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Die Wahrheit · 1926-07-09 · Heft 29 (9.7.1926) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 29 (9.7.1926)
Date
1926-07-09
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 12 DIE WAHRHEIT Nr. 29 Markus Bondi, der Seniorchef der altbekannten Firma Jakob Neurath, ist Montag, den 5. d. M. nach einem an Arbeit und Erfolgen reichen Leben im Alter von 96 Jahren verschieden. Der Verstorbene, ein in den weitesten Kreisen wegen seiner Frömmigkeit und Humanität ungemein verehrter Mann, entstammte einer hochangesehenen alten deutschen Patrizierfamilie. Er widmete sich der kaufmännischen Laufbahn und brachte es durch unermüdlichen Fleiß, eiserne Energie und unerreichte Tüchtigkeit zu jenem Ansehen und jener allgemeinen Wertschätzung, die ihn als das mustergültige Vorbild eines vornehmen Kaufmannes erscheinen ließ. Als Mensch war er einer der herrlichsten Charaktere, ein Mann von überaus bezaubernder Liebenswürdigkeit, von einer Güte, wie man sie nur selten findet. Wer immer zu ihm kam mit einem Wunsch, einer Bitte oder sonst einem Anliegen, fand nicht etwa einen Wohltäter in herkömmlichem Sinne des Wortes vor, sondern einen helfenden, sorgenden und ratenden Freund, einen jener seltenen Menschen, dessen Wohltätigkeitssinn keine Grenzen kennt. Das Wiener Judentum verliert in Markus Bondi einen seiner ersten und besten MänneT, sein Tod reißt eine unausfüllbare Lücke im Kreise jener, welche durch ihr gottgefälliges Wirken, ihre Frömmigkeit und durch ihre tiefinnerliche Ueberzeugung von der sittlichen Sendung Israels zu Führern des Judentums bestimmt sind. Das Leichenbegängnis des Verstorbenen gestaltete sich zu einer Trauerkundgebung, wie wir sie in Wien nur bei dem Tode der wahrhaft Großen gesehen haben. Unübersehbare Menschenmengen aus allen Schichten der jüdischen Bevölkerung, aber auch viele Nichtjuden, waren erschienen, um dem allseits geschätzten und verehrten Manne die letzte Ehre zu erweisen. Der Vorstand der Israel. Kultusgemeinde mit Präsidenten Prof. Dr. A. Pick und Vizepräsident Dr,, J. Ornstein an der Spitze, der Bethausvorstand unter Führung seines Vizepräsidenten Dr. I. Münz, der Gesamtvorstand der „Adas J i s r o e 1" und der „Agudas Jisroel"- hatten sich im Trauerhause eingefunden. Ferner waren die Delegationen sämtlicher Wiener Bethausvereine unter Führung des Präsidenten Börserat I. Glück sowie die Vertreter aller öffentlichen und jüdischen humantären Institutionen erschienen. Mit einem Worte, die gesamte Wiener jüdische Oeffentlächkeit hat Markus Bondi das letzte Geleite gegeben. Im Trauerhause hielt zunächst Oberrabbiner S. Fürst eine ergreifende Ansprache, die alle zu Tränen rührte. Sodann nahm der Schwiegersohn des Verstorbenen, Herr Dr. G r a dp w i t z, im Namen der Familie von dem innigstgeliebten Familienoberhaupte Abschied. Nachdem Oberkantor Braun ein tief erschütterndes El mole Rachamim zum Vortrage gebracht hatte, wurden die irdischen Reste des Entschlafenen von seinen Getreuen zum Leichenfourgon getragen und durch ein dichtes Spalier von Menschen an der hellbeleuchteten Schiüschul vorbeigeführt. Hierauf wurde der Sarg nach Baden überführt, woselbst er um 4 Uhr nachmittags in der Familiengruft auf dem Badener Friedhof beigesetzt wurde. — Dienstag fand aus Anlaß des Hinscheidens des Herrn Markus Bondi eine außerordentliche Trauersitzung des Vorstandes der Adas Jisroel statt, zu welcher alle in Wien weilenden Vorstandsmitglieder erschienen waren. Der Vorsitzende Dr. R e i n i n g e r hielt dem verstorbenen Ehrenpräsidenten einen außerordentlich warmen Nachruf und würdigte seine großen Verdienste um die Sache der t h o r atreuen Judenschaft. Er wies darauf hin, daß Markus Bondi neben seinem Beruf und trotz seiner großen geschäftlichen Inanspruchnahme immer Zeit gefunden habe, sich den Angelegenheiten des Judentums zu widmen, dem er mit heiliger Begeisterung und grenzenloser Liebe im Sinne unserer vieltausendjährigen Ueberlieferung voll und ganz zugetan war. Er war, führte Dr. Reininger in tiefster Ergriffenheit aus, ein weithin glänzendes Licht, dem wir gerne folgten, und das uns, da es erloschen ist, stets in Erinnerung bleiben wird. Es wurde sodann vom Vorstande der einstimmige Beschluß gefaßt, dem bereits bestehenden Markus-Bondi-Fonds ejne größere Kapitalsumme zuzuwenden und von den Zinsen des nunmehr vergrößerten Fonds alljährlich am Jahrestage des Verstorbenen einem thorabeflissenen jungen Mann ein Stipendium zu verleihen. Verlobung. Dr. Manfred Papo, Rabbiher in Salzburg, der Sohn des verstorbenen Oberrabbiners der Wiener türkischen Gemeinde, hat sich mit Frl. Anny H ö ni g, Wien IL, verlobt. Wir gratulieren unserem geschätzten Mitarbeiter aufs herzlichste. Kantoren wähl. Das Praterbethaus „Tefilath Jeschurun'' hat nach erfolgreichem Probegottesdienst Herrn Jakob Wahrmann zum Oberkantor bestellt. Baden bei Wien. Der Reiz unserer alten Kurstadt Baden führt täglich eine stattliche Zahl einheimischer und auswärtiger Glaubensgenossen hierher und auch in unser Gotteshaus. Kürzlich erst hielt unser allverehrter Herr Oberrabbiner W. Reich wieder eine formvollendete Rede, in der er unseren Eltern ganz besonders ans Herz legte, unsere heranwachsende Jugend dem „Thora-Lernen" zuzuführen, womit man sehr gut auf unsere Kindergemüter mit Erfolg einwirken kann. Unsere hiesigen ausgezeichneten rituellen Restaurateure geben das Beste für die Kurgäste her und ist es von jungen und alten Kurgästen nur gerecht, unsere Restaurants aufzusuchen und nicht, wie es leider aus Vorurteilen geschieht, ihnen aus dem Wege zu gehen. Charakterfeste jüdische Kurgäste kennen ihre Pflichten und fahren dabei besonders gut. Wer von unseren Glaubensbrüdern Baden besucht, überzeugt sich auch gerne von den Leistungen unseres jüdischen Kriegs-Waisenhauses in der Germergasse 37. Wohlgeratene Knaben, fromm erzogen und gut gepflegt, unter der Leitung des Direktors Ph. Friedmann stehend, von tüchtigen Lehrern unterrichtet, wohnen zwischen Weingärten und Feldern, haben ihren regelmäßigen Gottesdienst im Hause, sie absolvierten auch kürzlich ihre öffentlichen Prüfungen mit bestem Erfolge. Hier wäre eine Quelle zur Heranbildung jüdischer Religionslehrer und Gemeinde-Funktionäre, auch würde so mancher kräftige Knabe fürs Gewerbe, Steinmetzerei usw. sich eignen. Nach dem Muster dieser Anstalt sollte ein jüdisches Heim für bessere Familien errichtet werden. Oeffentliche Mittelschulen sind hier und guter Geist herrscht daselbst. M. A. Adoption! Junge, jüdische Mutter, aus guter, jedoch verarmier Familie stammend, wäre ehestens bereit, ihren einjährigen Knaben, gesund und prächtig gediehen, nur an vornehmes jüdisches Wiener Ehepaar abzugeben. Die Kindesmutter ist hierzu aus dem Grunde gezwungen, da der Kiudesvater wegen Erwerbs- und Vermögenslosigkeit seiner Alimentationspflicht nicht nachkommt, und die Kindesmutter, weiche arm und zur Zeit postenlos ist, außerstande ist, die Verpflegskosten aufzubringen. Hier wäre eine große Mizwe zu vollbringen. Adresse aus Gefälligkeit in der Redaktion! Jung-Juda, Zeitschrift für unsere Jugend, 27. Jahrgang, Prag IL, Stefansgasse 55, erscheinen jeden dritten Freitag, hat wie in früheren Jahren sich auch in der Nachkriegszeit viele Freunde unserer jungen Wiener Lesewelt wieder erworben. Die ersten Nummern von 1926 bringen das klassische Purimstück, „Megillath-Esther" zu neuen Ehren. Der verewigte, rühmlichst bekannte Dr. Arnold Weisse schrieb es für unsere Familien und wird sich das herrliche Stück aufs Neue bei uns wieder einbürgern. Der nimmermüde Herausgeber, Herr Lebhart, der von der ersten Nummer an diese Zeitschrift bis heute leitet, schöne Illustrationen, Erzählungen, Gedichte, hebr. Belehrung, Rätsel usw. bringt und allen Wünschen unserer Pädagogen nachkommt, ist bemüht, „Jung-Juda" zu einem wahren Jugend- und Hausfreund auch in der Zukunft zu gestalten. A. Mag ii im m. je wahrhem X fthaltA ■Sohn Wien II., (fraterstraße Jl*. Sit Tel. 43-4-10 Elegante Herrengarderoben Feinste Herrenwäsche %

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