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Die Wahrheit · 1926-12-17 · Heft 52 (17.12.1926) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 52 (17.12.1926)
Date
1926-12-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Oes!errelc&lsc&e WocfiensdulH Iflr t&dtafte Interessen illf dem BelMafl: YerOttenffldiiinften der ..Union denfscbösferrel&isaer Joden" Redaktion und A&mInistratton: Wte» Ml.. WBdin^atwmmtim - F«r«inf 42-2-18 XL1I. Jahrgang Wien, 17. Dezember 1926 Nummer 52 Rückblick und Ausblick. Mit der vorliegenden Nummer 52, der letzten in diesem Kalenderjahre erscheinenden Ausgabe unseres Blattes,-schließt „Die Wahrheit" ihren 42. Jahrgang, um am 1. Jänner 1927 infolge technischer Umgestaltung unserer Wochenschrift in neuer Form zu erscheinen. Wir wollen diese Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, ohne uns mit einigen Worten an unsere Leser sowie an alle Freunde unseres Blattes in Nah und Fern, im In- und Auslande zu wenden. Ein Jahr der Arbeit und des Kampfes für die Interessen des Judentums, denen zu dienen nach wie vor der oberste Leitsatz unseres Blattes sein wird, ist vorüber, ein Jahr schwerer wirtschaftlicher und sozialer Krisen, unter denen die jüdische Bevölkerung und mit ihr unser Blatt besonders schwer zu leiden hatte, liegt hinter uns und an der Schwelle des Kalenderjahres stellt sich so mancher die bange Frage: Was wird die Zukunft bringen? In wirtschaftlicher Hinsicht wird sich binnen kurzem entscheiden müssen, ob die R epublik Oesterreich nach der Beendigung der staatsfinanziellen Sanierung imstande ist, die Sanierung ihrer darniederlieg e n den Wirtschaft aus eigenen Mitteln durchzuführen, ob sie die Kraft besitzt, sich als a k t i v e r Faktor in die Wirtschaft einzugliedern, oder ob sie als passiver Bestandteil dieser Wirtschaft zur Verdorrung und Verkümmerung bestimmt ist. Welche Bedeutung diese Frage für das österreichische Judentum besitzt, das im Wirtschaftsleben unserer Republik eine so hervorragende Rolle spielt und mit diesem auf Gedeih und Verderb verbunden ist, braucht nicht gesagt zu werden. Auch in politischer Beziehung dürften im nächsten Jahre wichtige Entscheidungen fallen, Entscheidungen, die für uns Juden von größter Bedeutung sein werden. Werden die Wahlen, die im nächsten Jahre stattfinden, eine Reinigung des. politischen Lebens unserer Republik herbeiführen oder wird die österreichische Politik noch tiefer in den Sumpf der Korruption versinken? Wird das freisinnige Bürgertum endlich aus seinem Dornröschenschlaf erwachen, um selbsttätig sein Schicksal und das unseres Staates in einem seiner Bedeutung entsprechenden Ausmaße zu bestimmen oder wird es weiter der Demagogie und politischen Entrechtung durch die auf Klassen-, Rassen- und Konfes s i o n s h a ß aufgebauten Parteien ausgeliefert bleiben? Die österreichische Judenschaft kann es sich nicht mehr leisten, die Hände im Schöße liegen zu lassen, wenn Entscheidungen fallen, die für sie von weittragendster Bedeutung sind, sie kann nicht untätig zusehen, wenn die politischen Kämpfe aller Parteien aut ihrem Rücken ausgetragen werden, sie darf aber auch nicht in sträflicher Verkennung der politischen Lage und ihrer eigenen Interessen denjenigen Politikern Gefolgschaft leisten, welche sie in den Abgrund einer nationalen Isolierung und politischen Exilierung führen wollen; ja es wäre geradezu politischer Selbstmord, wollte sie freiwillig auf die in schwerstem Kampfe erworbenen staatsbürgerlichen Rechte Verzicht leisten, um irgendeinem Phantom, einer gegenwärtig jeder realen Grundlage entbehrenden Idee nachzulaufen. Die österreichische Judenschaft muß wissen, auf wessen Seite sie in den kommenden schweren Kämpfen um die politische Macht in Oesterreich zu stehen verpflichtet ist, sie muß den Weg richtig erkennen, den sie zur Wahrung ihrer Interessen einzuschlagen hat. „Die Wahrheit" wird auch weiterhin der österreichischen Judenschait diesen Weg weisen. Im neuen Gewände, aber getragen von den alten Idealen, in vervollkommneterredaktioneller und technischer Ausgestaltung wird sie auch weiterhin allwöchentlich erscheinen und ihren Lesern in übersichtlicher Anordnung des Stoffes all das Material liefern, das zu ihrer politischen Orientierung notwendig ist. „Die Wahrheit" wird auch weiterhin den energischesten Kampf gegen den Antisemitismus führen, der heute fast überall, wo Juden wohnen, und besonders auch in unserem Staate wahre Orgien des Hasses und der Gemeinheit feiert. „Die Wahrheit" wird nach wie vor mit allen Kräften für die Ehre und das Recht des Judentums eintreten. Wo immer einer unserer Glaubensbrüder, wer immer es auch sein masr, um seines Judentums willen zu leiden hat, „Die Wahrheit" wird alles in ihrer Macht Stehende veranlassen, um ihm .zu helfen, ihn zu schützen und zu verteidigen. „Die Wahrheit" wird aber auch im Bewußtsein der ihr als jüdisches Blatt obliegenden; Pflichten den religiösen Fragen weiterhin das größte Augenmerk zuwenden und bestrebt sein, ihre Leser über alle jüdischen Gemeindeangelegenheiten und vor allem die der Wiender Kultusgemeinde eingehend zu informieren.

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