Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 37 (12.9.1930)
- Date
- 1930-09-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Sehe 6 «oasassa^= DIE WAHRHEIT Die antireligiöse Propaganda in Rußland. Eine vom Zentralkomitee der kommunistischen Partei der Ukraine einberufene Konferenz der sozialen jind kulturellen Organisationen faßte den Beschluß, die Zeit vom 15. September bis 15. Oktober, in die die hohen jüdischen Feiertage Rosch-Haschanah, Jom-Kippur und das Sukkotb-Fest fallen, als einen „Monat für antireligiösen Kultur-Vormarsch" zu proklamieren. Ziel dieser Aktion ist es, einerseits die „bourgeoisen Frömmler zu demaskieren", anderseits eine Propaganda für die „konkreten Aufgaben der Kulturrevolution" durchzuführen. Unter den jüdischen Arbeitern, Bauern. Kustars und Angestellten soll kräftig dafür agitiert werden, daß sie an den hohen jüdischen Feiertagen die Synagogen meiden und ihr Tagewerk verrichten. - Gesetzliche .Beschränkungen gegen die Juden in Polen. Der Jüdische Parlamentsklub Polens hat einen schriftlichen Appell an den Staatspräsidenten Professor Moscicki betreffend Abschaffung der noch aus der Zarenzeit bestehenden gesetzlichen Beschränkungen gegen die Juden gerichtet und Abschriften des Appells dem Ministerpräsidenten Marschall Pilsudsky und dem Justizminister zugehen lassen. In dem Schreiben wird der Staatspräsident darauf hingewiesen, daß der Sejm bis heute das Gesetz über Abschaffung der antijüdischen Oesetzesbeschränkungen aus der Zarenzeit noch nicht verabschiedet hat, daß aber der Staatspräsident gemäß .Artikel 44, Abs. 5 der Verfassung jetzt, in der parlamentslosen Zeit, das Recht hat Verordnungen mit Gesetzeskraft zu erlassen, und also auf diesem Wege die antijüdischen Gesetzesbeschränkungen aus der Welt scharfen könne. In dem Schreiben heißt es weiter: Zwölf Jahre sind es her, seit Polen wiedererstanden ist am 17. März 1921 wurde die Konstitution des neuen Polen auf der Grundlage der bürgerlichen Gleichheit gemäß den aus dem Vertrag von Versailles Polen erwachsenden Verpflichtungen verkündet. Die aus der Zarenzeit noch bestehenden Beschränkungen gegen Juden sind aber bis heute noch nicht abgeschafft worden Der Sejm hat die betreffende Vorlage bereits in zweiter Lesung angenommen, aber zu einer endgültigen Erledigung der Angelegenheit ist es bis heute nicht gekommen. Jetzt hat der Staatspräsident die Möglichkeit, das der jüdischen Bevölkerung zugefügte Unrecht wieder gutzumachen und zu zeigen, daß das neue Polen der jüdischen Bevölkerung die volle Gleichberechtigung nicht versagt Antiiüdiscber Terror in Ostgalizien. Die jüdische Presse Warschaus teilt mit daß es in Ostgalizien in Verbindung mit den sich häufenden Anschlägen der sogenannten „ukrainischen Militärorganisation" gegen Behörden und polnische Gutsbe-- sitzer auch zu schweren Terror- und Sabotageakten gegen Juden in ostgaliziscben Dörfern gekommen ist. Nicht nur polnische Gutshöfe, sondern auch jüdische Gastwirtschaften werden niedergebrannt. Den Bauern wird eingeredet daß sich die Juden mit den Gutsbesitzern vereinigen, um den Bauern den Boden wegzunehmen. Der jüdischen Dorfbevölkerung hat sich Panik bemächtigt Allein im Tarnopoler Kreis wurden in den letzten Tagen drei jüdische Wirtschaften durch ukrainische' Bauern niedergebrannt Jüdisitkelfkrentafeh Berlin. Am 5. September wurde der weltberühmte Experimentalphysiker und physikalische Entdecker Professor Eugen Goldstein 80 Jahre alt. Goldstein wurde 1850 in Gleiwitz geboren und lebt jetzt in Berlin. Er war Observator an der Sternwarte in Babelsberg. Als Schüler von Helmholtz gab er schon in seiner' Doktordissertation eine fundamental wichtige Entdeckung, die elektrolytische der Kathodensrrahlen. Diesem Nachweis folgte später die Auffindung der Striktionskathodenstrahlen und der Reflektierbarkeit der Kathodenstrahlen. Als erster gab er auch eine Methode zur Messung der Geschwindigkeit der Strahlen an. Seine wichtigste und berühmteste Entdeckung istaber die der Kanalstrahlen. Lange beschäftigte er sich mit dem Spektrum, die Physik verdankt ihm eine große Reihe von Entdeckungen auf dem Gebiete der Spektroskopie. Früher als in Deutschland, wo er wegen seiner Zugehörigkeit zum Judentum Zurücksetzungen erleiden mußte, wurde Eugen Goldstein in der wissenschaftlichen Welt des Auslandes gewürdigt Als Jude bekam Goldstein nicht einen Lehr- « m ] Gelegentlich der hohen Feiertage j | verschönern Sie Ihre Mahlzeiten mit | 1 Calqa Fetffasanc. 1 : ■MMHMHMMH^M^H : die mit Zeugnis des ehrwürdigen Rabbinats der s; Budapester Orthodoxen Gemeinde versehen sind Preis bis auf weiteres, Lebendankunft .garantiert, für J : 1 Stiick Galga Fettfasan-Henne S 12.50 : : 1 „ Galga Fettfasan-Hahn S 15.— :; ab Station Tora" Com. Pest (Ungarn) gegen vorherige Kassa. J Bei Bestellungen ven wenigstens S Fasanen Verpackung! gratis, anter 5 Stuck wird der Selbstkostenpreis (S I.50) in l ■ ' Rechnung gestellt . * . Aufträge erbeten an das Verkaufsbureau der I Baten Ungarische Fasanen Farm. Tara! : . : : Budapest, V? Nädor-ntca 19 . j S Telegr--Ädr.:-iQ.rjvax Budapest " | stuhl und auch nicht die Möglichkeit zu freiem wissenschaftlichem Arbeiten." So bestritt er, der in den allerbescheidensten Verhältnissen lebte, die Kosten seiner Versuche zum größten Teil durch das, was er sich an Lebensunterhalt entzog. Erst als er schon in vorgerücktem Alter stand, wurde ihm die astropfaysikalische Abteilung am Potsdamer Observatorium übertragen. Stets hat es Goldstein verschmäht durch Flucht aus dem Judentum die Hemmnisse zu beseitigen, die ihm in den Weg gelegt wurden. — Der in Königsberg zusammengetretene.'Naturforschertag begann mit einer Ehrung für Eugen Goldstein aus Anlaß seines 80. Geburtstages, Die Neue Auia der Universität war zum Experimentiersaal umgewandelt hervorragende Physiker aus allen Gauen Deutschlands haben sich mit dem Rektor der Königsberger Universität Professor Andree an der Spitze, eingefunden. Die Deutsche physikalische Gesellschaft die Deutsche Gesellschaft für technische Physik und die Heinrich-Hertz-Gesellschaft haben sich zu einer Festsitzung unter dem Vorsitz von Professor Ramsauer- Berlin vereint Prof. Walter Kaufmann entwarf ein Bild von der großen Forschertätigkeit Eugen Goldsteins, dessen Arbeiten zu den klassischen Arbeiten der Physik gehören. So hat die Deutsche Physikalische Gesellschaft Professor Gehrke beauftragt, Goldsteins Arbeiten über Kanalstrahlen in der bekannten Sammlung Ostwalds „Klassiker der exakten Wissenschaften" zu veröffentlichen. Es folgten Referate von Prof. Ramsauer, Doktor Gehrtsen-Tübingen. Dr. Kollatt, Dr. Rupp, Dr. Bruches und anderen Gelehrten über Goldsteins wissenschaftliches Lebenswerk. Der Jubilar dankte gerührt für die Huldigung und erzählte von seinem schweren Lebenskampf, wie er oft mitleidig belächelt wurde, wenn er das Wort ergriff; nur einer hätte stets Treue zu ihm gehalten: sein großer Lehrer, der geniale Helmholtz. . giiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiim §j VORNEHME FAMILIENPENSION m 1 vormals Dr. GRÜNBERG 1 1AM SEMHERING 1 H HOCHSTRASSE 43 (BEI HOTEL PANHANS) Ü mUÄ rf^Pilfilt -~ ' ~'Ä»i«J-Ulliii£iit£i 2 -^mSü0^& Mäßige Preise (Zimmer \ mit Pension von S12.— aufw.) / Kaffeehaus und Tanzgctlegenheit im Hause / Besitzer: ECKSTEIN / Telephon: Semmering Nr. 11 _ Fließendes Warmn g und Kaltwasser In Jedem Zimmer U liiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiim London. Einige bedeutende jüdische Gelehrte wohnen 'dem siebenten I n t e rnationalen Philosophenkongreß bei, der in Oxford in Anwesenheit von 500 bis 600 Delegierten aus den meisten Ländern der Erde abgehalten wird. Unter den Vortragenden sind Philosophen von Weltrang, wie Benedetto C r o c e und Prof. S. Alexander, letzterer der einzige Jude, der den Order of Merit, die höchste englische Auszeichnung, die auf jeweils 24 Träger beschränkt ist, besitzt. Prof. Alexander hält eine Vorlesung über das Thema „Neue Anregungen in der Theorie schönen Künste". Andere jüdische Referenten sind Prof. Morris R. Cohen, der die Frage „Ist die Geschichtsphilosophie in Uebereinstimmung mit den historischen Tatsachen?". Prof. Gomperz, der das Thema „Was ist lebendig und was ist tot in der Philosophie des klassischen Altertums?" behandelt Prof. E. Enriques aus Rom, dessen Thema lautet: „Sind die jüngsten Fortschritte in den Naturwissenschaften von metaphysischer Bedeutung?". Prof. L. Brurischwieg von der Sorbonne, der über „Die Beziehung wissenschaftlichen Denkens zum Erkenntnisideal" lesen wird, und schließlich Prof. A. A. Roback von der Harvard-Universität, der einen Vortrag in der Sektion für Philosophie des Mittelalters und des Orients halten wird. Prof. Roback wird in diesem Vortrag auch das Thema behandeln: „Wann endete die Entwicklung der jüdischen Philosophie?". Bei der feierlichen Eröffnung des Kongresses war der jüdische Professor Brunschwieg einer der vier offiziellen Redner. Prag. Die tschechoslowakische Großloge des Bnei Brith hat beschlossen, zur Ehrung des vor etwa einem Jahre verstorbenen Großpräsidenten des Welt- Bnei Brith, Adolf Krausz, auf seinem Geburtshause in Rokycany eine Gedenktafel zu enthüllen. Die Feierlichkeit wird dieser Tage stattfinden. Adolf Krausz ist 1865 in Rokycany in Böhmen geboren, wanderte später nach Amerika aus und wurde, abgesehen von seiner hervorragenden Stellung im jüdischen Leben der U. S. A., einer der hervorragendsten Juristen der Vereinigten Staaten und ein einflußreicher Mitarbeiter und Ratgeber Tafts und Wilsons. Die tschechoslowakische Großloge hat zu seiner Ehrung außerdem eine Stiftung von 5000 Kö geschaffen, die alljährlich an Witwen und Waisen seiner Geburtsstadt zur Auszahlung gelangen soll. Berlin. Am 3. d. M. vollendete der bekannte Berliner Internist Professor Theodor Rosenheim sein 70. Lebensjahr. Der Jubilar ist einer der hervorragendsten Spezialisten auf dem Gebiete der Magen- und Darmkrankheiten und genießt auch als medizinischer Schriftsteller einen großen Ruf. Er ist tätiges Mitglied des Centrai-Vereins . deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. . -- •■' ÜBPbBt und VBrbriitBt.fliE HabrhBit'i Von Worfle %uWodie Verband der Sabbatfreunde ..Schomre-Schabbos". ■ Der Verband der Sabbatfreunde „Schomre- Schabbos" ersucht uns um Veröffentlichung folgender Aufrufe: An alle judischen Arbeitslosen! - Die bevorstehenden Feiertage geben uns Veranlassung, wiederholt darauf hinzuweisen, daß wir in der Lage sind, für alle jene Arbeltslosen, deren Kontrolltag oder Auszahlungstag ein Samstag . ist oder auf einen jüdischen Feiertag fällt, die Bewilligung zu erwirken, daß der Kontrolltag, bzw. Auszahlungstag auf einen anderen Wochentag verlegt wird. > Jüdische Arbeitslose, die die Sabbath-, bzw. Feiertagsruhe einhalten wollen, mögen sich daher an unser Sekretariat, Wien IL, Leopoldsgasse 16 (TeL- Nr. R 40-0-80) wenden. An die Jüdische Kaufmannschaft! Anläßlich der bevorstehenden Feiertage haben wir gummierte Aushängezettel drucken lassen, die den Kunden das Gesperrtsein der Geschäfte mit den' Feiertagen begründen sollen. Die Zettel haben den Wortlaut „Feier, tagshalber am 23. und 24. September geschlossen" (Rosch-Haschonob). bzw. „am 2. Oktober" (Jaum- Kipur), bzw. „am 7. und 8. Oktober", bzw. „am 14. und 15. Oktober" (Sukoth). Die Zettel werden in unserem Sekretariat, Wies IL, Leopoldsgasse 16, in beliebiger Anzahl ausgegeben, oder über telephonische Bestellung (Telephon R 40-0-80) im Wege der Post zugesendet_ Gelegenheitskäufe. Benützen Sie den derzeitigen billigen Silberpreis zur Ergänzung oder Anschaffung Ihres Tafelsilbers, bei Oesterreicher. (Siehe Ankündigung auf Seite 4) Tod des letzten jüdischen 48er Hon vßds. In Biharpüspök nächst Nagyvärad ist im Alter von 102 Jahren der letzte jüdische 48er Honved Josef Flukeisen, der unter der Fahne Berns kämpfte, gestorben, Berlin. Rabbiner Julius Samuel aus Berlin, Absolvent des Berliner Rabbiner-Seminars, der bisher die Stelle eines Generalsekretärs beim Weltverband für babbatschutz „Schomre Schabbos" bekleidete, hat einen ehrenvollen Ruf auf den Rabbinatssitz der norwegischen Hauptstadt Oslo erhalten. Rabbiner Samuel wird, wie wir erfahren, diesem Ruf Folge leisten und sein Amt noch vor den Hohen Feiertagen antreten. 70. Geburtstag. Dieser Tage feierte eine der markantesten Gestalten des Wiener Journalismus. Regierungsrat Wilhelm Neu mann, seinen siebzigsten Geburtstag. Er war viele Jahre leitender volkswirtschaftlicher Redakteur des „Fremden-Blatt". Durch - seine außerordentlichen Kenntnisse auf ökonomischem Gebiet hat er seine Arbeiten auf ein hohes Niveau gebracht . wobei ihm seine vielfälligen persönlichen Beziehungen zu allen Kreisen des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens zustatten kamen. Für seine anerkannten Leistungen wurde er noch vor dem Kriege mit dem Titel eines Kegierungsrates ausgezeichnet. Vor einigen Jahren ist er, nachdem das „Fremden-Blatt" zu bestehen aufgehört hatte, in den Ruhestand getreten, ohne jedoch den Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Ereignissen zu verlieren. Seine jugendliche Frische, welche ihm seine vielen Freunde noch lange erhalten wünschen, paart sich mit vollkommen moderner Einstellung gegenüber allen Problemen der Gegenwart, ob diese nun ökonomisches oder politisches Gebiet streifen. Bei seinen Berufskollegen erfreut sich Regierungsrat Neumann auch deshalb so großer Wertschätzung, weil er jederzeit für die Standesinteressen mit Nachdruck eintritt und auch in der „Concordia" viel Ersprießliches geleistet hat. Darüber hinaus hat er oft im Einzelfall per- ^jj^^^^^^n^ffUf^erotschaft bewiesen. Mittelschülerin oder Hochschülerin wird in vornehmes jüdisches Haus, streng rituell, in ganze Pension genommen. Stadtnähe. Bad. Telephon, Familienanschluß. Unter „Angenehmes Heim" an die Expedition des Blattes. t! t : i S : : Wichtige Neuerscheinung! I -ntnal In unserem Verlage erscheint soeben: MACH SO R (Festgebete für die hohen Feiertage) mit vollständigem ungekürztem Text, mit einer neuen Uebersetznng von Prof. Dr. Jakob B r o n n e r, Wien. Diese neue Uebersetzung zeichnet sich vor allen anderen, bisher vorhandenen durch ihren modernen Stil und. ihre Klarheit ans. Der Name des Uebersetzers bärgt, für deren Zuverlässigkeit und Gründlichkeit. Sowohl der hebräische als auch der dentsche Text (Lateinschrift) ist in klarer, schöner Type auf vorzüglichem jüdischen Preis in 2 Leinenbänden S 7.— ' , 4 „ S 10.- „ 4 Luxusbänden S 14.— - Zn bezieben durch die Verlagsbuchhandlung H. Salzmann Wien II., Grone Schilfgasse Nr. 4 Telephon R 27-6-71 Öaterr. Postsparkassen-Konto B "81-671 A ,