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Die Wahrheit · 1930-05-02 · Heft 18 (2.5.1930) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1930
Issue
Heft 18 (2.5.1930)
Date
1930-05-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seite T VonWodke %u Wothe Ein Jude Generalgouverneur von Australien. Die Jüdische Telegraphen-Agentur wußte vor •einiger Zeit zu melden, daß zum Generalgouverneur von Australien, dem höchsten Amte des australischen Staatenbundes, der jetzige Chef des Justizwesens von Australien, Sir isaac Isaacs, ein Jude, ausersehen sei. Wie nun den „Times" und den übrigen Londoner Blättern von prominenter Seite mitgeteilt wird, ist nunmehr Sir Isaac Isaacs der Pesten des Generalgouverneurs von Australien offiziell angeboten worden. Sir Isaac Isaacs hat eine Antwort, ob er dieses höchste Amt annehme, noch nicht erteilt. Sollte er sich für die Annahme dieses Postens entscheiden, so wird er der erste Australier sein, der das" Amt eines Generalgouverneurs seiner Heimat, das bisher nur von geborenen Engländern ausgeübt wurde, bekleiden wird. Reduzierte Einwanderung nach den Vereinigten Staaten. Der Senat des Kongresses der Vereintsten Staaten hat soeben mit 39 gegen 34 Stimmen, einen Zusatzantrag zur EinwanderungsbÜI angenommen, demgemäß die seit 1. Juli 1929 geltende Einwandere rquote reduziert wird in den Weise, daß <tie allgemeine Zahl von 150.000 Einwanderern jährlich auf 120.000 herabgesetzt wird, wobei die Einwanderung auf der Basis der Volkszählung von 1890 zu geschehen hat und der Prozentsatz der Einwanderer aus jedem einzelnen Lande von 2 auf VA Prozent däeses Zensus zu reduzieren ist. Einen Vorteil aus dieser neuen Ordnung würden däe skandinavischen Länder und Deutschland ziehen, deren Zensus im Jahre 1890 ein hoher war, während bei Annahme dieses Zusatzanftnages die Einwanderung aus den osteuropäischen Ländern stark reduziert wieirden würde, da 1890 der Zensus aus diesen Ländern, aus dienen die Einwanderung nach Amerika erst in einer spätesten Periode eingesetzt hat, ein geringer war. Der Beschluß des Senates ist nicht endgültig, da die Bill in ihrer Gesamtheit noch einmal dam Senat wie dem Repräsentantenhaus des Kongresses zur Abstimmung vorgelegt werden muß. Ein Antrag, die gesamte Einwanderung in die Vereinigten Staaten tur drei Jahre zu vöroi/eten, wurde vom Senat abgelehnt. Ein jüdischer Journalist amerikanischer Gesandter in Albanien. Der Präsident der Vereinigten Staaten. Herbert Iioover, hat dem bekannten jüdischen Journalisten Hermann Bernstein den Posten eines amerikanischen Gesandten in Albanien übertragen; Bernstein hat sich bereits zum Antritt seines Postens nach Tirana, der Hauptstadt Albaniens, begeben. Hermann Bernstein ist einer der führenden jüdischen Journalisten Amerikas und genießt in der allgemeinen journalistischen und diplomatischen- Welt, auch außerhalb Amerikas. Ansehen. Ain 21.. September 1876 in Neustadt-Schrewindt in Rußland IliUlllllillllllllllllllllllllllllllllUIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII pttfiilM V inraranimiiiniimiiiiniiiiiiiiiiiiiii Wien I., Seitenstettengasse 2, Tel. U 28-1-28 XI., Zentralfriedhof, ubu itm I. tir, Tel. ü 18-0-85 nggienisches Kdnfösltcht liUiiiilÜiüpiiljiB^ii Seit vielen Jahren das anerkannt beste irzii oa^-naw Man achte auf die ges. gasen. Marke ••Hyglen. Könlgsllcht" und Name Schute Fabrik und Büro: Wien XIV., Braunhirschengasse 3 Telephon R 33-1-37 Den allgemeinen Wünschen des konsumierenden Publikums Rechnung tragend, wird unter der Bezeichnung „Hygienisches Königslicht" Nummer 2 ein kleines Jahrzeitlicht in den Verkehr gebracht, das garantiert 24 Stunden brennt und sich im Preise bedeutend billiger als das bisherige Nr. 1 stellt Semmering ♦ Neben Südbahnhotel ist ein herrliches Zimmer mit Bad, Telephon, bei vornehmer jüdischer Familie zu vermieten. Geeignet auch für Kind ohne Begleitung, da ein achtjähriges Kind mit Lehrerin Im Hause. Zuschriften unter „Semmering" an die Expedition d Bl. geboren, studierte er an Universitäten Europas und Amerikas und widmete sich bereits in jungen Jahren der Journalistik. Er war Sonderkorrespondent der „New York Times ' in verschiedenen europäischen Ländern, 1913 wurde er Sekretär des American Jewish Committee. 1914 begründete er in New York die große jiddische Tageszeitung „The Day" (Der Tag), deren Chefredakteur er bis 1916 war. 1916 übernahm er die Leitung des „American Hebrew", 1917 wurde er Sonderkorrespondent des „New York Herald" in Rußland, von wo er spannende Schilderungen über die bolschewistische Revolution sandte. Er war es. der die Geheimkorrespendenz zwischen Wilhelm II. und Nikolaus IL, die mit „Willy"' und mit „Niky" unterschrieben war, veröffentlichte. 1919 ging er nach Paris und wohnte den Friedensverhandlungen bei. 1920 weilte er in Polen und beschrieb die dortigen Judenpogrome. Hermann Bernstein weilte auch mehrere Male in Deutschland und Oesterreich und trat hier mit.den maßgebenden politischen Faktoren und Führern des Judentums in Verbindung. Ueber seine Reisen in Europa veröffentlichte er eine Anzahl Bücher, die starke Verbreitung fanden, so u. a. Aufsätze und Interviews über seine Begegnungen mit verschiedenen Staatsmännern und geistigen Führern Europas und Amerikas. Er veröffentlichte auch einige Gedichtbücher, übersetzte Tolstoi. Tschechow, Gorki und Andrejew ins Englische. Er ist Autor einer Anzahl zum Teil erfolgreicher Theaterstücke. Personalaachrichten. Herrn Kultusvorsteher Med.-Rat Dr. Heinrich Haase wurde in Anbetracht semer vierzigjährigen Tätigkeit bei einer Krankenkassa der Titel eines Obermedizinal r a t e s verliehen. Solenne Juzeud-Sederfeier. Die an der Bibelschule des Tempelvereines „A e s c h e 1 - A w r o h o tnl' ÜL Pazmanitengasse 6) schon seit 15 Jahren eingeführte Sederfeier nahm auch in diesem Jahre einen würdigen Verlauf. Eine große Anzahl Knaben und Mädchen der Talmud-Thora- Schule fanden sich im großeiu Scnutsaäle ein. um das alte Freiheitsfest würdig zü begehen. Die Herren Obmann Oskar Schrämek. sowie die Vorsteher Dr. S. Beer und S. Leenmann begrüßten Kinder und Festgäste. Die Jugend beteiligte sich lebhaft am Rezitieren der Festgebete und Segenssprüche. Die Leiter der Schule, die Herren Dr. Baum garten und R u t z k i hatten mit besonderer Sorgfalt die Jugend vorbereitet und wahre Glückseligkeit leuchtete aus den Augen der Kleinen. Herr Prof. An tscherl legte die hohe Wichtigkeit dieser Freiheits- und Friedensfeier allen besonders ans Herz. Jedes Kind erhielt durch Herrn Obmann O. S c h r a m e k ein vom Professor Antscherl verfaßtes ..Gedenkblatt". Der Festsaal war mit dem Bilde des seligen Herrn Rabbiners Dr. S. Funk geschmückt, der beim Seder stets so warm gesprochen hat und der im Andenken der Kleinen und Großen fortlebt. Israelitisches Kur-Bosplta!, rranzensöad. In das der israelitischen Kultusgemeinde in Franzensbad gehörige Hospital werden arme Israeliten, welche die Franzensbader Kur benötigen, für die bevorstehende Saison 1930 in einer der fünf Perioden für je 28 Tage aufgenommen. Die Bewerber haben ihre Gesuche nebst ärztlichem Zeugnis und genügend bescheinigtem Mittellosigkeitsnachweis an den Vorstand der gefertigten Kultusgemeinde ehestens einzusenden. Die Entscheidung über die eingelangten Gesuche erfolgt bis 15. Mai 1930. Die Wahl der Zeit, für welche die Aufnahme erfolgt, kann nur nach Möglichkeit berücksichtigt werden. Eine Aenderung des Termins kann nicht erfolgen, wer daher den Termin nicht einhält, wird der Aufnahme verlustig. Eine eventuelle Aufnahme in das israelitische Kur-Hospital erfolgt gegen vorherige Entrichtung eines Regiebeitrages von Kc 750.—. Dafür erhält der Aufgenommene unentgeltlich folgende Begünstigungen durch 28 Tage: Wohnung im Kur-Hospital, entsprechende Verköstigung (Frühstück, Mittag- und Abendessen) und ärztliche Behandlung. Außerdem Ermäßigungen auf die Bäderpreise und Kurtaxe. Von ein und derselben Familie kann stets nur eine Person aufgenommen werden. Ein Gesuch, welches sich auf eine Begleitperson bezieht, müßte daher unberücksichtigt bleiben. Die Ankunft und Abreise hat stets genau nach dem Aufnahmeschein zu erfolgen. Bei Vergebung der Plätze werden Bewerber derjenigen Gemeinden so weit als möglich berücksichtigt, die dem Hospital angemessene Spenden oder Subventionen zuwenden. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde in Franzensbad, gez. Ernst Herrmann. Vorsteher Gustav Planer, ein in den weitesten Kreisen geschätzter und) angesehener Leopoldstädter Kaufmann, Mitglied des Bethausvorstandes 1/11 und der Bezirkskommission II der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, feierte in diesen Tagen das Fest seines 75. Geburtstages. Gustav Planer, der sich durch sein jahrzehntelanges charitatives Wirken, ganz besonders im Verein zur Unterstützung alter Männer, großer Beliebtheit erfreut, begeht seinen Geburtstag in voller körperlicher und geistiger Frische. Aus diesem Anlaß sind ihm zahlreiche Gratulationen zugekommen. Auch wir gratulieren herzlichst. Oberkantor David Müller wurde vom Vorstande der Somborer neologen Kultusgemeinde — infolge eines Hörfehlers bei der telephonischen Benachrichtigung war letzthin der ßertifungsort falsch angegeben — einstimmig zum Oberkantor gewählt und wird seinen Posten in Bälde antreten. Mazzoth-Verteilung. Wir hatten anläßlich der Pesachfeiertage Gelegenheit, bei der Firma Nathan Brodetzky, Lebensmittelmagazin, IL, Leopoldsgasse 43, die Verteilung von Mazzoth auf Grund von Anweisungen der Kultusgemeinde, Tempel- und Wohltätigkeitsvereine, bzw. privater Seite zu beobachten, und konstatierten, daß die Ausfolgung in überaus vornehmer Weise vor sich gegangen ist. Jeder Wunsch der Parteien wurde erfüllt und so manche Bitte, die über die Anweisungen hinausging, wurde von dem Firmeninhaber Herrn Nathan B r od e t z k y, der die Verteilung selbst vornahm, gerne berücksichtigt. TlmtlictjQ VerfautÖarungen der Jsraefitisdjen TCuftusgemdnbeWien Zahl 1286 ex 1930. Stipendien für Krankenschwestern-Elevinnen. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien hat beschlossen, an jüdische die österreichische Staatsbürgerschaft besitzende Frequentantinnen der Krankenpflegeschule der Oesterreichischen Gesellschaft vom Roten Kreuze zwei Stipendien im Betrage von je S 1200.— während des ersten Lehrjahres und von je S 600.— während des zweiten und dritten Lehrjahres und drei Stipendien im Betrage von je S 600.— während des ersten Lehrjahres und drei Stipendien im Betrage von je S 300.— während des zweiten und dritten Lehrjahres zur Verleihung zu bringen. Die Frequentantinnen erhalten während der ganzen Ausbildungszeit, das ist in den Monaten Oktober bis einschließlich Juni eines jeden der drei Lehrjahre freie Station in der Krankenpflegeschule. In den Ferialmonaten Juli, August und September müssen die Frequentantinnen für ihre Unterkunft und Verpflegung selbst sorgen. Der Bezug des Stipendiums durch die ganze Ausbildungszeit wird von den durch die vorschriftsmäßigen Prüfungen nachzuweisenden guten Lernerfolgen abhängig gemacht. Die mit einem Stipendium Bedachten haben sich zu verpflichten, als Pflegeschwestern im Spitale oder in der Versorgungsanstalt der israelitischen Kultusgemeinde durch mindestens drei Jahre tätig zu sein. Die israelitische Kultusgemeinde Wien wird sich unter noch näher bekanntzugebenden Bedingungen verpflichten, den mit einem Stipendium Bedachten, die den Gesamtbezug des ihnen verliehenen Stipendiums übersteigenden Ausbildungskosten in der Krankenpflegeschule der österreichischen Gesellschaft vom Roten Kreuze m dem Falle rückzuersetzen, daß die Stipendistinnen tatsächlich eine dreijährige Dienstzeit als Pflegeschwestern im Spftale oder in der Versorgungsanstalt der israelitischen Kultusgemeinde zurücklegen. Bewerberinnen wollen ihre mit den Personaldokumenten und der Bestätigung, daß sie um die Aufnahme in die Krankenpflegeschule der Oesterreiebischen Gesellschaft vom Roten Kreuze angesucht haben, versehenen Gesuche bis spätestens 30. Mai 1930 in der Amtsdirektion der israelitischen Kultttsgemefnde, Wien I., Seitenstettengasse 4, III. Stock, einbringen. Daselbst sind die Aufnahmsbedingungen der oberwähnten Krankenpflegeschule unentgeltlich erhältlich. Wien, 22. April 1930. Der Vorstand der israeliischen Kultusgemeinde Wien.

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