Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 24 (12.6.1931)
- Date
- 1931-06-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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- Albert Einstein 1× ep/1003296
- Arthur Schnitzler 1× ep/1025577
- Daniel Sanders 1× ep/2128058
- Emil Ludwig 1× ep/1026446
- Ernst Toller 1× ep/1004427
- Fritz Haber 1× ep/1004553
- Gustav Krojanker 1× ep/1009216
- Hugo Preuß 1× ep/1025481
- Jakob Wassermann 1× ep/1005248
- Lion Feuchtwanger 1× ep/1005753
- Max Liebermann 1× ep/1025314
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/ y'u Preis dieser Nummer 50 Groschen Jüdisch e mit den Veröffentlichungen der „Union denfschösterreidiisdier Juden' und den Ämtlichen Verlautbarungen der Erscheint jeden Freitag Israelitischen Kultusgemeinde Wien ^yaiwinBiiMi«^ Di« tßahrhftif Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 13 - Telephon R 46-2-16 XLV1I. Jahrgang Wien, 12. Juni 1931 Nummer 24 Der Antisemitismus in der deutschen Republik In der letzten Zeit haben weite Kreise der öffentlichen Meinung sich mit der unzweifelhaften Tatsache beschäftigen müssen, daß der Antisemitismus in Deutschland übermäßige Formen angenommen hat. Besonders seit den letzten Reichstagswahlen, seit dem Jahre 1930, wurde die Aufmerksamkeit auf die drohende Gefahr gelenkt, die die ungehemmte Propaganda eines gewaltigen Judenhasses für die Ordnung im Reiche mit sich bringt. Eine Reihe von Schriften beschäftigt sich mit dem Phänomen des deutschen Antisemitismus, dessen Wurzeln in geistiger Hinsicht bloßgelegt werden sollen. In der großen Zahl dieser Betrachtungen nimmt eine besondere Stellung die Schrift „Der Antisemitismus in der Deutschen Republik" ein, die soeben im Josef Brenner-Verlag, Wien, erschienen ist. Der Autor Dr. Fritz Marburg ist ein junger deutscher Rechtsanwalt und Publizist. Im historischen Ueberblick über die Entstehung des politischen Antisemitismus in Deutschland nach der Judenemanzipation schreibt der Autor dem Schwager Friedrich Nietzsches Dr. Bernhard Förster, dem Schöpfer der judenreinen Kolonie N e ugermaniain Paraguay, die Begründung dieser politischen Bewegung zu, indem dieser im Jahre 1880 dem Reichstag eine mit 250.000 Unterschriften bedeckte Denkschrift vorlegte, die im Kern die Grundsätze und Ziele des späteren Antisemitismus enthielt. Dr. B ö c k I, der Begründer der deutschsozialen Reformpartei, war der erste Abgeordnete, der im Jahre 1887 im Reichstag offen ein antisemitisches Programm vertrat. 1893 betrug die Zahl der antisemitischen Abgeordneten 16, 1911 bereits 22. Dr. Marburg bespricht sodann den Antisemitismus im Weltkrieg, indem er auf die sogenannte Judenzählung des preußischen Kriegsministeriums im Jahre 1916 verweist, die die jüdischen Soldaten an Front und Etappe registrierte. Reichstes Material und gewissenhafte Aufspürung aller Elemente, die zusammen mit dem Bildteil eine nahezu erschöpfende Darstellung des höchst aktuellen Themas ergeben, machen Marburgs Studie zu einem Dokument, an dem niemand vorbeigehen wird, der sich über das brennende Kulturproblem des deutschen Antisemitismus orientieren will. Von der Ermordung Kurt E i s n e r s und Landauers führt der an tragischen Schicksalen reiche Weg zur Ermordung Walter Rathenaus im Juni 1922 und von da ab zur Sammlung aller antisemitischen Elemente in der nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei. Der Autor bemerkt, es sei „charakteristisch, wenn auch unverständlich, daß diese gewaltige, Millionen von Deutschen aller Schichten umfassende Bewegung gegen kulturell und politisch vollkommen assimilierte Mitbürger gerichtet ist, deren Zahl — 600.000 — kaum ein Prozent des Reiches ausmacht." Ein besonderes Kapitel ist der Theorie des modernen deutschen Antisemitismus gewidmet. Zunächst werden die Schlagworte der Hakenkreuzler von den „Juden als zugewandertem Element", als „angeblichen Feinden Deutschlands", vom „angeblich zersetzenden Einfluß der Juden auf die deutsche Kultur" und von der „angeblichen Verjudung des deutschen Wirtschaftslebens" und die damit verbundenen Folgerungen der Antisemiten" analysiert und widerlegt. Mit profunder Kenntnis der deutschen Judenheit gelingt es dem Verfasser, in den weiteren Kapiteln die Diskrepanz anzuzeigen, die zwischen den großen Verdiensten der Juden um ihre deutsche Heimat und der gegen sie geführten wüsten Hetze besteht. Namen wie Gabriel R i e ß e r als parlamentarischer Vorkämpfer, Julius Stahl als Führer der deutschen Rechten, Eduard L a s k e r, der im preussischen Parlament die Ausrufung des Königs von Preussen zum deutschen Kaiser durchsetzte, Hugo Preuß als Schöpfer der Weimarer Verfassung, Walter R a t h e n a u als Repräsentant der später von Stresemann fortgeführten deutschen Außenpolitik zeigen die Verdienste der Juden um Deutschlands Stellung in der Welt. Noch bedeutender erscheint in Marburgs Schrift der gewaltige Anteil der Juden an Deutschlands wirtschaftlichem Aufstieg, wobei Persönlichkeiten wie die Bankiers Mendelssohn und Bleichröder, Finanzführer wie Goldschmidt und Wassermann, sowie der Hapag-Gründer Albert B a 11 i n den Beweis für diese Anteilnahme liefern. Der Anteil der deutschen Juden am deutschen Kulturleben ist ganz gewaltig und übersteigt die politischen und wirtschaftlichen Verdienste. Wir geben nachfolgend gerade mit Rücksicht auf den bevorstehenden Prozeß vor dem Verfassungsgerichtshof, in dem dieser Anteil von dem Angeklagten Regierungsrat K1 e b i n d e r auch unter Beweis gestellt wird, einen Abschnitt aus dem Buche von Dr. Fritz Marburg wieder, welcher die Juden im deutschen Kulturleben kurz schildert. „Die Zahl der Juden, welche zur intellektuellen Elite Deutschlands gehören, auf deren Werken Deutschlands kultureller Ruhm beruht, ist unverhältnismäßig hoch, wenn wir das Verhältnis der Gesamtzahl der deutschen Juden zur gesamten deutschen Bevölkerung vergleichen. Ihre geistige Energie und ihre Begabung widmet die jüdische Elite vor allem dem deutschen Volk. Gustav Krojanker schreibt über Juden in seinem Buche „Juden in der deutschen Literatur": „Er ist Erbe deutsch-kultureller Tradition erst seit anderhalb Jahrhunderten. Und er ist heute in Deutschland Angehöriger eines Städtervolkes, eines nicht vom Boden her sich, ergänzenden. Seit Generationen sind deutsche Stoffe und deutsche Form Gegenstand seines Bildungsergebnisses. Aber auch für ihn ist die deutsche Sprache das Material, in dem er seinen tiefsten Ausdruck formt. Deshalb ist er in den Kreis deutscher Kultur eingegangen, durch sie gebildet, und ihr, was sie ihm an Reichtümer gab, zurückerstattend, indem er ihre Fülle durch ihre Besonderheit mehrt" Da eine halbwegs erschöpfende Aufzählung der jüdischen Mitarbeiter am Werke der deutschen Kultur in diesem Rahmen ein Ding der Unmöglichkeit ist, beschränken wir uns auf einige Tatsachen und Namen, deren Ruhm Deutschlands Grenzen überschritten hat. Wenn wir bloß das Gebiet betrachten, auf welchem Deutschlands Weltruhm unbestritten ist — die P h i 1 o s o p h i e —, dann sehen wir, daß die Juden, denen die Antisemiten nackten Materialismus vorwerfen, an der Vertiefung der Verbreitung dieser abstrakten Wissenschaft in außerordentlichem Maße mitwirken. Die bedeutendsten philosophischen Zeitschriften werden in Deutschland gegenwärtig von Juden herausgegeben. Wir nennen bloß den Philosophen Edmund H u s s e r 1 in Freiburg, das Haupt der Kölner Schule, Max Schell er, den Mitherausgeber der Heidelberger Schule „Logos", Prof. Richard Kroner, „Der Archiv" für Geschichte und Soziologie, sowie für systematische Philosophie und Soziologie. Dr. Ludwig Stein (gest. am 13. Juli 1930). Von 13 deutschen Gelehrten, welchen der N ob e 1 p r e i s zuerkannt wurde, waren sieben jüdischer Abkunft: Otto Wallach (Göttingen), Richard W i 11 s t ä 11 e r, Fritz Haber, Paul Ehrlich (Frankfurt), Meyerhof (Berlin), Albert Einstein, James Frank; der Erfinder des Seismographen war der Jude Marcus, der Galvanoplastik J a c o b y, des Mikrophons Berliner, der Zellulose Marx; Weltruhm erwarben sich — und damit auch der deutschen Wissenschaft — auf dem Gebiete der Medizin unter anderen Neisser, Ehrlich, Wassermann — auf dem Gebiete der Chemie und Physik Einstein, Marcus, Frank, Caro — als Philologen Daniel Sanders und Gundolf, der berühmte Biograph Goethes. Von den ausgezeichneten deutschen Schriftstellern jüdischer Abkunft nennen wir Jakob Wassermann, Franz W e r f e I, Arthur Schnitzler, Döblin, Emil Ludwig, Lion Feuchtwanger, Ernst Toller, Stephan Zweig, Alfred K e r r; von großen Juristen G. Jellinek, Staub, Schaps; von Malern Max Liebermann. Infolge der seit langem bestehenden deutschen Abneigung gegen Juden war ihnen wissenschaftliche Arbeit sehr erschwert. Unbehindert konnten sie sich nur in der Literatur und Presse, in den schönen Künsten und auf dem Theater entfalten. Maximilian H a r d e n, Theodor W o I f f, Georg Bernhard machten Epoche in der deutschen Publizistik. Ungemein groß ist die Anzahl hervorragender deutscher Publizisten jüdischer Ab- Mitglieder und Freunde der „Union" übertragen leDens- und Elententar- Versidierungen der Städtisdien VersldicrongsaiKtalt