Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1931-07-10 · Heft 28 (10.7.1931) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 28 (10.7.1931)
Date
1931-07-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3062972-3064453-3064480--18442-3083473
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Preis dieser Nummer 50 Groseben Jüdische Di« Wahrheit Erscheint jeden Freitag mit den Veröffentlichungen der »Union österreichischer Juden" and den Amtlichen Verlautbarungen der Israelitischen Kultusgemeinde Wien Redaktion und Administration: Wien II» Heinestraße 13 - Telephon R 46-2-16 XLV11. Jahrgang Wien, 10. Juli 1931 Nummer 28 An unsece £eset und Jxeunde! £udma SCieschfeid, xLec Qeändee und SCeeausgehee dee „WaAcheit", ist ioL Doch £t hat mit diesem OMaüe. jem lüectt festhalten, in dessen Spotten sein Qeist fäc imuec .fortleben mied. 3)afuc eu soegen und m acheiten, med das £&tste 3ie+> steehen deeee sein, die muh sein &the anaetteten und sein £ehensmeeh (octeuseteen hohen-. Wenn all die joieten, die ihn aeiieht und aeschätet hohen, ihm Ixeue uhees Qeah hinaus hewahten und ihee Sympathien auf. seine Cohen ühetteaaen, dann utied ,JDie tDahcheit" auch untee unseeee £eituna das hieihen, ums sie hishee motz üne Dienetin dee jüdischen Gemeinschaft und attec ihtec Jjtiecessen-. $äc die Redaktion dee „lüaheheU" Oskac ZUcschtetd Zionistische Schicksalstage in Basel. Seit dem 30. Juni tagt in Basel der XVII. Zionistenkongreß. 250 zionistische Delegierte aus aller Herren Länder haben sich zusammengefunden, um in der kritischesten Periode, die der politische Zionismus seit seiner Verkündung durch Theodor Herzi mitzumachen hatte, der auf diesem Kongresse neu zu wählenden Leitung die politischen Direktiven für die nächsten beiden Jahre zu geben und zugleich Rückschau zu halten über das, was sich in der Frage des Palästina-Aufbaues in den letzten beiden Jahren zugetragen hat. Man kennt all dies aus den wiederholten Berichten, die auch unser Blatt dieser Frage, die heute gewissermaßen in einem Brennpunkte jüdischen Interesses steht, gewidmet hat, man denkt noch heute mit Schaudern und Entsetzen an die blutigen Pogrome, die knapp nach der konstituierenden Tagung des Councils der Jewish Agency im Heiligen Lande stattfanden, man erinnert sich an die politischen Folgen, die diese arabischen Ausschreitungen hatten, an die Untersuchungskommission, den Simpson-Bericht, das Passfield'sche Weißbuch vom Oktober 1930 und schließlich an den bekannten Mac Donald-Brief an Weizmann, den eine stets opportunistische zionistische Presse als triumphalen Erfolg jüdischnationaler Politik feierte, während er in Wirklichkeit — der Delegierte der Arbeiterpartei Palästinas J. Ben Gurion hat dies auf dem Kongreß gesagt — „bisher in Palästina nur ein Fetzen Papier geblieben ist". Alle diese Ereignisse führte der Präsident der Zionistischen Exekutive Nahum Sokolow in einer wirklich meisterhaften Rede den Delegierten vor Augen. Selbst Gegner des politischen Zionismus müssen anerkennen, daß in dieser Rede nichts verschwiegen wurde, daß vielmehr alles, und selbst das Unangenehmste, mit einer Offenheit und Klarheit gesagt worden ist, wie sie — der Bewegung nur zum Schaden — bisher auf zionistischer Seite niemals zu beobachten gewesen ist. Es sollte in aller Welt, wo Juden wohnen, jedermann, der sich für jüdische Interessen in irgend einer Weise einsetzt, diese Rede lesen, dreimal lesen, damit er erkenne, welch/Jiohen Idealismus dieses so arg getretene jüdische Volk noch fähig ist. In der nüchternen Sprache des Psychologen nennt man diesen heroischen Idealismus wohl Exaltismus; so oder so genannt, der Zionismus hält noch immer jüdische Menschen mit hellem Enthusiasmus umfangen, die diesen Enthusiasmus sicherlich ebenso leicht in den Dienst der jüdischen Sache ihrer Heimatländer stellen könnten, wenn, ja wenn manche führende Politiker dieser Länder eine klügere und vernünftigere Politik machen würden. Sokolow hat den Kongreß den „Kongreß der Realität" genannt Ein wahres Wort! Auf diesem Kongreß mußten die Zionisten tatsächlich „schärfer denn je der Wirklichkeit ins Auge schauen". Daß diese zionistische Wirklichkeit eine sehr traurige ist, weiß man, erfuhr man nach der Rede Sokolows noch aus manch anderem berufenen Munde. Gleich der nächste offizielle Redner, Dr. Arthur Ruppin, sagte wörtlich: „Der Ernst der Lage in der zionistischen Bewegung ist gekennzeichnet durch die Erschütterung des Vertrauens in die Mandatarmacht und durch die Weltwirtschaftskrise, die sich höchst unglücklich auf die Eingänge für den Keren Hajessod ausgewirkt haben." Wohl sind noch in diesem Jahre etwa 250.000 Pfund in diesen Fonds geflossen, aber das ist nur die Hälfte dessen, was die Jüdischnationalen erwartet hatten. Mit diesen Mitteln konnte die geplante Konsolidierung der Siedlungen nicht durchgeführt werden, auch für die Aufrechterhaltung des Schulwerkes, die Zahlung der Gehälter an Lehrer und Beamte fehlten die Mittel. Und dann stand der Präsident der zionistischen Weltorganisation, Prof. Dr. Chaim Weizmann, auf und hielt seine mit größter Spannung erwartete große politische Rede, von der er gleich einleitend sagte, daß sie, nachdem er zehn Jahre die zionistische Bewegung geführt hat, seine Abschiedsrede sei. Wer angenommen hatte, daß Weizmann sich vor allem mit den tristen Ereignissen der abgelaufenen Kongreßperiode befassen würde, sollte sich getäuscht haben. Weizmann sprach von diesen unerquicklichen Dingen sehr wenig, auffallend wenig. Dafür widmete er einen um so größeren Teil seiner Ausführungen einem Rückblick auf die Geschichte der zionistischen Bewegung seit der Erlassung der Balfour- Deklaration, weil, wie er sagte, die Lehren der Vergangenheit nützlich sind zur Festlegung von Richtlinien für die nächste Zukunft. Und so sprach er zunächst von diesem Dokument echt englischer Staatskunst. wobei er die Behauptung aufzustellen wagte, daß für England damals das utilitaristische Motiv angeblich in letzter Reihe in Betracht kam. „Manche sahen", sagte Weizmann. „in der Deklaration und im Mandat den Beginn der langerwarteten Lösung der Judenfrage. Wir haben es an Warnungen vor übertriebenen Hoffnungen hinsichtlich der Möglichkeit einer jüdischen Masseneinwanderung in das verhältnismäßig kleine Palästina nicht fehlen lassen. Es war uns auch damals schon bekannt, daß wir nicht die alleinigen Einwohner Palästinas sein würden." Wenn Nichtzionisten in früherer Zeit und auch noch in unseren Tagen solche triftige Einwände erheben, dann werden sie als Verräter am Judentum gebrandmarkt und beschimpft. Den Höhepunkt der Weizmannschen Rede bildete folgende Auseinandersetzung mit den Revisionisten, die Herzls Epigonen zu sein vorgeben: „Es wurde mir wiederholt der Vorwarf gemacht, ich hätte die Ideale des Gründers des politischen Zionismus aufgegeben. Wenn wir untersuchen, welches die Politik Theodor Herzls war, wie sie zuerst in seinem Buche „Der Judenstaat", dann auf dem Baseler Kongreß von 1897 und schließlich von Herzls Hauptmitarbeiter Dr. Nordan im Jahre 1916 verkündet wurde, finden wir, daß die Konzeption eines „Jüdischen Staates" nur in dem Buch „Der Judenstaat" auftaucht Im „Judenstaat" aber ist es keineswegs klar, (lau Herzi an Palästina als an das Land der Verwirklichung des Judenstaates dachte. Vom ersten Zionistenkongreß Im Jahre 1897 an, aal dem sich Herzi endgültig mit der zionistischen Bewegung und damit mit der Idee, daß Palästina das einzige für die jüdische Renaissance in Betracht kommende Land ist, identifizierte, verschwindet das Wort „Judenstaat" aus seinem Programm. Was Herzi und die zionistische Bewegung im Jahre 1897 erstrebten, ist nach dem Baseler Programm „die Errichtung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina". Die letzte Entwicklungsstufe der Herzl'schen Politik kommt in folgendem Abschnitt des von Max Nordau geschriebenen Vorworts zu dem 1916 erschienenen Buche Paul Goodmans „Zionistische Probleme und Ausblicke" zum Ausdruck: „Der Zionismus hat nicht den Ehrgeiz, einen unabhängigen Jüdischen Staat, ein Königreich oder eine Republik zu gründen. Alles, was er erstrebt, ist, daß es seinen Anhängern erlaubt sein soll, nach Palästina ohne Einschränkung einzuwandern, dort so viel Boden zu kaufen, als sie für ihr Geld bekommen können, eine Autonomie der lokalen Verwaltung zu besitzen und in ihren ernsten Bemühungen, Kultur und Wohlstand zu schaffen, nicht behindert zu werden. Es Ist selbstverständlich, daß die zionistischen Juden geloben, gewissenhafteste und großzügigste Loyalität gegenüber der Macht, unter deren Souveränität Palästina gestellt ist, zu beobachten." Mitglieder und freunde der „Union" übertragen Lebens- und Elementar- Versidierungen der Stadtisdien versidicrangsansfalf

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.