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Die Wahrheit · 1931-06-05 · Heft 23 (5.6.1931) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 23 (5.6.1931)
Date
1931-06-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DIE WAHRHEIT TTNTTJ Seite 7 GROSSFLEISCHHAUEREI fUGM. KORNMEHL tjmwmmmmam^mwmmmaaammmm^^mmmmmmmwmm^ WIEN IX., BERQOASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., VfAHRINaERSTRASSE »7 Telephon Nr. A 17-3^9 and A 15-9-34 Lieferant fOr Heilanstalten AbteilungenfürKoscherfleisch unter Aufsieht des ehr«. ftabbinate« dar Isis Kultnsgemeinde Wisn. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen deuten Bogumil Liban, Krakau. Adolf Leder er, Wien, gewählt. Der nächste Kongreß findet 1934 in Berlin statt. Graz. Vor kurzem haben die bedeutendsten, darunter durchaus nicht religiös gerichteten Zionisten einen warm erfühlten, jedem treuen Juden ans Herz greifenden Aufruf ergehen lassen, die jüdischen Sport- und Jugendvereine möchten doch endlich mit dem Chillul Schabbos brechen, weil es untragbar erscheint, daß Juden ihren heiligsten Tag und damit die religiösen Geiühle des gläubigen Juden in schamloser Weise verletzen. Dieser, wie gesagt, namentlich von Zionisten, wie Bialik, Agnon, Hugo Bergmann, Maler Struck und anderen unterfertigte Aufruf scheint aber gerade in zionistisch geleiteten Gemeinden am wenigsten beachtet zu werden. So haben wir in der vergangenen Woche, aus Anlaß der Pfingstfeiertage hier das Vergnügen gehabt, unter dem Ehrenschutz der Gemeinde und der zionistischen Ortsgruppe, den jüdischen Jugendtag des Haschoiner hazair und des Blau-Weiß Wien und Graz versammelt zu sehen. Aber dieses Vergnügen ist für die gläubigen Juden eine arge Enttäuschung geworden, die viel Verbitterung ausgelöst und die religiösen Gefühle Vieler in geradezu empörender Weise verletzt hat. Schon am Samstag Nachmittag, kurz vor dem ersten Minchagottesdienste, kamen einige der Bürschchen in den Tempelhof und trieben vor der Tempeltür den Gläubigen die Zigarettenschwaden ins Angesicht. Vollends aber überging das Maß, als zwischen 6—7 Uhr abends, als der zweite Minchagottesdienst abgehalten wurde, ein Auto nach dem anderen die lieben Gäste vor dem Tempel ablagerte und dadurch aufs empörendste ein Chillul Schabbos provoziert wurde. Nicht mit Unrecht fragt man sich, wie konnte die Gemeinde, und dazu noch in so schwierigen Zeiten, solche sabbatverletzende Veranstaltungen subventionieren? Sie mußte es doch wissen, ■was da vorgeht? Und wenn nicht, wo waren die verantwortlichen Leiter dieser Veranstaltung, daß sie gerade am Schabbos die Autos nach Graz haben lenken lassen? Und wie konnte die Gemeinde solchen Schabbosbrechern ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellen? 60. Geburtstag. Dieser Tage feierte Herr Kultusvorsteher Gustav Moritz in vollster geistiger und körperlicher Frische seinen 60. Geburtstag und war aus diesem Anlasse Gegenstand verschiedener Ehrungen, die um so verdienter erscheinen, als der Jubilar durch sein edles soziales Wirken und seine Hingabe für jüdische Interessen auch im Kreise seiner Parteigegner sich berechtigter Achtung und Wertschätzung erfreut. Dies kam auch bei einer von der Exekutive der „Vereinigung werktätiger Juden" am 28, v. M. im Saale des Restaurants Guth veranstalteten Feier zum Ausdruck, zu der sich außer Mitgliedern dieser Vereinigung zahlreiche Gäste eingefunden hatten. Man bemerkte insbesondere neben den beiden Vizepräsidenten der Kultusgemeinde, Dr. J. 0 r n s t e i n und Dr. J. L ö w e n h e r z, Kultusvoi steher aller Parteirichtungen, ferner einige Beamte der Kultusgemeinde und mehrere Kantoren. Gerade angesichts dieser Zusammensetzung des Publikums war es vom ersten Festredner, Bezirksrat Ascher, recht unangebracht, den Jubilar in einer rein sozialdemokratischen Ansprache beinahe ausschließlich als Parteimann zu feiern. Die Mißstimmung über diese Entgleisung war um so größer, als die sozialdemokratische Partei selbst und die Gewerkschaft ihren alten Parteigänger Moritz bereits mehrere Tage vor der Veranstaltung der „Vereinigung werktätiger Juden" in einer eigenen Feier beglückwünscht hatten. Gemeinderat Bermann, der wohl selbst die Deplaciertheit der Rede seines Genossen Ascher gefühlt hatte, verstand es, den entstandenen Mißton durch eine herzliche Ansprache zu beseitigen, in der er den Jubilar als aufrechten Juden würdigte. Auch die folgenden Redner, von denen die meisten für Unterorganisationen der „Vereinigung werktätiger Juden" sprachen, beschränkten sich auf die Feststellung der Verdienste des Obmannes dieser Vereinigung auf jüdischem Gebiete. Von den Festgästen sprachen Börserat I. Glück namens der unionistischen Klubs, Dr. D. Friedmann namens der zionistischen Partei. Während der erstere in gewohnt launiger Weise dem Jubilar gratulierte, unterstrich der letztere in politischer Weise die Tätigkeit der „Vereinigung werktätiger Juden", der es gelungen sei, sonst fernstehende Kreise für die jüdische Sache zu interessieren. Nachdem noch Dr. J. Löwy namens der engeren Mitarbeiter des Jubilars gesprochen, ergriff dieser selbst das Wort. Auch seine Rede war allzusehr von politischen Gesichtspunkten geleitet, manche Ausfälle, die er sich in ihrem Verlaufe leistete, hätten gerade bei dieser Gelegenheit füglich unterbleiben können. Oberkantor G: Marguli es erfreute die Zuhörer durch künstlerische Vorträge, die allgemein lebhaften Beifall auslösten. Trauung. Sonntag, den 31. Mai, fand im großen Leopoldstädter Tempel die Trauung des Fräulein Trude Zarnowitz, Tochter des Ehepaares Joachim und Kamilla Zarnowitz, mit Herrn Max Q u t h, Sohn des Herrn Hoteliers und Restaurateurs Josef Guth und seiner Gattin Henriette, geb. Schwarz, statt. Die Beliebtheit, deren sich die beiden Familien erfreuen, manifestierte sich bei diesem Anlasse durch eine ungeheuer starke Beteiligung zahlreicher Freunde und Bekannten derselben, insbesondere waren all jene erschienen, die dem in der Leopoldstadt so beliebten Ehepaare Guth ihre Sympathien bekunden wollten. Man bemerkte u. a. auch Herrn Kultusvorsteher Dr. J. T i c h o, eine starke Abordnung jüdischer Gastwirte. Rabbiner Dr. J. M. Bach hielt eine überaus herzliche Ansprache, in der er das junge Paar aufforderte, dem von seinen Eltern gebotenen mustergültigen Beispiele edlen Pflichtbewußtseins und echt jüdischer Gesinnung nachzueifern. Die kantorale Funktion versah Oberkantor G. M a r g u 1 i e s mit verstärktem Chor. Das junge Paar wie auch seine Eltern wurden von allen Seiten lebhaft beglückwünscht. Goldene Hochzeiten. Herr Julius Z e r k o w i t z, Architekt uud Stadtbaumeister, gerichtlich beeideter Bausachverständiger in Wien, beging PFingstsonntag mit seiner Gattin Emma, geb. Schick, die Feier der goldenen Hochzeit. Stadtrat Linder überbrachte die Glückwünsche des Bürgermeisters, eine Ehrengabe und das Ehrendiplom der Stadt Wien. Namens des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde hob Vizepräsident Dr. Jakob O r n s t e i n das verdienstvolle Wirken des Jubelpaares hervor. — Samstag, den 30. Mai L J. fand in der Wohnung des Ehepaares Markus und Berta Strauß. Wien XXL, Mengergasse 2, die Feier der goldenen Hochzeit statt. In Vertretung des Herrn Bürgermeisters der Stadt Wien erschien Herr Stadtrat Linder und! überreichte das (übliche Geschenk der Gemeinde Wien und hielt an das Jubelpaar eine herzliche Ansprache. Herr Rabbiner Dr. Rosenmann richtete gleichfalls an das greise Ehepaar eindrucksvolle Worte. Herr Gabriel Dukes, Obmann der Bezirkskommission, überreichte in Vertretung des Präsidiums der Wiener israelitischen Kultusgemeinde eine Glückwunschadresse nebst einem Geschenke und gratulierte sowohl im Namen des Präsidiums der israelitischen Kultusgemeinde, wie im Namen der hiesigen Bezirkskommission und des Bethausvorstandes und der hiesigen Wohltätigkeitsvereine, die ihre Geschenke und Gratulationen durch ihn überreichen ließen. Frau Rabbiner Dr. Rosenmann gratulierte im Namen des Frauenveremes, Herr Simon C z u c z k a im Namen des Vereines Chaunen-Dal. — ' Am Samstag, den 30. v. M. fand im Rahmen des Vormittags-Gottesdienstes im Großen Leopoldstädter Tempel die Feier der goldenen Hochzeit des Herrn Oberlehrer Isidor Faltitschek statt. Zu der Feier hatten sich Vizepräsident Dr. J. Ornstein, die Amtsdirektoren Regierungsrat Dr. E. Adler und Regierungsrat G. Fuchsgelb, eine starke Abordnung des Schulamtes der Gemeinde, sowie viele Freunde und ehemalige Schüler des Jubilars eingefunden, der zur Thora aufgerufen wurde, wo an ihn Rabbiner Professor Dr. Kupfer eine herzliche Ansprache richtete. Oberkantor G. Margulies rezitierte einen feierlichen Mischeberach. Nach dem Gottesdienst versammelten sich die Festgäste im Kleinen Tempel, wo Vizepräsident Dr. J. Ornstein namens der Gemeinde dem Jubilar C"^r!r="=="=='=,",T m^a* fraeienslMifl g m I jjj Grand-Restauration „Fürstenaiof'* III "IM streng orthodoxe Küche SIMON RAAB Bis 30. September geöffnet! EL ■=9 für sein jahrzehntelanges verdienstvolles Wirken als Lehrer innigst dankte. Tief ergriffen antwortete der Jubilar mit Worten des Dankes. Alädchenkonfirmation. Sonntag, den 31. Mai. fand im Fünfhauser Gemeindetempel die feierliche Konfirmation dar Mädchen statt. An der schönen Tempelfeier nahmen 14 Mädchen teil. Herr Rabbiner Dr. T a g 1 i c h t sprach zu der jungen Schar in herzlicher und geistvoller Rede über die Bedeutung unseres alten Glaubens. Der gesangliche Teil wurde vom Herrn ersten Kantor Leo Funke mit Chor- und Harmoniumbcgleitung in vorzüglicher Weise ausgeführt. Mit dem stimmungsvollen Vortrage des Sulzerschen „Adon olam" fand die wirkungsvolle Feier ihren Abschluß. flmtfid)e Verfautßarungen der Jsraefitisdjen Xuftusgemeinöe Wien Kundmachung. Der Kultusvorstand hat mit Rücksicht auf die durch die Vakanz mehrerer Gemeinderabbinerstellen bedingten Schwierigkeiten bei der Heranziehung von Gemeinderabbinern zu Funktionen für die Zeit bis 30. November 1931 Herrn Professor Rabbiner Dr. Moriz L e w i n, Wien XIII., Penzingerstraße 97, damit betraut, im Bedarfsfalle in Stellvertretung von Gemeinderabbinern, bzw. Vereins-Gemeinde-Rabbinern staatlich rechtswirksame Funktionen zu vollziehen. Diese Verfügung wurde vom Wiener Magistrat im staatlichen Wirkungskreis mit Erlaß vom 21. Mai 1931, Zahl M. Abt 49/4087/31 genehmigt. Israelitischer Jugend-Gottesdienst. Am Samstag, den 6. Juni a. c. findet um 3 Uhr nachmittags der Jugendgottesdienst für die israelitische Schuljugend in den Gemeinde- und Bezirks-Synagogen statt. * Stipendien der Gemeinde Wien. Vom Vorstande der israelitischen Kultusgemeinde Wien wird bekanntgegeben, daß im Studienjahre 1931/32 für Schüler der Wiener Obermittelschulen (Obergymnasien, Oberrealschulen und sonstigen Obermittelschulen, die dieselben Berechtigungen zum Besuche der Hochschulen gewähren), der Akademie für Musik und darstellende Kunst in Wien, der Wiener Bundes-Lehrer-Bildungsanstalten. der Bildungsanstalten für Kindergärtnerinnen in Wien, der Wiener Staatsgewerbeschulen, des Wiener Technologischen Gewerbemuseums, der Wiener Handels-Akademien mit Oeffenttichkeitsrecht. der Kunstgewerbeschule des österreichischen Museums für Kunst und Industrie, der Bundeslehranstalt für Textilindustrie und der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien Weckruf? Die Entwicklung der politischen und wirtschaftlichen Dinge in Oesterreich muß jedem die Ueberzeugung von der Noiwi beigebracht haben! Erfüllet deshalb, so lange es noch Zeit ist, Eure Pflicht! „UNION bei? Die „Union" bezweckt nach § 2 ihrer Statuten: 1. Zusammenlassung der österreichischen Bundesbürger jüdischen Glanbens, die jede staatsbürgerliche, politische oder nationale Sonderstellung der Juden ablehnen. 2. Energische Verteidigung der verfassungsmäßigen Rechte der österreichischen Juden als gleichberechtigte und gleichverpflichtete Bürger des Staates. 3. Wahrung der allgemeinen und politischen Rechte jedes einzelnen Juden. 4. Stellungnahme zu allen das Judentum berührenden Angelegenheiten des öffentlichen Lebens durch Vorträge, Versammlungen.. Petitionen u. dgL, sowie durch Mitwirkung an den Wahlen in die öffentlichen Vertretungskörper. 5. Einflußnahme auf alle Vorgänge im jüdischen Gemeindeleben. 6. Aufklärung and Beseitigung der über das Judentum verbreiteten Irrtümer und Vorurteile sowie Bekämpfung der auf Verschärfung der konfessionellen und Rassengegensätze gerichteten Bestrebungen. (Bitte aasschneiden und an das Bflro der .UNION*. IX., Berggasse 4 einsenden. NicbtgewOnacbtes bitte durchstreichen.) Ich wünsche, Mitglied der „Union" zu werden. (Halbjahresbeitrag S 6.—.) Ich wünsche. Abonnent des Organs der „Union", „Die Wahrheit** zu werden. Halbjahrsabonnement S 11.—.) Ich empfehle, an folgende Adressen wegen Beitritt zur „Union" heranzutreten: Name und Adresse des Absenders:

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