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Die Wahrheit · 1930-08-01 · Heft 31 (1.8.1930) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1930
Issue
Heft 31 (1.8.1930)
Date
1930-08-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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' H Preis dieser Nummer 50 Groschen Judische Die IBanrheil n Ersdieint jeden Freitag mit den Veröffentlichungen der Union deutschösterreichisdi er Juden^ und den Amtlichen Verlautbarungen der Israelitischen Kultusgemeinde Wien Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 13 — Telephon R 46-2-16 XLVI. Jahrgang Wien 1. August 1930 Nummer £?/ Palästina-Probleme. Die britische Regierung und die Kritik der Mandatskommission. L o n d o n, 24. Juli (J. T. A.). Der Unterstaatssekretär für die Kolonien im letzten konservativen Kabinett Baldwin, Ormsby Gore, fragte im Unterhaus, ob der vollständige Text der Aeußerungen der Permanenten Mandatskommission des Völkerbundes zur Ausführung des Palästina-Mandats im vergangenen Jahre im Besitze der Regierung ist, wann und durch wen sie im vollen Wortlaut zur Veröffentlichung gelangen werden, und ob die Regierung beabsichtige, angesichts der von dem beratenden Komitee des Völkerbundes erhobenen Kritik in naher Zeit Schritte zu unternehmen, um ihre Mandatsverpflichtungen zu erfüllen. Der Unterstaatssekretär für die Kolonien, Dr. Drummond Shiels, antwortete: Die Regierung hat den vollen Wortlaut des Berichtes der Mandatskommission. Was die zweite Frage betrifft, so bin ich dahin unterrichtet, daß der Bericht der Permanenten Mandatskommission an den Völkerbundsrat zusammen mit den darauf bezüglichen Rücküußerungen der britischen Re- .gierung vom Sekretariat des Völkerbundes veröffentlicht werden wird, sobald die Rückäußerung übermittelt sein wird. Was den letzten Teil der Frage betrifft, so wird die Regierung, gleich ihren in der Vergangenheit für Palästina verantwortlichen Vorgängern, fortfahren, das Land im Einklang mit den Bestimmungen des Mandats zu verwalten. (Ein neues Versprechen. D. Red.) Jede von .der ' Permanenten Mandatskommission vorgeschlagene Maßnahme zur besseren Verwirklichung der Mandatsziele wird ■• von der Regierung mit sorgfältigster Aufmerksamkeit betrachtet werden. Auf eine weitere Anfrage im Unterhaus erklärte Dr. Shiels, er hoffe noch vor Abschluß der •Pärlämentssession eine Erklärung über die Veröffentlichung der MacMahon- Hussein-Korrespondenz abgeben zu können, doch sei die Frage sehr schwierig und kompliziert und er könne ein bestimmtes Versprechen nicht geben. Die politischen. Vorgänge um Palästina in London. London, 24. Juli (J. T. A.). Ueber die politische Lage im Zusammenhange mit den Problemen Palästinas, wie sie sich in London darstellt, erfährt die Jüdische Telegraphen-Agentur: Die zionistische politische Situation ist seit der Suspendierung der Einwanderung im wesentlichen unverändert geblieben. Die nach sechswöchiger Unterbrechung sta«gefundene Zusammenkunft zwischen dem Präsidenten der Jewish Agency Chaim Weizmann und dem britischen Kolonienminister Lord P a s s f i e 1 d hat, wie sich herausstellt, keine Aenderung der' Lage ergeben. Die jüdische Protestbewegung in aller Welt und auch die Tatsache, daß "der Bericht der Permanenten Mandatskommission dem britischen Gesichtspunkte weniger •guristig ist, als von der Regierung angenommen worden war, hat ohne Frage auf das Kölonialamt Eindruckgemacht. Die Verhandlungen zwischen Kölonialamt und zionistischen Führern setzen sich fort' und es finden Zusammenkünfte zwischen den zionistischen Sprechern und Lord Passfiekr statt Malcolm McDonal.d, der Sohn des britischen Ministerpräsidenten, bemüht sich, zwischen den zionistischen Führern und dem Ministerpräsidenten zu vermitteln. Entscheidungen von Bedeutung sind nicht zu erwarten, solange der Bericht Sir John Hope Simpsons nicht erstattet ist. Dieser Bericht wird, wie man annimmt, nicht vor Oktober beendet sein. In Anwesenheit von Colonel K i s c h, der als Mitglied der Palästina-Exekutive der Jewish Agency das politische Ressort verwaltet und vor einigen Tagen in London eingetroffen ist, fand eine wichtige. Sitzung der zionistischen Exekutive in London statt. Am 22. Juli trafen sich Professor Weizmann, Felix M. W a r b u r g, der soeben aus Amerika eingetroffen ist, und Colonel Kisch zu einer Besprechung in Paris. Die Palästina-Debatte im Unterhaus wird aller Wahrscheinlichkeit nach in der nächsten Woche stattlinden. Der gegenwärtig in London auf Urlaub weilende High Commissioner für Palästina, Sir John Chancellor, verweigert Unterredu nge n. Die in London eintreffenden Berichte über eine, wenn auch geringe Steigerung der Arbeitslosigkeit in Palästina erregen Sorge. Die Steigerung der Arbeitslosigkeit ist zu einem Teil auf die wirtschaftliche Krisis in der ganzen Welt zurückzuführen, von der auch Palästina berührt wird, zum anderen Teil auf den entmutigenden Einfluß, den die Suspendierung der Einwanderung auf die Juden in Palästina und im Ausland ausgeübt hat. Viele Personen und Unternehmungen in Palästina haben eine abwartende Haltung eingenommen und zeigen Wide rstreben, sich in neue Pläne oder Investitionen einzulassen, so lange die Absichten der britischen Regierung in der Frage des jüdischen Nationalheims nicht klar geworden sind. Die Haltung der Regierung beeinträchtigt ferner in ernster Weise die Geldaufbringung für Palästina und die Bereitschaft der Juden außerhalb Palästinas, weiter Kapital in Palästina zu investieren. In dieser Weise ist eine Situation geschaffen, die dem Zirkelschluß gleicht: Die Regierung hat die jüdische Einwanderung suspendiert wegen der Befürchtung, daß die jüdische Einwanderung die wirtschaftliche Aufnahmefähigkeit des Landes übersteigen könnte, und diese Maßnahme hat die jüdischen Investitionen und Unternehmungen in einem solchen Ausmaße beeinträchtigt, daß dadurch die wirtschaftlichen Bedingungen Palästinas schwieriger geworden sind. Damit ist der Regierung ein Grund mehr für eine einschränkende Einwanderungspolitik gegeben. Mutmaßungen über Sir John Chancellor. Die Jerusalemer arabische Zeitung JVlaarat esh Sherk" weiS mitzuteilen, daß der High Commissioner Sir John Chancellor von seiner Urlaubsreise „mit einer Konstitution in der Tasche" zurückkehren wird. Demgegenüber meint die große ägyptische arabische Zeitung „Mokattam". daß Sir John Chancellor von seinem Urlaub überhaupt nicht mehr nach Palästina zurückkehren wird. Ein Palästina-Projekt der englischen Regierung im Jahre 1916. New Yörk,r20: Juli (J: T. AI). - Im Zusammenhang mit der neuen Aktion des syrisch-palästinensischen Komitees beim Völkerbund, die sich auf einen Brief Lord Balfours aus dem Jahre 1917 stützt, in dem dieser die Unabhängigkeitsversprechungen McMahons an die Araber bestätigt, berichtet der Genfer Korrespondent der „New York Time s", daß der Erfolg der Petition selbst in arabertreundlichen Völkerbundskreisen skeptisch beurteilt wird. Man glaube in Völkerbundkreisen, daß sich das Unabhängigkeitsversprechen McMahons auf Palästina nicht erstreckte. Der Korrespondent teilt weiter mit, daß die Einführung eines besonderen Regimes in Palästina durch die britische Regierung bereits im Jahre 1915 geplant wurde, obwohl die britische Regierung sich zu gleicher Zeit schon mit der Frage unabhängiger arabischer Staaten beschäftigte. 1916 hat der damalige englische Außenminister, Lord Grey, der russischen Regierung den Plan eines auf internationaler Basis gegründeten Sonderregimes für Palästina unterbreitet. Das Projekt Lord Greys sah für die Juden das Recht zur Kolonisierung des Landes und, nach Ablauf einiger Zeit, auch die Uebernahme der inneren Administration Palästinas vor. Dieses Projekt soll von den damaligen Regierungen Rußlands, Frankreichs und Italiens gebilligt worden sein. Alle Untersuchungen beendet. J e r u s a 1 e m, 21. Juli (J. T. A.). Die K1 a g emauer-Kommission hat am Samstag, den 19. Juli, spät abends, Jerusalem verlassen. Vertreter der Regierung, sowie Vertreter der Juden und Araber hatten sich zur Abreise der Kommission eingefunden. Beim Abschluß der Verhandlungen der Klagemauer-Kommission (über die wir noch berichten werden, D. Red.) gab der Vorsitzende, Loefgren, in seiner Schlußrede die Anregung, daß der Kommission bis zum 1. September Vorschläge gemacht werden, die geeignet sind, eine arabisch-jüdische Verständigung in der Klagemauer-Frage herbeizuführen. — Wie der J. T. A. aus Jerusalem telegraphiert wird, will Sir John Hope Simpson Palästina am 27. Juli verlassen. Obwohl die Untersuchungen Sir John Hop Simpsons im großen und ganzen abgeschlossen sind, ist überdie Einzelheiten seiner U n ter such ung'sergebnisse nichts zu erfahren. „Kein Grund zur Verzweiflung". London, 21. Juli (J. T. A.). Bei einem Empfange, den General Bust der lettischen Delegation zur gegenwärtig in London - tagenden Sitzung der Interparlamentarischen Union gab-, sagte der frühere High Commissioner für Palästina, General P1 u m e r, zu dem anwesenden jüdischen Abgeordneten des lettischen Parlaments und bekannten zionistischen Politiker Dr. Nurok: Die' Juden haben keinen Grund zur Verzweiflung. Sie müssen nur Geduld haben. Dr. Weizmann versteht sehr gut, daß dies notwendig ist. Ich glaube, daß die Juden ihr Ziel erreichen werden, auch wenn der Fortschritt nur langsam vor sich gehen wird. (Sagt Lord Plumer. Dl Red.) Die Revisionisten und der «Doar Hayom". Die Partei der Ziomsten-Revisionisten in Palästina erklärt, daß Wladümrr Jabotinsky nicht mehr Chefredakteur der Jerusalemer hebräischen Tageszeitung „Doam Hayom" ist und daß sie auch sonst mft der Zeitung keine Beziehungen mehr: hat. Der Konflikt zwischen Redaktionsstab umf Herausgeber wird jetzt voraussichtlich durch ein S c h i ed s z e r i c h t ice&lärt werden. Der frühere Chefredakteur des ,JDoar Hayom", Ittamar Ben Avi. ist vorübergehend wieder m die Redaktion der Zeitimg eingerretea

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