Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 32 (8.8.1930)
- Date
- 1930-08-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT ä«its 7 ~tW GROSSFLEISCHHAUEREI IIEGM, KORNMEHL UMMMMMaMHBBMHMyMaHHH WIEN IX., BMOOASSB NR. 1» FILIALE XVIII., WAHRINOUSflMSSI VT Tsleptton Nr. A 17-3-99 «oU A 1S-9-34 Lieferant «r itellaastalte» AbteiiungenfQrKoscherfleisch Mit*«* Aufsieht d*s ehm. ttabbinato» d«r lar. ■■llvs0anaiBd« Wim. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreise« dient. Das Märchenhafte an der Geschichte war eben etwas ganz anderes. Die deutsche Universität hatte nämlich gerade kurz vor diesem Jubiläum des großen deutschen Mannes Beschlüsse gefaßt, wonach dessen Söhne, Enkel usw. nicht als — deutsche Studenten an dieser Universität studieren dürfen, weil der Verdacht bestand, daß der Stammbaum der Groß- oder der Urgroßmutter nicht ganz einwandfrei war. * * Das klägliche Finale der Figdor-Sammlung gibt dieser Tage in den weitesten Kreisen Anlaß zu allerlei Betrachtungen. Von der Figdor-Sammlung, dieser größten und reichsten inländischen Kunstsammlung, bleiben — meint ein Kunstkenner — dem österreichischen Staat als Akt iv u m — mit Ausnahme eines einzigen Stückes — nur jene zumeist recht bescheidenen Gegenstände, welche aus Anlaß der Versteigerung unentgeltlich in den Besitz des Staates übergingen. Der betrübte österreichische Kunstkenner irrt sich. Da die Figdorsche Kunstsammlung seinerzeit in ihrer ganzen reichen, unübertrefflichen Fülle, lediglich aus antisemitischen Ressentiments als Geschenk abgelehnt wurde, bleibt dem Staate allerdings nur als Passivum noch die Erkenntnis, was alles der Antisemitismus dem Lande — gekostet hat. * * * In dem soeben erschienenen Büchlein Philipp Halsmanns „Briefe aus der Haft" befindet sich u. a. ein Schreiben, in welchem der Häftling hoffnungstrunken seiner Freundin eine Stelle aus einem Aufsatz Professor Stooß', des berühmten Rechtslehrers an der Wiener Universität, zitierte, worin es heißt: „Wenn die Verteidigung dies betonen wird, so wird der Oberste Gerichtshof das Urteil bestimmt aufheben." Man darf es dem jungen Menschen, der bekanntlich niemals Jus studierte, nicht verargen, daß er sich nach seiner Verurteilung noch solchen irrigen Anschauungen hingibt. Man hat ja später erfahren, daß auch ein berühmter Rechtslehrer an der Wiener Universität sich irren konnte. * In den Briefen Halsmanns findet sich allerdings auch mancher kühne Ausspruch, bei dem er sich nur auf seine eigene Anschauung, ohne Hinweis auf irgend eine Autorität beruft. Zum Beispiel schreibt er seiner Freundin einmal: „Ich hoffe darauf, daß Oesterreich ein Rechtsstaat ist." Warum zitierte er niemanden? * * Aus zahlreichen artigen Zuschriften erfährt man, daß Vermieter in verschiedenen Sommerfrischen auf ihren vorjährigen Prospekten die liebenswürdige Bemerkung „Nur für Arier!" gestrichen hatten. Die Herrschaften hatten sich an dem schönen Beispiel eine Lehre genommen, die ihnen inzwischen zahlreiche Nichtarier gegeben, die vorher ihre Adressen — gestrichen hatten. Die Juden merken allmählich doch, daß es in diesem Lande auch herrliche Gegenden gibt, deren Luft nicht antisemitisch verseucht ist. * * :•: Professor Adams wurde auf Vorschlag des Kultus- und Unterrichtsministers vom Landesverweser Nikolaus Horthy zum öffentlichen Professor an der Budapester Universität ernannt. Die Ernennung macht außerordentliches Aufsehen, nicht darum weil Adams bisher nur außerordentlicher Professor war, sondern weil bisher im Geheimen seine ordentliche — Abstammung als unübersteigliches Hindernis galt. Ego. Wahrheiten vom Jage Einstein über Religion und Wissenschaft Der irische Schriftsteller James Murphy und der Mathematiker J. W. N. Su Iii van hatten in der Berliner Wohnung Einsteins eine Unterredung mit dem Gelehrten, die sie unter dem Titel „Wissenschaft und Gott: Ein deutscher Dialog" veröffentlichen. Murphy eröffnet die Unterhaltung mit dem Hinweis darauf, daß das Volk von den organisierten Religionen unbefriedigt sei und seine Hoffnung auf die Wissenschaft setzt Einstein entgegnet, daß alle Wissenschaft einem religiösen Gefühl entspringt, ohne das sie fruchtlos wäre. Dieses religiöse Gefühl, das sich in der wissenschaftlichen Tätigkeit zeigt, sei die einzige schöpferische religiöse Tätigkeit unserer Zeit S ulli van fragt, ob die Religion dem Leiden in der Welt entspringt, worauf Einstein erwidert, das sei keine hohe Idee von der Religion. Einstein glaubt, daß Wissenschaft nicht Moral lehren und daß eine Moralphilosophie auch nicht auf einer wissenschaftlichen Basis begründet werden könne. Aber er ist der Ansicht, daß das Interesse, das heute das große Publikum für die Wissenschaft hat, ein Ausdruck für die metaphysischen Bedürfnisse dieses großen Publikums ist. Die Wissenschaft verhelfe dazu, alle Fähigkeiten des Verstandes in Bewegung zu setzen. Das entspreche etwa dem, was Spinoza „amor intellectualis" genannt hat. Murphy fragt, ob uns die Wissenschaft nie Ii t einen Weltpatriotismus an Stelle des Nationa 1 patriotismus geben könne. „Ganz g e w i ß", antwortet E i ns i e i n, „die Wissenschaft eröffnet weltweite Ausblicke und entfernt den Menschen vom sinnlosen Nationalismus. Aber man kann den Nationalismus nicht austreiben, ohne etwas anderes an seine Stellezusetzen. DaskanndieWisse ns c h a f t." „Für mich," sagt Einstein, „liegt der persönliche Wert der wissenschaftlichen Erkenntnis in der Freude am Erkennen und nicht in der Möglichkeit einer Aktion, die sie eröffnet. Ich bin in diesem Sinne kein Europäer, da ich Aktion nicht als einen Selbstzweck anerkenne." Jadenhetze in Baden-Baden. Dieser Tage fand in Baden-Baden eine aus allen Bevölkerungskreisen besuchte Bürgerversammlung statt, die als Protest gegen das Treiben der Nationalsozialisten in der Bäderstadt abgehalten wurde. Der Vorsitzende, Stadtrat Becker, betonte, daß die Kurverwaltung Baden- Baden die Werbetrommel überall in der Welt rühre, als Echo aber höre man: „Meidet Baden-Baden, denn es ist der Tummelplatz der wüstesten Judenhetze!'" „Ich muß leider sagen", erklärte Stadtrat Becker, „daß diese Behauptungen nur zu wahr sind. Es ist Tatsache, daß beinahe in jeder Nacht Häuser der jüdischen Mitbürger mit Farbe besudelt werden. Man scheut sich nicht, auf offener Straße Propaganda gegen das Judentum zu machen und empfängt die jüdischen Kurgäste am Bahnhof, rempelt sie an und zwingt sie zur Umkehr. Auch anderen ausländischen Fremden ist es in ähnlicher Weise ergangen." In einer Entschließung der Bürgerversammlung wird festgestellt, daß mit Entschiedenheit gegen diese Hetze Stellung genommen werden muß. Nationalsozialistische Heldentat In B e r! i n kam es kürzlich zu zweimaligen Schlägereien zwischen einer Gruppe halbwüchsiger Nationalsozialisten und einigen jüdischen Sportlern. Bei dem ersten Zusammenstoß wurden vier bis fünf jüdische Sportler von ungefähr 20 Nationalsozialisten angefallen und in die Flucht geschlagen. Einer der Sportler wurde erlieblich verletzt Bei dem zweiten Zusammenstoß wurden ein Nationalsozialist und ein Unbeteiligter verletzt Erst Erhaltung der Einrichtungen im eigenen Lande, dann Auibauarbeit' Die Jüdische Gemeinde in Kischinew mußte ein Waisenhaus, in dem 120 jüdische Kinder untergebracht sind, schließen, weil sie das Geld zur Erhaltung des Waisenhauses nicht mehr aufbringen konnte. Die Unterbringung der 120 obdachlos gewordenen jüdischen Waisenkinder stellt ein schweres und noch nicht gelöstes Problem dar. 1Ümfr1Km& 7- bis 13. September 1930 (Rotunde bis 14. September) SONDER VERANSTALTUNGEN: Pelzmode-Salon/Schuh- und Ledermesse / Möbelmesse / Reklamemesse / Ausstellung „Christliche Kunst" INTERNATIONALE RADIO-AUSSTELLUNG Eisen- und Patentmöbelmesse / Büro-Ausstellung Ausstellung für Nahrungsu. Genußmittel/Französische Sonderausstellung / Bau- und Straßenbaumesse / Techn. Neuheiten und Erfindungen Griechische und Indische Kollektivausstellungen Land- und forstwirtschaftliche Musterschau BlomenaussteUang / Ausstellung österreichischer Getreidesaatgutiüchter / Gerstenschau / Milch wirtschaftliche AnasteUnng, Ausstellung der Landwirtschaftlichen Versuchsanstalten / Landwirtschaftliche Maschinen and Gerate / Kleintienucht Bundesweinkost 3. österreichische Tiermesse (10. bis 12. September 1930) Bed^tttende^ahrj>Mis^ Messeausweise a SS.— bei der Wiener Hesse-Aktiengesellschaft, Wien VII., Messeplats l — Eintrittskarten (nun einmaligen Besuch der Rotnnde oder des Hessepalutes und der Neuen Burg) ä S 2.50 bei den Kassenschaltern der Messehauser. Auch eine Regierungsentschädigung. Die Mutter des während der palästinensischen Unruhen im August vorigen Jahres tödlich verletzten jüdischen Bahnarbeiters Chaim Birnbaum, eine ältere arme Jüdin in Radom, erhielt in dieser Woche nach längeren Bemühungen von der Palästina-Regierung den Betrag von 250 Pfund als Entschädigung für den Verlust ihres Sohnes ausbezahlt Keine Judenkolonisation in Peru. Bei der peruanischen Gesandschait in Washington ist vom peruanischen Minister tür öffentliche Arbeiten eine Zuschrift eingetroffen, derzufolge alle Nachrichten betreffend Verhandlungen peruanischer Staatsstellen über eine Judenkolonisation in Peru falsch sind. Die Mitteilung kam als Antwort auf eine Anfrage der peruanischen Gesandtschaft infolge der aus Deutschland stammenden Nachrichten über solche Verhandlungen. VonWo&e %a Wodke Personalnachricht. Der Bundespräsident hat dem Tierarzt Dr. Heinrich Schick den Titel Veterinärrat, mit Nachsicht der Taxen, verliehen. Veterinärrat Dr. Schick ist auch in der jüdischen Gesellschaft sehr gut bekannt. Ein von ihm vor zirka drei Jahren in der Bnai-Brith gehaltener Vortrag über „Fleischhygiene im Judentum" wurde in unserem Blatte veröffentlicht. Trier. Zu der in unserem Blatte gebrachten Notiz von der ehrenvollen Berufung des Herrn Oberrabbiner Dr. A11 m a n n in Trier, auf den Oberrabbinerposten in S a i o n i k i zu kandidieren, teilt uns Herr Oberrabbiner Dr. Altmann mit. daß er sich entschlossen hat, diesem Rufe keine Folge zu leisten. Berichtigung. In dem Artikel „Bücher über Juden und von Juden III." von Kommerzialrat Theodor Ehrenstein (Feuilleton der letzten Nummer unseres Blattes) haben sich einige Druckfehler eingeschlichen. In der ersten Spalte, Zeile 6 von oben, soll es statt Politiker — Polihistor, in der gleichen Spalte. Zeile 5 von unten, statt erscheinen — erschienen, in der zweiten Spalte. 13. Zeile von oben, statt müßte — mußte heißen. Wir lenken die Aufmerksamkeit unserer Leser auf den der heutigen Nummer unseres Blattes beiliegenden Prospekt der Galga Ungarischen Fasaneu- Farm,Tura, den wir der angelegentlichen Beachtung aller Interessenten wärmstens empfehlen. E 7lmtfid)e Verfautßorungen der Jsraefitisdjen TCuftusgemeinöe Wien Israelitische Kultusgemeinde Wien. Zahl 5804 ex 1930. Wien, im August 1930. Kundmachung. Bei der Israelitischen Kultusgemeinde Wien werden Aufsichtsorgane im Koscherfleischwesen in Vormerkung genommen, welche in Nikkur vollkommen ausgebildet sind, die volle körperliche Eignung besitzen1 und das 40. Lebensjahr nicht überschritten haben. Bevorzugt sind solche, welche gleichzeitig die Befähigung zur Vornahme von Geflügelschlachtunsen haben. Bewerber, welche die österreichische Bundesbürgerschaft besitzen, wollen ihre Begehren nach Vormerkung nebst Befähigungszeugnissen von mindestens drei orthodoxen Rabbinern unter Nachweis ihrer streng religiösen Lebensführung, der bisherigen Verwendung und Angabe ihres Lebenslaufes bis längstens 3t. August 1930 an den Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde, Wien I., Seitenstettengasse 4, III. Stock (Amtsdirektion), gelangen lassen, woselbst die näheren Bedingungen zu erfragen sind. Der Vorstand der israelitischen Kultiisgemeinde Wien.