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Die Wahrheit · 1930-07-18 · Heft 29 (18.7.1930) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1930
Issue
Heft 29 (18.7.1930)
Date
1930-07-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seite T Die Cuzisten wollen Bessarabien besetzen. Die antisemitische Organisation „Eiserne Garde", deren Führer der bekannte Antisemit und Präfektenmörder Celea Codreanu ist, hat eine Proklamation herausgegeben, in der die Garde aufgefordert wird, sich für den großen Einzug in Bessarabien vorzubereiten; diese Provinz soll einen Monat lang standrechtlich besetzt bleiben, um den Grund für die nationale Idee in Bessarabien zu legen. Die Organisation hofft, daß vom Militär die nötigen Kriegsausrüstungen zur Verfügung gestellt werden. Die Proklamation erweckte in der rumänischen Oeffentlichkeit peinliches Aufsehen, die demokratische Presse ermahnt die Regierung, energische Alaßnahmen zur Verhinderung von Judenpogromen zu ergreifen. Antisemitische Ausschreitungen in Posen. Am 3. Juli abends und in den Nachtstunden haben in Posen Studentenkundgebungen gegen die Juden stattgefunden, wobei etwa 100 Studenten von Cafe zu Caf6 zogen und jüdisch aussehende Männer verprügelten. Ein älterer jüdischer Herr wurde von dem Anführer ins Gesicht geschlagen und von den anderen verprügelt. Tische wurden umgeworfen, Geschirr und Gläser zerschlagen. Auch in andere Kaffeehäuser drangen Studenten ein. Auf dem früheren Wilhelmsplatz wurde ein polnischer Konsulatsbeamter aus Paris, der für einen Juden gehalten wurde, schwer verprügelt. Zwei Rädelsführer wurden verhaftet, aber nach Aufnahme eines Protokolls wieder auf freien Fuß gesetzt. VonWodke zu Wodke Budapest. Die Generalversammlung des Budapester Munizipalausschusses wählte den jüdischen Abgeordneten Dr. Marzeil Baraes zum lebenslänglichen Mitglied des Ausschusses. Abgeordneter Dr. Baracs, ein hervorragendes Mitglied des ungarischen. Advokatenstandes, hat zur Zeit des antisemitischen Kurses die Ehre und die Interessen der ungarischen Judenschaft heroisch verteidigt. Stadtrabbiner Dr. Rieger, Stuttgart, vollendete am 4. Juli sein 60. Lebensjahr und war aus diesem Anlaß Gegenstand ehrender Aufmerksamkeit seitens der württembergischen Judenheit, jüdischer Institutionen außerhalb Württembergs und der jüdischen Presse, die seine Persönlichkeit und sein Wirken in Aufsätzen würdigte. Dr. Rieger ist als glänzender Kanzelredner bekannt, er entfaltet auch auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge eine reiche und opfervolle Tätigkeit. Insbesondere widmete er seine Kräfte dem vor fünf Jahren gegründeten Jüdischen Lehrhaus. London. Die Britische Akademie zeichnete Doktor Claude G. Montefiore durch Verleihung der Medaille für biblische Studien aus. Montefiore erhielt die Auszeichnung für seine Hibbert-Vor- Jesungen von 1892. seine Schriften „Das Judentum und St. Paulus" (1914), „Commentar zu den synoptische» Evangelien" (2. Auflage 1927) und einige andere Werke. Personalnachricht. Frl. Alice P a r n e s, Tochter des Pressechefs der polnischen Gesandtschaft in Wien, hat sich mit Herrn Jenö H e v e s i, Sohn des Oberrabbiners in Budapest, verlobt. Die Schomre Schabbos-Bewegung. Der Gerer I? e b b e, bekanntlich einer der größten und bedeutendsten Führer der chassidischen Bewegung der Gegenwart hatte auf seiner Durchreise durch Berlin den Vorsitzenden, des "Weltverbandes Schomre Schabbos, Herrn Seminardozent Dr. G r ü n b e r g, empfangen. Auf Grund der Darlegungen über die Arbeiten des Weltverbandes und auf Grund seiner Erfahrungen in der Frage des Sabbathschutzes in Polen gab der große Chassidiinrabbi seiner Sympathie für. die Bestrebungen des Weltverbandes unumwunden Ausdruck und äußerte sich dahin, daß es an der Zeit sei, insbesondere in allen jüdischen Städten und Städtchen Polens Ortsgruppengründungen vorzunehmen. Der Rabbi unterstützte diese seine Forderung mit einem 7-itat aus dem Buche Sifre zu Numeri, aus dem hervorgeht, daß eine Organisation zum Schutze des Sab- "baths notwendig sei, da bereits der erste Führer des jüdischen Volkes, Mose, dem Sabbath Schützer erstellt habe. Der Schwiegersohn des Gerer Rebbe, Herr Joskowitz, gehört dem Zentralkomitee des "Weltverbandes an. Die Wahlen zum preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden. Am 30. November 1930 finden die Wahlen zum Verbandstage des preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden statt. Der Verbandstag besteht aus Abgeordneten, welche von den Mitgliedern der zum Verbände gehörigen Gemeinden gewählt werden. Wahlberechtigt und Wähler sind alle volljährigen, einer Verbandsgemeinde angehörenden Juden beiderlei Geschlechts, die mindestens ein Jahr vor Auslegung der Wählerlisten innerhalb einer Verbandsgemeinde ihren Wohnsitz gehabt haben. Ausgeschlossen vom Wahlrecht ist, wer entmündigt ist oder unter vorläufiger Vormundschaft steht, und wer sich nicht im Besitze der Tjürgerlichen Ehrenrechte befindet. Die Abgeordneten werden in allgemeiner, gleicher, unmittelbarer und geheimer Wahl nach den Grundsätzen der Verhältniswahl gewählt. Auf je 3000 Seelen entfällt, ein Abgeordneter: insgesamt wird der künftige Verbandstag 130 bis 140 Abgeordnete zählen. Die Abgeordneten werden aut die Dauer von vier Jahren gewählt, die Wahlperiode läuft vom 1. Oktober bis zum 30. September. Die Wahlordnung, aus deralles Nähere über die Bildung der Wahlbezirke und das Wahlverfahren zu ersehen ist, kann durch das Büro des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, Berlin-Charlottenburg. Kantstraße 158, bezogen werden. In Melbourne starb Mrs. Morris Jacobs im Alter von 100 Jahren. Ihr Ehegatte starb im vergangenen Jahre im Alter von 103 Jahren. Das Ehepaar gehörte zu den ersten Pionieren der Provinz Victoria, es begründete die wichtige Stadt Gee- 1 o n g. Unter ihrer Nachkommenschaft sind 22 Enkel und 14 Urenkel. Ein Sohn von ihnen, Solomon Jacobs, ist gegenwärtig Bürgermeister von Geelong. Ein jüdisches Städteben in Polen durch Feuer vernichtet Das fast nur von Juden bewohnte Städtchen Komarowka, Kreis Radzin, brannte fast ganz nieder, bloß sechs Häuser wurden von den Flammen verschont. Die Einwohner konnten nichts von ihrem Hab und Gut retten, mehrere bemittelte Bürger sind über Nacht bettelarm geworden. Der Ortsrabbiner hat unter eigener Lebensgefahr die Sifre-Thora aus der brennenden Synagoge gerettet. Forschungsinstitut für hebräische Dichtung. Wie wir erfahren, hat Herr Salmann Schocken — im Zusammenhange mit einer dem Andenken des im Oktober 1929 verstorbenen Herrn Simon Schocken gewidmeten Familienstiftung — ein „Forschungsinstitut für Geschichte und Quellenstudium der hebräischen Dichtung" in Berlin errichtet. Als wissenschaftlicher Leiter dieses Institutes ist bereits vor Monaten Herr Dr. B r o d y, der bisherige Obberrabbiner in Prag, berufen worden. Dr. Brody gilt als unbestrittene wissenschaftliche Autorität auf dem Gebiete des neu gegründeten Forschungsinstitutes. Geplant sind grundlegende textkritische Ausgaben der Hauptdichter der hebräischen Dichtung, sowie die Veröffentlichung von Quellenmaterialien und Forschungen. Das Forschungsinstitut soll jungen Gelehrten, die sich mit dem Spezialgebiete bereits beschäftigt haben, die Möglichkeit zur Fortbildung und selbständigen Forschung gewähren. Für den wissenschaftlichen Rat des Institutes sind die Herren Professor Dr. Ismar El bogen und Professor Dr. Gotthold Weil gewonnen worden. Als Assistent steht dem Institut Herr Dr. Schirmann zur Verfügung. Der wissenschaftliche Leiter des Instituts, Herr Dr. Brody, wird neben der Arbeit als Hauptherausgeber der Schriften auch seminaristische Uebungen im Gebiete des Forschungsinstituts abhalten. Eine besonders wertvolle Grundlage für die Arbeiten des Instituts bilden die Handschriften der Bibliothek Schocken, die sich in den letzten Jahren In Vorbereitung des jetzt gegründeten Forschungsinstituts auf die Sammlung von Quellenmaterialien aus dem Gebiete der hebräischen Dichtung mit großem Erfolge betätigt hat Mit der Akademie für die Wissenschaft des Judentums sind Vereinbarungen in die Wege geleitet, die eine Zusammenarbeit des Instituts und namentlich auch des Verlages, der für die Publikationen des Instituts errichtet werden soll, mit der Akademie gewährleisten. Voraussichtlich wird die Akademie künftig auch in dem wissenschaftlichen Rat des Instituts vertreten sein. Von der hebräischen Bühne. Das hebräische Theater „Habimah", das in der kommenden Saison wieder in Wien gastieren wird, hat mit der Einstudierung von Gutzkows Drama „Uriel Acosta" begonnen. Die Regie führt Alexis Granowsky, Begründer und ehemaliger Leiter des Moskauer Jiddischen Akademischen Theaters. Das Drama wurde vom hebräischen Dichter Dr. Saul Tschernichowsky ins Hebräische übertragen. Die Bühnenausstattung wird Robert Falk besorgen. Die begleitende Musik schrieb Doktor Karol Rathaus. — Die Einstudierung von Shakespeares „Was Ihr wollt" unter der Regie von M. Tschechow wird in den nächsten Tagen beendet Baden bei Wien. Am 10. d. M. fand in Baden die Gedenksteinlegung für den vor einem Jahre allzu früh Hnglcnisdics Könlgsliciu Seit vielen Jahren das anerkannt beste Mi tM^-nöiw Man achte auf die «es. gasen. Mark« ,,Hygten. KSnlgsllcM" und Main« Schals Fabrik und Büro: Wien XIV., Braunhirschengass« Telephon B 33-1-87 Den allgemeinen Wünschen des konsumierenden Publikums Rechnung tragend, wird unter der Bezeichnung „Hygienisches Königslicht" Nummer 2 ein kleines Jahrzeitlicht in den Verkehr gebracht das garantiert 24 Stunden brennt und sich im Preise bedeutend billiger als das bisherige Nr. 1 stellt. verstorbenen Oberrabbiner Wilhelm Reich unter außerordentlich großer Beteiligung weitester Kreise statt An der schönen Feier, bei der die Söhne und viele Verwandte des Verblichenen zugegen waren, nahmen fast alle Gemeindemitglieder, ferner Abordnungen von Neunkirchen, Wiener-Neustadt, Mödüng u. v. a. teiL Sie wurde mit einer Trauerrede des Vizepräsidenten der Badener Kultusgemeinde, Ch. Ingwer, eröffnet. Hierauf hielten gefühlvolle Ansprachen die Herren Rabbiner Duschinsky, Rakos Palota, ein Neffe des Dahingegangenen. Rabbiner S. Friedmann, Baden, Rabbiner Dr. Reich. Misslitz. ebenfalls ein Neffe des Verstorbenen. Rabbiner Dr. Schweiger. Mödüng, Rabbiner Dr. H. Weiß. Wiener-Neustadt, Wilhelm Mandl, Israelitische Wirtschaftspartei Baden, Präses L. Lackenbacher, Chewra Kadischa, Baden, H. Lang für die Kultusbeamten. Die erhebende Feier schloß mit einem El Mole Rachamin des Badener Kantors Richter. Hebräisches Pädagogium. Wien. Schriftliche Voranmeldungen für die Aufnahme ins. Hebräische Pädagogium für das Wintersemester 1930'31 sind an das Sekretariat Wien I., Drahtgasse 4. bis spätestens 25. September d. J. zu richten. Die Vorlesungen beginnen am 21. Oktober 1930. Jugendverein Wr.-Neustadt Da die Sommermonate zur Abhaltung von Vorträgen nicht geeignet erscheinen, werden GeseHschaftsausflüge veranstaltet welche erfreulicherweise eine sehr rege Beteiligung finden. Der erste Ausflug iand Pfingstmontag auf die Hohe Wand statt. Die Teilnehmer sprachen den Wunsch aus. solche Veranstaltungen zu wiederholen. Diesem Verlangen wurde stattgegeben und bald darauf ein Ausflug nach Baden veranstaltet, wo das Zusammentreffen mit der Badeneri Jugendgruppe einen recht angenehmen Tag geboten hat. Sommer in Wien. Er ist ein Sommer des Mißvergnügens geworden, der heurige Sommer. Die tristen wirtschaftlichen Verhältnisse haben es mit sich gebracht, daß Wiener, die sonst keinen Sommer in Wien verbrachten und ihren nach des Jahres Mühen wohl verdienten Urlaub auf Bergeshöh' oder an prächtigen Seen genossen, jetzt in ihrer Vaterstadt zu treffen sind und ihrem Leidensgenossen auf seine erstaunte Frage: „Auch in Wien?" mit der verlegenen, aber weniger wahren Antwort dienen: ,;Bin schon von . . . zurück!" oder „Gehe erst nach . . .!", worauf der Fragende mit Augurenlächeln eine gleich üppige Phantasie bezüglich seines illusorischen Aufenthaltsortes entwickelt. Ist dieses Versteckenspielen wirklich notwendig? Muß man sich schämen, ein armer Wiener zu sein und demgemäß seiner lieben Vaterstadt heuer nicht den Rücken kehren zu können? Beileibe nicht! Wir wissen es ja gar nicht und müssen es erst jetzt von den entzückten Fremden erfahren: Wien ist ja so schön! Wenn man im Urlaub die Muße hat, es richtig zu besehen, dann staunt man erst über seine herrliche Pracht und ist begeistert über die Ausdehnung, die es in den letzten Jahren erfahren. Ueberall an der Peripherie entstanden monumentale Wohnungsbauten, über die sich die Ausländer, denen man sie zeigt recht lobend äußern; wo einst wüste Grasflächen waren, wie in ••dem Judenbezirk Brigittenau, findet'man Häuser, die Wohnungslosen neue Zuflucht boten. Wohl, das gesellschaftliche und geistige Leben stagniert in diesen heißen Monaten und gerade der Jude, der anregende Unterhaltung liebt, bedauert es jetzt ganz besonders, daß es in Wien noch immer kein „Jüdisches Zentrum" gibt, wo, abseits jeder Parteipolitik, sich der Jude mit dem Juden aussprechen und verständigen kann. Allein, nicht vieler Menschen Sinn ist jetzt auf schwere geistige Kost gerichtet. Das lockende Ziel ist nun ein erfrischendes Bad und saftiges Wiesengrün. Und gerade da bietet unsere Vaterstadt Hervorragendes. Unsere Bäder stehen auf einer anerkannten Höhe, gute Verkehrsverbindungen erleichtern dem „Wiener Urlauber" den Ausflug in Wiens Umgebung, deren Schönheit unerreicht ist. Und wenn man dann abends Rückschau auf den auf diese oder jene Weise angenehm verbrachten Tag hält, dann muß man es sagen und sagt es gerne: Wien ist ja so schön! r. d. Die Beerdigungs-Bruderschaft Chewra Kadischa in Hohenau sucht einen Bit Husaf and Bat Sctocifis der auch Bai Kore. Bai Teke sein muß. Reflektanten, die über eine klangvolle Stimme verfügen und einen religiös einwandfreien Lebenswandel nachweisen können, wollen ihre mit Zeugnissen belegten Offerte an die genannte Chewra Kadischa einsenden. Nur den zum Probevortrag Berufenen und von uns Akzeptierten werden die Reisespesen vergütet Israelitische Beerdigungs-Bruderschaft Chewra Kadischa Hohenau. Der Vorstand. »

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