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Die Wahrheit · 1926-12-10 · Heft 51 (10.12.1926) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 51 (10.12.1926)
Date
1926-12-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT OesferreteBlsdK WocfecnKkrttl ifir |MHs<h€ Interessen UM «cm Beiblatt; YerlHleiiffldnuiiteD dar „Colon deofcctoösteiTeldilsdier Joden" Redaktton und Adminirtrattont WM«5» O-, WBMMMäMAmimMlm »3. - TmxxA 42-2-1S XLII. Jahrgang Wien, 10. Dezember 1926 Nummer 51 | Zur Herbstzeit losgelassen . . Die „Wiener Morgenzeitung" hat seit jeher ein besonderes Faible für „Enthüllungen" über die bösen Asshnilanten durch Briefe, die diese geschrieben. Man erinnert sich noch einer ähnlichen „Entdeckung", die sie im Februar d. J. in Wien gemacht hat und die ihr eine Abfuhr von unserer Seite eintrug, welche sie in ohnmächtigem Stillschweigen ruhig einstecken mußte. Da demnach in Wien nicht mehr viel Lorbeeren auf diesem Gebiete zu pflücken sind, so sucht sie krampfhaft im Auslande nach Enthüllungsbriefen, die sie erreichen sollen, und endlich erlangte sie einen — aus Berlin, der an sich wirklich nicht geeignet ist, besonderes Aufsehen zu erregen. Doch was tut man nicht alles, um den verhaßten Assimilanten etwas am Zeug zu flicken? Eine fette Ueberschrift und das nötige Geschrei machen aus der harmlosesten Angelegenheit den gewünschten „Skandal". Unter der Ueberschrift „Die Herbstzeitlosen" besprach die „Wiener Morgenzeitung" in ihrem Leitartikel vom 25. November „ein liberales Denunziantenstück", das sie unter der letzteren vornehmen Ueberschrift an anderer Stelle der gleichen Nummer in Form eines Verhandlungsberichtes wohl sehr eingehend, aber weniger wahrheitsgetreu schilderte. Sie erging sich in beiden Artikeln in gehässigen Angriffen gegen den liberalen Vorsitzenden des Verbandstages des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, Justizrat Dr. Sonnenfeld und beschimpfte ihn in der gröblichsten Weise wegen eines Briefes, den er an den Preußischen Minister des Innern Grzes i n s k i (Severings Nachfolger) gerichtet hat und in dem. er um eine Rücksprache über die von den Liberalen aufgestellten Anfechtungsgründe der Berliner Repräsentantenwahlen bittet. Derartige Rücksprachen in den Ministerien sind von zionistischer Seite in der gleichen Angelegenheit wiederholt erfolgt. Justizrat Sonnenfeld hat in seinem Briefe den Minister zu erwägen gebeten, ob die Bearbeitung dieser Angelegenheit nicht zweckmäßig aus den Händen eines jüdischen Parteimannes, des Zionisten Ministerialdirektors Dr. B a d t, in die eines Unbeteiligten zu legen sei, da die Wahlproteste sich im wesentlichen gegen Maßnahmen der jüdischnationalen Volkspartei richten, und hat zu erreichen versucht, den Minister allein, also ohne Dr. Badt, zu sprechen. Der Brief ist bisher von keiner Seite im Wortlaute veröffentlicht worden, die Veröffentlichung dürfte wohl auch entsprechend den behördlichen Gepflogenheiten nicht möglich sein. Der Brief ist nur vom Herrn justizrat Sonnenfeld in vollem Ver-,j trauen HerrnDr.Badt in seiner amtlichen Eigenschaft zugegangen, die diesen wohl zum Stillschweigen verpflichtet. Kein Außenstehender weiß also Genaues über den Zweck des Briefes, nur die stets gut informierte „Wiener Morgenzeitung" vermag in dem Artikel „Die Herbstzeitlosen"' triumphierend zu melden: „Es war justizrat Sonnenfeld darum zu tun, aus der Besprechung den mit der Materie wohlvertrauten Beamten auszuschalten, und den ahnungslosen Minister zu übertölpeln.'* Diese Behauptung zeigt nach unseren Informationen von r keiner übermäßigen Kenntnis der tatsächlichen Verhältnisse. Herr Justizrat Sonnenfeld hat sich mit keinem Wort dagegen gewandt, daß der Bearbeiter der fraglichen Angelegenheit im Ministerium des Innern, ein liichtjüdischer Regierungsrat, an den Besprechungen teilnahm. Er hat aber den Leiter dieser Abteilung, Herrn Ministerialdirektor Dr. Badt, der ja ein prominenter Führer der Berliner Zionisten ist und bei den Wahlen zum preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden auf der Berliner Liste der zionistischen jüdischen Volkspartei, gegen die sich der Protest richtet, stand, für befangen erklärt. Unseres Erachtens hätte Herr Ministerialdirektor Dr. Badt das von sich aus tun müssen, so daß er — und nicht Justizrat Sonnenfeld — Schuld an dem jetzt entbrannten Streit trägt. Er hätte den Takt haben müssen, die Bearbeitung der Proteste gegen die Berliner Repräsentantenwahlen nichtselbst zu übernehmen. Mehrfach und an den verschiedensten Stellen waren schon vor dem Briefe von Justizrat Sonnenfeld Bedenken aufgetaucht, ob die Bearbeitung dieser Angelegenheit im Falle der Weitergabe an das Ministerium des Innern von Herrn Dr. Badt erfolgen sollte. Herr Dr. Badt hat in der Etatrede auf dem Verbandstag des preußischen Landesverbandes als Redner der jüdischnationalen Volkspartei zu den Gründen des liberalen Wahlprotestes Stellung genommen. Ist es wirklich a n g ä u g i g, daß Herr Dr. Badt heute alsRedner der jüdischen Volkspartei Gründe des Wahlprotestes ablehnt und morgen darüber im Namen des Ministeriums zu urteilen befugt ist? Im übrigen kann von einer Ahmmgslosigkeit des Ministers nur der völlig Uneingeweihte reden. Der jetzige Innenminister Grzesinski ist bis zum Abgang Severings Berliner Polizeipräsident gewesen. Nach den Bestimmungen des noch gültigen preußischen Judengesetzes von 1847 und nach den Bestimmungen des Statuts der Berliner Jüdischen Gemeinde haben Wahlproteste zunächst an den Polizeipräsidenten zu gehen. Dem jetzigen Innenminister ist die ganze Angelegenheit also aus seiner .Tätigkeit als Berliner Polizeipräsident auf das ge- . Häue4E&;i)ekannt. Er hat bereits in seiner früheren

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