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Die Wahrheit · 1931-08-21 · Heft 34 (21.8.1931) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 34 (21.8.1931)
Date
1931-08-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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PflB WAHRHEIT General Wauchope in den Ritterstand erhoben. Der neuernannte High Commissioner für Palästina, General Arthur Grenfell Wauchope, wurde zum Kommandeur des Bath Ordens ernannt und damit in den Ritterstand erhoben. 80. Geburtstag Dr. Strauchers. Am 11. August beging der Altmeister der jüdischen Politik Rumäniens, Herr Dr. Benno Straucher, im engsten Kreise seiner Getreuen seinen 80. Geburtstag. Reiche Erfahrung, viel politischer Sinn und zähe Energie zeichnen diese markanteste jüdische Persönlichkeit Rumäniens aus. Er zählt zu den seltenen und unbezwingbaren Figuren des öffentlichen Lebens, die, wie ein Kapitän auf der Kommandobrücke, bis zum letzten Augenblick auf der politischen Bühne ihre Lebensaufgabe mit ganzer Kraft und unverminderter Geistesschärfe erfüllen. Und so steht dieser tatkräftige Mann, obwohl er mit Glücksgütern nicht ausgestattet ist und selbst darbt, wie ein Fels mitten in der Brandung von Gegnern und Feinden, um Turmeslänge aber jene überragend, die das Steuerruder der Czernowitzer Gemeinde für sich reklamieren, und will „seine" Kultusgemeinde, der er 40 Jahre vorgestanden ist, sanieren. Und es gibt viele, auch unter seinen bisherigen Gegnern, welche ihn als das letzte Auskunftsmittel ansehen, die jüdische Gemeinde Czer- 1 nowitz vor ihrem Untergange zu retten. Zwei interessante Kantoren-Jubiläen. Fragt Ihr mich, was das Schöne sei? Seht zu, ob ich's verfehle. Ein Gleichnis beut die Liebe mir: Es geht vom Körper aus gleich ihr, Und endigt in der Seele. Grillparzer. Wem es nahe geht, daß aus den tief zu beklagenden Symptomen, die dem heutigen jüdischen Kantorentume anhaften, der unaufhaltsame Verfall desselben erkennbar ist, der wird in seiner Wehmut darüber, daß die Judenheit ein solch edles, erhabenes Fach verkümmern, ja zugrunde gehen läßt, eine Aufatmungspause eintreten lassen, wenn ihm Kantoren vorgeführt werden, vor denen man unwillkürlich ausrufen muß: „Kemossom jirbeh bejissroel", „es mögen ihresgleichen viele in Israel erstehen." Solche Lichtgestalten sehen wir in den Herren Oberkantoren David Meisel in Karlovac und Armin Wilkowitsch in Eger, deren Gemeinden in den nächsten Tagen die 25jährigen Dienstjubiläen der Genannten festlich begehen. David Meisel wurde am 17. September 1885 als Kind streng religiöser Eltern in Holleschau (Mähren) geboren. Nach Absolvierung der Volksschule in seinem Heimatsorte ging er nach Brünn, wo er, neben der Realschule, die von Oberkantor Josef Heller geleitete Kantorenbildungsanstalt durch volle 6 Jahre besuchte und daselbst eine gründliche gesangliche, musikalische und kantorale Ausbildung erhielt Mit 18 Jahren wurde er in der altehrwürdigen Gemeinde Mährisch-Ostrau als Kantor und Kanzleibeamter engagiert und am 1. September 1906 mit Stimmeneinhelligkeit zum Oberkantor und Sekretär der Kultusgemeinde in Karlovac gewählt, wo er in dieser Eigenschaft 25 Jahre segensreich wirkt Als hervorragend begabter, echter Kantor hat er sowohl den synagogalen Chorgesang auf ein hohes Piedestal gestellt, wie auch durch sein seelenvolles Singen und Rezitieren, auch mit den von ihm bevorzugten vornehmen einfachen Weisen, große Wirkungen erzielt ganz im Sinne des Dichterwortes: „Ein kleines Lied, wie geht's nur an, Daß man so lieb es haben kann, Es liegt darin ein wenig Klang, Ein wenig Wohllaut und Gesang Und, eine ganze Seele." Einen ganz besonderen, von Weltblättern verkündeten Ruf erwarb er sich als Dirigent des dortigen 80stimmigen bürgerlichen gemischten Chores „Tora" und kein Geringerer als der König von Jugoslawien, Se. Majestät Alexander I., spendete ihm vor einigen Monaten, nach Anhörung eines unter der Leitung Meiseis aufgeführten Chores lautes Lob, das in eine Einladung der „Tora" ausklang, bei den im Dezember d. J. anläßlich des Allerhöchsten Geburtstages stattfindenden Veranstaltungen in Beograd mitzuwirken. Seiner Tüchtigkeit, Lauterkeit und Unerschrockenheit verdankt er seine einstimmige Wahl zum Präsidenten des Kantorenverbandes in Jugoslawien. Von seiner selten großen Beliebtheit zeugen die Umstände, daß der jugoslawische Kantorenverband zu Ehren des Bethaus in der Mensa academica jndaica. Der Verein zur Erhaltung und Förderung der Mensa academica judaica veranstaltet auch heuer anläßlich der hohen Feiertage im Lokale der Mensa, IX., Zimmermannplatz 8. einen Gottesdienst (Minjon). Für gute Vorbeter wurde gesorgt. Das Reinerträgnis wird zur Gänze für Freitische an arme Studenten verwendet werden. Der Kartenverkauf findet täglich von 9 bis 4 Uhr im Sekretariate der Mensa, IX., Zimmermannplatz 8, Telephon Nr. A 25-2-28, statt. MÄNNÄ^MHiiiiTycHiiR im Glas und ohne Glas, ununterbrochene 30 stündige Brenndauer Zi tabei ii alles eiascbläglgei Bucinftei „MANNA" FABRIK CHEMISCHER PRÄPARATE WIEN II., TABORSTRASSE 22 TELEPHON II 40-4-14 Jubilars eine Festschrift erscheinen läßt und daß eine stattliche Anzahl von Kantoren Jugoslawiens die Weihe und den Glanz des in Karlovac aus Anlaß dieses Jubiläums stattfindenden Festgottesdienstes durch ihre Mitwirkung zu erhöhen bestrebt sein wird, um dem Jubliar „mit dem Liede zu danken" („umischiri akodenu"). Armin Wilkowitsch, geboren am 14. Juli 1870 in Kalwarja, Litauen, als Sohn eines Talmudgelehrten, besuchte mehrere Jeschiwos seiner Heimat und wirkte schon als zehnjähriger Knabe in großen Synagogen als Vorbeter. Als Zwanzigjähriger kam er zu seinem Bruder Israel nach Deutschkreutz, trat kurz darauf den Posten eines Vorbeters in Szt Istran (Slowakei) an, erlangte dann von der Baronin Hirsch durch deren Leibarzt Dr. Tandlicht ein Stipendium, das ihm dazu verhalf, drei Jahre die Gesangschule F. Josef Löwenstamms und die Klavier- und Musikschule Professor S. Storchs zu frequentieren. So ausgerüstet kam er im Jahre 1894 als Kantor nach Eibenschitz (Mähren), dann nach Gewitsch (Mähren) und im August 1906 erhielt er die Berufung als Oberkantor nach Eger in Böhmen, woselbst er bis zum heutigen Tage in mustergültiger Weise wirkt Armin Wilkowitsch veröffentlichte eine große Anzahl von Musik- und Fachartikeln und feuütetonistfschen Arbeiten in jüdischen und anderen Zeitschriften und Tagesblättern, auch ht diesem Blatte. Seit vielen Jahren bringen die Verlage W. Paschels & Sohn und Jakob B. Brandeis, beide in Prag, in ihren Jahresbüchern Novellen und Gedichte lediglich aus seiner Feder und seit drei Jahren redigiert er die „Jüd. Bäder- und Kurortezeitung", die zusammen mit der „Jüd. Volksstimme" in Brünn versandt wird. Er fungiert auch beim Kreisgericht in Eger als russischer, polnischer und hebräischer Translator. Derzeit ist er Vorsitzender der Kantorensektion der Organisation der Beamten und Angestellten der israelitischen Kultusgemeinden in der C.S.R. Die Feier seines 25jährigen Dienstjubiläums in Eger wird durch einen am 22. d. M. stattfindenden Festgottesdienst in der dortigen Synagoge gekrönt werden. Ziehen wir aus diesen vor uns aufgeschlagenen Lebensbüchern die Bilanz, so sehen wir, daß das Streben unserer beiden Jubilare von dem folgenden Gedankengange getragen war: 1. Für den jüdischen Ke&r, soll er seiner Aufgabe gewachsen sein, ist eine gründliche wissenschaftliche und künstlerische Ausbildung nach jeder Richtung hin unerläßlich. 2. Aber auch in der Zeit seiner Amtstätigkeit sollen anregende fortbildende Studien seinen Geist beschäftigen. 3. Er soll sich nicht auf sein Vorbeteramt in der Synagoge beschränken, sondern von dem Bestreben erfüllt sein, seinen Kreis weit zu ziehen und durch Betätigung auch auf anderen Wissenschafts- und Kunstgebieten dem Judentume zur Ehre gereichen. Dann wird auch seine Wirksamkeit als Kantor im Lichte allgemeiner ehrenvoller Anerkennung erglänzen. Möge es unseren beiden Jubilaren noch sehr lange vergönnt sein, zur Freude ihrer Gemeinden, ihrer Familien und der Judenheit wie bisher zu wirken! Josef Rendi-Zagreb. Merores-Waisenhaus. Am 15. d. M. sind 25 Jahre verflossen, seit Frau Johanna Lehmann als Leiterin der Merores-Waisenhaus-Stiftung berufen worden ist. Geboren in Warburg (Westfalen), hatte sie im Alter von 18 Jahren mit Absolvierung der Lehramtsprüfung in Münster die Befugnis zum Unterricht an Volks-, mittleren und höheren Töchterschulen erlangt. Nach stets erfolgreicher erzieherischer Betätigung in Deutschland, Belgien und England, zuletzt an einer höheren Töchterschule in Hamburg, gelang es ihrer eminenten pädagogischen Bildung und Begabung, unserer Wiener Anstalt, dem Merores- Waisenhause, den berechtigten Ruf einer Musteranstalt zu erringen. Sie hat die schwierige Erziehung namentlich der erwachseneren Zöglinge mit von Liebe gepaartem Ernst und mütterlicher Hingebung in diesen 25 Jahren höchst fürsorglich geleitet. Die gegenwärtigen Zöglinge des Hauses haben letzten Sonntag den Gefühlen ihrer Liebe, Verehrung und Anhänglichkeit an ihre um sie so verdienstvolle Leiterin mit der gelungenen Aufführung eines von dem bewährten Hauspoeten Fräulein Herta Schwarzbart verfaßten Singspieles Ausdruck gegeben, das in einer Huldigung auf die Jubilarin ausklang. Ein intimer Kreis von Mitgliedern des Damen-Komitees und des Kuratoriums hat vorläufig bei dieser Gelegenheit Anlaß genommen, der Jubilarin seine gerechtfertigten Sympathien zu übermitteln, was insbesondere in einer Ansprache des Präsidenten des Kuratoriums, Herrn Vizepräsidenten der Kultusgemeinde Dr. J. O r n s t e t n, an die Kinder zum ebenso herzlichen wie beredten Ausdruck kam. Er würdigte in warmen Worten die hohe Berufsauffassung, die vorbildliche, sorgsame und sachverständige Leitung und betonte die große Dankesschuld der früheren und jetzigen Zöglinge der Anstalt und des Aufsichtsrates derselben. Todesfälle. Am 15. d. M. verschied im Kaufmännischen Sanatorium nach kurzem Leiden der langjährige Inhaber des „Cafe Donau" in der Praterstraße, der Fürsorgerat J o s e f B1 a u, ein in weitesten Kreisen des II. Bezirkes bekannter und beliebter Mann, und wurde aon 17. d. M. zu Grabe getragen. Das Leichenbegängnis dieses edlen, in der öffentlichen Wohlfahrtspflege durch viele Jahre selbstlos und stets hilfsbereit tätig gewesenen Menschenfreundes gestaltete sich zu einer imposanten Trauerkundgebung. Zahlreiche Vereine, Korporationen, eine kaum übersehbare Schar aus dem Kreise seiner Freunde und Bekannten waren erschienen, um dem Entschlafenen die letzte Ehre zu erweisen. Die kantorale Funktion versah Oberkantor Heinrich Fischer in ergreifender Weise. Rabbiner Dr. M. R o s e n m a n n wies in seinem Nachrufe in beredten Worten auf die hervorragenden Charaktereigenschaften hin, durch die sich der Verewigte die Hochachtung seiner Mitbürger zu erwerben verstand. Mit seiner Gattin in vorbildlicher, harmonischer Ehe verbunden, war er auch seinem Kinde stets ein liebender und guter Vater. In angeborener Herzensgüte stellte er sich in den Dienst der Nächstenliebe und war viele Jahre hindurch in verdienstvollster Weise als Fürsorgerat tätig. Die Religiosität, die er in seinem Vaterhause vor sich gesehen hatte, übte er in inniger Frömmigkeit bis zu seinem letzten Atemzuge. Insbesondere erwähnte Dr. Rosenmann lobend, daß der Verklärte seine Enkelkinder selbst an jedem Schabbos zum Jugendgottesdienste führte. Bethausvorsteher Planer hob in seinen Gedenkworten besonders die Art hervor, in der der Verblichene ohne Rücksicht auf seine Person für die Fürsorgezwecke der Gemeinde arbeitete. Am offenen Grabe nahm Oberkantor Fischer tief bewegt Abschied von dem Dahingegangenen. Er dankte ihm in warmen Worten für die vielfachen Beweise treuer und aufrichtiger Freundschaft und Wertschätzung, die er ihm während der ganzen Zeit seines Wirkens in Wien gewidmet hatte. Zum Schlüsse rezitierte Kantor Kunstadt namens der „Adas Israel" das el mole rachamim in ergreifender Weise. — In Baden starb am 17. ds. Frau Hermine Wolf, geb. N e u b r u n n im 86. Lebensjahre. Die Verstorbene war die Mutter der Inhaber der Weingroßhandlungsürma Leop. Wolfs Söhne in Eisenstadt. Die Leiche wurde am 18. ds. nach Eisenstadt überführt. Die Kultuswanlen in Baden, welche kürzlich stattfanden, ergab folgendes Resultat: Kultusausschuß: Heinrich Fleischmann 150 Stimmen, Alexander Braun 145, Moritz Letzter 145, Max Deutsch 137, Pollitzer Traiskirchen 137. Adolf Geiles 136, Leopold WeiStnann 136, Ignatz Kohn 135, Anton Stern 134, Bardach 134. Ernö Ehrenstein 133 und Benno Schallinger 133 Stimmen. — Ersatz im änner: Bernhard Affenkraut 141, Dr. Josef Alles 138, Ignatz Gelles 136 und Adolf Lackenbacher 133 Stimmen. — Verstärkter Kultusausschuß: Leo Ehrlich, Vöslau, 240, Ignatz Kessler 145, Julius Glaser 140. Dr. Samuel Deutsch 139. Jakob Moser 138, Max Schischa 137, Josef Spitz 136, Ludwig Reiß 135, Julius Schlesinger 134, Schneider Albert, Schönau. 134, Josef Ungar 133 und Ernst Hönigsberg, Bernd'orf, 133 Stimmen. — Von den in den beiden Ausschüssen zu besetzenden Mandaten eroberte der Vereinigte Jüdische Wirtschaftsblock 17 und außerdem aNe 4 Ersatzmänner, die Neue Vereinigung für Jüdische Gemerndearbeit 7 Mandate. — Bei der Konstituierung des Ausschusses wurden gewählt: Die Herren Anton Stern zum Präsidenten, Heinrich Fleischmann zum Vizepräsidenten. Moritz Letzter zum ersten und Adolf Gelles zum zweiten Beirat. Sämtliche gewählte Vorstandsmitglieder gehören dem Vereinigten Jüdischen Wirtschaftsblock an. I i religiöse, feinfühlende, tüchtige I Kindergärtnerin I für September. Familienanschluß. ■ _Falk, Budapest. Rädaygasse Nr. 37._■

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