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Die Wahrheit · 1926-10-15 · Heft 43 (15.10.1926) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 43 (15.10.1926)
Date
1926-10-15
Page
– (sequence 14)
Language
German
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J""' Seite 12 DIE WAHRHEIT Nr. 43 Predigt. Freitag, den 15. Oktober, 5 Uhr 15 Minuten, findet im großen Leopoldstädter Tempel eine Predigt Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. Max Grupwa 1 d statt. Kundmachung. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien bringt hiermit zur Kenntnis, daß der Unterricht an der Bibel schule des jüdischen Elternbundes im 2. Bezirk, Tempelgasse 3, am Sonntag, den iO. Oktober d. J. begonnen hat Die Einschreibungen für Schüler und Schülerinnen der Volks-, Bürger- und Mittelschulen werden bis auf weiteres im Monate Oktober 1926 an Sonntagen von 9 bis 12 Uhr vormittags und an Dienstagen von 3 bis 5 Uhr nachmittags in der Schule daselbst vorgenommen. Israelitischer Frauen-Wohltätigkeits-Verein für den 16. und 17. Bezirk in Wien. Sitz: XVI., Hubergasse 8. Dieser seit 27 Jahren segensreich wirkende Verein hat zur Linderung der Not von Witwen. Wöchnerinnen und Waisen im letzten Jahre eine große Summe verteilt, steht aber jetzt mit leeren Kassen der Verzweiflung seiner Schutzbefohlenen gegenüber. Zur Erreichung seiner Zwecke veranstaltet darum der Verein am Samstag, den 23. Oktober d. J. in den Olympia-Sälen, I., Rotgasse 5, einen Wohltätigkeits-Rout mit Tanz unter Leitung einer erstklassigen Kapelle und bittet durch freundliche Teftiahme die hehren Ziele des Vereines zu fördern. Eintrittskarten sind bei der Präsidentin Frau Dr. Adele Bach und allen Vorstandsdamen erhältlich. Dreißigjähriges . Amtsiubiläum. Donnerstag, den 7. Oktober fand anläßlich des dreißigjährigen Amtsjubiläums der drei Beamten der Kultusgemeinde Amtsleiter Rudolf Krau s, Rechnungsdirektor Josef Peterselka und Häuser- und Materialverwalter Max Popper im Festsaale des Hotel Guth ein Festabend statt. Amtsdirektor Guido Fuchsgelb hielt an die drei Jubiläre eine geistvolle, mit großem Beifall aufgenommene Ansprache, in welcher er ihr treues und unermüdliches Wirken im Dienste der Gemeinde hervorhob, worauf den Jubilaren künstlerisch ausgeführte Adressen und Ehrengeschenke der Kollegenschaft überreicht wurden. Diese dankten gerührt für alle ihnen dargebrachten Ehrungen. Herr Jacques Rotter, Besitzer der Opernbar, gab, begleitet von Herrn Ing. Anton Zilzer, humoristische und ernste Vorträge zum Besten, die Herren Max Blau von der Staatsoper und" Liedersänger S. Gärtner gaben Proben ihres hervorragenden Könnens. Um den gelungenen Abend haben sich die Herren Amtsleiter Julius Rosenfeld und Verwalter Max Schwager sehr verdient gemacht. Trauungen. Sonntag, den 10. d. M., ViZ Uhr nachmittags, fand im Stadttempei die Trauung des Fräulein Lisi Aue r«»» bach, Tochter des in weiten Kreisen bekannten. Rechtsanwaltes Dr. Josef Auerbach, Obmann des Bethausvereines Wien HL, mit Herrn Hans Baruch, des bekannten Hoteliers in Marienbad unter großer Beteiligung statt. Unter den Anwesenden bemerkte man u. a.: Präsidenten Prof. Alois Pick, Vizepräsidenten Dr. Jakob Ornstein der Kultusgemeinde, die Vizepräsidenten des Vereines Kurfürsorge Frau Dr. Regine K r i s, zahlreiche Deputationen von Vereinen. Den Trauungsakt vollzogen Rabbiner Dr. Armin Abel es und Oberkantor Mathias. Herr Dr. Josef Auerbach hat aus Anlaß der Hochzeit seiner Tochter namhafte Beträge für verschiedene wohltätige Zwecke gespendet, Sonntag, den 10. d. M. fand im Pazmanitentempel die Trauung des Frl. Anny G r ü n h u t, Tochter des Herrn Direktor Moritz G r ü n h u t und seiner Gattin Antonie, mit Herrn Architekt Otto Reiser, Sohn des Herrn Architekt Ignaz Reiser und seiner Gattin Sophie, geb. Lustig, statt. Der prächtig mit Blumen und Blattpflanzen dekorierte und im Lichterglanz erstrahlende Tempel, der bis auf das letzte Plätzchen gefüllt.war, machte einen wahrhaft imposanten Eindruck. Unter Führung seines Obmannes Oskar S c h*r a m e k erschien der Gesamtvorstand des Tempelvereines „A e s c h e 1 A w r o h o m", um im Architekten Reiser jenen Mann zu ehren, der das herrliche Gotteshaus geschaffen und dem Vorstande des Vereines als Obmannstellvertreter angehört. Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. S. Funk verlieh nur den Gefühlen des Vorstandes und der zahlreichen Freunde passenden Ausdruck, als'er in seiner Ansprache auf die hohe Wertschätzung hinwies, die den Brauteltern, insbesonders Herrn Architekt Ignaz Reiser, dem Erbauer dieses Gotteshauses, y$n weiten £re|§enjdes In-, und.Auslandes. gezollt wird*..Dies bewiesen auch die zahlreich eingelaufenen herzlichen Glückwünsche, denen sich auch unsere Redaktion anschließt. Die kantorale Funktion versah Herr Oberkahtör Müllermit verstärktem Chor. ' Todesfall. Unter außerordentlcti großer Beteiligung wurde in Neutra am 27. v. M. der im 85. Lebensjahre verstorbene Herr Adolf Ehrenfeld zu Grabe getragen. Der Verblichene, ein kluger, gewandter, charaktervoller Mann voll Eifer für jüdische Angelegenheiten, war 41 Jähre Präsident der Chewra Kadischa, Ehrenpräsident der orth. Kultusgemeinde in Neutra, Mitglied der gesetzgebenden Körperschaft der Stadt Neutra und Ehrenmitglied zahlreicher humanitärer Vereine. In dem Verstorbenen betrauert die Gattin des Wiener Großkaufmannes Josef Diamant ihren innigstgeliebten Vater. Der blinde Kantor. Am Simchath Thora, Freitag, den 23. Tischri, 1. Oktober, abends, gegen 7 Uhr wurde der blinde Kantor Isidor Ei chenba.um in Berlin in der Alten Schönhauser-, Ecke Linienstraße von einem Auto-Omnibus der Linie 9 überfahren; mit ihm sein Führer, der Handelsmann Jonas Greif, beide in der Linienstraße 215 wohnhaft. Der schwere Wagen überfuhr beide so unglücklich, daß die Feuerwehr sie aus ihrer qualvollen Lage befreien mußte und Eichenbaum ins Virchow-Krankenhaus und Greif ins Friedrichshain-Krankenhaus schaffte. Eichenbaum starb schon kurz nach der Einlieferung ins Krankenhaus, da seine Verletzung furchtbar war. Die Räder waren ihm über Kopf, Brust und Rippen hinweggegangen; Greif erlitt ebenfalls schwere Verletzungen an Hals und Brust, und wird an seinem Aufkommen gezweifelt. Kantor Eichenbaum war aus Wien gebürtig und 39 Jahre alt geworden. Schon in 'jungen' Jahren erblindete er und widmete sich dem Vorbeterberuf. Die letzten Gottesdienste hatte er am Rosch-ha-schama und Jomkippur im Saal des Gardekasinos in der Sophienstraße abgehalten. Allen Teilnehmern wird er unvergeßlich bleiben; war er doch ein gottbegnadeter Sänger, der seine Gebete und Gesänge aus freiem Gedächtnis vortrugt Wir alle, die ihn kannten und durch seine innige fromme Vortragskunst erbaut wurden, werden dem blinden Gottessänger ein ewiges ehrendes Gedächtnis weihen! Der Ewige möge ihm die Erde leicht machen! Wälibald Roth, Berlin. „Entjudung" der Sowjetregierung. Es ist interessant, festzustellen, daß nunmehr alle Juden, die bei den Moskauer Sowjets im Vordergrund standen, aus den leitenden Stellen entfernt wurden. Es waren niemals viele Juden an der Sowjetleitung beteiligt; von ihnen sind nun T r o t z-k y, . K.a m e n e.w und Radek beseitigt. . Auch S i n o w j e w ist abgesetzt, dessen wahrer Name Radomysly ist (nicht. Apfelbaum). (Was : alles die Hitlerblätter nicht abhalten wird, das irrsinnige Wort „Sowjetjudäa", das sie für einen Geistesblitz halten, in jede Spalte zu setzen.) Die jüdische Bevölkerung Sowjetrußlands. Nach neuen Meldungen leben in Sowjetrußland zirka 3 Millionen'JIlde, n. .Hiervon, sind zirka. 1,000.000. Handwerker, 1,000.000 Geschäftsleute, 850.000 sind Mitglieder der Fachverbände (Arbeiter und Personen mit sogenannten freien Berufen) und zirka 150.000 Landwirte; die Zahl der Landwirte ist seit dem Zeitpunkte,. da die Regierung die Absiedlung der Juden aus den Städten auf der Krim und in der Südukraine unterstützt, . beträchtlich gestiegen.. Angeblich sind die Juden in Sowjetrußland "besser in Fachverbänden organisiert als die anderen. Die Fleischfirma Siegm. Körnmehl, welche bekanntlich Lieferantin der meisten großen Heilanstalten Wiens ist, macht uns aufmerksam, daß in ihren vollkommen separieft e n Abteilungen für Koscher-Fleisch sowohl im IX. Bezirk, Berggasse 15 als auch in der Filiale XVIII.,-W ä h r i ngerstraße 97, die Fleischpreise trotz der hohen rituellen Spesen den Preisen für nicht rituelles Fleisch gleichgestellt sind, obwohl nur Fleischsorten von ausschließlich prima Qualität zum Verkaufe gelangen. Wir glauben, daß diese erfreuliche Mitteilung der bekannten Firma von zahlreichen jüdischen Hausfrauen freudig begrüßt werden wird. Für diese Rubrik übernimmt die Redaktion keine Verantwortung. Erklärung. In Beantwortung mehrerer an uns gelangter Anfragen und um Mißverständnissen vorzubeugen, geben wir hiermit bekannt, daß die von den Oberkantoren Müller und Margul-ies proponierte „Wiener, Kantoren-Schule" . dem Oesteireichischen Kantoren-Verein vollkommen ferne, steht. Der Vorstand des Oesterreichischen Kantoren-Vereines, i

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