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Die Wahrheit · 1930-09-22 · Heft 38-39 (22.9.1930) · page 15

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1930
Issue
Heft 38-39 (22.9.1930)
Date
1930-09-22
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seite 15 VonWodie zu Wothe Leopoldstädter Tempelverein „Aeschel Awrohom". Mittwoch, den 17. d. M., wurde im Pazmaniten-Tempel die Installierung des neugewählten Rabbiners Sr. Ehrwürden Herrn Dr. Zwi Taubes im Rahmen eines Festgottesdienstes feierlich begangen. An der schönen, eindrucksvollen Feier nahmen nicht nur das Präsidium der israelitischen Kultusgemeinde, Vorstand und Mitglieder des Tempelvereines „Aeschel Awrohom" teil, sondern alle Wiener Tempel- und Bethausvereine hatten ihre hervorragendsten Vertreter entsendet. Der festlich geschmückte und beleuchtete Tempel konnte die erschienenen Festgäste kaum fassen. So kam es, daß die Feier ein imponierendes Bekenntnis des Zusammengehörigkeitsgefühls der Wiener Judenschaft darstellte. Wir werden über die Installierungsfeier in der nächsten Nummer unseres Blattes ausführlich berichten. Trauung. Sonntag, den 21. d. M., fand im Tempel in Reichenberg die Trauung des Fräuleins Malvine Altholz, Tochter des langjährigen, verdienstvollen Schriftführers des Prater Bethausvereines, Herrn Leopold Altholz, mit Herrn Karl Hübner statt. Silberne Hochzeit. Herr Peter Appel feierte am 17. d. M. mit seiner Gattin Erna, geb. Halp e r n, im engsten Familienkreise das schöne Fest der silbernen Hochzeit. Todesfälle. Donnerstag, den 18. d. M., starb plötzlich Frau Helene L e e n m a n n, geb. Pollak, Gattin des geachteten und verdienstvollen Vorstandsmitgliedes des Tempelvereines „Aeschel Awrohom" S. Leen mann, im 52. Lebensjahre. Die Verblichene erfreute sich wegen ihrer vortrefflichen Charaktereigenschaften allgemeiner Wertschätzung. Bescheiden und wunschlos für ihre eigene Person lebte sie als ein Musterbild treuer Pflichterfüllung und erwarb sich die Hochachtung und Verehrung weiter Kreise. Diese Verehrung kam auch bei ihrem Leichenbegängnisse zum Ausdrucke. Dasselbe fand Freitag, den ,19. d. M., um 2 Uhr nachmittags, unter außerordentlich starker Beteiligung vom Trauerhause, Wien IL, Rueppgasse 17, statt, und bewegte sich der imposante Zug mit dem gesamten Vorstande des Pazmaniten-Tempels als Zeichen besonderer Ehrung für die Verblichene über die Heinestraße nach der hellbeleuchteten Synagoge in der Pazmanitengasse. Die kantoralen Funktionen versahen so im Trauerhause, wie auch am Neuen Friedhofe die Herren Oberkantor I. Müller und erster Kantor A. Stift. Dem schwergeprüften Gatten wendet sich allgemeine Teilnahme zu. — Am 16. d. M. ist der langjährige Redakteur des „Neuen Wiener Tagblatt", Albert Kulka, verschieden. Am 29. Mai 1856 geboren, war Albert Kulka seit dem Jahre 1882 journalistisch hei verschiedenen Blättern tätig. Im Jahre 1895 trat er in die Redaktion des „Neuen Wiener Tagblatt" ein und arbeitete für den parlamentarischen und lokalen Teil. Er war in glücklichster Ehe verheiratet. An seiner Bahre trauern seine Witwe und seine Tochter. Kulka hatte als Mensch und Journalist gleich hervorragende Eigenschaften, die ihn überall beliebt und geschätzt machten. Klaviervirtuose Professor Juliusz Wolfsohn ist zurückgekehrt und hat seine Lehrtätigkeit in seiner Wohnung (Wien III., Pfarrhofgasse 16, Tel. U16-1-32) wieder aufgenommen. Aus der großen Zahl seiner berühmten und bekannten Schüler seien folgende erwähnt: Mischa Levitzki (New York), Stephan Bergmann (Holland). Ignatz Waghalter (Dirigent der Staatsoper (Berlin), Ignatz Neumark (Sheveningen). Nelly FriedMnder- Reichlin, Betty Fischer, Hyppolit Tschapek, Leo Birkenfeld, Sina Magasanik, Ane Miohelson (Baltimore), Max Reichlm (Prof. am Konserv. f. Musik und dramat. Kunst) sowie die Professoren am N. W. Konservatorium Doktor Ernst Kanitz, Egon Lustgarten und Jean Tyschkowski. Palästina-Jahrzeitlichter. Bekanntlich ist das Elend in Palästina sehr groß und ist es Pflicht jedes Einzelnen, zur Linderung dieses Elends nach Kräften beizutragen. Die altbewährte und als erstklassig anerkannte Fabrik für Kerzen und Jahrzeitlichter Em. Schulz, Wien XIV.. Braunhirschengasse 3 (Telephon R 33-1-87) wendet sich nun an die jüdische Oeffentlichkeit mit der Bitte, ihre diesbezüglichen Bemühungen zu unterstützen und die von ihr in Verkehr gebrachten -uanpp wn hyz tkd S< welche in der Qualität erstklassig und im Preis nicht höher sind als die anderen Kerzen und Jahrzeitlichter, um so eher zu beziehen, als hierdurch infolge Vertragsverpflichtung des Erzeugers Gelder nach Palästina fließen. Jüdisches Leben in Karlsbad. Als internationaler Kurort, der auf einen reichen Zustrom von Kurgästen aller Nationen und Konfessionen angewiesen ist, sieht Karlsbad naturgemäß auch den jüdischen Kurgast sehr gerne, so daß dieser — selbst wenn er den polnischen Kaftan trägt — allen anderen gleich in der zuvorkommendsten Weise behandelt wird und von einem Antisemitismus oder einer „Hakenkreuzlerei" weder auf Seite der Behörden noch der Einwohnerschaft etwas zu verspüren ist Wie einen tschechischen gibt es alljährlich auch einen deutschen und einen jüdischen Blumentag, welch letzterer unter der geradezu beispiellos aufopfernden Leitung des in Karlsbad, seit mehr als vier Jahrzehnten wirkenden Rabbiners Dr. Ziegler stets von dem besten Erfolge begleitet ist. In der Hauptsaison gastieren gleichzeitig zumindest zwei jüdische Theatertruppen, die allerdings gerade heuein infolge der allgemeinen Wirtschaftskrise unter einem ungünstigen Stern standen und keinen befriedigenden Besuch aufweisen konnten, ein Schicksal, das sie übrigens auch mit dem deutschen Theater und einer Reihe anderer erstklassiger künstlerischer Veranstaltungen teilten. Interessant ist es allerdings, daß zwei Konzertabende zweier bekannter Oberkantoren überfüllt waren. Den Mittelpunkt des Karlsbader jüdischen Lebens bilden die allwöchentlichen Gottesdienste am Freitag Abend und Samstag Vormittag in dem architektonisch imposanten Tempel, den sich stets eines Massenbesuches erfreut, um den ihn die Gotteshäuser in allen europäischen Judenmetropolen beneiden dürfen. Dieser Massenbesuch ist vornehmlich dem überaus weihevollen — zur Gänze von der Orgel begleiteten — Gottesdienst zuzuschreiben, zu welchem in besonderem Maße der zu Herzen gehende Gesang des Oberkantors M. Perlmann und des Tempelchors unter dem bewährten Leitung des Dirigenten Berthold Weissmandi beiträgt, der auch als Sekretär der Karlsbader! Kultusgemeinde eine überaus ersprießliche Tätigkeit entfaltet. Dieser herrliche Gottesdienst wird jedesmal gekrönt durch die rasch populär gewordenen Predigten des Rabbiners Dr. Ziegler, der seine Zuhörer stets in wirksamster Weise zu fesseln weiß, so daß ihm im gegebenen Falle keiner sein Scherflein zugunsten der Herrn Dr. Zieglen am Herzen liegenden beiden Wohltätigkeitsanstalten der Karlsbader Kultusgemeinde, Kurhospiz und das unmittelbar vor der Eröffnung stehende neuerbaute A11 e n h e i m, verweigert. Diese beiden mustergültigen Institutionen stehen im Zentrum der Kurstadt als leuchtende Zeichen echt jüdischen Wohltuns und anerkennenswerten Wirkens der Karlsbader Kultusrepräsentanz und ihres Präsidenten DaMoser. A.r Jlmttictjz Verfautßarungen der Jsraeßtisdfen TCuftusgemeinbe Wim Organisierung der Wanderfürsorge. Zwecks endgültiger Schaffung der seit langem angestrebten Organisation für die jüdische Wanderfürsorge in Oesterreich wurde von der Zentralkommission für soziale Fürsorge der israelitischen Kultusgemeinde Wien, in deren Bereich die nötigen organisatorischen Maßnahmen bereits getroffen wurden, eine Konferenz einberufen. An dieser am 8. September d. J. im Sitzungssaal der isreaelitischen Kultusgemeinde Wien abgehaltenen Beratung nahmen neben den Vertretern der Wiener Kultusgemeinde und fast sämtlicher jüdischen Provinzgemeinden Oesterreichs Delegierte aus Deutschland (Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge in Berlin), aus der Tschechoslowakei (Fürsorgezentrale in Prag, Brünn und Lundenburg), Polen und Jugoslawien, sowie der israelitischen Allianz und der Chewra Kadischa Wien teil. Nach Begrüßung der zahlreich erschienenen Teilnehmer durch den Vizepräsidenten d'er israelitischen Kulutsgemeinde Wien, Dr. Jakob Ornstein, und Eröffnung der Tagung durch den Obmann der Zentralkommission für soziale Fürsorge, Dr. I. Kl aber, erstattete Dr. Kreutzberger (Berlin) ein ausführliches Referat über den derzeitigen Stand der jüdischen Wanderbewegung. Der Amtsvorstand der Fürsorgezentrale der israelitischen Kultusgemeinde Wien, Emil Engel, skizzierte sodann den Zweck der Beratungen, worauf der Abteilungsleiter für Organisation Dr. Nahum Blauer an Hand der statistisch erfaßten Daten der Wanderfürsorge die Richtlinien und den Aufgabenkreis der Organisation darstellte. In der darauf folgenden Debatte, die unter lebhafter Beteiligung der anwesenden Delegierten den ganzen Fragenkomplex der praktischen Arbeit zum Gegenstand hatte, kam der einmütige Wille zum Ausdruck, dieses für die jüdischen Wanderer selbst und nicht zuletzt für alle Beteiligten so wichtige Problem nach einheitlichen Gesichtspunkten zu behandeln. So wurde denn auch als Abschluß langjähriger Bemühungen von der Konferenz beschlossen, die Fürsorge-Zentrale der israel. Kultusgemeinde Wien als Zentrale für die jüdische k GROSSFLEISCHHAUEREI f IIGM, KORNMEHL t^mmmmmmmmaammmammmmmmmmtmma^mmammmmmmmmmammm WM IX, BIMOAS» NR. \% PILMUi XVIII., WAMMNOUSniASSI Vt TtltphoaNr. A 17-349an« A 1S-9-34 Ltohmt für Itellaastalte» AbteHungentarKoscherfleisch ■ntai» Aufsieht 4m ihm. RabblMt** ttmm lsr> Kaltiis(|*"*«lad« Wimm» Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Wanderfürsorge in Oesterreich zu konstituieren, der sämtliche jüdische Gemeinden Oesterreichs angeschlossen werden, um gemeinsam nach festgelegten Grundsätzen auf diesem Arbeitsgebiete zusammenzuwirken. Ferner wurde eine Kooperation mit den in Betracht kommenden jüdischen Gemeinden und Verbänden der an Oesterreich angrenzenden Länder angebahnt und der Zusammenschluß der Zentralen für die jüdische Wanderfürsorge in Deutschland, der Tschechoslowakei und Oesterreich vollzogen. Es ist zu hoffen, daß dank der getroffenen Maßnahmen und den weiteren Bemühungen manche schwerempfundenen Uebelstande beseitigt und allmählich das im jüdischen Leben so wichtige Wanderproblem durch gemeinsames Vorgehen einer rationellen Behandlung zugeführt werden wird, wie dies in Deutschland seit Jahren mit Erfolg erreicht wurde. * Konhursaussdirelbunit Bei der Israel. Kultusgemeinde Wien gelangen mit 1. Jänner 1931 2 Stellen von Rabblnatsassessoren zur Besetzung, wobei der eine der zu bestellenden Assessoren auch die Eignung besitzen soll, mit der Funktion eines Rosch-Bath-Dln betraut zu werden. In Betracht kommen nur solche Bewerber konservativer Richtung, welche nebst den fachlichen Eignungen und Studien auch eine längere Verwendung als Rabbiner, bzw. Mitglied eines RabblnatskoUegiums (Beth-Din) nachweisen können. Die mit diesen Stellen verbundenen Bezüge sind den Verhandlungen mit den in Betracht kommenden Bewerbern vorbehalten. Bewerbungsgesuche sind — mit allen erforderlichen Beilagen versehen — bis längstens 31. Oktober 1930 beim Vorstande der israeL Kultusgmeinde Wien einzubringen. Eine Spesenvergütung aus Anlaß der Vorstellung findet nur dann statt, wenn diese im Einladungsschreiben an den Bewerber ausdrücklich zugesagt erscheint. Der Kultusvorstand behält sich vor. zur Besetzung; dieser Stellen auch Kandidaten heranzuziehen, die nicht auf Grund der vorstehenden Ausschreibung kompetleren. Wien. 17. September 1930. Der Vorstand der Israel. Kultusgemeinde Wiea * * * Aufruf an die Tempelbesucher! Beim Präsidium der Israelitischen Kultusgemeinde sind Beschwerden darüber eingelangt, daß an hohen jüdischen Feiertagen die religiösen Gefühle Strenggläubiger nicht selten dadurch verletzt werden, daß Tempelbesucher im Automobile vor dem Tempeleingange vorfahren. Das Präsidium der Israelitischen Kultusgemeinde sieht sich durch diese Beschwerden veranlaßt, an die Gemeindemitglieder zu appellieren, auch in dem vorerwähnten Belange auf die religiösen Gefühle anderer Rücksicht nehmen zu wollen. Der Vorstand der israelitischen Kultus- .gemernde Wien veranstaltet an den kommenden hohen Feiertagen im Festsaale des Hotel „Post", I., Fleischmarkt 10 (Eingang I., Drachengasse 1) einen Festgottesdienst, der hauptsächlich für die reifere Jugend beiderlei Geschlechtes (im Alter von 15 bis 20 Jahren) bestimmt ist. Der Zutritt zu diesem Gottesdienste, der nach dem Vorbilde und im Umfange des Gemeindegottesdienstes abgehalten wird, erfolgt auf Grund unentgeltlich ausgegebener Karten, deren Verteilung durch das Jugendreferat der Kultusgemeinde (I., Seitenstettengasse 4, III. Stock> erfolgt. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde

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