Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 42 (17.10.1930)
- Date
- 1930-10-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seit»? schalt den Boden abzugraben. Die Verwandten des verstorbenen Bankiers führen nun an, daß durch die Brandstiftungen itt Borscha, die Ausschreitungen der „Eisernen Garde" und die Tempelschändungen in Neurumänien die Absicht des Stifters als vereitelt und die Bedingungen, unter denen das Legat gewährt wurde, als nicht erfüllt anzusehen seien, und fordern daher von der rumänischen Regierung die Heraugabe des Nachlasses von Jacques Elias. Eine gerechte Verfügung des preußischen Justizministers. Es ist neuerdings in Deutschland, namentlich in politischen Strafsachen, mehrfach vorgekommen, daß Angeklagte ohne Weitere Begründung einzelne Richter, Schöffen oder Geschworene lediglich wegen ihrer politischen Parteüstellung, ihres Glaubensbekenntnisses oder ihrer Abstammung als befangen abgelehnt haben. Gelegentlich haben Angeklagte, offenbar in der Absicht, sich auf diese Weise Unterlagen für ein Ablehnungsgesuch zu verschaffen, sogar verlangt, daß die Richter (Schöffen, Geschworene) befragt würden, welcher Parteil oder Konfession sie zugehörten oder welcher Abstammung sie seien. Wie der Amtliche! preußische Pressedienst mitteilt, weist der preußische Justizminister in einer allgemeinen Verfügung vom 6. Oktober d. J. darauf hin, daß ein solches Verlangen jeder Rechtsgrundlage entbehre. Nach der Strafprozeßordnung habe der zur Ablehnung Berechtigte nur das Recht, die Namhaftmachung der "zur Mitwirkung bei der Entscheidung berufenen Gerichtspersonen zu verlangen. Hierunter seien aber Angaben über die politische Einstellung, die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religionsgesellschaft, die Abstammung oder sonstige persönliche Verhältnisse der Richter nicht zuverstehen. Für sich allein vermöge auch die Parteistellung eines Richters, seine Konfession und seine Abstammung, wie das Reichsgericht wiederholt ausgesprochen habe, die Besorgnis der Befangenheit nicht zu rechtfertigen. Bei Beurteilung eines Ablehnungsgesuches komme es darauf an, ob der Angeklagte bei verständiger Würdigung der Sachlage Grund zu der Befürchtung habe, der Richter werde in seinem Urteil nicht unvoreingenommen sein. Deshalb bedürfe es zur Begründung einer Ablehnung der Anführung besonderer, aus der Lage des Einzelfalles geschöpfter Mißtrauensgründe, die außerdem glaubhaft zu machen seien. Hinsichtlich der politischen Parteistellung oder der sonstigen persönlichen Verhältnisse des Richters sei vom Standpunkt eines verständigen Angeklagten ein Grund zur Ablehnung nur dann gegeben, wenn besondere Umstände befürchten ließen, daß politische oder sonstige Gegensätzlichkeiten die Unparteilichkeit des Richters gerade ihm gegenüber nachteilig beeinflussen könnten. Der Justizminister ersucht die Beamten der Staatsanwaltschaft, diese Gesichtspunkte bei ihren Anträgen und Aeußerungen zur Geltung zu bringen. Jüdwsdkelhxentafel. Warschau. Auf dem gegenwärtig in Warschau tagenden Kongreß zur Bekämpfung des Mädchenhandels wurde von einer Reihe von Rednern auf die großen Verdienste hingewiesen, die sich die jüdische Delegierte aus Frankfurt, Fräulein Berta Pappenheim, um den Frauen- und Mädchenschutz erworben habe. Fräulein Pappenheim war in der Bewegung zur Bekämpfung des Mädchenhandels von Anbeginn an tätig und hat allen acht internationalen Kongressen, die bisher abgehalten wurden, beigewohnt. Neben mehreren jüdischen Delegierten aus Warschau und Lodz nehmen als auswärtige jüdische Vertreter an dem Kongreß noch teil: Dr. Claude G. Montefiore, Präsident der im Jahre 1927 in London abgehaltenen Internationalen jüdischen Konferenz zur Bekämpfung des Mädchenhandels, S. Cohen, Sekretär der Londoner Jüdischen Vereinigung für Frauen- und Mädchenschutz und Generälsekretär des Büros der internationalen jüdischen Konferenz, sowie Julius Becker, Vertreter der Danziger Jüdischen Zentralwohlfahrtsstelle. Auf dem Kongreß wurde ein auf Veranlassung der polnischen Delegation mit Unterstützung der jüdischen Vereinigung für den Schutz von Mädchen und Frauen hergestellter Film vorgeführt, der einige spezifisch jüdische Bilder enthält, unter anderem die „Stilic Chupe". Berlin. Am 7. Oktober starb im 77. Lebensjahre in Berlin Geheimer Justizrat Dr. Hermann Oberneck, der Vorsitzende des Berliner Notarvereines. In Oberneck verlieren die deutschen Notare ihren anerkannten Führer. Erst vor kurzem erschien eine vom Deutschen Notarverein ihm aus Anlaß seines 75. Geburtstages gewidmete Festschrift Obernecks Verdienst ist es, daß es heute in Deutschland ein wissenschaftlich begründetes Notariatsrecht gibt Das grundlegende systematische Werk, in dem er das vollbracht hat, ist heute in Händen jedes deutschen Notars. Grundlegend ist auch sein Werk über das Grundbuchrecht. Geheimrat Dr. Oberneck widmete sich auch intensiv jüdischen Dingen, er war stellvertretender Vorsitzender des Krankenhausvorstandes der Jüdischen Gemeinde, Die Beisetzung fand am 12. Oktober, 12 Uhr, auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee unter größer Beteiligung statt. Paris. Die französische Regierung hat Schalom Schwarzbarth die Militär-Medaille überreicht. Die recht verspätete Ehrung geschah in Anerkennung seiner heldenhaften Verdienste in der Verteidigung einer französischen Position im Jahre 1916. Der betreffende französische Offizier ist während des Krieges gefallen und hatte in seinem Berichte an die Vorgesetzten die Episode erwähnt und Schwarzbarth zur Beförderung vorgeschlagen. Dieser Empfehlung ist nunmehr durch Uebergabe der Medaille Folge geleistet worden. London. Charles Levine, der amerikanische Jude, der vor einigen Jahren mit Chamberlin auf seinem Flugzeug „Miss Columbia" einen non stop-Flug von Amerika nach Deutschland vollführt hat. hat das gleiche Flugzeug den Fliegern; Kapitän Erroll Boyd und Leutnant Harry Connor zur Verfügung gestellt, die mit demselben einen gelungenen Transozean-Flug von Kanada nach England vollführten. Levine ist in Croydon eingetroffen, um die beiden Flieger zu begrüßen. Leningrad. Im Alter von 75 Jahren verstarb der Professor am Leningrader Verkehrsinstitut N. B. Bogoslavski. Bogoslavski. der Jude war, galt schon vor dem Kriege als einer der bedeutendsten Brückenbauingenieure Rußlands. Eine Reihe sehr großer Brücken, darunter eine über die Wolga, wurde von ihm gebaut. VonWodke «a Worte Aus der Berliner jüdischen Gemeinde. Die Repräsentantenversammlung der Berliner jüdischen Gemeinde beschloß in ihrer letzten Sitzung, dem Komitee für die durch den Brand in Borscha Geschädigten eine Beihilfe zu gewähren. Nach einem Referat von Dr. Alfred Klee, der die jüdischen Brüder in Rumänien der tief empfundenen Solidarität der deutschen Juden versicherte, fand die Vorlage des Vorstandes einstimmig Annahme. — Die Repräsentantenversammlung erledigte in der gleichen Sitzung die Einsprüche betreffend die Wahllisten gemäß der Vorlage des Vorstandes. Dabei wurde festgestellt, daß die Wählerliste zu den am 30. November stattfindenden Repräsentantenwahlen rund 136.000 Namen enthält. Angesichts der furchtbar schweren Situation, in der sich in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise die jüdischen Wohlfahrtsinstitutionen befinden, hat Herr Großindustrieller Hans Engel auch heuer am Jörn Kippur im Stadttempel S 10.000.— für verschiedene Wohlfahrtszwecke gespendet. Auszeichnung. Der Bundespräsident hat dem Stadtbaumeister Edmund M e 1 c h e r. dem Präsidenten dies Zentralvereins für Volksernährung, das goldene EhrenzeichenfürVerdienste um die Republik Oesterreich verliehen. Herr Stadtbaumeister Edmund M e 1 c h e r, der im Wiener Judentum einen geachteten Namen besitzt, ist auch in der jüdischen Fürsorge ungemein tätig und Obmann der Bezirkskommission IX der Wiener Kultusgemeinde. Gelegenheitskäufe;. Benutzen Sie den derzeitigen billigen Silberpgeis zur Ergänzung oder Anschaffung Ihres Tafelsilbers,' bei Oesterreicher. (Siehe Ankündigung auf Seite 4.) 75. Geburtstag. Am 17. d. M. feiert Herr Leopold Klein, XIX., Biedergasse 5, seinen 75. Geburtstag. Der Jubilar, ein überaus bescheidener, braver Jude, hat vor sechs Jahren mit einigen Freunden im XIX. Bezirke eine Chewra Kadischa ins Leben gerufen, deren Vorstand er heute noch als Referent für das Armenwesen angehört. Diese Tätigkeit nimmt ihn sehr in Anspruch, denn auch in diesem Bezirke bedürfen viele arme Glaubensgenossen hilfreicher Unterstützung, die ihnen, dank den aufopfernden Bemühungen des Jubilars, gerne zuteil wird. Wir wünschen ihm, der so viel Gutes getan, auch weiterhin alles Gute und Schöne. Salzburg. Herr Heinrich A n n i n g e r, langjähriges Mitglied des Vorstandes der jüdischen Kultusgemeinde und des Vereines „Chewra Kadischa" in Salzburg, feierte am 11. d. M. mit seiner Gattin Klara, geb. Tausig, das Fest der. silbernen Hochzeit im engsten Familienkreis. Barmizwahfeier. Am Samstag, den 11. d. M., feierte im Pazmanitentempel der Student Echte^eQerteDPiA durchwegs günstige Gelegenheitskäufe, werden mit ganz kleinem Nutzen im WIEDNER MÖBELHEIM Inh. JULIUS GÖTZL Handig. beeid. Sachv. u. Schatzmeister IV.,SCHLEIFMÜHLGASSE1a TELEPHON B 24-1-62 billigst abgegeben; daselbst sind auch elegante Schlaf- und Speisezimmer, Herrenzimmer, teils neu. teils gebraucht, zu verkaufen. Robert Paschkes, Sohn des in weiten Kreisen geachteten Caferiers Herrn Alfred Paschkes und seiner Gattin Flora, geborene Pick, das Barmizwahfest. Der besonders schönen Feier wohnten außer den Angehörigen der Familien Gustav, Karl und Arnold Paschkes sehr viele Verwandten sowie zahlreiche Freunde und Verehrer der Familien Paschkes bei. Nachdem der kleine Robert die Paraschah, wie den Propheten-Abschnitt wirkungsvoll zum Vortrage gebracht hatte, richtete Herr Rabbiner Dr. Taubes an ihn eine zu aller Herzen gehende eindrucksvolle Ansprache, in welcher er ganz besonders den Sinn seiner in Gott ruhenden Großväter fürs Judentum, namentlich die großen und mannigfachen Verdienste des langjährigen Vorstehers Herrn Bernhard Pick s. A. — seines Großvaters mütterlicherseits — um den Tempelverein Aeschel Awrohom hervorhob. Redner rühmte auch die edlen Bestrebungen seiner Eltern, das musterhafte Zusammenhalten der Familienangehörigen und ermahnte den Jungen an die Pflicht, solchen Beispielen stets nachzueifern. Nach Schluß des vom Ersten Kantor A. Stift geleiteten Gottesdienstes wurden Vater und Sohn in herzlichster Weise beglückwünscht. Kantor Simon Kriegsmann, der seit einigen Jahren die Funktionen des Mussaphvorbeters in dem an den hohen Feiertagen im Hotel Münchnerhof etablierten Bethaus versieht, bewies heuer durch seine meisterhaften Vorträge, daß dieser junge, äußerst talentierte Sänger — ein Schüler Professor Wolfs — bereits als ein Vertreter seines Faches von vollendetem Können bezeichnet werden kann. Israelitischer Privatlebrer erteilt um 1 Schilling pro Stunde Unterricht in allen Mittelschulxegenständen. Zuschriften an R. Rosen. Nachhilfelehrer für Mittelschulgegenstände, Wien XX.. Denisgasse 37. n/21. Tlmtficße Verfautöarungen der Jsraefitisdjen Xuftosgemeinöe Wen Israelitischer Jugendgottesdienst. Am Samstag, den 18. Oktober 1. J.. findet um 3 Uhr nachmittags, der erste Jugendgottesdienst im Schuljahre 1930/31 für die israelitische Schuljugend in den Gemeinde- und Bezirks-Synagogen statt. An die Jüdischen Eltern! Z. 6654 ex 1930 Wien, im Oktober 1930. Betrifft Jugendgottesdienst und Bibelschule. Jugend-Gottesdienst im 1. Halbjahr des Schuljahres 1930/31. | Bezirk | Synagoge Sabbat 1- Seitenstettengasse 4 2- Tempelgasse 5 2- Sebastian Kneippgasse 14 3- Untere Viaduktgasse 13 In alten 5- Siebenbrunnengasse 1 a w b» 6- Schmalzhofgasse 3 nebenstehenden a V ä 8- Neudeggergasse 12 Synagogen am: 9- Müllnergasse 21 1&, 25. Oktober ja . a 10- Humboldtgasse 27 L.8, 15, 22, 29. Nov. 3 13- Eitelberggasse 6, 13» 20. Dezembei u. JX 15- Turnergasse 22 3, 10„17.,24„31.Jän. =) 16- Hubergasse 8 7. Feber m 18- Schopenhauerstraße 39 19- DolUnergasse 3 20- Kluckygasse 11 21- Holzmeistergasse 12 Dieser Gottesdienst, der tür Volks-, Bürger-, Haupt-, Mittelschüler und -Schülerinnen bestimmt ist, wird schulbehördlich vcrlautbart und von den Religionslehrern ihren Schülern in Erinnerung gebracht. Gleichzeitig wird die Aufmerksamkeit auf die in fast allen Wiener Bezirken bestehenden hebräischen Sprach- und Bibelschulen gelenkt, die der Vertiefung und Erweiterung des Religionsunterrichte? dienen. Der Schuljugend wird in diesen Anstalten Gelegenheit geboten, hebräische Kenntnisse zu erwerben und zu vermehren, wodurch diese befähigt wird, am Gottesdienst aktiv teilzunehmen und unser erhabenes Schrifttum in der heiligen Sprache kennenzulernen. Die dem Wohnorte zunächst gelegene Sprach- und Bibelschule kann im Schuiamte der Kultusgemeinde erfragt werden. Jüdische Eltern! Es handelt sich um Euer Teuerstes, um Eure Kinder, von denen Ihr doch sicherlich erwartet und wünscht, daß sie Eurem und Eurer Väter Glauben, Eurem Volke. Euch und sich selbst treu bleiben. Unterstützet uns daher in unserem Bestreben, Eure Kinder religiös zu erziehen, zunächst dadurch, daß Ihr sie veranlasset, allwöchentlich am Jugendgottesdienste teilzunehmen und die hebräischen Sprach- und Bibelschulen regelmäßig zu besuchen. Der Vorstand.