Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 19 (8.5.1931)
- Date
- 1931-05-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WA1 BIT Seite 7 K Eröffnungsanzeige! j§ I *n Sßlchwarenrßstaurtmt 1 Iter eigener Erzeugung m beste Qualitäten m GLOCKENGASSE 11 §§ I M. BRÜKNER & C9 | Unsere Fabrik steht unter der gl rituellen Aufsicht des =| 1 ^"-an nmnn ns*i ♦tf'nn 1 §1 KÖ^»!]DV "H fj und ihn von der Pflicht, Vorlesungen zu halten, zu befreien, wenn er sich entschließen wollte, dem Lehrkörper der Universität dauernd anzugehören. Auch das finanzielle Angebot war außerordentlich günstig. Ferner sollte Prof Einstein die Möglichkeit belassen werden,, im Sommerhalbjahr seine Lehr- und Forschungstätigkert in Berlin fortzusetzen. Prof. Einstein zeigte sich nicht geneigt, sich in Verhandhingen über dieses Angebot einzulassen. Es fiel ihm schwer, sich auf ein neues Land umzustellen. Außerdem hat er das Gefühl, daß Berlin ihm in weitestem Maße entgegengekommen sei. En konnte sich darum, ungeachtet der Hitler- Atmosphäre in gewissen, auch gebildeten, Kreisen Deutschlands, nicht entschließen, seinen Wohnsitz und den Ort seiner Lehr- und Forschertätigkeit zu verändern. Er gab aber seinen Freunden in Pasadena gegenüber die Bereitschaft kund, im kommenden Winter zu Studäenzwecken für eine kurze Zeit nach Pasadena zu kommen. Jüdische Reisen. Auf Anregung und Wunsch vieler seiner Freunde hat sich der Palestine & Orient Lloyd entschlossen, eine Reihe von kürzeren Reisen zu organisieren, die in Zentren modernen und historischen jüdischen Lebens führen sollen. Gleichzeitig mit Stätten der Erholung sollen solche Orte besucht werden, in denen die Formen und Inhalte nicht nur des ehemaligen, sondern auch des heutigen lebendigen Judentums kennen gelernt und studiert werden können. Durch die Mitarbeit jüdischer Organisationen, Gemeinden, Logen, Verbände etc. wird dafür Sorge getragen werden, daß die Teilnehmer der Reise in unmittelbaren Kontakt mit allen Kreisen der Bevölkerung, die sie interessieren, kommen werden. Solche Reisen sind nach Krakau, Lemberg mit der flohen Tatra und Prag, nach Portugal, Spanien und Algler, nach Amsterdam. London (Whitechapel) und Antwerpen und nach Rumänien, Bulgarien und Saloniki geplant In Aussicht genommen ist weiters eine Reise nach Amerika. Die erste Reise, die am Donnnerstag vor Pfingsten beginnen wird, führt zunächst direkt nach Lemberg, dem Zentrum jüdischen Lebens in Galizien, dann zurück nach Krakau, von dort in die Hohe Tatra, wo in Zakopane und Schmecks einige Tage der Erholung in der schönen Hohen Tatra verbracht werden; von dort mit einem anderthalbtägdgen Aufenthalt in Prag zurück nach Berlin. Gesamte Reisedauer 10 Tage. Die Reisen werden ihrem Charakter entsprechend einfach, aber mit allen erforderlichen Bequemlichkeiten (Liegewagen bei Nachtfahrten) durchgeführt Es wird erwartet daß es möglich sein wird, das Programm der Reise noch beträchtlich zu erweitern. Genauere Informationen erteilt der Palestine &. Orient Lloyd, Berlin N, Friedrichstraße 121, wie auch die Redaktion unseres Blattes. Verein zur Bekleidung und Unterstützung anner alter Männer isr. Konfession (Wien IL, Ferdinand- Straße 19). Seit mehr als drei Jahrzehnten wirkt unser Verein und bemüht sich, trotz aller krisenhaften Vorgänge, nach Möglichkeit dem großen Elend zu steuern, welches so viele alte Glaubensbrüder zu erdulden haben. Aus einem kleinen Gesellschaftskreise, welchem gutherzige Männer angehörten, ging seinerzeit unser Verein hervor und die jeweiligen Vorstandsmitglieder bemühten sich bis auf den heutigen Tag, die Geldmittel zu verschaffen, um allen Anforderungen entsprechen zu können. In den> Jahren des Krieges, da Söhne und Schwiegersöhne zum Militärdienste einberufen wurden und alte Väter oder Angehörige in größter Not zurückließen, hat unser Verein für diese Kriegsopfer viel Gutes geleistet; er bekleidete die meisten Ansuchenden, gab ihnen Zinsbeiträge und1 itn Winter Heizmaterial. Die noch jetzt anhaltende und bedauerlicherweise immer zunehmende wirtschaftliche Krise bringt dem Vereine ununterbrochen neue Anforderungen, da durch die geänderten Verhältnisse sehr oft alte Männer an den Verein herantreten, welche früher einen selbständigen Beruf ausübten und erwerbsunfähig geworden sind, oder welche von ihren Kindern früher erhalten werden konnten und mit den verarmten Kindern das Elend der Zeit mittragen müssen. Wenn wir auch nicht so helfen können, um der großen Not zu steuern, so bemühen wir uns mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln, jederzeit unseren Schützlingen mit Kleidern, Geld und anderen Erfordernissen beizustehen. Wir konnten bisher, wenngleich schwer, mit Hilfe unserer treuen Mitglieder, unserer Gönner und Wohltäter unsere Tätigkeit ausüben; aber immer kleiner wird der Kreis dieser unserer Mithelfer und größer der unserer Schützlinge. Wir beabsichtigen, in einer am 18. Mal d. J. um halb 7 Uhr abends Im Sitzungssaale der isr. Kultusgemeinde stattfindenden Versammlung einen genauen Tätigkeitsbericht zu erstatten, aus welchem ersehen werden soll daß unser Verein in Wien notwendig ist da gerade die alten jüdischen Männer in ihrer Verschämtheit unbeholfen sind, weil die große Menge, wie die Erfahrung ergibt, für Kinderfürsorge oder für alte Frauen und Witwen viel mehr Empfinden hat und dadurch Männer, welche in ihrem hohen Alter mit allerlei Bresthaftigkeit oder gar Siechtum behaftet sind, nur selten bedenken. Wir werden den Nachweis erbringen, daß auch dieser Zweig im Armenwesen eine besondere. Behandlung und Beachtung verdient Der derzeitige Vorstand des Vereines, an dessen Spitze Herr Dr. EKas Münz steht, wendet sich an die große Oeffentlichkeit damit dem Vereinsvorstande Beihilfen. Geld oder alte Kleider. Wäsche u. dgl. für seine Schützlinge in reichlicherem Maße zukomme und hofft, daß die geschätzten jüdischen Glaubensbrüder und -Schwestern der armen Greise mit einer Spende gedenken werden. R. K. Mitteilungen des Vereines für jüdische Geschichte und Literatur. Im Rahmen der Veranstaltungen des Vereines iür jüdische Geschichte und Literatur sprach kürzlich Herr Rabbiner Dr. Armand Kaminka über Sabbatai Zwi. Der Vortragende führte zunächst den Umstand an. daß selbst die modernen Geschichtsschreiber im wesentlichen nur dasjenige Material, welches aus böswilligen Berichten und Legenden der Gegnerschaft bestünde, benützt hätten. Nach Kaminka konzentrierte Sabbatai Zwi in sich das Mitgefühl für die Leiden seiner Brüder, wodurch auch die gewaltige Begeisterung jener vornehm-mystischen Kreise zu Livorno, Smyma, Hamburg u. a. erklärt erscheint Hierbei war selbstverständlich das mustergültige Vorleben Sabbatai Zwi ausschlaggebend. Hatten doch die Größten jener Zeit seine Gelehrsamkeit anerkannt. Selbst ein Gegner wie der bierühmte Rabbi Jakob Emden äußerst sich über den Pseudo-Messias, er sei ein Heiliger, ein Parusch, der bereits mit 15 Jahren Sifri, Sifra und den ganzen Talmud beherrschte. So kommt Kaminka zur Konklusion, nicht die großen jüdischen Massen wären von Sabbatai Zwi, sondern letzterer von ihnen enttäuscht worden. Sabbatai Zwi sei nur als Exponent der damals im Mystizismus steckenden Judenheit aufzufassen. Der Zusammenbruch dieser Schwärmerei habe wenigstens einen rationellen Zug in der damaligen jüdischen Ideenwelt zur Folge gehabt Der Vorsitzende, Herr Rabbiner Dr. M. R o s e n m a n n, dankte dem Vortragenden für seine gelehrten Ausführungen, die auch im lebhaften Beifall des Publikums ihre Anerkennung gefunden hatten. * Mit dem am 23. März d. J. veranstalteten Abend schloß unser Verein nicht nur seine diesjährige Vortragssaison, sondern beendete zugleich das erste Dezennium seines Bestandes. Herr Alfred May, Vorstandsmitglied und einer der Gründer des Vereines, sprach über das Thema „Was haben die Juden in den letzten hundert Jahren für die Kultur der Menschheit geleiste t?" In anderthalbsründiger freier Rede wußte der Vortragende die Zuhörer mit einer Fülle von? Tatsachen bekannt zu raachen, die nicht jedermann zur Verfügung stehen. Aus fast allen Gebieten menschlichen Wissens und Könnens brachte er Beweise für die Kulturleistungen unseres Stammes. Sehr eingehend beschäftigte er sich mit der Medizin und den exakten Naturwissenschaften, aber auch Technik, Politik, Kunst und selbst den Sport zog er in den Bereich seiner Darstellung. So war unter anderem interessant, zu erfahren, daß die Juden für jeeine Million ihrer Gesamtzahl einen Nobelpreisträger aufzuweisen haben und dadurch die relativ größte Anzahl dieser Preisgekrönten besitzen. Nicht nur Wassermann, Ehrlich, Freud, Bergson, Einstein, Landsteiner, sondern auch eine Reihe anderer bekannter Geistesgrößen jüdischer Herkunft wurden erwähnt Der Vorsitzende des Abends, Herr Rabb.Dr. M. Rosenmann, dankte dem Referenten für, «eine ausgezeichneten, temperamentvoll gehaltenen Ausführungen, die sicherlich einen Beitrag zur Selbstbesinnung und Abwehr antisemitischer Angriffe bilden könnten. ib. Oberkantor Matyas. Am, Samstag, den 2. d. M., erschien der allgemein beliebte und angesehene Oberkantor des Stadttempels Mathias Matyas, genesen von schwerster Erkrankung und nach langer Rekonvaleszenz in vollster Frische und bei blühendem Aussehen zum ersten Male wieder an der Stätte seiner Wirksamkeit, in dem von Besuchern dicht gefüllten Tempel, wo er von dem Präsidenten des Bethausvorstandes, Dr. Elias M ü n z, in herzlichster Weise begrüßt und zu seiner Wiederherstellung beglückwünscht wurde. Zur Thora gerufen, dankte Oberkantor Matyas dem Allmächtigen in inbrünstigem Gebete für seine Errettung aus größter Lebensgefahr und trug hierauf die Hafthora mit klarer, volltönender Stimme in gewohnt vollendeter Weise vor. Sein Kollege, Oberkantor Heinrich Fischer, brachte hierauf einen von ihm für diesen Anlaß eigens verfaßten und seinem Kollegen Matyas gewidmeten Mischeberach in überaus wirksamer und die Zuhörer tief ergreifender Weise zum Vortrage und nach Schluß des Gottesdienstes bewillkommte und beglückwünschte eine große Zahl von Verehrern und Freunden den so beliebten Funktionär. Todesfall. Herr Kultusvorsteher Dr. I. H. K ö rner hat einen schweren Verlust erlitten. Seine innigstgeliebte Mutter Karoline Körner ist am 3. d. M. in Prerau gestorben und wurde dortselbst am 5. d. M. unter starker Beteiligung zu Grabe getragen. Dem trauernden Sohne, der in der Seebad CrikvCfliCa sSX) der beste und billigste klimatische Kurort. Streng orth. -fi^D Pension bei Alt. Josip Engel. Pensionspreis samt Zimmer 70 Dinar von Verblichenen eine brave und edle Mutter verloren hat, die auch stets eine gute Jüdin gewesen ist, wendet sich die allgemeine Teilnahme zu. Das Wirken des Herrn Kultusvorsteher Dr. I. H. Körner als O bmann der Versorgungshauskommission der israelitischen Kultusgemeinde hat ihm in kurzer Zeit allseitige Sympathie und Wertschätzung erworben. Seine unermüdlichen Leistungen auf diesem Gebiete finden bei allen Parteien restlose Anerkennung. 50. Geburtstag. Am 30. v. M. vollendete der langjährige und allseits beliebte Leiter der Filialstation Mariahilf der Wiener Freiwilligen Rettungsgesellschait. Medizinalrat Dr. Oskar Wagner sein fünfzigstes Lebensjahr und beging zugleich an diesem Tag auch das Fest seines fünfundzwanzigjährigen Dienstjubiläums als Inspektionsarzt der Wiener Freiwilligen Rettungsgesellschaft Der Jubilar hatte schon als Hörer der Medizin bei der Rettungsgesellschait praktiziert und trat bald nach seiner Promotion als Inspektionsarzt in den Dienst der Wener Freiwilligen Rettungsgesellschaft, den er durch die vielen Jahre in aufopfernder und selbstloser Weise beinahe Tag und Nacht versehen hat Er machte den ganzen Weltkrieg als Militärarzt fast an allen Fronten mit, wurde schließlich Regimentsarzt und infolge seiner Begabung und Gewissenhaftigkeit mit der Führung eines Spitalzuges betraut in dem er zahlreiche Verwundete und Erkrankte aus der Feuerfinie in Spitalspflege brachte nnd Zahllosen durch seine Tüchtigkeit das erlöschende Leben wieder geschenkt hat. Gerade in dieser Stellung lernte er die verschiedensten Krankheitsfälle und Verletzungen kennen, deren Studium und Kenntnis ihm nunmehr im Dienst der Rettungsgesellschaft ungemein zum Vorteil wurde. Seit einigen Jahren Jahren versieht er das Amt des Leiters der Filialstation Mariahilf, deren Wirkungsbereich sich auf die westlichen Bezirke bis an die Stadtgrenzen erstreckt Als Kollege und Vorgesetzter erfreut sich Medizinalrat Dr. Wagner bei der Leitung und bei allen Angestelltengruppen ungeteilter Wertschätzung. Linz. Selten hat eine Auszeichnung in allen Kreisen der Bevölkerung so freudige Genugtuung ausgelöst wie die Verleihung des Obermedizinalratstitels an den hiesigen hochgeschätzten Arzt, Medizinalrat Dr. Eduard Bloch. Herr Obermedizinalrat Dr. Eduard Bloch erfreut sich nicht nur wegen seiner ausgezeichneten ärztlichen Kenntnisse — er ist als glänzender Diagnostiker überall in den umliegenden Alpenländern geschätzt — eines besonderen Rufes, sondern ist auch wegen seiner überragenden Herzenseigenschaften besonders hochgeehrt. Seine stets opferwillige Hilfsbereitschaft Güte und Mildtätigkeit, seine vornehme, edle Gesinnung haben ihm die ungeteilte Verehrung und Wertschätzung aller erworben, die das Glück haben, ihn kennen zu lernen. Obermedizinalrat Dr. Eduard Bloch besitzt) neben seiner staunenswerten Kenntnis aller möglichen Wissenszweige ein umfangreiches hebräisches Wissen und ein warm fühlendes Herz für alle Interessen des Judentums, für das er jederzeit mannhaft eintritt. Er ist ein leuchtendes Beispiel von harmonischer Vereinigung wissenschaftlichen Strebens mit innigem Gottes vertrauen; man kann den vielbeschäftigten Arzt beinahe täglich seit Jahren in tiefer Andacht im Gotteshause sehen. Mit berechtigtem Stolze zählen wir ihn zu den Unseren, der eine Zierde der Linzer Gemeinde ist Möge es diesem edlen Manne vergönnt sein, noch lange, lange Jahre in voller Gesundheit seinen so schweren Beruf zum Wohle der Menschheit auszuüben! Veras. Mattersburg. Ein wahrhaft frommer Jude, ein selten guter Mensch, allgemein geschätzt und geachtet ist dieser Tage mit R. Ahron Elieser Trebitsch itn hohen Alter von 81 Jahren dahingegangen. Frühzeitig hat er sich in den Dienst der Nächstenliebe gestellt und wirkte hilfsbereit bis an sein Lebensende. Arme, Kranke und Hilflose fanden in ihm einen warmen Freund und eine feste Stütze. Tag und Nacht widmete er sich den Werken aufopfernder Menschenliebe, verbrachte oft viele Stunden am Schmerzenslager Kranker, um sie zu pflegen und ihnen in ihren Leiden trostreiche Hoffnung zu spenden. Auch an den öffentlichen Angelegenheiten der Gemeinde nahm er rührigen Anteil und seine dankbare Kehilloh ehrte ihn stets durch Verleihung besonders wichtiger religiöser Funktionen. So hatte er durch nahezu 60 Jahre das heilige Amt eines Chewra-Kadischa-Vorstehers bekleidet Aufrecht schritt er durch das Leben und ebenso aufrecht ertrug er mit unerschütterlicher Gottergebenheit die vielen Schicksalsschläge, die ihn in seinem Leben heimsuchten. Vorbildlich als Gatte und Vater sorgte er bei Hintansetzung seines persönlichen Wohles für seine Kinder und Kindeskinder. Die große Beteiligung am Leichenbegängnis gab ein beredtes Zeugnis von der Beliebtheit und Wertschätzung, deren sich der Verblichene allseits erfreute. An seiner Bahre hielten Herr Oberrabbiner S. Ehrenfeld. Herr Rabbinats-Assessor J. Taussig sowteseine Neffen, Herr Heinrich Trebitsch, Mattersburg, und Herr Emanuel Hönigsber, Wien, tief empfundene Nachrufe. Das Andenken des Verewigten bleibt unvergeßlich im Gedächtnis all derer, die ihn kannten._ öerläiisiiBÄQSV.JieWairtcf!