Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 3 (16.1.1931)
- Date
- 1931-01-16
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seit» t Residenz-Atelier für moderne Photographie. Wien I., Fleischmarkt Nr. 1 Telephon R 29-2-80 1 Bild und 6 Karten S 25- Spezialität: Brautaufnahmen burger Gemeinde nahm während seiner Amtszeit einen bedeutenden Aufschwung. Von seinen Werken sind gedruckt: „Maajan me neftoach" (Novellen zum Talmudtraktat Jewamot, Leningrad, 1923) und „Diwrei David" (Wilna, 1928). Obwohl er und seine Familie in den letzten Jahren schwerer Not ausgesetzt waren und er fiberall im Auslande zahlreiche Anhänger und Bewunderer hatte, verließ er seine Gemeinde nicht Israelitischer Tempel- und Schulverein für den X. Gemeindebezirk. Der Vorstand hat für die vakante Rabbinerstelle Herrn Rabbiner Professor Dr. Albert Weiner mit dem Amtsantritte vom 1. Februar 1931 aufgenommen. Todesfälle. Hier verschied kürzlich Herr Julius Qötzl, gerichtl. beeid. Schätzmeister und Sachverständiger, Inhaber des Wiedner Möbelheims, IV., Schleifmühlgasse la. Der Verblichene, ein treues Mitglied der „Union", gehörte auch lange Jahre der Bezirkskommission IV/V'X an. — Frau Mirjam Fischer, Gattin des vor Jahren verstorbenen Herrn Gabriel Fischer, wurde kurzlich zu Grabe getragen. Sie war ein Muster jüdischer Frauen an Frömmigkeit Auf dem Gebiete der Wohltätigkeit hat sie besonders Großes geleistet Mit grenzenloser Aufopferung und Hingebung, nie an sich denkend, war sie den Armen und Verlassenen zugetan, die sie zu jeder Zeit, wenn sie zu ihr kamen, mit Speise und Trank bewirtete. Ihre höchste Freude war es, wenn sie andere erfreuen konnte. Die außergewöhnlich rege Beteiligung beim-Leichenbegängnisse war ein beredtes Zeugnis für die große Wertschätzung der Heimgegangenen. Im Trauerhause hielt der Schwiegersohn Herr Rabbiner Schenk einen ergreifenden Nachruf, er schilderte in beredten Worten die tiefe Frömmigkeit und die edlen Eigenschaften der Entschlafenen. Nachher sprach tief gerührt der Sohn, Herr Simon Fischer, und schilderte den schweren Vertust der Familie. 75. Geburtstag. Herr Saul. Hornstein begeht dieser Tage seinen 75. Geburtstag. In Rußland geboren, schlug der junge Hornstein die kommerzielle Laufbahn ein, kam 1883 von Berlin nach Wien, wo er ein bekanntes Buch über Palästina „Gibeat Saul" in schönem Hebräisch schrieb. Dieses .übersetzte später seine Gattin ins Deutsche und fand diese Palästina- Schrift, geziert durch zahlreiche naturgetreue Bilder, vielfache Verbreitung. Der berühmte akademische Maler David Kohn schätzte ihn besonders. Viele seiner Freunde gedenken des Jubilars — Wien IL, Nestroygasse 8, wohnhaft — in Liebe und Wertschätzung. New York. Ein Sohn des berühmten Oberkantors Säbel Quartin, der als Arzt am großen Moses- Hospital wirkte und sehr beliebt war, ist durch eine tückische Krankheit in seinem Berufe plötzlich hingerafft worden. Dem Vater, der in Wien und Budapest durch seine Kantorentätigkeit sehr bekannt und in Amerika besonders geschätzt ist, wendet sich allger meine Teilnahme zu. - Adolf Wygoda, der bekannte Kaschauer Oberkantor, wird am Samstag, den 17. d. M., um 18.30 durch das Kaschauer Radio zu hören sein. Zum Vortrage gelangen eigene liturgische Gesänge. Berichtigung. Wir erhielten folgende Zuschrift: Ich erlaube mir, eine unliebsame Verwechslung richtigzustellen, die dje Nr. 1 vom 2. Jänner der „Wahrheit" in ihrem Berichte über die Sitzung des Vorstandes der Kultusgemeinde enthält Ich bin Beamter (Kontrollor) der Adas Jisroel, Schiffschul, und nicht der Agudas Jisroel. Die Adas Jisroel, Schiffschul — und nicht die Agudas Jisroel — hat mich mit der Kommission zum Studium des'Niederlegeapparates entsendet. Pinkas Grünhut, Kontrollor der Adas Jisroel, Schiffschul. Lederhandschuhfabrik Josef Jjasßnger i, Rotenturmstraße 23 Telephon U 25-3-29 * IL, Hollandstraße 11 Telephon R 47-2-40 Jüdische und hebräische Grammophonplatten in großer Auswahl sowie andere erstklassige elektrisch aufgenommene Platten in klassischer und moderner Musik, ferner Grammophon-und Radioapparate aller führenden Weltmarken und in jeder Preislage auch gegen Monatsraten erhältlich im Musikhaus Leo TubHn, Wien U Jasomlrgottstr. 6. Verzeichnisse kostenlos. VeteinsmMifkwidkten Verein zur Versorgung hilfsbedürftiger Isr. Waise« in Wien. Die diesjährige Generalversammlung findet Sonntag, den 25. Jänner, um 11 Uhr vormittags, IX.. Universitätsstraße 4, statt und sind die Mitglieder und Gönner höflichst eingeladen, recht zahlreich zu erscheinen. Jüdischer Witwen- und WalsenhlMsvereto, DL Bez. Die diesjährige Generalversammlung findet am Donnerstag, den 22. Jänner, um 7 Uhr abends imCaie Metropol, IX., Berggasse 33, statt Vom Schaffen des Philo- Verlages. Vor einem halben Jahre hat Hanns Reißner in diesen Blättern in einem Artikel „Das Gesicht des Philo-Verlages" dessen geistige Linie gezeigt und eine Gesamtübersicht über seine Werke gegeben. Seine Aufgabe, die Weltanschauung des Centrai-Vereines und seine praktische Arbeit durch das gedruckte Wort allen Kreisen nahezubringen, bedingt eine Vielheit der Verlagserscheinungen, die erst bei näherer Betrachtung die systematische Einheitlichkeit erkennen läßt Die Produktion des Philo-Verlages Ist frei von jener gewissen Starrheit und Abgegrenztheit welche eine literarische oder wissenschaftliche Verlagsanstalt durch die Pflege eines einzigen Gebietes als Aufgabenkreis zeigt Durch die Tatsache, daß das Lebensrecht der deutschen Juden als deutsche Staatsbürger in immer neuen Formen bedroht wird, zwingt den Philo-Verlag, auf alle dadurch entstehenden Ereignisse und Probleme, sei es In wissenschaftlicher oder polemischer Form, sofort einzugehen. Unbeeinträchtigt von den politischen Ereignissen der letzten Monate und ohne daß die Linie des Verlages durch sie in eine andere Richung gedrängt worden wäre, hat sich die Verlagsarbeit im letzten halben Jahre weiter entwickelt. In . den vorliegenden Neuerscheinungen tritt die apologetische Note zugunsten der positiven Gestaltung der Probleme erfreulicherweise in den Hintergrund — ein Vorzug, der durch die Tatsache ermöglicht wurde, daß in einer großen Zahl früherer Erscheinungen die Probleme ausschließlich vom apologetischen Standpunkt behandelt worden sind und so eine Basis geschaffen wurde, von der aus die positiv darstellenden Arbeiten folgen konnten. In erster Linie *ist Felix Goldmanns neuestes Buch „Der Jude im deutschen K u 11 u r k r e i s e" zu nennen. Das Ergebnis jahrzehntelanger Untersuchungen aller mit der Existenz der deutschen Juden auf deutscher Erde zusammenhängender Fragen und die Betrachtung der gegenwärtigen Lage ließen ein Werk entstehen, das jüdische Inhalte nach ihrem Eigenwert schätzen lehren und nachweisen wUl, welch positiv aufbauenden Bestandteil der jüdische Kulturan teil innerhalb der deutschen Kultur bildet Das Buch kann als eine Art weltliche Ergänzung des im Jahre 1927 erschienenen Werkes von Michael Guttmann „Das Judentum und seine Umwelt" angesehen werden. Auch eine zweite außerordentlich wichtige Neuerscheinung ist obwohl es nach dem Titel paradox erscheinen mag, von reiner Apologetik weit entfernt. Alexander Guttmann hat unter dem Titel „Enthüllte Talmudzitate" aus Gutachten, die von seinem Vater, Professor Dr. Michael Guttmann, und von anderen hervorragenden Gelehrten über angegriffene Stellen des jüdischen Schrifttums erstattet worden sind, sowie auf Grund eigener Untersuchungen 110 Zitate zusammengestellt die gewissermaßen als „der eiserne Bestand" des judenfeindlichen Arsenals anzusehen sind. Es handelt sich hier um ein Werk. das. aus der Praxis entstanden, von größter Bedeutung für die Praxis ist Wir sind sicher, daß jeder, der es einmal in die Hand nimmt, von der Fülle der Anregungen und Aufschlüsse gefesselt es nicht so rasch wieder fortlegt. Mit ganz besonderer Freude kann der Verlag erstmalig den großen Soziologen Franz Oppenheimer als seinen Autor begrüßen, der kürzlich als Vorergebnis umfassender und bedeutungsvoller Arbeiten eine Betrachtung des Rassenproblems im Philo-Verlag erscheinen ließ. Auf 20 Seiten wird in temperamentvoller, aber unpolemischer Form ein großes Maß von Wissenschaft gegeben. Die jüdisch-wissenschaftliche Reihe des Verlages ergänzt sich durch zwei Arbeiten von Rabbiner Dr. B. Jacob „Die biblische Sintfluterzählung, ihre literarische Einheit Vortrag gehalten auf dem Internationalen Orientalistenkongreß zu Oxford am 30. August 1928", und „Mischehen", eine biblische Studie zu L B. M. c. 36. 38, die als 7. Schrift der Morgenreihe nach ihrem Erscheinen im „Morgen" aufgelegt worden ist. Der gleichfalls im ..Morgen" veröffentlichte, viel beachtete Aufsatz von Erich Stern, „Krankheit und religiöses Erleben", liegt als 8. Schrift der „Morgenreihe" vor. Zwei bekannte Kanzelredner kommen mit ganz verschiedenartigen Arbeiten zu Wort: Der Trierer Öberrabbiner Dr. Adolf Altmann mit einem Bändchen Lyrik .Aus ringenden Welten" und der Prediger der Berliner Reformgemeinde Dr. Jelski mit einem Predigtenband „Im Wandel der Zeiten". In einer Zeit die den Abbau geistiger und ideeller Werte erzwingt hat der Philo-Verlag getreu seiner Verpflichtung, jüdische Gegenwartsprobleme und geisteswissenschaftliche Fragen im Rahmen seiner Neuerscheinungen behandelt: er bringt vieles und daher — in einer Abwandlung des Goethe-Wortes — jedem etwas. Lucia Jäcoby. flmtficQe Verfautöarungen der Jsraefitisdjen Xuftusgemeinöe Wen *» An unsere Gemeindemitglieder t In einer Zeit großen wirtschaftlichen Elends ergeht an unsere Gemeindemitglieder die Aufforderung, die Voreinzahlung für die Kultussteuer 1931 zu entrichten. Kaum je war unsere Gemeinde mehr auf die rasche Einzahlung der Steuer angewiesen als jetzt Nicht nur die Erfordernisse des Kultus- und Unterrichtswesens sind zu bedecken. Ganz besonders hängt die Aufrechterhaltung unserer Wohlfahrtsinstitutionen — Spital, Versorgungs- und Siechenhaus, Jugendfürsorge usw. — heute mehr denn je von der Opferwilligkeit aller ab. Die entsetzliche Not weiter Schichten der Judenschaft hat naturgemäß einen Hochbetrieb in unseren Wohlfahrtsanstalten zur Folge. Die Armen, die bisher von ihren bemittelten Angehörigen unterstützt wurden, wenden sich, von ihren inzwischen verarmten Verwandten im Stiche gelassen, um die Hilfe an die Gemeinde. Kann da ihre Fürsorgetätigkeit abgebaut werden, wie es die prekäre finanzielle Situation erfordern würde? Müssen nicht vielmehr die Anstrengungen gesteigert werden? Steuern wurden immer, mögen sie noch so gerecht verteilt sein, von den Steuerpflichtigen ab drückend empfunden. Aber der Gedanke, daß ein Großteil unserer Kultussteuer entsprechend unseren religiösen Satzungen der Erhaltung von Werken jüdischer Nächstenliebe dient, sollte sie gerade heute, trotz der Ungunst der Verhärtnisse, erträglich erscheinen lassen. Wieviele von jenen, die sich gegen die Höhe der Steuer auflehnen, würden vor che Wahl gestellt: Zahlung der Steuer oder teil weiser Abbau des Siechenheimes, des Kinderambulatoriums usw.. ohne Zögern die Steuern willig tragen. Oft werden Widerstände gegen die Voreinzahlung der Steuer durch die unbegründete Besorgnis hervorgerufen, bei ungesäumter Einzahlung eine Steuererhöhung zu riskieren. Die Verwaltung unserer Gemeinde, die mit größter Sorge der Zukunft entgegensieht, hofft, daß über alle diese Hindernisse und Bedenken hinweg der alte jüdische Gemeinsinn sich wieder bewähren wird. Wien, 12. Jänner 1931. Der Vorstand der Israelitischen Kultusgetnefade Wien. Israelitischer Jugendgottesdienst Am Samstag, den 17. Jänner d. J., findet um 3 Uhr nachmittags der Jugendgottesdienst für die israelitische Schuljugend in den Gemeinde- und Bezirks-Synagogen statt. Predigten in den israelitischen Gemeinde- und Bezirkssynagogen. Freitag, den 16. Jänner 1931, werden bei dem um 4 Uhr 30 Minuten beginnenden Abendgottesdienst in nachbenannten Gemeinde- und Bezirkssynagogen Predigten abgehalten, und zwar: VI., Schmalzhofgasse 3 (Rabbiner. Dr. J. Drobin sky); VIII., Neudeggergasse 12 (Rabbiner Dr. M. Bauer); IX., Müllnergasse 21 (Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz); XIII., Eitelberggasse 22 (Rabbiner Dr. M. L. Lewin); XVI., Hubergasse8 (Rabbiner Dr. A. M. Bach); XVIII.. Schopenhauerstraße 39 (Rabbiner Dr. D. F e u c h t w a n g). Samstag, den 17. Jänner 1931: H4 Uhr nachm.: Religiös-populärer Vortrag (Zyklus: „Die Lehrer und Lehren der Mischnah und der Gemarah", II.. Pazmanitengasse 6 (Rabbiner Dr. Z. Taubes). 4 Uhr nachm.: Exegetischer Vortrag, XJX, Dollinergasse 3 (Rabbiner Dr. A. F r a n k f u r t e r). „Tbeologla". Verein jüdischer Hochschüler an der israelitischen Theologischen Lehranstalt Samstag, den 17. d. M.. Schabbas Meworchim, findet um Uhr vormittag» im kleinen Tempel, Wien IL, Tempelgasse 3» eine Predigt des KolL cand. TheoL und phiL Josef Babad statt Der Morgengottesdienst beginnt wie gewöhnlich pünktlich um 8 Uhr früh.