Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 24 (4.6.1926)
- Date
- 1926-06-04
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 24 DIC WAHRHEIT Seite 11 geben ist in mannigfacher Hinsicht bemerkenswert. Auf die Frage, welche denn die eigentlichen moralischen Triebkräfte seien, antwortete Dr. Weizmann, es stecke in dem Willen der meisten Kolonisten doch etwas Religiös-Mystisches, wenn auch unter den Kolonisten wenig orthodoxe Juden zu finden seien. Es gebe eben, namentlich unter den Intellektuellen, sehr viele, die mit der Großstadt und ihrem sozialen Elend feitig seien und sich nach etwas Neuem sehnten und bestrebt seien, neue, ganz andere Lebensformen und Lebensmöglichkeiten zu finden. Die Gegensätze seien, gewiß scharf, aber man möchte behaupten, daß sich die Synthese zwischen dem Orthodoxen und dem Reinzionisten bereits herausgebildet habe. Es seien auch offene Gegenströmungen vorhanden, die ebenfalls mit dem Ziele der (Kolonisation hervorträten. Indes, man verstehe sich gut, und wenn man in London und Frankfurt sich auch heftig auseinandersetzte — hier draußen in Palästina vertrage man sich doch und sei im letzten einig. Weiters sagte Präsident Dr. Weizmann gemäß der Mitteilung des Interviewers: Was wir wollen, ist im wesentlichen das: wir wollen — vergleichsweise — dem Judentum einen geistigen und moralischen Mittelpunkt schaffen, wie ihn die katholische Kirche im Vatikan besitzt. Es soll sich eine jüdische Gemeinschaft in Palästina aufbauen. Wir wollen gute Bürger erziehen, und diese können in allen Ländern ihre Bürgertugenden entwickeln. Unsere Absichten werden mißdeutet. Es wird kein reiner Judenstaat, wobl aber ein palästinensischer \ Staat entstehen, vielleicht nach dem Vorbild der Schweiz, in der doch auch drei Nationen friedlich vereint sind und wo sich das Zusammenleben mehrerer Kulturen reibungslos vollzieht. Gewiß wird von vielen Juden behauptet, die Judenfrage sei tot gewesen und wir hätten sie törichterweise wieder aufgeweckt. Das ist der Standpunkt der Aengstlichen, und er ist übertrieben. Vergessen Sie nicht, daß in New York jeder fünfte Einwohner ein Jude ist. Ueber die Stellung zu E n g 1 a nd befragt, sagte Weizmann, diese sei vortrefflich. Die Durchführung des Mandats ist gewiß ein schweres Problem für England, aber bisher sind Ruhe und Sicherheit gerantiert. Wir sind guten Mutes und voll Vertrauen und unsere Sache marschiert. Auch im jüdischen Lager werden sich die Gegensätze, die tatsächlich vorhanden sind, ausgleichen. — Das sind die ernsten Worte eines Mannes, der sich seiner Verantwortung voll bewußt ist, eines Staatsmannes, der frei jeglicher Phantasterei, frei von jedem nationalistischen Ueberschwang, mit beiden Füßen auf dem festen Boden der Wirklichkeit, auf dem Boden palästinensischer Wirklichkeit steht und die Dinge sieht, wie sie wirklich sind. Darum wird auch der nichtnationale Jude einem Manne den Zoll der Achtung nicht vierweigern können, der den Mut aufbringt, seinen eigenen Anhängern die Wahrheit zu sagen, was besonders dann keine einfache Sache ist. wenn deren von einer weltenfernen politischen Ideologie getrübter Blick die Welt nicht so sieht, wie sie ist, sondern wie er sie sehen) wili. Hervorgehoben muß unbedingt der Satz werden, „daß in Palästina kein reiner Jüdenstaat, sondern ein palästinensischer Staat" entstehen soll, weil er die politischen Pläne der Exekutive klar und deutlich wiedergibt. Was Dr. Weizmann von einer Möglichkeit einer Aussöhnung zwischen den orthodoxen und nichtorthodoxen Juden, für welche Anzeichen vorhanden zu sein scheinen, sagt, wird jedes jüdische Herz, das durch den Bnuderkampf im Heiligen Lande schmerzlich berührt wird, erleichtert aufatmen lassen. Dr. Chaim Weizmann hat die Pflicht, die ihm seine Führerschaft auferlegt, getreu erfüllt: er hat einen Wieg gewiesen, der aus den Irrnissen' und Wirrnissen des Nationalismus hinausführt. Wird er beschritten werden? Das ist nicht nur eine Schicksalsfrage für den Zionismus, sondern für das gesamte Judentum. Der Arierparagraph auf dem —'Oelberg. Die Londoner konservative „Morningpost" veröffentlicht einen Appell an fdie Christenheit, den Oelberg zu Jerusalem anzukaufen und ihn vor einer Besiedelung durch Juden zu bewahren, da dieser Berg dem Herzen jedes wahren Gläubigen teuer sei. In dem Aufruf heißt es, die Ausgestaltung der Hebräischen Universität auf dem Berge. Skopus bringe die Gefahr nahe, daß sich Juden in der Nähe der Universität auf dem Oelberge ansiedeln werden; dies müsse verhinidert werdentlMimimiMMMMIIIIIIIIIIIUMMIt Werbet und verbreitet die „Wahrheit"! 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