marokkanischen Judenheit zugibt, daß <lie persönliche Sicherheit der Juden unter dem französischen Protektorat gewährleistet scheint, so ist man ■doch geteilter Meinung darüber, ob die Franzosen sich •dem immer mehr anwachsenden Widerstand der Berber gegenüber werden behaupten wollen und können, und ob nicht mit dem Aufhören des französischen Protektorates gerechnet werden muß. Diejenigen jüdischen Notabein, die an diese Möglichkeit glauben, halten es verständlicherweise für inopportun, die französische Staatsbürgerschaft anzustreben. Sie werden von einer geringen Anzahl Juden unterstützt, die noch heute die spanische Staatszugehörigkeit besitzen und behalten wollen. Die Diskussionen über dieses Thema haben ihr Echo auch in den Unterredungen gefunden, die Präsident Doumergue mit jüdischen Delegationen in Rabat, Casablanca, Marakesch und Meknes führte. Es "wurde ihm überall eine enthusiastische Aufnahme an den Toren der Ghetti bereitet. Die jüdische Gemeinde von Fez überreichte ihm einen von jhren Mädchen gewebten wertvollen Teppich. Bei den Ansprachen der jüdischen Notabein kam aber zum Ausdrucke, daß sie erwarten, Frankreich werde ihren Patriotismus, den sie in letzter Zeit eifrig betätigt bähen, auch durch die Naturalisierung lohnen. TonWotfie zu Wodke Die neue Verfassung in Jugoslawien. Die neue Verfassung des Königreiches Jugoslawien, die eine Aufhebung der Diktatur und eine Rückkehr zum parlamentarischen System verkündet, enthält folgende für die jüdische Gemeinschaft wichtige Bestimmungen: Sämtliche Staatsbürger sind vor dem Gesetze gleich und genießen den gleichen Schutz seitens der Behörden. Religions- und Gewissensfreiheit wird garantiert Der Genuß bürgerlicher und politischer Rechte ist vom Religionsbekenntnis unabhängig. Die rezipierten und anerkannten Religionsbekenntnisse sind in ihrem internen Religionsangelegenheiten autonom. Falls das Budget Ausgaben für Religionszwecke vorsieht, so sind •diese Summen proportionell unter die rezipierten nnd anerkannten Religionsbekenntnisse zu verteilen. Religionsfunktionäre dürfen nicht ihr geistiges Amt für Parteizwecke mißbrauchen. In Andachtsstätten und bei religiösen Manifestationen ist jede politische Agitation verboten. Sämtliche Schulen müssen das staatsbürgerliche Bewußtsein im Sinne nationaler Einheit und religiöser Toleranz entwickeln. Sämtliche Staatsämter sind allen Staatsbürgern unter gesetzlichen Bedingungen in gleicher "Weise zugänglich. Kein „neuer Numerus clausus" in Ungarn. Im Zusammenhang mit der bekannten Erklärung ■des neuen Ministers für Kultus und Unterricht, Doktor Alexander Ernszt. bezüglich einer Erweiterung des „Numerus clausus" sind in ausländischen Blättern und besonders in der ausländischen jüdischen Presse Veröffentlichungen erschienen, die an die Worte des Ministers verschiedene weitgehende Kombinationen knüpfen. Die ungarländischen Vertreter der Jewish Agency. Dr. Ignacz Friedmann und Dr. Josef Patai. wurden nun von zuständiger Seite ersucht, mitzuteilen, daß Kultusminister Dr. Ernszt keinen Augenblick die Absicht hatte, irgend welche konfessionelle Fragen aufzuwerfen •oder auch nur zu berühren. Als der Minister den Ausdruck „Numerus clausus" gebrauchte, dachte er absolut nicht daran, daß man in diesem Ausdruck, der im Auslande so sehr odiose Vorstellungen erweckt hat, konfessionelle Einschränkungen hineindeuten werde, die der Auffassung des Ministers ganz entschieden ferne standen. Der Minister hatte bei dieser Erklärung einzig und allein das unter den heutigen so überaus schweren Verhältnissen in der Tat nahezu unlösbare Problem der Berufsumschichtung vor Augen, zu dessen Lösung auch «Jäe Verringerung des intellektuellen Proletariates und die Hinleitung der Jugend auf die praktischen Laufbahnen gehört, was im gleichen Maße die Bauernschaft und die agrarische Arbeiterschaft, wie auch andere von -der allgemeinen Krise betroffene wirtschaftliche Schichten interessiert. Aber auch das hat der Minister nur als einen in ferner Zukunft auftauchbaren Fragenkomplex berührt, woraus auf die Aktualität irgend welcher Verfügungen überhaupt nicht gefolgert werden kann, geschweige denn auf irgend welche Rechtseinschränkung auf konfessioneller Basis. Am besten beweist dies die Tatsache, daß Ministerpräsident Graf Julius Karolyi im Abgeordnetenhause gehaltenen Rede ausdrücklich erklärte, daß „in diesem Lande zwischen Bürger und Bürger auf konfessioneller Basis kein Unterschied gemacht werden dürfe". Auf diese Erklärung des Ministerpräsidenten hin hat sich sogar der Führer der christlichen Wirtschaftspartei Karl Wolff zu der Erklärung veranlaßt geführt, daß er die konfessionelle Unterdrückung für unvereinbar mit der christlichen Ethik halte.!.'•!..U*!j Sabbathentweihung in Palästina. Anläßlich der Baseler Tagung der Jewish Agency hat sich derWeltverbandSchomre Schabbos als die internationale Oberparteiliche Organisation zum Schutze des Sabbath an den Council der Agency mit der Bitte gewandt, seine Autorität zugunsten einer endgültigen Lösung des um die Fußballspiele des Jerusalemer Makkabi entstandenen Konfliktes einzusetzen. Der Weltverband hat in seinem Protestschreiben zum Ausdruck gebracht, daß er sich in einem besonderen Sinne mit Palästina verbunden fühle. Palästina sei das einzige Land, in welchem die Beobachtung des Sabbath keinen ernsthaften Schwierigkeiten begegne, indem der Sabbath für die jüdische Bevölkerung nicht nur religiöser, sondern auch nationaler Wochenendruhetag sei. Das Heilige Land sei daher berufen, ein Vorbild in der Heilighaltung des Sabbath zu sein. Unter diesen Umständen wecke die öffentliche Entweihung des Sabbath, wie sie in den umkämpften Fußballspielen zum Ausdruck komme, doppelten Schmerz und Enttäuschung. Die wiederholten Zusammenstöße, zu denen es in den letzten Monaten gekommen sei, trübten nicht nur das religiöse Leben, sondern müßten jeden Freund des palästinensischen Aufbauwerkes, welcher Richtung er auch angehören möge, auf das schmerzlichste berühren. Das Präsidium des Weltverbandes erwarte, daß der Rat der Agency Mittel und Wege finden wird, um den Streit in einer alle Teile befriedigenden Weise zu lösen, nicht im Sinne von Kompromissen, die keine Partei befriedigen würden und notwendigerweise zu immer neuen Konflikten führen müßten. Es sei insbesondere notwendig, der sportlustigen palästinensischen Jugend in stärkerem Maße die Möglichkeit zu geben, ihre Spiele an einem Wochentage auszutragen. Der Weltverband verwies in diesem Zusammenhange auf die in mehreren Ländern bestehende und vielfach bewährte Einrichtung eines arbeitsfreien Nachmittags der Woche. — Eine Antwort auf dieses Schreiben ist bisher nicht bekannt geworden. Die Kalenderrefonnirage. Das in Oslo erscheinende „Dagbladet", die angesehenste Zeitung Norwegens, würdigt in einem freundlich gehaltenen Artikel, der an ein Interview mit dem Osloer Rabbiner Julius Samuel anknüpft, die seelische Not, die Millionen gläubiger Menschen treffen würde, falls der Sabbath dem „Moloch derNormalisierung" zum Opfer fiele. Das „Dagbladet" gibt der Erwartung Ausdruck, daß bei der Neugestaltung des Kalenders die vitalen Interessen der religiösen Minoritäten nicht unberücksichtigt bleiben werden. „Zehn Tage Antireligion." Im Hinblick auf die bisherige Erfolglosigkeit der Kampagne gegen die Haltung der hohen jüdischen Feiertage hat das Hauptbüro der Atheisten zur Bekämpfung der traditionellen „Zehn Tage innerer Einkehr" (Assereth jeme teschubah) „Zehn Tage Antireligion" proklamiert. Die lokalen Atheisten-Komitees wurden angewiesen, mit allen Kräften die Tätigkeit der jüdischen religiösen Funktionäre lahmzulegen. Gefährdung des Jüdischen Schulbetriebes in SowietruBland. Dem soeben veröffentlichten Bericht einer .JBrigade", die die jüdische Abteilung des „Zentralverlags" (sowjetrussischer Hauptverlag für Schulbücher) zu inspizieren hatte, ist zu entnehmen, daß im kommenden Schuljahr in Sowjetrußland ein außerordentlich starker Mangel an jüdischen Lehrjüdischen Schulen erscheint hierdurch ernstlich bedroht. Auch im vergangenen Schuljahr hatte der Lehrbetrieb in den jüdischen Schulen unter dem Büchermangel schwer zu leiden. Fast drei Viertel des Jahres hindurch gab es an den jüdischen Schulen der Sowjetunion überhaupt keine Lehrbücher. Für das vergangene Schuljahr war die Ausgabe von 37 neuen jüdischen Lehrbüchern angekündigt, darunter sieben mathematischen, fünf naturwissenschaftlichen Lehrbüchern, vier jiddischen Grammatiken, zwei Chemie-Büchern, sechs Sprachlehrbüchern u. a. m. Von diesen Lehrbüchern sind zehn in jiddischer Sprache verfaßte Neuausgaben, die übrigen Uebersetzungen ukrainischer und russischer Lehrbücher. Am Ende des Schuljahres sind erst 8 von diesen Büchern tatsächlich erschienen. Die Untersuchungsbrigade hat festgestellt, daß an diesem Zustand sowohl die Verfasser der Lehrbücher, wie auch Druckerei und Verlagsverwaltung Schuld tragen. Auch die bereits erschienenen Lehrbücher wurden ungünstig beurteilt Die Brigade hat praktische Maßnahmen zur Vermeidung der im Vorjahre bei der Lehrbücherversorgung gemachten Fehler vorgeschlagen. Trügerische Hoffnungen. „The Jewish Guardian", eines der drei in englischer Sprache in London erscheinenden jüdischen Wochenblätter, hat am 14. August nach fast 12jährigem Bestand sein Erscheinen eingestellt. Zu den Gründern des Blattes, das als Organ jenes Teiles der englischen Judenheit gedacht war, der sich gegen die zionistischen Anschauungen wandte, die von den beiden anderen englisch-jüdischen Wochenschriften, „Jewish Chronicle" und „Jewish World" vertreten werden, gehörten Sir Charles Henry, Lord Swaythling, Dr. Israel Abrahams, Sir Philip Magnus, Dr. Claude G. Montefiore und andere der League of British Jews nahestehende Persönlichkeiten. Dr. Claude G. Montefiore war seit ihrer Gründung Direktor der Zeitschrift, seit 1925 auch Vorsitzender des Verwaltungsausschusses. Chefredakteur war Laurie Magnus, ein Sohn von Sir Philip Magnus. In der letzten Nummer des „Jewish Guardian" veröffentlichte Dr. ClaudeMontefiore einen Artikel, in dem er darlegt, aus welchen Erwägungen heraus seinerzeit die Wochenschrift gegründet wurde. Es sollte die Anschauung, daß die Juden eine Nation wie alle übrigen, etwa wie die Dänen oder Schweden, nicht aber ein Volk von besonderer religiöser Eigenart seien, bekämpft werden. Heute habe „Jewish Guardian" seine Aufgabe erfüllt. Die Mehrheit der Zionisten, zumindesten in England, sei in ihren Anschauungen gemäßigter als damals. Sie haben den Gedanken der Gründung eines Judenstaates aufgegeben und ihn den Revisionisten überlassen. Die Hoffnung, daß die Zionisten auf dem Wege seien, zu erkennen, daß der einzig wertvolle Zionismus ein geistiger sei, daß die Juden durch den Glauben geeint werden oder geeint werden sollten, nicht aber durch den blutsmäßigen Zusammenhang, sei wohl nicht zu weitgehend. Der nationalistische Zionismus sei im Niedergang, der kulturelle oder geistige Zionismus im Aufstieg. Unter diesen Umständen habe der „Jewish Guardian" sein Ziel weitgehend verwirklicht. » * In einem Brief an George Goetz, den Generalsekretär der „Vereinigung für das liberale Judentum" und Redakteur der „Jüdisch-liberalen Zeitung", teilt Dr. Claude G. Montefiore mit, der „Jewish Guardian" habe zumindest in bezug auf den reinen nationalen Zionismus seine Aufgabe erfüllt, indem er diese nationalistische Richtung nach Kräften bis zur Erreichung des heutigen Tiefpunktes geschwächt hat. Wenn aber ein Teil der deutsch-jüdischen Presse Dr. Montefiores Abschiedsartikel so aufgefaßt habe, als spreche er sich für einen geistigen, d. h. für den Kulturzionismus aus, so sei Claude G. Montefiore durchaus falsch verstanden worden. Dr. Montefiore ist nach wie vor schärfster Gegner des jüdischen Nationalismus oder, was das gleiche ist, des nationalistischen Zionismus. Da aber kultureller und nationaler Zionismus oft ineinander übergehen und nahe Verbündete sind, so ist Herr Dr. Montefiore schon allein aus diesem Grunde auch Gegner des Kulturzionismus. in semer anläßlich der Vörsteflung des neuen Kabineftsbüchern herrschen wird. Der Betrieb in den Professorswitwe nimmt Mädchen oder jungen Mann in ihrem alten Haushalt in Panslon. Eigenes Zimmer, erstklassige Verpflegung. Bad-, Telephon- und Klavierbenützung. Telephonische Anfragen zwischen 10 und 3 Uhr unter R12-8-47 erbeten.