Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 44 (31.10.1930)
- Date
- 1930-10-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis dieser Nummer 50 Groschen Jüdische IDochenschriff mit den Veröffentlichungen der „Union deutschest ereeichischer Juden' and den Amtlichen Verlautbarungen der Erscheint jeden Freitag Israelitischen Kultusgemeinde Wien Die tbahrheit m _ Redaktion und Administration: Wien 11., Heinestraße 13 - Telephon R 46-2-16__ XLV1. Jahrgang ~~ Wien 31. Oktober 1930 Nummer 44 Jüdische bürgerliche Wähler! Am 9. November werdet Ihr Euer Wahlrecht, das diesmal zur Wahlpflicht wird, auszuüben haben. Die Entscheidung darüber, für welche Partei Ihr Eure Stimme in die Waagschale werfen werdet, ist Euch leicht gemacht worden. Die christlichsoziale Regierungspartei hat sich mit notorisch antisemitischen Heimwehrführern verbündet, wie dem Herrn Starhemberg, der als Minister des Innern von den Juden als »Asiaten" spricht, und dem Herrn Dr. H u e b e r, der als Justizminister verblümt zum Pogrom aufreizt. Kein Jude darf für diese Partei seine Stimme abgeben» Die unter Führung Dr. Schobers gebildete Wahlgemeinschaft »Nationaler Wirtschaftsblock und Landbund" zahlt zu ihren Mitgliedern neben der rassenantisemitischen großdeutschen Volkspartei, deren Programm den »Kampf gegen die Überfremdung durch das Judentum" predigt, die nationalsozialistische Gruppe Schulz, deren Wortführer die Judenreinheit dieser Wahlgemeinschaft als einen Sieg des Antisemitismus preist. Trotz der Verehrung für die Person des Altbundeskanzlers und Polizeipräsidenten Dr. Schober können wir nicht für diese Wahlgemeinschaft stimmen. Die »Jüdische Liste" ist nach der Feststellung der „Stimme", des Organs der offiziellen Zkmisten, eine Extratour des Herrn Oberbaurates Stricker, dieses unentwegten Wortführers der nationalen Landespolitik. In den gegenwärtigen, für die österreichische Judenschaft so gefahrdrohenden Zeiten wird kein Jude mit Ausnahme des engsten Anhanges dieses Wahlwerbers für diese Liste seine Stimme abgeben. Jüdische bürgerliche Wahler! Euren politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Forderungen kann einzig und allem das Programm der Demokratischen Mittelpartei entsprechen. Sie allem unter allen bürgerlichen Parteien verficht die volle Gleichberechtigung aller Staatsbürger ohne Unterschied des Bekenntnisses und verwirft den Klassen« und Rassenhaß als kulturfeindlich, sie allein kämpft für Freiheit und Fortschritt auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens. Ihr Programm ruht auf dem Grundgedanken der Befreiung der Wirtschaft von allen ihrer Entwicklung schädlichen Hemmnissen und Bevormundungen. Sie will politisch und wirtschaftlich den freien Menschen im freien Staat. Die Haltung der Demokratischen Mittelpartei bei ihren Verhandlungen wegen Bildung des Schober-Blocks hat bewiesen, daß sie unverrückbar an ihren freisinnigen Grundsätzen festhält. Jeder bürgerlich gesinnte Jude kann beruhigt die Wahrung seiner Interessen der Demokratischen Mittelpartei anvertrauen. Ihre Wahlaussichten stehen diesmal durchaus günstig, wenn alle wahrhaft demokratischen Bürger, die den politischen und wirtschaftlichen Radikalismus von links und rechts ablehnen und den Ausgleich der Gegensätze im Interesse der Gesundung unseres Vaterlandes wünschen, für sie stimmen. Stärket durch Eure Stimmenabgabe die Demokratische Mittelpartei, Ihr bereitet so der Demo* kratie eine siegreiche Zukunft! Eure Stimme geht nicht verloren! Wählet nach Überzeugung und Gewissen die Demokratische Mittelpartei! Wählet die Liste Eures Glaubensgenossen Hof rat Prof. Dr. Heinrich Klang! Wien, Oktober 1930 Der Vorstand der Union deutschösterreichischer luden.