Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 31 (1.8.1930)
- Date
- 1930-08-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHKHEn Seit» f VonWodke zu Worte Einstein vertritt Deutschland beim Völkerbund. Bei der am 23. Juli in Genf zusammengetretenen Jahrestagung der Völkerbundskommission für geistige Zusammenarbeit, in deren Vordergrund die Frage der Reorganisation des Pariser Instituts für geistige Zusammenarbeit steht, ist Deutschland durch das ständige Mitglied der Kommission, Professor Albert Einstein, vertreten. Der 60. Geburtstag Jehuda Epsteins. Anläßlich des 60. Geburtstages Professor Jehuda Epsteins richtete die Akademie der bildenden Künste Oesterreichs durch ihren Rektor, Professor Jungwirth, das nachfolgende Schreiben an den großen jüdischen Jubilar: „Mit warmer und freudiger Anteilnahme hat das akademische Professorenkollegium aus der Zeitung von der Vollendung Ihres sechzigsten Lebensjahres Kenntnis genommen und mich beauftragt, die allerherzlichsten Glückwünsche des Kollegiums zu übermitteln, welchen ich persönlich meine privaten Glückwünsche in aller Wärme beifüge. Das akademische Professorenkollegium schätzt nicht nur Ihre große Künstlerschaft, Ihre unverbrauchte Jugendfrische, sondern bestätigt es auch mit Dankbarkeit, daß Sie jederzeit für das Ansehen jener Hochschule eingetreten sind, an welcher Sie Ihre Ausbildung genossen haben. Ganz besonderen Dank schulden wir Ihnen für die hochherzigen und höchst erfolgreichen Hilfswerke zugunsten der notleidenden Akademiker. Das akademische Professorenkollegium war zweimal in der angenehmen Lage, auch öffentlich seiner Verehrung für Ihr künstlerisches Schaffen Ausdruck zu verleihen, und zwar einmal durch die Verleihung des Josef-Reichel-Künstlerpreises und das zweitemal durch den Antrag auf Verleihung des Professortitels an Ihre werte Person. Anläßlich des sechzigsten Geburtstages wünscht das Kollegium, daß Ihnen Ihre Jugendfrische, künstlerische Kraft und Schaffensfreude noch recht lange erhalten bleiben und daß Sie auch weiterhin unserem Hause ein so treuer Freund sein mögen, als der Sie sich in vielen Jahren voll bewährt haben. Mit der Versicherung meiner kollegialsten Verehrung Jungwirth." Personalnachricht. Der Bundespräsident hat dem Polizeisanitätsarzt Dr. .lakob Rappaport, anläßlich seiner Pensionierung, das Goldene Ehrenzeichen der Republik für seine großen Verdienste, die er •sich um die Öffentlichkeit erwarb, verliehen. Im Spital der Kiiltusgeuieinde fand Montag, den 28. v. M., dem scheidenden Primarius Dr. Carl Fleischmann zu Ehren eine schöne Feier statt, zu •der sich der Präsident der Gemeinde, Prof. Dr. Alois Pick, der Vizepräsident Dr. Josef Löwenhtrz, der Obmann der Spitalskommission Baurat Wilhelm K e m p 1 e r und die Mitglieder dieser Kommission. Med.-Rat Dr. J. Deutsch. Börserat I. Glück und 'G r ü n hn t, ferner Amtsdirektor Reg.-Rat G. Fuchsgelb, sämtliche Aerzte und Aerztinnen des Spitals sowie die Familie des scheidenden Primarius eingefunden hatten. Prof. Dr. Alois Pick überreichte Herrn Primarius Dr. Carl Fleischmann das diesem jüngst verliehene goldene Ehrenzeichen der Republik mit einer herzlichen Ansprache, in der er dessen überaus große Verdienste um die Entwicklung des Spitals gebührend würdigte, worauf der so besonders Ausgezeichnete in einer bewegten Rede seinen innigsten Dank bekundete. Nun wurde die Vorstellung des neugewählten Primarius des Spitals, Dozent Dr. Albert Blau, vorgenommen, der mit gehaltvollen Worten für die ehrende Berufung dankte und versprach, im Sinne seines bewährten Vorgängers zu wirken. 20jähriges Geschäitsiubiläum. Dieser Tage feierte Herr Kommerzialrat Sigmund N i s s e 1, Inhaber der bekannten Firmen Nissel & Sikora. Nisell. Popp & Kretschmer und „Sigi", sein 20jähriges Geschäftsjubiläum. Herr Kommerzialrat Sigmund Nissel, der Vizepräsident des •Detailistenverbandes und Obmann der Detailkaufleute 'des 1. Bezirkes ist, war aus diesem schönen Anlasse 'Gegenstand herzlicher Gratulationen weitester Kreise. Der Jubilar ist nämlich auch durch seinen Wohltätigkeitssinn und durch sein reges Interesse für alle, speziell jüdische Wohltätigkeitsinstitutionen rühmlichst bekannt. Bern. Professor Dr. Samuel Singer. Dr. phii. *et jur.. Ordinarius an der Berner Universität für -germanische Philologie und deutsche Literaturgeschichte •des Mittelalters, vollendete am 12. Juli seinen 70. Geburtstag. Aus diesem Anlaß widmen ihm die Tageszeitungen der schweizerischen Bundesstadt ehrende und rühmende Aufsätze, darunter auch einen von Professor Sr. Strich, der vor nicht langer Zeit als Ordinarius von ünchen nach Bern berufen würde, wie auch von dem bekannten Redakteur des „Bund", Dr. Marti. Alle heben die große wissenschaftliche Bedeutuqg dieses Gelehrten •nd seine hervorragenden Eigenschaften als Mensch Aind Hochschullehrer hervor. Seft genau 40 Jahren zählt der Gelehrte zu den Leuchten der Berner alma mater. •Professor Singer ist ein geborener Wi e n e r und hat in seiner Jugend auch eine gute jüdische Erziehung genossen. Schon als junger Gelehrter hat er in Weimar am Goethe-Institut mit großem Erfolg sich hervorgetan und eine aufsehenerregende wissenschaftliche Arbeit ■war die Frucht dieser Forschung. Budapest. Das orthodoxe Rabbinat in Budapest hat den Generalsekretär der neologen Pester israelitischen Religionsgemeinde, Herrn Alexander lippler, mit der .Verleihung des Ehrentitels ,.Morenu" ausgezeichnet New York. Im Alter von 68 Jahren starb in seiner Geburtsstadt New York der Richter beim -„Supreme Court of Justice" in New York, Nathan B i j u r. Justice Bjjur nahm an der öffentlichen Wohlfahrtsarbeit, besonders auch an der jüdischen, Anteil. Er war einer der Treuhänder der Baron Hirsch-Stiftung und Mitglied der Congregation Bnei Jeschurun. 70. Geburtstag. Eines den angesehensten Mitglieder des Wiener Barreaus, Rechtsanwalt Dr. Leopold Drucker, feierte am 31. d. in Hoigastein, woselbst er sich zum Kurgebrauche aufhält, in voller Rüstigkeit seinen siebzigsten Geburtstag. Dr. Leopold Drucker, ein gebürtiger Brünner. absolvierte seine Studien an der' Wiener Universität, war dann Konzipient in der Kanzlei Dr. Heinrich Stegems und übt seit 1890 die Advokatur in Wien aus. Während des Krieges begründete Dr. Leopold Drucker das Komitee für die Flüchtlinge aus dem Süden und wirkte unermüdlich im Verein zur Schaffung von KriegsbBndenheimstättea Seine Frau ist eine Tochter des verewigten Wiener Kohlengroßhändlers K. Rat Adolf Schramek. der sich als Kultus- und Bethausvonsteher, sowie als langjähriger Obmann des Tempelvereines „Aeschel Awrohom" unvergängliche Verdienste erworben hat. Innsbruck. Samstag, den 26. v. M.. beging der Präsident der Chewra Kadischa und Teinpelvorstand den Innsbrucker Gemeinde, Herr Salomon Baum, mit seiner Frau Minna, geb. P r e u ß. das Fest der goldenen Hochzeit. Wiewohl der bescheidene Jubilar jede offizielle Feier abgelehnt hatte, gestaltete sich dieser Tag zu einem wirklichen Festtag der Innsbrucker Gemeinde, an dem alle jüdischen Korporationen, wie der Kultusvorstand, der Verein der jüdischen Kaufmannschaft, der jüdische Frauenverein, und die Chewra Kadischa herzlichen Anteil nahmen. Bei dem veranstalteten Abendfestmahle würdigte Herr Landesrabbiner Dr. Link in einer ebenso launigen, wie formvollendeten Rede die Verdienste des Jubilars, der es verstanden hat, wahre Frömmigkeit mit edler Menschenliebe zu veneinigen. Linz. Der Oberkantor der israelitischen Kultusgemeinde in Linz, Bernhard Löwensohn, feierte Freitag, den 25. d. M., sein 25jähriges Dienstjuibiläum als Oberkantor dieser Gemeinde. Der Jubilar hat sich in der langen Zeit seines Wirkens in Linz große Verdienste um die Verherrlichung der Gottesdienste erworben. Nach dem feierlichen Abendgottesdienste im festlich geschmückten Tempel, an dem fast die ganze Gemeinde mit dem Kultuspräsidium teilnahm, wurde er vom Rabbiner Dr. K u r r e i n und vom Präsidenten der Gemeinde B. Schwager herzlichst beglückwünscht und ihm für seine Pflichttreue und Gewisseuhastigkeit der Dank ausgesprochen. Die Gemeinde widmete dem beliebten Jubilar eine Ehrengabe. Todesfall. Am 14. v. M. starb ganz plötzlich der Schriftführer des Vereines zum unerrtgeltlfchen Armenausausspeisung „Seudath Sabbath". Herr Isidor Wortsmann. Der Verstorbene hat es durch seinen Arbeitseifer dazu gebracht, daß der Verein, der ursprünglich zur Ausspeisung an Sabbath und jüdischen Feiertage berufen war, trotz der wirtschaftlichen Krise zur täglichen unentgeltlichen Ausspeisung von 150 armen Juden übergehen konnte. Am 16. v. M. fand das Leichenbegängnis von der neuen Zeremonienhalle des Zentraliniedhofes aus statt Kantor Feuer, ein persönlicher Freund des Toten, sprach tränenden Auges die Gebete. Rabbiner Horow i t z hielt einen warm empfundenen Nachruf. Im Namen des Vereines „Seudath Sabbath" und der vielen Armen, die dort ausgespeist werden, nahm Dr. Leo Landau Abschied von dem Toten, wobei er dessen aufopferungsvolle und ersprießliche Tätigkeit würdigte. Dte Vereinsfreunde trugen hierauf ihren teuren Toten , zur letzten Ruhestätte. Ein langer Zug aus allen Kreisen des Wiener Judentums gab dem Verstorbenen das letzte Geleite Am Grabe nahm Herr J. S. Retter Abschied von seinem langjährigen Mitarbeiter. Kanton Feuer wiederholte sein HMBodsdics Königslicht Seit vielen Jahren das anerkannt beste ra^-nöw Man achte auf die gas. ■•ach. Mark« „Hyglah. KSnfcjsllcM" unoT Naara Schulz Fabrik und Büro: Wl<« XIV., GROSSFLEISCHHAUEREI HEGM. KORNMEHL UBHMHHMHBHBMMHHHB WIEN IX., ■■MOAS» NR. 1» FILIALE» XVIII., WlMMNWRSTRASSS »7 Telephon Nr. A 17-3*9 und A 15-9-3* UrimU fOr H«tlanstaltM AbteilungenfürKoscherfleisch iinter Aofaialit 4«« ehrw. Rahblaate» tmm Ist*. Kultuaaemaiaif« Wie«» Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Telephon B 33-1-87 Den allgemeinen Wünschen des konsumier enden Publikums Rechnung fragend, wird unter der Bezeichnung JH y g 1 e nisekes KönigsIIchf Nummer 2 ein kleines JahrzeftHcht in den Verkehr gebracht, das garantiert 24 Stunden brennt und sich Im Preise bedeutend billiger als das bisherige Nr. 1 stellt tief ergreiiendes „El mcle Rachamim". wobei er im Namen des Vereines „Seudat Sabbath" und des Synagogenvereines „Beth Israel", dessen bewährtes Mitglied der Verstorbene war. des Toten gedachte Zagreb. Anläßlich der Hundertjahrfeier der Konstitution den Republik Uruguay gab der uruguayische Koa-/ sul, der einzige Vertreter für Jugoslawien. Dr. A. Weidmann einen Empfang, zu welchem erschienen sind: In" Vertretung des Außenministers der Gehilfe des Banus Sava Stojanovic, und seitens der Wiener uruguayischen Vertretung Generalkonsul Ricardo E. Gomez mit Frau, ferner für das Savabanat Sektionschef Doktor Had2i, außerdem Armeekommandant General Matic, das, gesamte Konsularkorps von Zagreb und die Gattin des jugoslawischen Ministers für Uruguay Straznkky. Namens der Universität kam Rektor Dd. Betobrk und int Namen des Bürgermeisters Senator Muzevic sowie andere prominente Persönlichkeiten der Zagreben Gesell-' schaft. Sämtliche Konsulate in Zagreb hatten aus dem gleichen Anlasse die Fahne gehißt Berlin. Der Maler Elias M. Großmann aus New York, der seit einigen Tagen in Berlin weilt, hat; wie er der J.T. A. mitteilt, ein Porträt von Professor Albert Einstein in Kupferstich hergestellt. Elias M. Großmann begibt sich von Berlin zum Besuche seiner Eltern nach seiner Geburtsstadt Kobrin in Polen. — Herr Alexander A11 m a n n, der älteste Sohn des Trierer Uberrabbiners Dx. Altmann, hat ah der philosophischen Fakultät der Universität Bertin da» Doktorexamen mit dem seltenen Prädikat „summa cum laude" bestanden. Die Verleihung dieses Prädikates ist. wie der Dekan in seinen offiziellen Ansprache hervorhob, in seiner Dekanatsperiode der erste Fall einer solchen Auszeichnung. Am philosophischen Seminar der Berliner Universität ist es der zweite Fall im Laufe von 10 Jahren. Die auf hohem wissenschaftlichen Niveau stehende Dissertation des jungen Philosophen und angehenden Rabbiners, dem seine Universitätslehrer dringend nabelegen, sich als Privatdozent für Philosophie zu habilitieren, behandelt in einer kritischen Analyse „Die theoretischen Grundtagen der pensonalistischen Wertethik Max Schelers." Subotica. Wie man uns mitteilt, wurde Herr Leopold Edelstein-Neutra einstimmig zum Oberkantor der Suboticaer Kul tusgemeinde gewählt. Das „Suboticaer Journal" rühmt die ebenso schöne als geschulte lyrische Tenorstimme des jungen Oberkantors und hebt ganz besonders sein großes musikalisches Können hervor. Oberkantor Leopold Edelstein tritt seinen Posten am 15. August an. Die Entziehung der Konzessionen in Polen. Das polnische Finanzministerium hat als Liquidationstermin für die den Juden entzogenen Schankkonzessionen den 31. Dezember dieses Jahres bestimmt Prolongierungen sind von der Entscheidung der zuständigen Verwaltungsbehörde abhängig gemacht Der jüdischen kaufmännischen Vereinigung kommen fortgesetzt Nachrichten zu, aus denen hervorgeht, daß die Gesuche um Prolongierung ohne jede Rücksicht auf die materielle Situation der Betroffenen abgewiesen werden. Jüdische Einwanderung In die Vereinigten Staaten 192*. Im Jahre 1929 wurden 12.479 jüdische Einwanderer zu dauerndem Aufenthalt in die. Vereinigten Staaten von Nordamerika zugelassen. (Insgesamt wanderten in die Vereinigten Staaten 1929 479.327 Fremde ein, von diesen 279.678 zu dauerndem Aufenthalt) Eine Analyse der jüdischen Einwanderung zeigt, daß sie vornehmlich durch den Wunsch der getrennt lebenden Familien, nach Vereinigung bestimmt wurde. Von den 12.479 jüdischen Einwanderern waren 10.654 oder 85 Prozent Frauen und Kinder unter 21 Jahren. Das beweist daß die Vereinigung der Familiengruppen den Hauptantrieb zur gegenwärtigen jüdischen Einwanderung nach den Vereinigten Staaten bildet. 23S4 Personen kamen als Regierungsbeauftragte. Geschäftsreisende, und Vergnügungsreisende ins Land. Weitere 7073 waren Einwanderer, die nicht unter die Quote fielen, und 6429 waren QuoteneinWanderer. Die letztere Gruppe bestand hauptsächlich aus Frauen und Kindern Fremder, die nach dem Gesetz in die Vereinigten Staaten zugelassen waren. In der Nichtquotengruppe war die Verteilung wie folgt: Gatten amerikanischer Bürgerinnen 206 Frauen amerikanischer Bürger 1568 Kinder amerikanischer Bürger 2877 Rückwanderer 996 Gebürtige Nordamerikaner 840 Rabbiner mit Frauen und Kindern 432 ■ Professoren mit Frauen und Kindern 7 Studenten 134 Ehemalige Bürgerinnen der U. S. A. 13 7073