Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 25 (11.6.1926)
- Date
- 1926-06-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Oesterreichlscbe Wocüerssdiriü iür iüülsöie Interessen mt dem Sei&latt; Veröffentlichungen der „Union denlschösferreldiisdier laden Redaktion und Administration: Wie« BS., ■teftBfcegMB-gBflScs as. - Fernruf 42-2-16 XLH. Jahrgang Wien, 11. Juni 1926_Nummer 25 Hebräische Blutbestien. Der Salzburger „Eiserne Besen"' brachte vor kurzem folgenden Artikel unter der nämlichen Ueberschritt, die auch diesen Ausführungen vorangesetzt ist: Aus Teschen in Polen berichtete die „Ostschlesische Zeitung" über einen Vorfall, der unter der dortigen Bevölkerung große Erregung hervorgerufen hat. Seit Jahrhunderten wird immer wieder einmal von Ritualmorden oder Blutabzapfungen an Arier durch Juden berichtet. Und das Bezeichnendste an diesen Begebenheiten ist die Tatsache, daß die gesamte Judenpresse, ohne einen solchen Fall näher zu untersuchen, sofort in ein Wutgeheul ausbricht, über Verleumdung und Gehässigkeit gegen das jüdische Volk. Nie-noch konnte man es aber erleben, daß die jüdische Presse und das Judentum selbst an die restlose Aufklärung solcher Geheimnisse geschritten wäre, im Gegenteil, die gesamte Judenschaft stellt sich vor die Behörden, um jede Untersuchung und Aufklärung zu unterbinden. Es sei hier nur nebenbei bemerkt, daß der geheimnisvolle (Ritual-) Mord in Tisza- Esslar seinerzeit keine gerichtliche Autklärung fand, weil der Wiener Rothschild erklärte, seine (finanziellen) Konsequenzen zu ziehen, wenn die Untersuchung nicht eingestellt würde Daraufhin wurde sie eingestellt ... Zu dem rituellen Anschlag in Polnisch-Teschen veröffentlicht „Das Volk" nachstehenden Bericht ihres Mitarbeiters: „Vorweg sei bemerkt, daß alles, was ich berichte, erwiesene Tatsachen sind. Bei dem jüdischen Agenten Schönberg, Polnisch-Teschen, war ein gesundes, kräftiges, christliches Mädchen, namens Zyla, seit einem Jahre im Dienst.. Eines Morgens beim Erwachen fühlte sie sich unendlich müde und hatte brennende Schmerzen in Hand und Fuß. Befreundeten Bewohnern dieses Hauses klagte sie ihr Leid und da wurden auch tiefe Schnittwunden am Oberarm und Oberschenkel konstatiert. Auf Anraten ihrer Freunde meldete sie sogleich den Vorfall der Polizei, die die Wunden vom Stadtarzt untersuchen ließ. Bei der Untersuchung wurde nun durch den Arzt festgestellt, daß die dem Mädchen in der Nacht beigebrachten Wunden einwandfreie Spuren von einer stattgefundenen Injektion und von einer sehr sachkundig, aber mit einem unreinen Instrument (die Wunden eitern) durchgeführten Blutentnahme stammen. Die Injektion war wohl notwendig, um den todähnlichen Schlaf herbeizuführen, Man vermutet nun, daß das entnommene Blut rituelle Verwendung bei den bevorstehenden jüdischen Ostern finden sollte . . . Unter den hiesigen Juden ist eine erklärliche Aufregung darüber, daß die Sache verpatzt wurde. Auch soll die Familie Schönberg schon ihre Koffer packen, um bald nach Krakau zu übersiedeln. Das arme Polnisch-Teschen hat sich allzuschnell galizischen Verhältnissen genähert, wo solche und ärgere mysteriöse Fälle häufig vorkommen sollen, die aber immer trotz größten Eifers der Behörden im Sande ruhig verlaufen. Wir Christen sollten uns doch eigentlich schämen, wenn uns andere so straflos auslachen dürfen." Deutsche Mädchen! Hütet euch vor Juden! Zunächst ein Wort zu der von dem antisemitischen Blatte gebrachten Erinnerung an den schmachvollen Tisza-Eszlarer Prozeß. Es ist natürlich völlig erlogen, daß ein Mitglied des Hauses Rothschild seine Hand im Spiel hatte, um eine Niederschlagung der Untersuchung zu bewirken. Wahr ist vielmehr, daß diese Untersuchung restlos durchgeführt wurde, ja daß es sogar zum Prozeß kam, bei dem aber der damalige Staatsanwalt, der nach ungarischem Recht nicht wie bei uns von der Anklage zurücktreten konnte, selbst den Freispruch beantragte, der auch einstimmig erfolgte. Nach solchen Klarstellungen sind wir unserseits freilich in der Lage, uns über den Charakter der Redaktion des „Eisernen Besen'" ein zutreffendes Urteil zu bilden, und jeder anständige Mensch ebenfalls, gleichgültig, ob er Jude oder Christ ist, wenn er nur zu den anständigen Menschen gehört. Zü allem Ueberiiuß hat es sich aber die „Union deutschösterreichischer Juden" nicht verdrießen lassen, „den Fall näher zu untersuchen'* und nach Teschen um „restlose Aufklärung der Geheimnisse" zu schreiben. Damit ist auch die Behauptung des Antisemitenblattes Lügen gestraft, daß „das Judentum selbst nie an eine solche Aufklärung geschritten wäre." Die Antwort hat folgenden Wortlaut: „Der Prozeß gegen den jüdischen Agenten Schönberg wegen eines angeblich versuchten Ritualmordes an einem christlichen Dienstmädchen ist auf Grund der gerichtlichen Untersuchung des Falles, der auch der Staatsanwalt zugezogen war, als vollkommen erfunden niedergeschlagen worden. Es hat sich herausgestellt, daß es sich um eine Erpressung gehandelt hat." Von anderer Seite, die diesen Sachverhalt vollauf bestätigte, erfuhren wir hierzu noch folgendes: „Herr Schönberg, von hochanständiger Familie aus Krakau stammend, selbst ein sehr anständiger Mensch, ist wohl wirklich nach Krakau übersiedelt, aber nicht wegen dieses Zwischenfalles, sondern aus rein wirtschaftlichen Gründen, und wäre auch sonst übersiedelt. Ebenso ist bei der hiesigen Bevölkerung keine Erregung zu bemerken und die Judenschaft hat auch keinen heißen Boden unter den Füßen." Also das Ganze ein neuer Beitrag zur Charakterisierung antisemitischer Kampfmethoden. Zunächst mit angeblichen „erwiesenen Tatsachen'' verleumden, vielleicht bleibt etwas hängen, dann schimpfen und hetzen („Arische Mädchen! Hütet euch vor Juden!") — das ist antisemitische Devise. Uebrigens wollen auch wir dem Antisemitenblatte mit einer historischen Reminiszenz dienen. Der ruhmreiche Apologet des Judentums, Bezirksrabbiner Dr. BI o c h s. A. erhielt im Jahre 1884 auf eine Rundfrage in Angelegenheit der Blutbeschuldigung von dem Grazer Geistlichten Alois Müller folgendes bezeichnende Schreiben: