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Die Wahrheit · 1930-06-20 · Heft 25 (20.6.1930) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1930
Issue
Heft 25 (20.6.1930)
Date
1930-06-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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DIE WAHRHEIT VonWoehe %u Wodke | Louis Wagenaar 8« A. | In Amsterdam ist vor einigen Tagen der Rektor des Niederländisch-Jüdischen Seminars im 76 Jahren gestorben. Es ist Pflicht der jüdischen Oeffentlichkeit, diesem um das Judentum wohlverdienten Lehrer und Gelehrten ein Wort der Würdigung und des Gedenkens zu widmea Meine langjährigen und innigen Beziehungen zu Holland und dessen hervorragenden jüdischen Persönlichkeiten ermöglichen es nur. Wissenswertes mitzuteilen. Wagenaar war einer der hervorragendsten und begabtesten Schüler der alteren Generation des sei. Oberrabbiners von Amsterdam, Dr Josef Hirsch Dünner, des Begründers und Rektors des Niederländischen Rabbinerseminars. Er hat, wie alle Oberrabbiner Hollands, die ganze, wohl organisierte und in ihren Geschlossenheit klassische Schule und Schulung Dünners absolviert. Seine Begabung zeigte sich frühzeitig und die in ihn gesetzten Hofinungen erfüllten sich reichlich; sowohl die rein menschlichen Anlagen, die bei der Ausbildung von Rabbinern allenthalben im Vordergründe stehen sollten, als auch die geistigen, intellektuellen und szientifischen entwickelten sich bei Wagenaar bis zu ansehnlicher Höhe. Er wurde ein erfolgreicher, hochverehrter Rabbiner und Oberrabbitier, als welcher er in Leeuwawlen und Arrelsem lange Jahre wirkte. Die jüdische Wissenschaft zu pflegen und die Literatur zu bereichern war stets sein eifriges Streben. Lithurgie und Talmud waren seine Hauptarbeitsgebiete. Er gehörte der historisch-kritischen Richtung an, wenn auch sein Standpunkt in Lehre und Leben streng konservativ blieb. Seine zahlreichen Publikationen sind in verschiedenen Zeitschriften erschienen; er schrieb Holländisch, Deutsch und Hebräisch. Die halachisch-historischen und methodologischen Untersuchungen zum Talmud, die Wagenaar veröffentlichte, haben bleibenden Wert. Sein „Siddur" ist ein ganz vortreffliches, populäres und doch grundgelehrtes Werk, das in ganz Holland verbreitet ist. Die der Liebersetzung angefügten Noten sind eine Fundgrube zur geschichtlichen und sachlichen Erklärung der Gebetstücke. Er war ein ausgezeichneter Redner und Prediger und hat das Seminar im Geiste seines Vorgängers geleitet. Dieser Geist war ein origineller. Denn Dünner war ein Genie als Organisator, ein ganz gewaltiger Talmudist und ein wahrhaft großer Mensch gewesen. Er wird in den Niederlanden wie ein Heros verehrt. Auch Wagenaar ist nicht leicht zu ersetzen. Das Rabbinerseminar in Amsterdam erzieht jüdische Lehrer aller Grade vom Kindergarten bis zum Oberrabbinat; es ist mit einem Gymnasium verbunden und jeder diplomierte Rabbiner ist vollkommen ausgebildeter Volks-, Bürger-, Mittelschullehrer. So ist für das Judentum Hollands nach dieser Richtung vorgesorgt. Und doch ist es im Rückgange. Als ich im Vorjahre den nun verstorbenen Rektor Wagenaar in dem freundlichen Rektoratszimmer des Seminars besuchte, sprachen wir auch darüber. Der bereits schwache Greis klagte über Vieles. In dem einst als Hochburg konservativen Judentums geltenden Lande gibt es heute 30 bis 40 Prozent Mischehen. Besucht man die Synagogen am Sabbat, man würde das nicht für möglich halten. Denn überall sind sie stark besucht und die Gemeinde folgt dem Gottesdienste mit größtem Verständnis. Jeder versteht die Thoraverlesung. Denn alle sind in vollentwickelten Religions- und Talmud-Thoraschulen ausgebildet. Woher aber doch der Verfall? Er erklärt sich aus denselben Zeiterscheinungen wie bei uns; aber auch daraus, daß die Lehrer der jüdischen Gemeinschaft, in erster Reihe die Rabbiner, die Fühlung mit der Masse verloren haben, die nicht nur in der Synagoge die jüdische Erziehung sucht und findet, weil, wie in den meisten Fällen, die altmodische Predigt oder die homiletisch vollendete schöne Rede die Kanzel beherrscht, für welche diese Gegenwartsmenschen kein rechtes Verständnis mehr haben. Es zeigt sich aber auch in Holland darin Wandel. Wagenaar gehörte der altklassischen Schule an; aber ein Teil seiner besten Schüler geht schon andere, bessere _Wege, ohne von Ueberlieferung und Thoratreue auch nur im geringsten abzuweichen. Dr. David Feuchtwang. 60. Geburtstag, Frau Dr. Regina Pick, die Gattin des Präsidenten der Wiener Kultusgemeinde, Herrn Prof. Dr. Alois Pick, feiert am 19. d. M. ihren 60. Geburtstag. Dieser Festtag wird sicherlich von zahlreichen Verehrern der hervorragenden Persönlichkeit dieser edlen Dame mit Freuden zum Anlasse genommen werden, um ihr den Dank für ihre schon im Weltkriege dokumentierte humanitäre Tätigkeit abzustatten. Unendlich groß sind die Verdienste, die sich Frau Dr. Regine Pick, die würdige Gattin des ebenfalls sehr sozial denkenden und handelnden Kultuspräsidenten, auf dem weiten Gebiete echt jüdischer Wohltätigkeit erworben hat. Namentlich ihre Wirksamkeit als Präsidentin des Merores-Waisenhauses ist eine ungemein bewundernswerte, unermüdlich ist sie für diese schöne Anstalt ersprießlich tätig und die Zöglinge derselben verehren in ihr mit vollem Recht eine wahre Mutter. Den gewiß zahlreichen Gratulationen schließt sich auch die Redaktion dieses Blattes aufs herzlichste an.. Verlobung. Kürzlich fand im. engen Verwandterikreis die Verlobung des Fräulein Helene Baumgarten, Tochter des Herrn Rabbiner wahrend des Sommeranlent Haltes Ihrer rran erhalten sie Vorzug. Mittago. Aftenflflsm streng itPD zn bürgerlichen Preisen II., Praterstraße Nr. 33 (Neben dem Carl-Theater) EISEN & HÖNIGSBER SELCH WA REN FABRIKANTEN Neu eröffnet — Streng »AD ISCHL Familien-Pension ersten Ranges, Bäder im Haus, Großer schattiger Garten. Vorzügliches Restaurant, auch Diätküche Mäßige Preise — Kulante Bedienung Pension Jupiter Lindaustraße Nr. 18 Tel. 160/IV. Pächter: D. LeDOWHS Schwesterhans Pension Stern. Abbazn eU M. — - SEEBAD GR ADO Pension Granglas, Villa Marin Titn* Heu eröffnet Schöne Lage / Vorzügliche Küche / Mäßige Preise / Nächste Nähe des Strandes. Referenzen hezüglich Kaschruth erteilen die Ehrw. Oberrabbiner T3K ISID BT"OK "1 ITH -bwina tkö n rnni »pw •mrm brrpi «qpb 'iän& br\pi T3» ■ ■ ■ ■ s ■ ■ I ■ s I I ^■■■■■■■«■■■■■■■l Josef Baumgarten, mit Herrn Heinrich Kohlmann, dem ältesten Sohne der angesehenen Preßburger Familie Lazar Kohlmann statt. Wir gratulieren herzlichst. Der Jüdische Frauenverein Leopoldstadt veranstaltet seine sieb großer Beliebtheit erfreuenden geselligen Zusammenkünfte während der Sommermonate jeden Mittwoch abends im Garten des Cafe Kristall, L, Aspernplatz. so daß die geschätzten Gäste mit einem angenehmen Aufenthalt im Freien rechnen können. Goldene Hochzeit. Herr Rudolf Hacker feierte mit seiner Frau Ida, am 17. d. M., in alier Stille das seltene Fest der goldenen Hochzeit. 70. Geburtstag. Dieser Tage feierte Herr Adolf Taub seinen 70. Geburtstag. Seine sehr ersprießliche Tätigkeit in der Bezirkskommission VI/VII der Kultusgemeinde, als Obmann der Ortsgruppe Mariahilf/Neubau der „Union", als Präsident des „Verbandes jüdischer Kaufleute und Gewerbetreibender" und auch auf humanitärem Gebiete hat ihm in weitesten jüdischen Kreisen viele Freunde gewonnen, die dem Jubilar die herzlichsten Glückwünsche entbieten. Auch wir schließen uns diesen Gratulanten an. Vor kurzem beging Herr Kultusvorsteher Komm.-Rat Max Markus seinen 70. Geburtstag. Seit 40 Jahren im jüdischen Leben Wiens stehend, hat er, der der zionistischen Partei führend angehört und dieselbe auch im Kultusvorstand vertritt, sich durch seine rastlose Wirksamkeit für jüdische Interessen auch die Achtung der Gegner erworben. Herr Komm.-Rat Markus fungiert jetzt als Obmann der Versorgungshauskommission der Gemeinde sehr verdienstlich. Prediger Lion Wolff 85 Jahre alt. Am 13. d. M. vollendete der frühere Lehrer und Prediger Lion Wolff in geistiger und körperlicher Frische sein 85. Lebensjahr. Lion Wolff. der jetzt in Berlin lebt, entwickelte schon vor Jahrzehnten eine überaus fruchtbare Tätigkeit in der Bekämpfung der judenfeindlichen Bewegung. Im Jahre 1874 begann der populäre Schriftsteller Professor Albin Stolze in Freiburg i. B. in seinem verbreiteten Kalender „Für Zeit und Ewigkeit" eine gewaltige Judennetze. Zu dieser Zeit schrieb Lion Wolff sein Erstlingswerk „Handel. Schacher und Wucher der Juden", das in wenigen Wochen fünf Auflagen erlebte und selbst am Großherzoglichen Hofe damals starke Beachtung fand. Im Jahre 1892 kämpfte Lion Wolff im Verein mit Eugen Richter erfolgreich gegen einen ehemaligen Theologen Schwennhagen. Fast lebensgefährlich war die Berichterstattung in der „Konitzer Ritualmordaffäre" im Jahre 1900. die Lion Wolff für sämtliche jüdischen und politischen Zeitungen übernommen hatte. Lion Wolfis zahlreiche Werke sprechen von seiner Lebensarbeit und haben den Autor weit über die Grenzen Deutschlands bekannt und beliebt gemacht. Wir wünschen ihm, dem treuen Mitarbeiter der „Wahrheit" einen gesegneten Lebensabend. Todesfall. Am 11. Juni verschied nach langem schweren Leiden Frau Anna Fischer, geb. H o f f e r. Gattin des Herrn Samuel Fischer, Vizepräsidenten des Vereines zur Ausspeisung armer israelitischer Schulkinder und Vorstandsmitgliedes des Vereines „Chewra Kadischa" für den 16. und 17. Bezirk. Die Verblichene, eine musterhafte Gattin und liebevolle Mutter, erfreute sich wegen ihrer vortrefflichen Eigenschaften allgemeiner Wertschätzung und kam diese auch in der großen Beteiligung beim Leichenbegängnisse zum Ausdrucke. Herr Rabbiner Dr. Bach hielt der Entschlafenen einen tiefempfundenen Nachruf. Todesfall. Samstag, den 14. d. M„ verschied nach kurzer Krankheit unser Kollege Fritz Gerstmann, Oberbeamter der Noe Stroß A.-G. Wir verlieren in dem Verblichenen einen aufrichtigen Freund, der stets hilfsbereit dastand, wo man seines Rates und seiner Tatkraft bedurfte, und werden unserem unvergeßlichen Kollegen ein stets ehrendes Andenken bewahren. Wien, 16. Juni 1930. Beamtenschaft der Noe Stroß A.-G. Gastvorträge in Subotlca. Wie das „Suboticaer Journal" meldet, haben die Gastvorträge des Herrn Oberkantors Ign. Trager anläßlich der Schewuaus-Festtage im Suboticaer großen Tempel allgemeinen Beifall gefunden. Das genannte Blatt rühmt die schöne lyrische Baritonstimme des Vortragenden, sowie seine auf hohem künstlerischen Niveau stehende Vortragsweise. Kriegerwaisenfonds der Agudas Jisroei. Die diesjährige ordentliche Generalversammlung findet Dienstag, den 1. Juli d. J., halb 7 Uhr abends, im Sitzungssaale der „Agudas Jisroei", IL, Leopoldsgasse 16. statt. (Siehe Ankündigung in der vorliegenden Nummer.) Der Kurverband „Agudas RipuJ" in Wien (Sitz: Cafe Nizza, 11., Heinestraße 2), bietet auch heuer in tileichenberg Unterkunft und Verpflegung an Kurbedürtige gegen Vergütung geringfügiger Regiespesen. Gesuche sind zu richten an Herrn Jakob Kofi er. Wien II., Rueppgasse 25, oder Michael Wolloch, Wien II., Große Sperlgasse 36. Ferienkolonie Vösiau. Der Humanitäisvcrein der westlichen Bezirke Wiens, eröffnet auch heuer, wie alliährlich, seine Ferienkolonie in Vösiau, Florastraße 15. Diesbezügliche Anmeldungen sind beim Präsidenten Karl Fröhlich, Wien. VI., Mollardgasse 85. Telephon Nr. B 29-1-65, und bei Frau Helene K a n i t z (Mensa judaica), Wien IX., Zimmermannplatz b. Telephon Nr. A 25-2-28, vorzunehmen. Organisation der jüdischen Angestellten in öffentlichen Diensten Oesterreichs. Am 20. Mai 1930 fand die 11. Hauptversammlung der genannten Organisation statt. Der Präsident, Herr Josef Pisek. erstattete den Jahresbericht. Auch heuer war der Verband in der Lage, in mehreren. Fällen Interventionen für Mitglieder durchzuführen. Mehrfacher Rat und Auskünfte wurden in beruflichen Angelegenheiten an Mitglieder erteilt. Einige soziale Einrichtungen wurden gefördert und Diskussionen über wissenschaftliche Themen abgeiührt. Die Anknüpfung von Beziehungen zu anderen jüdischen Verbänden ähnilcher Tendenz ist eingeleitet worden. Der Rechtsschutz ist in zwei Fällen in Anspruch genommen worden. Mehreren Mitgliedern konnten die angesuchten geldlichen Unterstützungen gewährt werden. Bei den Wahlen ins Präsidium und in den Ausschuß wurden berufen: zum Präsidenten Direktor Josef Pisek. zum Präsidenten-Stellvertreter Postdirektor Hugo Kulka, zum Schriftführer Bundesbahnoberinspektor Moriz Lechner. zum Kassier Oberoffizial Max Neuer, zu Ausschußmitgliedern Hofrat Dr. Oskar Max, Bundesbahninspektor Geza Brandeis. Oberoffizial Arnold f-rey. Postoberkontrollor Jakob Goldenberg, OberkontroHor Edmund Kinsbrunner, Bundesbahnassistent Samuel Rosen, Pos tobe roffizial Filip Schlatyner und Postdirektor Spiel mann. Der Sitz der Organisation befindet sich nunmehr im Klubzimmer des Cafe" Nord, II., Heinestraße 15. woselbst jeden ersten Dienstag im Monat ab 19 Uhr allfällige Vorsprache von Mitgliedern erfolgen kann. %tnt(icGe Verfautfarungen der Jsraefitiscßen XuftusgemeinöeWien Z. 3921 ex 1930. Kandmaciiiiii^ Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien gibt hiermit bekannt, daß die Privatistenprüfungen aus israeliischer Religion für Mittefschüler(innen) und Präparandinnen im II. Halbjahre des Schuljahres 1929/30. Dienstag, den 24. Juni 1930, von 3 bis 6 Uhr nachmittags, I-, Seitenstettengasse 2, II. Stock (Rabbinatskanzlei) durch Herrn Schulrat Prof. Dr. Heinrich Pollak vorgenommen werden. Die Prüfungstaxe beträgt 5 S pro Halbjahr und ist im vorhinein an der Kassa der israelitischen Kultusgemeinde Wien I., Seitenstettengasse 4, I. Stock, zwischen 9 und 12 Uhr vormittags, zu entrichten. Die Quittung ist dem Examinator vorzulegen. Wien, den 13. .Juni 1930. Der Vorstand der israelitischen Kulrusgemeinde Wien.

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