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Die Wahrheit · 1931-07-17 · Heft 29 (17.7.1931) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 29 (17.7.1931)
Date
1931-07-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite 7 beteiligen. Der Centraiverein hat gleich vielen anderen Einzelpersönlichkeiten und Organisationen eine Marmorplatte für die Wand der inneren Halle des Ehrenmals gestiftet und war bei den Einweihungsfeierlichkeiten in Mainz am 5. Juli dieses Jahres vertreten. Was sagt der Kongreß dazu? Unter tragischen Umständen hat der 72 j ä hrige Jehuda Abraham Cohen in Tel Aviv Selbstmord begangen. Cohen, der in der Kolonie Kirjath Schaul ein Grundstück und ein Haus besaß, hatte, nachdem er auf Qrund eines Touristenvisums aus Saloniki nach Palästina gekommen war, ein Gesuch um dauernde Aufenthaltsbewilligung eingebracht. Er hatte auch durch Bescheinigung des Palästinaamtes der Zionistischen Organisation in Saloniki den Besitz von 400 Pfund nachgewiesen. Aus Verzweiflung darüber, daß sein Gesuch trotzdem abgewiesen wurde, hat der Greis seine Kleider in Brand gesetzt und ist an den erlittenen schweren Verletzungen gestorben. Die Araber haben Einsehen . . . Vertreter der Jerusalemer Agudas Jisrael haben beim Großmufti vorgesprochen und ihn ersucht, das ägyptisch-mohammedanische Team, das an einem der nächsten Sabbathtage ein Wettspiel gegen den Jerusalemer Makkabi austragen soll, telegraphisch aufzufordern, das Wettspiel abzusagen. E)er Großmufti hat sieh hierzu bereit erklärt. Das neue ungarische Parlament Dem neugewählten ungarischen Parlament werden sechs jüdische Abgeordnete angehören. Auf der Liste der Regierungspartei wurde Dr. Geza D e s i wiedergewählt; von den der Opposition angehörenden jüdischen Abgeordneten des alten Parlaments werden Paul Sandor, Ernst B r o d y, Eugen G a a 1 und Bela Fabian auch dem neugewählten Hause angehören. Neu gewählt wurde der Demokrat Dr. Johann Vaszonyi, der Sohn des verstorbenen ehemaligen Justizministers und Demokratenführers Wilhelm Vaszonyi. In ungarisch-jüdischen Kreisen wird es lebhaft bedauert, daß einer der bedeutendsten Vorkämpfer des .ungarischen Judentums, Dr. Marzell Baracs, im Wahlkampf unterlegen ist. "Von den Rassenschützlern sind Stefan L e n d-;väy, Ladislaus Buduwary, Franz Ü1 ain, Ivan H e j j a s und Johann Z s i r ka y im Wahlkampf unterlegen.' Dagegen wurde Baronin Philipp O r o s d y, eine Schwester des Barons Moritz Herzog von Csete, der bis zum Jahre 1919 Vorstandsmitglied der Pester israelitischen Kultusgemeinde war, auf Grund eines extrem christlichen Programms in das neue ungarische Parlament gewählt. Trotz ihrer jüdischen Abstammung hat Baronin Orosdy schon in der Vorkriegszeit den P r oselytismus unter den Juden gefördert. Das hat noch gefehlt.; , In der letzten Berliner Stadtverordnetenversammlung beantragte die nationalsozialistische Fraktion, nur noch arische Geflügelhändlerin den Markthallen zuzulassen. Die Abstimmung über den Antrag wurde vertagt. Jüdisdke Ihrentafel Paris. Professor Carl Neuberg, der Direktor des Kaiser Wilhelm-Instituts für Biochemie in Berlin-Dahlem, hat auf Einladung der Societe Chimique de France und der Societe de Chimie Biologique in Paris Vorträge gehalten. Dem Gelehrten ist die Pasteur-Medaille, die Leblanc-Medaille und die Pasteur-Qedächtnis-Plakette verliehen worden. Der 1877 in Hannover geborene berühmte Biochemiker wurde 1919 ordentlicher Professor an der Universität Berlin, 1922 Professor an der Landwirtschaftlichen Hochschule Berlin und im gleichen Jahre Träger der Emil Fischer-Medaille des Vereins deutscher Chemiker. Er hat auf dem Gebiete der Zuckerarten, des Eiweißstoffwechsels und der biochemischen Wirkungen des Lichtes epochale Entdeckungen gemacht London. Der Bonner Historiker Professor Dr. Wilhelm Levison ist zum Ehrendoktor der englischen Universität Durham ernannt worden. Der 1876 in Düsseldorf geborene Historiker wurde 1920 ordentlicher Professor an der Universität Bonn. Er arbeitete 1899 bis 1919 an der Herausgabe des großen Quellenwerkes zur deutschen Geschichte, im MA, Monumenta Germaniae Historica, mit, und gab in dieser Sammlung einige Bände der Scriptores rerum Merovingicarum heraus. Er veröffentlichte ferner die Vitae S. Bonifatii, „Politische Geschichte des Rheinlandes" u. a. m. Budapest Der Kultusminister Graf Klebeisberg hat die Habilitierung des Oberrabbiners Dr. Armin Kecskemeti aus Mako zum Privatdozenten an der Universität Szeged für jüdische Geschichte im Altertum bestätigt. Dr. Kecskemeti ist ein bekannter Forscher der Geschichte des Judentums; seine „Geschichte der jüdischen Literatur" und „Universalgeschichte der Juden" haben in Ungarn große Bedeutung erlangt Seine Habilitierung ist seit dem Kriege die erste für einen Zweig der Geschichte des Judentums. Semeinde-tfhronifc. Synagogenbrände. Eine der ältesten Synagogen Lettlands, das Preiler Minjan in Dwinsk, ist niedergebrannt Das Feuer griff auch auf die durchwegs von Juden bewohnten angrenzenden Gebäude über» von denen mehrere vollkommen zerstört wurden. Zahlreiche jüdische Familien sind obdachlos geworden. Die große Synagoge in Charbin wurde durch einen Brand, der. vom Dachgeschoß ausgehend, sich mit großer Schnelligkeit über das ganze Gebäude ausbreitete, volliständig vernichtet. Unmittelbar nach Ausbruch des Brandes strömten die jüdischen Einwohner herbei, um die Thorarollen und heiligen Bücher zu bergen. Sämtliche Feuerwehrabteilungen von Charbin bemühten sich vergeblich, dem Brand Einhalt zu tun. Elf Feuerwehrleute wurden durch das einstürzende Dach schwer verletzt und konnten nur mit Mühe durch Angehörige der jüdischen Gemeinde aus dem brennenden Gebäude gerettet werden. Als Brandursache ist Kurzschluß festgestellt Die im Dachgeschoß zwecks späterer ritueller Bestattung aufbewahrten losen Blätter aus Gebetbüchern gaben den Flammen reichlich Nahrung. Die niedergebrannte Synagoge war vor 25 Jahren, nach Beendigung des russisch-japanischen Krieges, als Juden in größerer Zahl sich in Charbin und m der Mandschurei niederzulassen begannen, errichtet worden. Sie stellte ein monumentales Bauwerk dar und galt als eine der schönsten Synagogen im Fernen Osten. Im Innern war sie prächtig ausgestattet und mit modernen technischen Einrichtungen, wie Zentralheizung und elektrischer Beleuchtung, versehen. An ihr wirkten ständig ein Rabbiner, ein Kantor und ein großer Chor. Das Gebäude war auf den Betrag von 58.000 Gold-Yen (zirka 125.000 Mark) versichert Es gibt in Charbin noch zwei große und drei kleinere Synagogen. Salzburg. Sonntag, den 28. v. M., fand im Salzburger Tempel zum ersten Mal eine Mädchenkonfirmation statt. Schlicht und einfach, ohne Pomp und Prunk, nahm diese religiöse Feiler einen sehr schönen Verlauf. Im dichtgefüllten Gotteshaus fanden sich ein die Angehörigen der Schuljugend, der Präsident der Kultusgemeinde, Herr Rudolf Löwy, zahlreiche Gemeindemitglieder sowie viele andersgläubige Gäste. Eingeleitet wurde diese solenne Konfirmation durch den Gesang der Schuljugend, unter der bewährten Leitung des Herrn Kantor H. Kohn. Nach dem Ma Towu rezitierte der Kantor den Psalm VIII. worauf Rabbiner Dr. Marg u 1 e s in seiner Ansprache die unerläßliche Notwendigkeit der religiösen Erziehung der weiblichen Jugend gerade in der Gegenwart nachdrücklichst betonte. Denn der Angriff der Glaubensfeinde Israels in sämtlichen Lehranstalten macht heute leider nicht Halt vor dem zarten Geschlecht der jüdischen Jugend. Das jüdische Mädchen muß gerade jetzt mehr denn je gefeit und gewappnet sein gegen die schändlichen Anschläge auf den väterlichen Glauben. Allein nicht nur für den geistigen Abwehrkampf nach außen rüsten wir unsere weibliche Jugend aus, auch für den Verteidigerposten nach innen bereiten wir unsere Mädchen _ durch wahre Religiosität vor, namentlich für das spätere, glaubenstreue Familienheim. Auf diese eindrucksvolle Ansprache, in der der Rabbiner auch auf biblische und talmudische Frauengestalten verwies, folgte die öffentliche Prüfung, bei welcher die drei Konfirmandinnen Esther Gerstenfeld, Lilly Löwy und Jetta Grindlinger schöne Proben des gediegenen Religionsunterrichtes durch treffliche Antworten in hebräischer wie deutscher Fassung ablegten. Ebenso verständnisvoll trugen die Schülerinnen die zehn Gebote vor. Dann trat die Gymnasiastin Lilly Löwy, die Enkelin des Gemeindepräsidenten, vor die Bundeslade hin, wo sie für sich und für ihre Kameradinnen, unter tiefer Bewegungen der Zuhörer, das tiefsinnige Bekenntnis zum religiösen Judentum gefühlvoll sprach. Dann folgte das Waäni Sefilosi. das der Kinder-Chor stimmungsvoll sang. Nachher verrichtete die Volksschülerin Nina Margules ein inbrünstiges Gebet mit meisterhafter Diktion, welche sämtliche Zuhörer aufrichtig bewunderten und belobten. Hierauf überreichte der Rabbiner mit einer gehaltvollen Rede im Auftrage der Kultusgemeinde den drei Konfirmandinnen schöne Gebetbücher. Nach dem Segen und Schiußgebet Olenu stimmte die Schuljugend ein solennes Schlußlied an, womit die erste Konfirmation in der Salzburger Gemeinde beendet war. Alle Anwesenden waren von dieser religiösen Feier befriedigt, die wiederum die religiöse Zusammengehörigkeit und überparteiliche Eintracht der Salzburger Kultusgemeinde bewies. Promotion. Herr Richard Werdisheim, geboren und heimatzuständig in S t o c k e r a u bei Wien, wurde an der Grazer Universität zum Doktor der Philosophie promoviert. Er ist der vierte Sohn des greisen, in voller Rüstigkeit stehenden Religionslehrers i. R. in Stockerau. der durch seine schönen hebräischen Kenntnisse, bekannt ist Auch ist der Vater der Initiator der Stockerauer Synagoge gewesen, auf deren Gedenktafel dies an würdiger Stelle berücksichtigt ist Lienz (Tirol). Königin Wilhelmine von Holland und Prinzessin Juliana haben dieser Tage als Gäste des Amsterdamer j ü d ischenBankiersPaulMayauf Schloß Lengberg bei Lienz Aufenthalt genommen. GROSSFLEISCHHAUEREI IIEGM. KORNMEHL irnrnrnm^mmmMammmmmmmmmmmmmmm^mmmmmm^nt WIEN IX., BBROOASU NR. 1» FILIALE! XVIII., W&HRINCURSnUtSS* 9» Telephon Nr. A 17-349and A 18-M4 Lieferant für Hallanstatta» AbteilungenfiirKoscherfleisch ntw Aufsieht das mhrm. ftabMniM *m* lar. KaltMQamalnd* fjtaa. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlieb Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen (ßrieffrosten. Richtigstellung. In dem in unserer letzten Nummer veröffentlichten Aufsatz des Herrn Adolf Wurzel über „Das Wiener Bet-Hamidrasch" ist bei der Aufzählung der älteren, Weltruf genießenden Gelehrten dieser altehrwürdigen Institution der Wiener Judenschaft infolge eines unliebsamen Uebersehens der Name des rühmlichst bekannten Wiener Rabbiners Dr. I. T a g 1 i c h t ausgeblieben. Wir stellen diesen Lapsus pennae mit dem Ausdrucke unseres lebhaften Bedauerns hiermit richtig, wobei wir betonen, daß es uns natürlich vollkommen ferne lag, in dieser — wenn auch nur kursorischen — Aufzählung die Verdienste des hervorragenden Gelehrten um das Institut zu vergessen. Die Redaktion. „Nur Arier in der Praterstraße." Sie machen uns in liebenswürdiger Weise darauf aufmerksam, daß die Apotheke „Zur alten Jägerzeile" des Herrn Heinrich Wondra, II., Praterstraße 66, in der „Pharmazeutischen Post" vom 27. Juni 1931, Nr. 26, für die Urlaubsvertretung auf unbestimmte Zeit „nur Arier" sucht. Dem Manne in der „judenreinen" Praterstraße kann geholfen werden. „Taufschein." Ihre Anzeige an die „Union österreichischer Juden", daß die Technisch-gewerbliche Bundeslehranstalt in Wien I., Schellinggasse 13, in einer Zeitungsnotiz als Dokument für die Aufnahme neben dem Heimatschein auffallenderweise den „Taufschein" verlangte, ist von dieser Vereinigung mit der nötigen Promptheit behandelt worden. Die Bundeslehranstait erklärt auf eine* Anfrage der „Union" diese Fassung mit dem Umstand, daß die Zeitungen nur knappest verfaßte Verlautbarungen aufnehmen, so daß aus diesem Grunde statt der von der Anstalt gewöhnlich verwendeten Fassung („Tauf- oder Geburtschein") in der besagten Notiz lediglich der Ausdruck „Taufschein" erschien. Weiters heißt es in dem Antwortschreiben der Anstalt: „Selbstverständlich werden an unserer Schule Schüler jüdischer Konfession aufgenommen. In Hinkunft. wollen wir Ihrem Ersuchen gerne entsprechen." Wir hoffen, Sie mit dieser raschen Erledigung bestens zufriedengestellt und danken ihnen für Ihren Hinweis, der abermals dokumentiert, daß — unter Mitwirkung unseres Leserkreises — bei raschem Einschreiten einer kompetenten Vereinigung so manchem mißverständlichem Uebelstand ehestbaldig Abhilfe geschaffen werden kann. JLiteratur Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. Daß es wissenschaftliche Werke in jüdischdeutscher (sog. jiddischer) Sprache gibt, ist dem größten Teil unserer Gebildeten unbekannt, so stark auch neuerdings allgemein das Interesse für diese Sprache und ihr Schrifttum hervorgetreten ist. Welchen Umfang in Wahrheit das wissenschaftliche jiddische Schrifttum in den letzten Jahren angenommen hat weiß Dr. B. W e i nryb in dem soeben erschienenen Juniheft der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums anschaulich darzulegen. Das gleiche Heft enthält einen sehr schönen und instruktiven Artikel von Gerhard Sc ho lern über den Einfluß des Neuplatonismus auf die deutsche Prühkabbala. Feinsinnig und klar beurteilt Lotte Barschak Neuerscheinungen auf dem Gebiete der schönen Literatur, die sich mit Juden beschäftigen. So bringt das Heft — neben gelehrten Abhandlungen bedeutender Forscher — auch diesmal eine große Reihe von Beiträgen, zu denen jedermann gern greifen wird. Man abonniert die Monatsschrift, indem man Mitglied der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums in Berlin wird und den jährlichen Mindestbeitrag von RM. 10.— an diese Gesellschaft (Postscheckkonto Paul Veit Simon. Berlin 70301 oder an einen der Vertrauensmänner sendet, welche in jedem Heft der Monatsschrift aufgeführt sind.

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