Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 16 (9.4.1926)
- Date
- 1926-04-09
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 Nr. 16 I Von Woche zu Woche ■ Ernennung zum Universitätsprofessor. Der Bundespräsident hat den Landesrabbiner von Steiermark, Universitätsdozenten Dr. David Herzog, zum a.-o. Professor an der Grazer Universität ernannt. Dr. Herzog, dessen Rede aus Anlaß der Jahrhundertfeier einen so mächtigen Eindruck ausgeübt hat und der . zu den ständigen Mitarbeitern, unseres Blattes gehört, hat sich durch seine wissenschaftlichen Arbeiten in Gelehrtenkreisen großes Ansehen erworben. Unsere Leser, welche die geistvollen Artikel aus seiner "Feder zu schätzen wissen, werden die diesem verdienstvollen Manne zuteil gewordene wohlverdiente Ehrung, die in jüdischen und nichtjüdischen Kreisen, wo Professor Herzog sich ebenfalls hohen Ansehens erfreut, aufrichtigste Freude ausgelöst hat, sicher mit Freude zur Kenntnis nehmen. Den zahlreichen Glückwünschen, die aus diesem Anlaß ihm übermittelt wurden, schließt sich die Redaktion dieses Blattes gerne an. Israelitischer Jugendgottesdienst. Am Samstag, den 10. April d. J., um 3 Uhr nachmittags, findet der Jugendgottesdienst für die israelitische Schuljugend in den Gemeinde- und Bezirkssynagogen des 1., 2., 9. und 20. Bezirkes statt. Wiedereröffnung des jüdischen Lehrlingsheimes. Sonntag, den 28. März fand in Gegenwart fast des gesamten offiziellen jüdischen Wien die feierliche Wiedereröffnung des Lehrlingsheims des Vereines „Zukunft", IX.. Grüne Torgasse 26, statt. Nachdem der Vizepräsident des Vereines „Zukunft", Kommerzialrat Paul Karpeles, in einer überaus wirkungsvollen Festrede die Geschichte des Vereines geschildert, sprach er der durch ihren Großpräsidenten Prof. S. Ehrmann vertretenen Großloge B'na i B'ri th und dem American Joint Distributions Oommittee, das durch Dr. Kahn vertreten war, den Dank für die wirkungsvolle Unterstützung des Vereines aus. Auf eine Rede des Oberrabbiners Prof. Dr. C h a j e s folgte eine Ansprache des Zöglings Leitmann, der in tadellosem Hebräisch dem Kuratorium des Vereines den Dank der 70 Zöglinge, die im Lehrlingsheim derzeit beherbergt werden, aussprach. Es sprachen sodann Dr. Kahn namens der amerikanischen Judenschaft, Kultuspräsident Prof. Dr. Pick im Namen der Kultusgemeinde und Prof. Ehnnann namens der Wiener Großloge B'nai B'rith. Nach einigen Dankesworten des Präsidenten des Vereines „Zukunft" Herrn Leopold Langer an alle Gönner und Förderer des Vereines wurde zur Erinnerung an den Festtag eine marmorne Gedenktafel enthüllt. Sederfeier. Die Talmud-Thora-Sektion des Tempelvereines „Aeschel Awrohom" (IL, Pazmanitengasse) hat am Nachmittage des ersten Pessachtages für die Schüler eine Sederfeier veranstaltet. Obmannstellvertreter Franz Engel begrüßte die anwesenden Knaben und Mädchen, die mit ihren Eltern erschienen waren, die Herren Rabb. Dr. S. Funk und Obmann Oskar Schramek sowie die erschienenen Vorstandsmitglieder und Religionsprofessor Moritz Antsc.herl. Obmannstellvertreter Engel gedachte sodann in Wehmut des vor kurzem verstorbenen Begründers der Bibelschule, Herrn S. Adler, der in den Zeiten des Krieges für die Kinder, deren Väter im Felde standen, diese schöne Feier eingeführt hatte. Hierauf fand nach alter jüdischer Sitte unter Leitung des Religionsprofessors Moritz Antscherl die Vorlesung aus der Hagadah statt, welche abwechselnd von den einzelnen Kindern in tadelloser Weise durchgeführt wurde. Rabbiner Dr. S. F u n k hielt eine wirkungsvolle Ansprache an die kleinen Festteilnehmer, in welcher er ihnen die Bedeutung des Festes erklärte und dankte am Schlüsse der Feier Herrn Oberlehrer Oesterreicher und Herrn Dr. Baumgarten für ihre Mühewaltung. Merano. Am 27. März beging der hiesige Tempel die Feier des 25jährigen Bestandes. Es ist ein sehr hübsch ausgestattetes Gotteshaus, welches zum Komplex des Isr. Genesungsheimes, das auch in Wien zahlreiche beitragende Mitglieder hat, darunter als Berater Herrn Prof. Dr. Ludwig Braun, gehört Herr Rabbiner Dr. G r ü n w a 1 d hatte gleichzeitig die Funktion des ersten Kantors inne. Er hielt eine schwungvolle Festrede. Es wird nach altem Ritus gebetet, daher kein Chor. Hingegen war ein Harmonium in Verwendung, welches vom hiesigen Theater-Kapellmeister Dr. Gans gespielt wurde; meisterhaft sangen die Mitglieder des hiesiT gen Stadttheaters, Tenorist Max Reichhardt und Baritonist Alfred Russo, das „Mathauwo", ferner einen Psalm nach Sulzer'schen Melodien. Die 4 Thorarollen wurden ausgehoben, ebenfalls unter Gesängen Prof. Sulzers das Gebet für das italienische Königspaar verrichtet, ferner das El mole rachamim für die während der abgelaufenen 25 Jahre verstorbenen Vorstandsmitglieder. Die erhebende Feier schloß mit einem Dank an die zahlreich erschienenen fremdländischen Gäste. Das Gotteshaus war bis auf den letzten Platz gefüllt. Frau Sophie Grünfeld, die Witwe des verstorbenen Universitätsdozenten und ersten Präsidenten der „Union deutsch österreichischer Juden" Dr. Josef Grünfeld, feierte am 7. d. M. in voller körperlicher und geistiger Frische ihren siebzigsten Geburtstag. Als Gründerin und langjährige Präsidentin des Vereines „Ferienheim", als.Mitbegründerin des „Seehospizes" für arme Wiener Kinder, als Präsidentin der. „weiblichen Fürsorge" und Vorstandsmitglied einer großen Zahl von Wohltätigkeitsvereinen hat sich diese edle und tatkräftige Frau unschätzbare Verdienste um Arme, Kranke und in Not Geratene ohne Unterschied der Konfession erworben. Möge Gott dieser vornehmen und stets hilfsbereiten, Dame ihre jugendliche Begeisterung für alles Schöne und Gute noch viele Jahre erhalten! 80. Geburtstag. Anläßlich des 80. Geburtstages seines Ehrenpräsidenten und Mitbegründers, des Herrn Moritz Rosenblatt, veranstaltete der humanitäre Verein „Näclisten liebe" Samstag, den 27. März, um 8 Uhr abends im Restaurant Nagel einen Ehrenabend. dessen Verlauf ein glänzendes Zeugnis für die große Wertschätzung und allgemeine Beliebtheit bietet, deren sich der allseits gefeierte Jubilar erfreut. Nachdem Obmannstellvertreter Isidor Schönherz die zahlreichen Vorstandskollegen und Mitglieder des Vereines sowie die anwesenden Freunde des Jubilars begrüßt hatte, beglückwünschte Obmann A. Reich Herrn Rosenblatt im Namen des Vorstandes zu seinem achtzigsten Wiegenfeste. Hierauf würdigte eine große Anzahl Redner, darunter die Herren Generaldirektor Winter, J. Kohn, Chefarzt Dr. J. Braun, Medinizalrat Dr. Grünfeld. Professor Nasche, Karl Fuchs, Chefredakteur L. HlfSehfeld sowie die Herren Klein und Grünberger, die Verdienste, die sich der Gefeierte um den Verein erworben hatte, und gaben der großen Verehrung, deren sich der Jubilar im Kreise der Mitglieder erfreut, beredten Ausdruck. Im Namen der Jugendgruppe sprach Herr Schinka. Herr Oberkantor J. Müller rezitierte meisterhaft einen für diesen Anlaß verfaßten Segensspruch. Nationale Aufmachung. Im „Stahlhelm", der Zeitschrift des reichsdeutschen Frontkämpferbundes, erschien in letzter Zeit folgende erbauliche Anzeige: „Vertreter für sämtliche Plätze Deutschlands sucht eine seit fünfzig Jahren bestehende Likörfabrik für ihr angegliedertes Unternehmen „Sturmtropfen Monopol", Schönebeck a d. E. Ein echt deutscher Männertrunk, nationale, granatförmige Aufmachung." Derartige geschäftstüchtige Verquickungen von „echt deutschem Männertrunk" und „nationaler Aufmachung" gehen eben nur nationalen Kehlen ein. Restaurant Gufh II., Hollandstraße Nr. 14 Vornehmes Restaurant mit erstklassiger Küche Menü zu S l 80 und 2.20 Übernahme von Diners und Soupers in und ausser Haus Jeden Samstag unb Sonntag Souper bansant Jeben Sonntag 7ünf-Vßr-'Cee mit Zanz Zum Besuch ladet höfl. ein J. GUTH, Besitzer iiniimiiiiiiiniii