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Die Wahrheit · 1926-05-07 · Heft 20 (7.5.1926) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 20 (7.5.1926)
Date
1926-05-07
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 12 DIE WAHRHEIT war nämlich ein ausgezeichneter Kenner der hebräischen Sprache und der jüdischen Altertumskunde und war bis zum Stadium des Talmud vorgedrungen. Sein kulturhistorischer Roman „Kyrie eleison", der von Juden und Christen im alten Speyr handelt, zeigt ein erstaunliches Wissen auf dem Gebiete der Kulturgeschichte des mittelalterlichen Judentums. Aratsdirektor Guido Fuchsgelb, der erste Sekretär der Wiener Kultusgemeinde, vollendete am 29. April sein 50. Lebensjahr. Durch seine große Gewissenhaftigkeit, seinen unermüdlichen Arbeitseifer und seine umfassenden Kenntnisse hat dieser verdiente Beamte in seinem arbeitsreichen, ganz dem Wohle der Gemeinde gewidmeten Leben viel zu dem Aufschwünge der Kultusgemeinde beigetragen und sich so unvergängliche Verdienste um die Wiener Judenschaft erworben. Dem allseits geachteten Jubilar wurden zahlreiche Ehrungen zuteil, Beweise der Sympathie, welche er sich im Laufe seiner fast 30jährigen Wirksamkeit in der Gemeinde erworben hat. Als erster beglückwünschte der Präsident der Kultusgemeinde Prof. Dr. Alois Pick den verdienten Beamten in seinem Bureau, hierauf folgten die Gratulationen der Beamtenschaft, der Personalvertretung und der Vertreter verschiedener Korporationen. In der Sitzung des Vertreterkollegiums der Kultusgemeinde würdigte Präsident Prof. Pick die großen Verdienste des Jubilars für die Kultusgemeinde und ihre Institutionen. Den zahlreichen Glückwünschen schließt sich auch die Redaktion unseres Blattes an. Verein der Kinderfreunde zur Bekleidung armer Schulkinder für den XVI. und XVII. Bezirk. In Anwesenheit zahlreicher Mitglieder und der Vertreter aller jüdischen Korporatio-?ien unseres Kultusbezirkes fand jüngst die 41. ordentliche Generalversammlung dieses Vereines statt. Nach Erstattung des Tätigkeitsberichtes durch den Vorsitzenden Obmannstellvertreter Drab würdigten in gehaltvollen Reden die Herren Sitfzmann, Weiler, Engel, Donath, Siegfried Stein und D. Reik die glänzenden Leistungen des Vereinsvorstandes und hoben insbesondere die erfolgreiche und sehr ersprießliche Tätigkeit des Obmannes Rudolf Urbach und des Obmannstellvertreters Gottlieb Drab hervor. Die Generalversammlung nahm die Nachricht, daß diese beiden Funktionäre nach jahrzehntelanger unermüdlicher Arbeit im Dienste der Wohltätigkeit von ihren Ehrenstellen zurücktreten, mit Bedauern zur Kenntnis und brachte beiden Herren, die schon seit Jahren Ehrenmitglieder des Vereines sind, zum Zeichen des Dankes und der Anerkennung große Ovationen dar. Ueber Antrag des Herrn Robert Beck wurde das Vorstandsmitglied Herr Gustav Stiasny in Anbetracht seines vieljährigeo verdienstvollen Wirkens aus Anlaß seines aus Gesundheitsrücksichten erfolgten Rücktrittes einstimmig zum Ehrenmitglied ernannt. Auf Grund der sodann vorgenommenen Wahlen setzt sich der neue Vorstand aus folgenden Mitgliedern zusammen: Herr Geza und Frau Rosa Brecher, ferner die Herren Gottlieb Drab, Kommerzialrat Jakob Hölzer, S. Klavier, Isidor Leib, Otto Pojer, Leopold Reiß, Ludwig Rosenfeld, Tierarzt Dr. Heinrich Rosenzweig, Sigmund Schlesinger, Max Werter und Josef Treu. Neugewählt wurden die Herren Franz G o 1 d s t e i n, Walter Lichtmann, Theodor Mann und Leo Weiler. Als Revisoren gingen aus der Wahl die Herren Emanuel Donath und Leopold Weiß hervor. Dieser Vorstand wählte in der konstituierenden Sitzung zum Obmann den städtischen Oberveterinärrat Tiefarzt Dr. Heinrich Rosenzweig, zum Obmannstellvertreter den Kommerzialrat Jakob Holz er, zum Schriftführer Sigjnund Schlesinger, zu seinen SJellvertretern Frau Rosa Brecher und Herrn Walter Lichtmann, zum Kassier Herrn Max Werter, zu seinem Stellvertreter Herrn Otto Pojer. Die von Jahr zu Jahr größer werdenden Leistungen des Vereines, der seit 45 Jahren sein charitatives Wirken im Dienste jüdischer Kinderfürsorge übt, finden allgemeine Anerkennung. Seine segensreiche Tätigkeit verdient die Unterstützung aller wahren Kinderfreunde. Linz. Das gesellschaftliche Leben in der hiesigen jüdischen Gemeinde stand in der abgelaufenen Wintersaison im Zeichen des Geselligkeitsvereines „G1 e i c h h e i t". Vor allem muß besonders lobend erwähnt werden, daß dieser Verein, frei von jeder Parteieinstellung ohne irgend ein Sonderinteresse lediglich bestrebt ist, das gesellschaftliche Leben zu heben und auch zu erhalten. Die Erreichung dieses Zieles ist genanntem Vereine hervorragend gelungen. Alle seine Veranstaltungen boten ein glänzendes Bild der besten Gesellschaft, aber auch den Rahmen, in dem sich die ganze Gemeinde harmonisch vereinigte; der feine Takt und die besondere Geschicklichkeit, über die die Vereinsleitung verfügte, brachten jene behagliche Nr, 20 Stimmung in die Veranstaltungen, die für das Gelingen eben unerläßlich ist. Abgesehen von den allwöchentlich in der eleganten Bostonbar des Hotels Weinzinger veranstalteten Tanztees, die von allen Kreisen begrüßt und eifrigst besucht waren, hat die „Gleichheit" am 7. Jänner einen bunten Famflienabend im Cafe" Reitz, am 21. Februar einen großen Repräsentationsball in den FestsäJen des kaufmännischen Vereinshauses und am 27. März einen Kabarettabend im großen Volksgartensaal veranstaltet. — Von Persönlichkeiten, die der Einladung aum Besuche des Balles Folge leisteten, bemerkte man Herrn Bürgermeisterstellvertreter Resch, Stadtrat Mehr, Zentralinspektor der Sicherheitswache Doktor W i r t h, den . Konsul der Tschechoslowakischen Republik Dr. Navra und Attache" Ing. Waldheger, Rabbiner DrA Kurir,.ein, ferner Vertreter der Linzer Tagespost, des Tagblattes, Volksblattes und Besucher aus Passau, Salzburg und Amstetten. Um das Gelingen der schönen Veranstaltungen haben sich die Herren Direktor Walter Klein, Fritz Bruder, Hans Richter, Paul Kapp er, Max und Richard Sommer und die übrigen Herren des Komitees besondere Verdienste erworben. Es ist aufrichtig zu wünschen, daß der Verein „Gleichheit" "die schöne Stelle, die er im gesellschaftlichen Leben der hiesigen Judenschaft einnimmt, behalte und weiter ausbaue. Kl. Barmizwahfeier. Samstag, den 1. d. M., fand im großen Leopoldstädter Tempel das Barmizwahfest des Studenten Hans Eisner, Sohn des Ing. Josef Eisner und seiner Gattin, Rosa, geb. Z e i 1 i n g e r, unter Beteiligung der Freunde, Verwandten und Verehrer der Familie Eisner-Zeilinger statt. Nachdem der Barmizwant die Haftora verlesen hatte» hielt Herr Rabb. Dr. Max G r u n w a 1 d eine vom Herzen kommende Ansprache, in welcher er dem jungen Eisner ans Herz legte, im Sinne seiner hochverdienten Eltern dem Judentume alle Zeit treu zu bleiben. Oberkantor Ernst Goldstein, der bisher im Bethausverein Tefilath Jeschuron als erster Kantor fungiert hatte, wurde zum Oberkantor nach Sombor (SHS.) berufen. Allgemein wird das Scheiden des allseits geschätzten Funktionärs aus seinem bisherigen Wirkungskreis aufrichtig bedauert. Seine Kollegen veranstalten am 10. d. M., 8 Uhr abends, im Restaurant Barschak, II., Große Schiffgasse 3, eine Abschiedsfeier. Was in Oesterreich möglich ist. Wie wir in unserer Numvom 20. November vorigen Jahres berichtet haben, wurde der Oberstleutnant des vierten Infanterieregimentes Adolf Bauer zu drei Tagen Arrest verurteilt, weil er den ihm unbekannten Kaufmann Heinrich Herlinger auf der Straße mit dem Ausdrucke „Saujud" beschimpft und; mit dem Säbel bedroht hatte. In der Urteilsbegründung wurde diese Handlungsweise als „ein tief bedauerlicher, eines Offiziers unwürdiger Exzeß" bezeichnet. In der Berufungsverhandlung wurdle auf ausdrückliche Fürbitte des beleidigten, „Saujuden" die Amtsstrafe in eine Geldstrafe umgewandelt. Wir stellten aus Anlaß der ersten Verhandlung folgende Frage: Wird der tapfere Soldat mit der hohen Auffassung von Offiziersefore auch weiterhin unsere Wehrmacht durch seine Anwesenheit zieren oder ward ihm der Säbel, den er gegen vorübergehende Zivilisten zu erheben geneigt war, emdgültiig weggenommen werden? Heeresminister Vaugoin hat nunmehr auf diese unsere Frage eine küare Antwort erteilt: Oberstleutnant Bauer wurde mit Erlaß vom 19. Jänner 1926, Zahl 20/69, in die fünfte Diensrklasse mit höheren Bezügen befördert. Hofe! .^-Restaurant Euth II., Hollandstraße Nr. 14 Vornehmes Restaurant mit erstklassiger Küche Menu zu S 1.80 und 2.20 Übernahme von Diners und Soupers in und ausser Haus 3eben Samstag unb Sonntag Souper bansänt Jeden Sonntag Tünf-1lfjr~Zee mit Zam Zum Besuch ladet höfl. ein j GUTH, Besitzer.

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