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Die Wahrheit · 1926-09-22 · Heft 40-41 (22.9.1926) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 40-41 (22.9.1926)
Date
1926-09-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT OesferrekMscfte WedaKduHf Ahr (Mute Meressea m iem Beiblatt: VerOttenflMiu^ai «er jhn «encMteterreHMsAer Mar Redaktion und Administration: ygtf1 19. - r«rnrat 42-2-11 XLI1. Jahrgang Wien, 22. aeptember 1926 Nummer 40 „Das Judentum ist der Friede." Eine Betrachtung zum Sukkothfeste. 5687. Von Rabbiner Dr. Armin Abeles-Wien. Einleitung. In dem ersten Hefte der von B. Lasarstein in Berlin herausgegebenen „Dokumente des Friedens" ist unter obigem Titel eine Abhandlung erschienen, die den Nachweis versucht, d!aß der Pazifismus der Weltanschauung des Judentums entspricht und es Pflicht vor allem der Rabbiner sei, ihre Kräfte in den Dienst der Friedensbewegung zu stellen, insbesondere durch Gründung einer Gesellschaft für religiösen Pazifismus. Der nämliche Gedanke, zu einem Teil bereits im vorigen Jahrhundert von Steinheim, Philipp söhn Jellinek, u. a. ausgesprochen, hat in den letzten Jahren, von Eduard Bernstein, dem verdienstvollen Nestor der sozialdemokratischen Partei im deutschen Reichstag, in seiner Schrift „Von den Aufgaben der Juden im Weltkrieg" eine eingehende, wenn auch etwas einseitige Behandlung erfahren, die in dem Nachweis gipfelt, diaß den Juden infolge ihrer Stellung und ihrer historischen Vergangenheit jetzt die Aufgabe erwachse, Mittler zwischen den Völkern zu sein, ihnen zum Frieden und zur Vereinigung zu verhelfen. Ob die Judenheit in ihrer gegenwärtigen Lage geeignet und worauf es hauptsächlich ankommt — auch die Macht und Möglichkeit besitzt, als Friedensvermittler zwischen den durch Haß und Hader zerklüfteten Völkern aufzutreten, ist eine vorwiegend politische Frage und soll darum hier, unerörtert bleiben. Daß aber das Judentum als religiöse Weltanschauung im tiefsten Wesen nichts anderes istalsderFriede, und Israels religiöse Lehre selbst in ihren unscheinbarsten Aeußerungen der Verwirklichung des Friedens auf Erden dient, ist eine so bekannte, von den Propheten Israels, den Lehrern des Talmuds, Dichtern und Denkern des jüdischen Mittelalters und der Neuzeit so oft und in so mannigfachen Formen und Variationen behandelte Tatsache, daß sie nur von denjenigen in Abrede gestellt werden kann, die das Judentum und dessen Schrifttum nicht kennen, oder absichtlich verkennen. Eine Religion, die die Lehre von dem einigeinzigen Gott, als dem allgütigen und allmächtigen Vater aller Menschenkinder, zum Ausgangspunkte hat, muß in logischer Folgerichtigkeit als ihr höchstes, erstrebenswertestes Ziel den FriedenderMenschheit begreifen. Nirgendwo aber offenbart sich das Friedensziel der Lehre Israels mit solcher Klarheit und Eindeutigkeit wie bei dem Feste, mit dessen Feier die Gemeinde Israels ihren .Herbstfesteskreis beschließt: dem Laubhüttenfeste. Als das Friedensfest parexcellence wird es bereits von unseren alten Weisen hingestellt, jenes Friedens, der, alle persönlichen und nationalen Schranken durchbrechend, zur Wiedervereinigung der Menschheit führt. Von welcher Seite immer man dieses Fest betrachtet, der religiösen, historischen oder ideell-symbolischen, überall erscheint es im Strahlenglanze des höchsten Kulturgutes der Menschheit, im Glorienschein des Friedens. I. Kein Künstler, und sei er noch so begabt, vermag den Begriff „Friede n" in solch klassischer Einfachheit und Erhabenheit und solcher Prägnanz des Ausdruckes zur Darstellung zu bringen, wie es in dem Gebot der Thora geschieht. „In Hütten sollt Ihr wohnen sieben Tage!" Denn in diesen primitiven, aus einigen Brettern gezimmerten Hütten waltet der Friede, der wahre, echte Friede. In der äußerlich hinfälligen, wind- und wetterumdräuten Sukkath - Scholaum genießt der jüdische Hüttenbewohner während einer ganzen Woche alle Wonnen und Seligkeiten des reinen Herzensfriedens, den Gott ihm durch das dünne Laubdach der Sukkah mit dem milden Licht der Sterne als kostbarste Himmelsgabe herniedersendet — weitab von der geräuschvollen Heerstraße des Lebens, wo während des ganzen Jahres mit geballten Fäusten und schweißbedeckter Stirne nach Glück und Frieden gejagt wird, ohne sie zu erreichen. Welch hohe Weisheit offenbart sich doch in der Religion Israels, daß sie ihre Bekenner wenigstens einmal im Jahre die festen Wohnungen zu verlassen heißt und ihnen gebietet, für eine Weile gleichsam den Schauplatz zu verlassen, wo jahraus, jahrein der erbitterste Kampf ums Dasein in den heftigsten Formen geführt wird, um ihn mit der Hütte des Friedens zu vertauschen. Da, wo das Fluidum jüdischer Lebensart und Lebensanschauung in die Herzen strömt, jener Lebensanschauung, die uns gerade an der Stelle in der Thora, wo sie von der wunderbaren Erhaltung der Kinder Israels während ihres Aufenthaltes in der Wüste zu erzählen weiß, zur besonderen Erwägung mit den Worten anheimgegeben wird: Und es hat dirderHerr kundgetan, daß nicht vom Brot allein der Mensch lebt". Da wo der jüdische Mensch sich eins fühlt mit seinem Schöpfer und in solcher, durch keinerlei Hemmnis und Hinderniss gestörten Einheit (fie Schwingen der Gottheit gleichsam über seinem Haupte rauschen hört. Und der Geist der Väter in ihm erwacht, die in einem fast dreitausendjährigen Nomadenleben allen Nöten und Mühsalen trotzen konnten, weil sie sich, wie einst ihre Ahnen * ■ ■■ -»A.-ao-*A:<t^«aae;

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