Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 4 (24.1.1930)
- Date
- 1930-01-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- Slonim 2× ep/1000502
- Haifa 1× ep/1047930
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Seite 6 LUE WAHRHEIT stellten führte. Die Kullusgeaneinde darf sicli nicht unterfangen, mit der reichen Gemeinde Wien einen Vergleich .aufzunehmen, die sofort .nach Bewilligung des vierzehnten -Monatsgehaltes diese: Mehrausgaben dadurch hereinbrachte, daß sie'die Preise für Elektrizität und Gas erhöhte. Wir sind natürlich nicht in der Lage, uns gleiche Kompensationen zu verschaffen, und haben daher mit den Angestellten Verhandlungen aufgenommen, die hoffentlich zu einein günstigen Resultat führen und auf jedci Fall es bewirken werden, daß der Beschluß des früheren Ku I tu svor Standes bezüglich d e r A u g 1 e i c h u n g außer Kraft gesetzt wird. Immert in ergeben die beiden genamitcn Komponenten vergrößerte Lasten für die Kultusgemeindc und es ist nur zu hoffen, daß keine weitere Erschütterung des Budgets eintreten wird. Reg.-Rat Dr. Hermann Oppenheim beschäftigte »ich schließlich noch mit der J e w i s h A g c n c y, deren Beschickung für uns als Nichtzionisten eine schwere Frage war. Wim haben diese Beschickung trotz unserer gegensätzlichen Einstellung für geboten angesehen, um die nationalen Auswüchse in der Jewisli Agency selbst zu bekämpfen. Wir haben, schloß der Redner unter stürmischen Beifall, auch im abgelaufenen Jahre alles getan, um die Kultusgemeinde auf ihrer so beachtlichen Höhe zu erhalten, und werden uns auch in Hinkunft dieser schönen Autgabe mit gleicher Kraft widmen. Dazu bedürfen wir der Unterstützung aller unserer Anhänger, damit wir in ihren Intentionen weiter wirken können. * Infolge Raummangels müssen wir die weiteren Referate, insbesondere das des Herrn Banrat Wilhelm K e m p I e r, der eine ausgezeichnete lüstorische Betrachtung des jüdischen Spitalswesens in Wien und eine Schilderung der hervorragenden Leistungen des heutigen Spitals der Gemeinde bot, in unserer nächsten Nummer nachtragen- Wahrheiten vom Ja&e Bürgermeister Seitz weiß nichts von einer antisemitische Strömung in der Österreichischen Sozialdemokratie. Der Wiener JTA - Vertreter hat vor kurzem an die drei hervorragendsten Führer der österreichischen Sozialdemokratie, den früheren Bundeskanzler Dr. Kari Renner, den Bürgermeister von Wien Karl Seitz und Dr. Otto Bauer, die Frage gerichtet, ob und wie weit die im Wiener „Sport-Montag" erschienenen Mitteilungen über eine starke antisemitische Strömung in der österreichischen sozialdemokratischen Partei, insbesondere in dem Wiener Arbeitersport-Verband, aus dessen Leitung sämtliche Juden, sogar konfessionslos gewordene, hinausgedrängt wurden, auf Wahrheit beruhen. Die Antwort von Dr. Karl Renner, daß in der österreichischen Sozialdemokratie keine antisemitischen Tendenzen wirksam seien, wurde von uns bereits mitgeteilt. Soeben langte das Antwortschreiben des Bürgermeisters Seitz, der Vorsitzender der sozialdemokratischen Partei Oesterreichs ist ein. Bürgermeister Seitz erklärte, dafJ alle Nachrichten über Antisemitismus im Wiener Arbeitersport und in anderen sozialdemokratischen Vereinigungen sinnlose Gerüchte seien; er habe, obwohl er sich speziell um diesbezügliche Informationen bemüht hat, nichts in Erfahrung bringen können, was diese Gerüchte bestätigt hätte. Im allgemeinen, heißt es in dem Schreiben weiter, ist es ja auch den Laien bekannt, daß Sozialismus und Antisemitismus miteinander unvereinbar sind. Es ist auffallend, daß Dr. Otto Bauer, der einzige Jude unter den Befragten, es bis jetzt unterlassen hat, sich über die Mitteilungen betreffend antisemitische Strömungen in der österreichischen Sozialdemokratie zu äußern. Eine Kommission des Völkerbundes zur Lösung der Klagemauerfrage. Der Völkerbundrat hat in seiner Sitzung vom 14. Jänner den Beschluß gefaßt, gemäß dem Vorschlag der Mandatarmacht Palästinas eine spezielle Kommissio n einzusetze n, diedierec h tliche Seite des Klagemauerstreites zwischen Juden und Arabern in Jerusalem untersuchen und die Rechte der beiden Parteien endgültig festlegen soll. Die Kommission soll aus drei Personen bestehen, die alle Nichten gl ander sein sollen und von denen mindestens einer über juristische Kenntnisse zu verfügen hätte. Die Kommission hat sich mit nichts anderem zu befassen, als mit dem arabisch-jüdischen Klagemauerfall und muß sich, nachdem sie eine Entscheidung hierüber getroffen hat, auflösen. Die allgemeine Regelung der Frage der heiligen Stätten soll davon unberührt bleiben. Die Wahl der drei Kommissionsmitglieder untersteht der Genehmigung durch den Völkerbundrat, der eventuell vom Ratspräsidenten auf dem Zirkularweg eingeholt werden soll. In der Entschließung des Völkerbundrates wird gesagt, daß der Rat. der Mandatarmacht Englands die Tragung ihrer Verantwortlichkeit, für die materiellen und moralischen Rechte der Bewohner des Mandatslandes zu sorgen, möglichst erleichtern wolle. Der Minister des Addieren der englischen Regierung, Arthur Henderson, sprach sämtlichen Ratsinitgliedern für diesen Beschluß, dem weittragende Bedeutung zukommt, den Dank seiner Regierung aus. Der Unterstaatssekretär des Auswärtigen Amtes Großbritanniens, Dr. Hugh Dal ton, der' an der Seite des Außenministers Henderson England bei den Völkerbundberatungen in Genf vertrat und nach fiendersous Abreise als der Hauptvertreter Englands in Gehf verblieben ist, erklärte in einem Gespräch mit dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur: Die britische Regierung wird bestrebt sein, ihren Vorschlag hinsichtlich der Zusammensetzung der Dreier-Kommission zur Entscheidung in der Klagemauer-Angelegenheit so rasch als nur möglich dem Völkerbund zu unterbreiten. Die britische Regierung sieht die Notwendigkeit schnellen Handelns in dieser Sache ein. Wie die ..ITA" erfährt, hat der Beschluß des Völkenbundrates, eine besondere Klagcmauorkommission einzusetzen, bei den Mitgliedern der Shaw-Kommission Genugtuung hervorgerufen. Die Shaw-Kommission hat die schnelle Einsetzung einer derartigen Kommission zur Klarstellung den Rechtsfrage in der Klagemauerangelegenheit als eines der Mittel gefordert, um der WiederiioJung weiterer Unruhen in Palästina vorzubeugen. Die britische Regierung habe jetzt die drei Mitglieder den Kommission zu nominieren und dem Völkerbündsrat vorzuschlagen. Der K'lagemauer-Kommissioni wird im wehem Maße das von der Shaw-Kommission gesammelte Material zur Frage der Klagemauer zur Verfügung stehen. Man regt an, die Klagemauer-Kommission möge, wenn sie durch ihre Untersuchung der, Klagemauerfrage Erfahrungen gesammelt haben wird, zu einer späteren Zeit vom Völkerbundsrat ermächtigt werden, ihren Aufgabenkreis und vielleicht auch ihre; Zusammensetzung zu erweitern, um ihre Tätigkeit auch auf Fragen anderer Heiliger Stätten in Palästina, christlicher, jüdischer und mohammedanischer, zu erstrecken und so die in Artikel 14 des P.ilästinamandates vorgesehenen Funktionen zu erfüllen. Die Shawkommission und mit ihr die britische Regierung ist der Meinung, daß die Kdagemau erfrage jetzt ein fiüiP alienial erledigt werden müsse. Es ist im Interesse des Friedens und der Ordnung in Palästina gelegen, diese Frage aus der Sphäre jedes möglichen. Konfliktes herauszuheben', insbesondere weil es klar zu sein scheint, daß die religiöse Frage bei den Streitigkeiten in Palästina in weitem Maße als Vorwand benutzt wird, während1 in Wahrheit politische Motive dem Streit zugrunde liegen. Der Präsident des VöTkerbundrates und Minister des Aeußern der polnischen Regierung Z a 1 e s k i empfing die Vertreter der arabischen syrisch-palästinensischen Delegation Emir Arslan und Ibsan El Djabri. die ihm den arabischen Standpunkt bezüglich dem Klagcmauer-Angelegenheit dargelegt haben. Zaleski gab der Delegation die Versicherung, daß die gemäß Beschluß des Völkerbundsrates zu schaffende Kommission ihre Entscheidung absolut unparteiisch treffen wird und daß die Araber ihr volles Vertrauen entgegenbringen mögen. Wird Hebron nicht mehr aufgebaut? Im Jerusalemer Misrachiorgan „H a t o r" ist ein offener Brief des Rabbiners der Aschkenasimgemeinde zu Hebron, Rabbi Jakob Josef Slonim, an die zionistische Leitung und das zentrale Hilfskomitee veröffentlicht. Nach Schilderung der Katastrophe in Hebron und der schweren Leiden der dortigen Bevölkerung nach den Unruhen — die jüdische Gesamtbevölkerung von Hebron, deren Zahl vor den Unruhen mehr als 500 betrug, besteht bekanntlich gegenwärtig aus 15 Arbeitern und einem jüdischen Polizisten — richtet Rabbi Slonim die klare Frage an die zionistische Leitung und das Hilfskomitee: „Gedenkt Ihr für das so schwer betroffene Hebron überhaupt etwas zu tun? Beabsichtigt Ihr das zerstörte Hebron wieder aufzubauen oder glaubt Ihr vielmehr, dieser Wiederaufbau sei lediglich Sache Ungarische Mastgänse S 3*20 Mährische Lebergänse „ 3*40 Ganstett kg „ 4-— Geräucherter Gansbügel per Stück S 3*— „ Gansbrust ,, „ „ T— Stadtu. Provinzversand pr. Tel. A14-4-87 Karl Faludi, XIX., Döbl. Hauptstraße 88 bv GROSSFLEISCHHAUEREI SIEGM, KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., WAHRINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17 3-99 and A 16-9-34 Lieferant fUr Hallanstalten AbteilungemürKoscherfleisch unter Aufsicht des ehrw. Rabbinates der Isr. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich T*wma -Qualität zu den billigsten Marktpreisen derer, die Hebron zerstört haben?" Diese offene Frage, die in sämtlichen Zeitungen Palästinas zur Veröffentlichung kam, wird im genannten Misrach'iblatte mit einem Kommentar versehen, der an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt. Hebron sei neben Jerusalem der älteste und heiligste Kernpunkt des alten Jischuw. Seine jüdischen Einwohner haben in einer Aera von 900 Jahren allen Leiden und Prüfungen heldenhaften Widerstand geboten. Nun mußte im Zeitalter des Mandates, da Palästina angeblich unter dem Schutze der größten europäischen Macht stellt, die gesamte Bevölkerung die heilige Stadt räumen. Lange Monate vergingen, und keiner rührt einen Finger, die Regierung nicht, auch nicht die zionistischen Instanzen und am wenigsten das Hilfskomitee, um die Hebroniten zu ihrem Erbe zurückzuführen. Zu einer Zeit, da fortdauernd neue kostspielige Experimente für den Aufbau gemacht werden, ist keine Zeit, keine Kraft und kein Geld vorhanden, um die heiligste Stätte des alten Jischuw wieder aufzurichten, ihren Menschen wieder auf die Beine zu helfen. Alte Institutionen, in denen jüdisches Vermögen investiert ist, alte Heiligtümer, Gräberfelder, in denen heilige Märtyrer ruhen, sind schutzlos ihrem Schicksal überlassen. Wann wird die zionistische Organisation und das allgemeine Hilfskomitee diese Fragen und Klagen beantworten? Einseitige Unterstützungen. Nach einer Mitteilung der in Haifa erscheinenden arabischen Zeitung „ElKarme 1" hat das britische Rote Kreuz die in Palästina ansäßige Engländerin Miß Newton beauftragt, an die durch die Safeder Unruhen geschädigten Araber Unterstützungshilfe zu verteilen. Wiener jüdische Studentenstatistik. Laut amtlicher Statistik der Wiener Universität waren im ersten Semester 1929 auf 9464 allgemeine Studenten 2039 Juden als ordentliche Hörer inskribiert; dazu kommen 94 Juden, die als außerordentliche Hörer eingetragen waren. An den anderen Hochschulen Wiens (Technik, Welthandelshochschule, Hochschule für Bodenkultur und Kunstakademien) betrug die Zahl der jüdischen Hörer im gleichen Semester rund 1100. Gegenüber dem letzten Semester 1928 hat sich die Zahl der jüdischen Studenten in Wien verringert. Schändung eines jüdischen Friedhofes in Litauen. Der jüdische Friedhof des Städtchens Traschk u n, Kreis Poniewesch, ist von bekannten Huligaiis des Ortes geschändet worden. 19 Grabsteine wurden umgeworfen und zertrümmert, sodann die Gräber beschmutzt. Die iüdische Bevölkerung ist durch die Untätigkeit der Polizei, die die Schuldigen kennt, aber nichts gegen sie unternimmt, sehr erbittert. Erst iüdische Fakultät, dann antireligiöse Propaganda. Das weißrussische Erziehungskommissariat hat beschlossen, die Fakultät für semitische und hebräische Literatur an der Minsker Universität aufzulösen und an ihre Stelle eine Fakultät für antireligiös« Propaganda zu setzen.