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Die Wahrheit · 1930-07-04 · Heft 27 (4.7.1930) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1930
Issue
Heft 27 (4.7.1930)
Date
1930-07-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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f\} DIE WAHRHEIT Seite 7 Auch der Wiesbadener Fremdenverkehr leidet Der Polizeipräsident von Wiesbaden hat wegen unmittelbarer Gefahr für die öffentliche Sicherheit bis auf weiteres alle Veranstaltungen der Nationalsozialisten unter freiem Himmel. Kundgebungen. Demonstrationen und Umzüge verboten, da diese Veranstaltungen der Nationalsozialisteneine nachteilige Wirkung auf den Fremdenverkehr Wiesbadens ausgeübt haben. Auch die Stadt Weimar wehrt sich. Der Stadtrat der Stadt Weimar hat in einer Entschließung schärfsten Protest erhoben gegen die Ausführungen des nationalsozialistischen Abgeordneten Sauckel im thüringischen Landtage, daß keine jüdischen Gäste in die thüringischen Kurorte und Bäder kommen sollten. Der Stadtvorstand wurde beauftragt, beim Thüringer Stadtverband und beim Landtage schärfsten Protest zu erheben, weil diese nationalsozialistische Parteipropaganda geeignet ist, die thüringischen Städte und Kurorte aufs schwerste zu schädigen. Der Vorsitzende der Lenlograder jüdischen Gemeinde zu Verbannung verurteilt Der vor einiger Zeit zusammen mit den übrigen Mitgliedern des Vorstandes der jüdischen Gemeinde wegen Veranstaltung angeblich unerlaubter Sammlungen zugunsten der Synagoge verhaftete Präsident der Gemeinde von Leningrad, der berühmte Advokat Leon Gurewitsch, ist zu dreijähriger Verbannung nach dem Amurgebiet verurteilt worden. Gurewitsch ist eine der prominentesten jüdischen Persönlichkeiten in der Sowjetunion, die in der sozialen Fürsorge und in der Gemeindearbeit tätig sind. Wiedererscheinen der verbotenen palästinensischen Zeitungen. Die verboten gewesenen arabischen Zeitungen .Felestin", Organ der Arabischen Exekutive, und AI Jamea el Arabia". Organ des Moslemitischen Obersten Rates, dürfen nun mit Erlaubnis des Oberkommissars wieder erscheinen. Die ebenfalls verboten gewesene Jerusalemen hebräische Tageszeitung „Doar Hayom" erscheint auch wieder. Wie es heißt, wird der bekannte Orient-Schriftsteller und Orient-Berichterstatter großer mitteleuropäischer Zeitungen Dr. y. Weisl dem Pedaktionsstab des „Doar Hayom beitreten. Dr. v. Weisl ist bekanntlich einer der Führer der Zionisten-Revisionisten. Ein Jude amerikanischer Gesandter in Siam. Der amerikanische Senat bestätigte die Ernennung des hervorragenden jüdischen Advokaten David Kaufmann zum amerikanischen Gesandten in Siam. Kaufmann hat als amerikanischer Gesandter in Bolivien den Ausgleich im Konflikt zwischen den südamerikanischen Republiken Chile und Peru zustandegebracht. Staatsrat Jacob Teitel in London. Der Präsident des Verbandes russischer Juden in Deutschland, Herr Jacob Teitel, der unter dem Zaren-Regime der einzige Jude war, der das Amt eines Richters und außerdem die Würde eines wirklichen Staatsrates bekleidete, ist in London eingetroffen, um hier eine Aktion für das von ihm geleitete Flüchtlingshilfswerk durchzuführen. Der bald 80jährige jüdische Führer ist hier Gegenstand ehrenden Interesses seitens der englischen Juden und der russisch-jüdischen Kolonie. Staatsrat Teitel hält mit den Führern der jüdisch-sozialen Fürsorge in England Beratungen über die Möglichkeiten und die Formen der Unterstützung der russisch-jüdischen Flüchtlinge, insbesondere der Flüchtlingskinder und der Kranken, ab. Ein indischer Oberbürgermeister in Sidney. Stadtrat Joseph Marks, der Führer der bürgerlichen Reformpartei, wurde nach dem Wahlsieg seiner Partei zum Lord Mayor von Sidney, der Hauptstadt des australischen Staatenbundes, gewählt Seine Partei, die vor kurzem zur Bekämpfung der Korruption in der Stadtverwaltung gebildet wurde, erhielt von 15 Stadtratssitzen 9. VonWodte zu Worte Herr Samuel Bettelheim, Budapest, unser geschätzter Mitarbeiter, feiert dieser Tage sein 30jähriges Jubiläum als Journalist Geboren 1873 in Preßburg als Sproß der Familie Bettelheim-Pappenheim, ist Bettelheim nicht Schriftsteller um der Kunst willen, sondern er war und ist Kämpfer für Ideen, und diesem Kampfe allein galt seine schriftstellerische Kunst. Er schuf die ungarisch-zionistische Landesorganisation, deren Präsident er einige Jahre war, er gehörte dem zionistischen Aktionskomitee an, gründete die „Ungarländisch-Jüdische Zeitung" (1908—15). die „Jüdische Presse" (Wien 1920). war Mitglied der American Jewish Committee Amerika, Präsident des Verbandes ungarischer Juden in Amerika. Bettelheim bekämpfte vom ersten Momente die Balfour-Deklaration und forderte Kooperation mit den Arabern. Er schrieb etwa 2500 Artikel in deutscher, ungarischer, englischer und jiddischer Sprache. Religiöse Artikel erschienen unter dem Titel „Zurück zur Bibel". Wir gratulieren dem Jubilar aufs herzlichste. Personalnachricht Frau Stella Feldsberg, Gattin des Herrn Dr. Ernst F e 1 d s b e rg, ist eines gesunden Mädchens genesen. Mutter und Tochter befinden sicfi wohlauf. Wir gratulieren herzlichst! Gastpredigten. Im Tempel, Wien IL, Pazmanitengasse 6, hält Herr Rabbiner Dr. Zwi Taubes Freitag, den 4. d. M., eine Gastpredigt (Beginn des Gottesdienstes 7 Uhr 15 abends) und Samstag, den 5. d. M., vormittags, 9 Uhr, eine Derascha. Der „Fall Halsmann", der mit der Verurteilung des Rigaer Studenten Philipp Halsmann zu vier Jahren schweren Kerkers wegen Totschlags vor kurzem seinen vorläufigen Abschluß gefunden hat, wird immer wieder diskutiert. Immer wieder wird das Für und Wider abgewogen, denn ein Schuldbeweis ist ja nicht erbracht worden. Auf welche Weise der Zahnarzt Halsmann im September 1928 im Zillertal ums Leben gekommen ist, darüber schwebt heute noch das gleiche Geheimnis wie am Tage der Tat Die Kette der Indizienbeweise ist ja so lückenhaft, daß ein Schuld- oder Freispruch, wenn überhaupt, dann nur von innen heraus, also durch tiefstes Einfühlen in die Persönlichkeit des Angeklagten denkbar erscheint Daher auch das außerordentliche Interesse der Oeffentlichkeit für Philipp Halsmann; denn nur der, dem es gelingt, diesen seltsamen Menschen ganz zu erfassen, darf sich ein Urteil erlauben, ob Philipp Halsmann das furchtbare Verbrechen des Vatermordes begangen haben könnte. Diesem Interesse der Oeffentlichkeit will der Verlag E n g e 1 h o r n mit der Herausgabe der „Briefe aus der Haft an eine Freundin dienen, die Philipp Halsmann im Untersuchungsgefängnis geschrieben hat Nachdem die langwierigen Bedenken Halsmanns gegen die Veröffentlichung mit großer Mühe zerstreut worden sind, soll das Buch nun in den nächsten Wochen erscheinen. Es wird ihm sowohl dokumentarische als auch künstlerische und menschliche Bedeutung vorausgesagt Oberkantor Adolf Wygoda, der bei seinem im November des Vorjahres im Status quo-Tempel zu Kosice (Kaschau) gehaltenen Probevortrag mit seiner schönen Tenorstimme und künstlerischen Vortragsweise große Begeisterung hervorgerufen hat wurde vom Vorstande der Israelitischen Kultusgemeinde Kaschau einstimmig zum Oberkantor gewählt Oberkantor A. W y s o d a hat seinen Posten bereits am 1. Juni d. J. angetreten. Linzer Brief. Der Schulschluß bedeutet in den Städten den Anfang der stilleren Zeit da ja viele den Landaufenthalt beziehen und die Sommermonate der Stadt und dem Stadtleben ferne sind. Auch im Gemeindeleben macht sich eine gewisse Stille bemerkbar. Darum ist jetzt ein Rückblick über das abgelaufene Jahr eine Art Tätigkeitsbericht Erfreulicherweise hat die Zeit viele Wunden geheilt, an denen der Gemeindekörper in der Nachkriegszeit litt. Er ist gesünder, lebensfähiger geworden. Die fieberhafte Unrast und Sucht nach Neuerungen, welche in jeder Gemeindevorstandssitzung das Amt des Vorsitzenden zu einer wahren Gcduldprobe machte, ist einer wohltuenden Ruhe gewichen. Die Gemeinde lebt sich wieder in ihre alten Traditionen zurück und das Interesse am Gemeindeleben ändert sich in reger Teilnahme am Gottesdienst und Kultus. Das Wochenfest stand im Zeichen der Mädchenkonfirmation. Der festlich geschmückte Tempel und die jugendfrischen Mädchen, die an heiliger Stätte ihr Gelöbnis zu Gott und Glauben ablegten, wirkten herzerhebend und herzerfreuend. Seine Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Kurrein wußte auch diesmal diesen Akt besonders feierlich zu gestalten. Schon am Pessachfeste stand der-' Linzer Tempel im Mittelpunkte des Interesses. Hat er doch innerhalb eines Jahres eine Reihe großzügiger Zuwendungen erhalten. Vier bunte Fenster, von einer hiesigen Glasmalereiwerkstätte geschaffen, wurden gespendet Die Namen der Spender sind: Herr und Frau S. Spiro, Linz. Herr und Frau Viktor Taussig, Linz-Urfahr. Herr und Frau Josef Töpfer, Linz, und Herr und Frau Zimmermann, Linz. Tempelvorsteher Herr Theodor Klein hat aus Anlaß seines 72. Geburtstages die Innenausstattung der Bundeslade samt der dazugehörigen Beleuchtung und nqglcnlsdics Königslicht B!ll!iKi!i!^!lilHi1EWIlEBI Seit vielen Jahren das anerkannt beste Irziil iw^-notw Man achte auf die ges. gesch. Marke „Hyglen. KSnigslicht" und Name Schulz Fabrik und Büro: Wien XIV., Braunhirschengassa Telephon R 33-1-87 Den allgemeinen Wünschen des konsumierenden Publikums Rechnung tragend, wird unter der Bezeichnung „Hygienisches Königslicht" Nummer 2 ein kleines Jahrzeitlicht in den Verkehr gebracht, das garantiert 24 Stunden brennt und sich im Preise bedeutend billiger als das bisherige Nr. 1 stellt einer praktischen Einrichtung zum richtigen Einstellen der Thorarollen herstellen lassen und der Gemeinde gespendet Die Goldstickereien besorgte die Firma M. Mayr, Wien. Herr Theodor Klein ist auch der Spender eines goldgestickten Kissens für das Vorbeterpult Für den Wintertempel spendete Herr Fritz Bruder einen imposanten Kronleuchter samt der Installierung. Diese Spenden beweisen am besten, wie die alte Liebe zu unserem Gotteshause wieder auflebt und das Streben immer weiter greift unseren Tempel als Mittelpunkt des religiösen Gemeindelebens zu erhalten. An dem Geistesleben unserer Gemeinde hatte — abgesehen von einer Anzahl allgemein zugänglicher Vorträge auswärtiger Redner, die teils durch Vermittlung der „Ehrmann-Loge", teils durch die der zionistischen Ortsgruppe stattfanden, — auch der Vortragszyklus, den Herr Rabbiner Dr. Kurrein während der Wintermonate im hiesigen Vereinshause hielt, seinen Anteil. Ueber Anregung des Tempelvorstandes finden jetzt die Sabbatpredigten während der Sommermonate bei den Freitagabendgottesdiensten statt, so daß ein zahlreicherer Besuch allen Kreisen möglich ist Die jüdische Jugend, durch den regelmäßigen, zielbewußten Religionsunterricht und die allwöchentlichen Jugendgottesdienste für die Religiosität wiedergewonnen, hat im „Jugendbund" unter der Führung des Herrn Artur Eisenberg ihren Mittelpunkt Der körperlichen Ertüchtigung von Jung und Alt widmet sich mit ungeschmälertem Eifer der nun auf ein Jahrzehnt seines Bestandes mit. Stolz zurückblickende „Jüdische Turn- und Sportverein". Gerade dadurch, daß derselbe sich von jedem politischen Gebiete fernhielt, wurden alle Kreise dem guten Zwecke und der wertvollen Sache gewonnen. Eines regen Besuches erfreuen sich die vom Turnverein geschaffenen Tennisplätze, welche nun komfortabel ausgestattet worden sind. So sieht man, wie äußeies und inneres Gemeindeleben sich um so besser gestaltet ie weniger politisiert wird. Möge der schöne Friede auch in Zukunft blühen. Jedenfalls trachten bereits alle Kreise, ihn zum Gedeihen aller Institutionen zu erhalten. Kl. Ferienkolonie Vöslau. Der Humanitätsverein der westlichen Bezirke Wiens eröffnet auch heuer, wie alljährlich, seine Ferienkolonie in Vöslau, Florastraße 15. Diesbezügliche Anmeldungen sind beim Präsidenten Karl Fröhlich, VI., Mollardgasse 85, Tel B 29-1-66 und bei Frau Helene Kanitz (Mensa judaica), IX., Zimmermannplatz 8, Tel. A 25-2-28, vorzunehmen. flmtfidfe Verfautßarungen der Jsraefitisdfen Xuftusgemeinöe Wien Brautausstattungsstil hingen. (Bewerbungsausschreibung.) Es gelangen mehrere Stiftplätze im Gesamtbeträge von S 3000.— zur Verleihung, hievon 1. S 1800.— aus der Julius Engeiber g- Ausstattungsstiftung und 2. S 1200.— aus anderen Brautausstattungsstiftungen. Bewerbungsberechtigt sind: 1. für die Julius Engelberg-Ausstattungsstiftung: arme, würdige, im Brautstande befindliche jüdische Mädchen, die in Wien oder in Lezaysk (Galizien) geboren sind; 2. für die anderen Brautausstattungsstiftungen: arme, würdige, im Brautstande befindliche jüdische Mädchen. Gesuchsbeilagen: Geburtsschein, Armutszeugnis, Sittenzeugnis, Brautstandsnachweis. Letzter Tag der Einreichungsfrist: 30. August 1930. Einreichstelle: Wien I., Seitenstettengasse 4, II. Stock (Fürsorgezentrale). Bewerberinnen, welche sich vor der Verleihung des Stiftungsbetrages verehelichen, verlieren die Bewerbungsberechtigung. Zur Bewerbung sind Gesuchsbogen zu verwenden, welche in der Einreichstelle (Fürsorgezentrale I., Seitenstettengasse 4, II. Stock) unentgeltlich ausgefolgt werden; die Gesuchsbogen enthalten auch nähere für die Bewerberinnen wichtige Bestimmungen. Wien, am 27. Juni 1930. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien. Konkurs. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien beabsichtigt anläßlich der diesjährigen hoher. Feiertage Funktionäre (Kantoren, Vorbeter, die auch als Kaure wirken können, Chorsänger und Schofarbläser) für die temporären gottesdienstlichen Veranstaltungen zu bestellen. Nähere Auskünfte werden im Kultus- und Schulamte der israelitischen Kultusgemeinde Wien I., Seitenstettengasse 4, III. Stock, während der Amtsstunden von 9 bis 12 Uhr vormittags erteilt t i ■ I, Wien, am 30. Juni 1930. Der Vorstand.

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