Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 20 (7.5.1926)
- Date
- 1926-05-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Oesterretcliischc Wochenschrift iflr fQdlsdie Interessen Pili dem Beiblatt: tferöuentlülningen der ..Union deatschösterreitiiisdier Joden Redaktion und Administration Wien H«»n«£»mr«0«£ 13. - Fernruf 42-2-16 XLII, Jahrgang Wien, 7. Mai 1926__ Nummer 20 Jaden und Jesuiten. In seinem rasch bekannt gewordenen Buche „Leo Taxils Schelmenstreiche" hat sich Lic. theol. P. Bra-eunlich mit diesem gemeingefährlichsten Schwindler des abgelaufenen Jahrhunderts beschäftigt, der Jahre hindurch die ganze katholische Welt mit seinen Ammenmärchen narrte, um sich schließlich selbst zu entlarven. In „Fortführung der Entwirrung jenes Rattenkönigs von Mystifikationen." hat der gleiche Autor nunmehr eine Broschüre im Verlage M. Heinsius Nachfolger Eger & Sievers, Leipzig, erscheinen lassen, in der er die phantastische Gesellschaft der „Ernsten Bibelforscher als Opfer bolschewistischer Religionsspötter" in vernichtender Weise charakterisiert. Von dieser auch in Oesterreich ihr Wesen treibenden Sekte wird immer wieder behauptet, daß sie „im Solde Judas" stehe. Deshalb ist es interessant, zu erfahren, was zu diesem Vorwurfe der katholische Verfasser sagt. Er spricht von dem luxuriösen Leben des Hauptapostels der „Ernsten Bibelforscher" Rüssel und meint hierzu: Die Mittel dazu gewährte ihm vielleicht seine Schriftstellerei, obgleich man auf den Gedanken kommen kann, daß die Bücher, die er nach allen Kanten auszuschlachten verstand, gar nicht von ihm selber, sondern von einem — etwa in Paris beheimateten — Schriftstellerkonsortium zusammengestoppelt wurden. Pflegte er doch nach VII 347 zu sagen: er „könne seine Bücher eigentlich niemals selbst geschrieben haben". Doch fügt er in dem ihm wohl anstehenden Tone frommer Bescheidenheit hinzu: „Alles kam von Gott durch die Erleuchtung des Heiligen Geistes". Vielleicht war es auch die „im Norden" (VII 372, XX) — offenbar in der Gegend von Rußland — thronende, „unsichtbare göttliche Weltregierung", die ihm in Fällen hilfsbereit unter die Arme griff, wo das von ihm verwaltete Millionenvermögen nicht ausreichte. Diese Annahme will uns wenigstens hundertmal wahrscheinlicher deuchen, als die neuerdings so oft vorgebrachte Erklärung: die Juden hätten ungezählte Millionen hergegeben, um es den Bibelforschern zu ermöglichen, den christlichen Kirchen Schaden zu tun. Juden, die für solche auf dem Gebiete des Religionskampfes liegende Zwecke große Summen opfern, hat zum mindestens bisher noch niemand mit Namen zu nennen vermocht. Wohl aber marschieren überall die „Juden" auf, wo es gilt, die Aufmerksamkeit von den wirklich Schuldigen abzulenken. Gerade der um die Jahreswende 1924/25 die Presse aller Lande mit seinem Lärm erfüllende St. Gallener Prozeß bietet ein Musterbeispiel dafür. Wie zuversichtlich klang es doch, als wir hörten, in ihm sei es als gerichtsnotorisch festgestellt, daß die Freimaurer durch Vermittlung der Juden die Ernsten Bibelforscher mit reichen Geldmitteln unterstützen! Sogar die „Echtheit" eines „Dokumentes" war vom Gericht „anerkannt**. Es handelt sich um den bekannten Brief eines der erst durch Taxil in ihrer ganzen Gefährlichkeit der staunenden Mitwelt „enthüllten" grausigen „Hochmaurer vom 33sten und letzten Grade!" Unterm 27. Dezember 1922 schrieb der schamlose Gesell an einen — leider ungenannten — Freund u. a. die maßlos unvorsichtigen Worte: „Wir geben Ihnen (den Ernsten Bibelforschern) auf dem bekannten indirekten Wege viel Geld durch eine Anzahl Brüder, die während des Krieges viel Geld gewonnen haben. Es tut ihrem dicken Portefeuille nicht weh. Sie gehören zu den Juden . . . Das Prinzip, ein Land zu erobern, ist, seine Schwäche auszunutzen und seine Säuten zu untergraben. Die katholischen Dogmen sind unseren Plänen lästig. Deshalb müssen wir alles tun, ihre Anhängerzahl zu vermindern und sie lächerlich zu machen".—Wir trauten dem Landfrieden nicht und wandten uns unmittelbar an das genannte Bezirksgericht. Was aber schreibt es uns unterm 29. Jänner 1925: „Jener Schweizer Arzt, der den Vorwurf, von den Juden Geld zu erhalten, gegen die Bibelforscher erhoben hatte, sei allerdings freigesprochen worden. Aber nur, weil in der „übrigens bestrittenen", -Annahme jüdischen Geldes an sich nichts Ehrenrühriges läge. Der Wahrheitsbeweis für die Annahme jüdischen Geldes sei nicht erbracht. Das habe das Gericht ausdrücklich festgestellt! Von dem erwähnten Freimaurerbriefe aber sei wohl die Rede gewesen: „Er hat aber nicht vorgelegen, soll vielmehr in einem früheren Verfahren oder bei einer Zeitungsredaktion verlorengegangen sein. Das Gericht hat sich mit diesem Briefe oder seiner Existenz nicht beschäftigt." Es hätte wahrhaftig gar nicht erst des verdächtigen Hineinzerrens ausgerechnet der Freimaurerei bedurft, um jeden, der auch nur einen Schimmer von den im Taxiischwindel üblichen Manövern hat, auf der Stelle erkennen zu lassen, daß es dieselbe internationale Schwindelgesellschaft ist, die hier wie da ihr schändliches Handwerk treibt. Eine auffallende Verstärkung findet dieser Beweis in der Tatsache, daß der Bibelforscher „Gotthilf", der ja wohl sicher nicht „Gotthilf" heißt, auch noch im schönen Wetteifer mit Taxil, den Zionistenprotokollen usw. eine unheimliche „G e h e i m m a c h t" aufmarschieren läßt. In seiner sofort in 200.000 Exemplaren verbreiteten Schrift weist er nach, daß auf das Walten dieser verborgenen Weltregierung alle Schändlichkeiten der Menschengeschichte zu setzen