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Die Wahrheit · 1926-04-09 · Heft 16 (9.4.1926) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 16 (9.4.1926)
Date
1926-04-09
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 16 pifc WAtiaasiT Seite 11 Theater, Kunst u. Literatur Rotter-Schmiegler, Das Ghetto in der Wiener Leopold- Siadt, Wien 1926, Burgverlag. Das Zentenarium des ältesten Wiener Tempels bot einen passenden Anlaß zu dieser Veröffentlichung. Sie enthält einen streng objektiven und in seiner Sachlichkeit um so eindrucksvoll exen Ueberblick über die Schicksale der Wiener Juden bis zu ihrer Vertreibung aus der Leopoldstadt im Jahr© 1670. In wenigen Sätzen wird dann noch die spätere Geschichte berührt. Beruht diese Zusammenstellung auf bereits vorliegenden Druckwerken, so stellt der zweite Teil eine Bereicherung unserer Quellenschriften dar. Hier werden die Häuser des ehemaligen Ghettos am unteren Werd mit Angabe ihrer Besitzer seit ihrer Erbauung im 17. Jahrhundert bis auf die Gegenwart unter Hinweisen auf deren persönliche Schicksale ausführlich behandelt. Das Buch ist somit nicht nur für die jüdische Geschichte von Wert, sondern auch für die Kenntnis -der Vergangenheit der Stadt Wien von Bedeutung. An Kleinigkeiten sei bemerkt, daß die Juden nicht nur im Ghetto der Leopoldstadt, sondern auch im Mittelalter die Sprache ihrer Umgebung gesprochen haben, daß die Beziehungen der Juden zu den Hussiten in landesverräterischem Sinne bisher durch nichts erwiesen sind, daß Sonnenfels nicht als Jude, sondern gerade als Täufling seinen Einfluß erlangt hat, und daß die Bilder aus dem Wiener jüdischen Museum nicht Originalaufnahmen, sondern dem fünften Bande der Geschichte der Stadt Wien entnommen sind. Solche unabsichtliche Versehen beeinträchtigen jedoch keineswegs den Wert des Buches, das, auch dank seiner geschmackvollen Ausstattung, einen weiten Leserkreis verdient. ' R. Jewish Daily Bulletin. Seit 15 Monaten erscheint in New- York eine tägliche englische Zeitung, die ausschließlich jüdischen Fragen gewidmet ist. Das „Jewish Daily Bulletin" ist das einzige jüdische Tagblatt in der englischen Sprachwelt. Die Zeitung ist unparteiisch. Sie ist ausschließlich informativ. Sie veröffentlicht keine Leitartikel. Ein weitverzweigter Kabeldienst, der alle wichtigeren jüdischen Vorgänge in allen Teilen der Welt 'in präziser und objektiver Weise berichtet, bildet den Hauptwert dieser Zeitung. Die Zeitung veröffentlicht auch eine tägliche Review von Zeitungsstimmen des In- und Auslandes über wichtige jüdische Tagesfragen. Die Zeitung hat dank ihres reichen Informationsdienstes in allen Krejsen und Parteien de*> amerikanischen Judentums trotz ihres kurzen Bestandes weite Verbreitung gefunden. Franz Wutz, Die Psalmen. Lat., hebr. und deutsch, textkritisch untersucht. (München 1925, Jos. Kösel und Fr. Pustet, Mk. 27.—, geb. Mk. 30.—. Selten bereitet ein Werk dem Bibelfreunde eine solche Freude, wie diese ausgezeichnete Arbeit. Was die Bibelkritik zu ihrem großen Nachteil bisher meist vernachlässigt hat, Rekonstruktion des hebräischen Originales auf Grund eines kritisch berichtigten Textes der Septuaginta und Peschito, führt hier zu überraschenden Ergebnissen, Berücksichtigung der Technik der Schrift und der alten Uebersetzungen legt nahe die Lesungen: Ps. 2,12 stellt das vielumstrittene „naschku bar": nesso duber „nehmet Gesittungen"; Ps. 15, 4 statt „acher maharu"; acherim hargu „andere ermordeten sie"; statt Ps. 24, 17 „hirchibu" hithrebbu „mehrten sich"; statt Ps. 109, 7 minachal „ . . . . k'nachal baderech jaaleh „wie eine Palme anr Wege stolz emporsteigt"; statt Ps. 117, 27 „isru chag": issfu „schließet den Reigen in dichten Reihen"; Ps. 143, 12 „mechattaboth": Kimsuwajoth mechattaboth bik minoth „unsere Töchter wie Bräute, bunt geschmückt mit Palastgewändern" usw. Der Verfasser vertritt den Standpunkt, daß die Massora, deren Leistungen er volle Anerkennung zollt, die Zahl der Buchstaben zuverlässig festgestellt hat, daß aber Buchstabenvertauschungen der Kopisten unterlaufen sind. Auch in der Zeitbestimmung für die einzelnen Psalmen zeigt sich ein besonnenes Abwägen. Der katholische Standpunkt des Buches wird nic*ht nur durch das bischöfliche Imprimatur, sondern auch aus Einzelheiten im Texte, wie «twa S. 29 (Einleit. zu Ps. 16) kund. Aber jeder Bibelleser wird das Buch mit großem Gewinn benutzen. H. Levy-Koref, Karl Marx und Hegel. (Berlin 1925, Philo- Verlag.) Die beabsichtigte „Widerlegung der Legende vom jüdischen Marxismus" ist als gelungen zu bezeichnen. Grundlegende Lehren von Marx wurden als von Hegel nahezu mit Uebereinstimmung im Wortlaut vorausgenommen erwiesen. Die-Beeinflußung Marx' durch Ludwig Feuerbach und seine Uebereinstimmung mit Friedrich Engels spricht auch gegen den jüdischen Ursprung seiner Theorien. Ethos. Vierteljahrzeitschriit für Soziologie, Geschichts¬ und Kulturphilosophie. I. Heft (Karlsruhe 1925, G. Braun.) Eine soziale Anthropologie ist mit einem Worte die Aufgabe des um diese Zeitschrift sich gruppierenden Gelehrtenkreises. Die Begründer und Herausgeber (Kogen, Hilker und Schneersohn) sind in diesem Hefte selbst durch Beiträge vertreten. Diese Aufsätze, sowie die anderen, so Schwarz, Kulturmorphologe (eine gute Analyse Spenglers), Kawerau, Zur Soziologie der Jugendbewegung (von jedem Pädagogen zu beherzigen), stehen auf einem hohen Niveau und erweisen durch die Fülle und Mannigfaltigkeit des behandelten Stoffes die Weite des Gebietes, das hier der Bearbeitung harrt. — Heft I enthält unter anderem: Koigen, Geschichte und Kultur: Grundzüge einer Geschichts- und Kultursoziologie. — T ö n n i e s, Die Tendenzen des heutigen sozialen Lebens. — Bernstein, Idee und Interesse in der Geschichte. — Schneersohn, Zur Grundlegung einer Völker- und Rassenpsychopathologie. — Hilker, Soziale Vererbung und Sozialpädagogik. — Abonnement ganzjährig M. 18.—. M. Thielo, Die Chronologie des Danielbuches. (Alex. Schmidt, Bonn 1926. Mk. 2.50.) Der auf dem Gebiete der Chronologie des alten Testamentes bewährte Verfasser verbreitet hier neues Licht über das unzählige Male erörerte Problem der 70 Jahrwochen im Buche Daniel. Aber auch andere Schwierigkeiten der Danielexegese werden auf Grund neuer Forschungen überraschend gelöst. Der Verfasser des Buches ist nach Thielo der letzte Repräsentant einer Schule, die mit der Makkabäerzeit ihr Ende fand. Messias-Legenden, gesammelt von Micha Josef bin Gorion. (Alex. Fischer, Tübingen 1926. Mk. 2.80.) Aus dem Nachlasse des Meisters in der Wiedergabe jüdischer Legenden ist diese Auswahl herausgegeben worden, die einen der wichtigsten eschatologischen Gegenstände berührt. Wehmut beschleicht den Leser dieser Proben, in denen die Erlösungssehnsucht einer beispiellos gepeinigten Volksseele nach Ausdruck ringt. Das würdig ausgestattete Heft kommt auch einer Zeitstimmung entgegen, die sich gern in die Mystik vergangener Zeiten vertieft. Arien- und Liederabend Danilo Czernowsky. Das Konzert des aus Odessa stammenden Tenoristen D. Czernowsky, Oberkantor in Prag, fand am 25. März d. J. unter Mitwirkung der ersten Koloratursängerin Klara Kwartin vom Deutschen Theater in Prag im ausverkauften großen Padiosaale statt Das effektvolle Programm enthielt einen Strauß der populärsten Arien (Puccina, Verdi, Halevy, Meyerbeer, Smetana) und Lieder von Gretschaninov. Beide Künstler hatten Gelegenheit, ihre Stimmittel, ihre Gesangskunst und ihre Technik im strahlendsten Lichte zu zeigen. Czernowsky ist ein echter Heldentenor; er hat eine kräftige wohlklingende Stimme, die er mit Geschmack zu modulieren und der er ebenso zarte, wie schmetternde Töne so bravurös abzugewinnen versteht, daß der stürmische Beifall kein Ende nehmen wollte. Die Kunst Fraulein Kwartins ist bekannt; ihre Stimme ist groß und hat viel sinnlichen Reiz und findet sowohl im Konzertsaale, wie auf der Bühne ihre vollste Würdigung. Der Abend fand mit dem von ihr und D. Czernowsky gesungenen Duett aus „Madame Butterfly' seinen glänzenden Ausklang, wobei ein von beiden Stimmen kräftig festgehaltenes hohes C Effekt machte. Kapellmeister Arthur Feinsinger vom Deutschen Theater waltete seines Amtes als Begleiter zur vollsten Befriedigung aller Teile _ P. B. "lief Ä "'"«^en^e», *B^??r;»Cr- •-^.i:^*2««*m m S^^?5^ r Auswahi ia„2> Hu'e, Ja£emc/

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