Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 16 (9.4.1926)
- Date
- 1926-04-09
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr, 16 Seite 7 *Davon: Schweiz . . . 21.000 Schweden ...... 6.500 Dänemark...... 6.000 Estland....... 5.000 Belgien....... 5.000 Spanien....... 4.000 Danzig....... 3.000 Norwegen..... 2.000 Finnland ...... 1.600 Luxemburg ..... 1.400 Portugal ...... 600 56.100 V. Anzahl der Juden in A*sien: Prozitii 1. Asiatische Türkei . . 250.000 2.1 2. Syrien ...... 150.000 6.1 3. Russisch-Asien ... 100.000 0.3 . 4. Mesopotanien .... 87.000 3.1 5. Palästina . . 84.000 11.1 6. Uebriges Asien* . . . 110.000 781.000 *Davon: Persien .... 35.000 Britisch-Indien .... 22.000 Afghanistan .....14.000 71.&09 VI. Anzahl der Juden in Afrika: Prozent 1. Abessinien..... 250.000 2.2 2. Marokko ..... 120.000 2.2 3. Algerien ..... 74.000 1.3 4. Aegypten ..... 60.000 0.4 5. Tunis...... 49.000 2.3 6. Südafrika ..... 47.000 0.6 7. Uebriges Gebiet . . 50.000 650.000 VII. Anzahl der Juden in Amerika: Prozent 1. Vereinigte Staaten von Amerika (New York 1,100.000 -f 20 Prozent) 2,000.000 1.8 2. Uebriges Amerika . . 200.000 1% der Bevölkerung 2,200.000 VIII. Anzahl der Juden in Australien: Proz«nt 24.000 0.03 Leasings „Nathan". Das Burgtheater-Jubiläum gab begreiflicherweise vielfachen Anlaß, von Lessing zu sprechen. Fehlte ja nicht viel und er wäre, wenn sich dem Willen Kaiser Josefs nicht so viele Widerstände in den Weg gestellt hätten, auch beinahe Direktor dieses Theaters geworden. Aber selbst in diesem Falle hätte Lessing sich es nicht einmal im Traume einfallen lassen dürfen, sein herrlichstes Meisterwerk, den „Nathan" in dem damaligen Burgtheater gespielt zu sehen. Lessing war es ja nicht einmal gegönnt, die Freude zu erleben, dieser Dichtung überhaupt auf der Schaubühne zu begegnen. In Erfüllung sind die ahnungsvollen Worte gegangen, mit denen er die Vorrede zu dem in Buchform erschienenen „Nathan" geschlossen: „Noch kenne ich keinen Ort in Deutschland, wo das Stück schon jetzt aufgeführt werden könnte. Aber Heil und Glück dem, wo es zuerst aufgeführt wird." Wien schmachtete nicht nach diesem Heil und Glück und überließ die Ehre dieser ersten Aufführung Berlin, wo der „Nathan" am 14. April 1783, zwei Jahre näch dem Tode Lessings von dem Schauspieldirektor Döbbelin mit unzulänglichen Kräften auf die Bühne gebracht wurde. Die erste würdige Aufführung des Werkes dankte Deutschland Goethe, der es in Weimar am 28. November 1801 in der von Schiller besorgten Bühneneinrichtung zur Darstellung brachte. In Oesterreich wurde „Nathan" sofort nach seinem Erscheinen in Buchform mit einem — Verbot begrüßt. Die da~ malige Zensur hielt es mit ihrer Auffassung der Religion der Liebe für unvereinbar, daß das Hohelied der religiösen Duldung, in der ein Jude in väterlicher Güte einer christlichen Waise sich erbarmte und der blutige Shylock als Repräsentant des Judentums erscheint, dem Publikum verkündet wird. * * * Jahrzehnte vergingen, bis „Nathan" auf der Bühne des Burgtheaters erscheinen durfte. Um gerecht zu sein, muß man gestehen, daß es bei dieser Gelegenheit der Zensur beinahe gelang, durch die Bedingungen, an die sie die Erlaubnis zur Aufführung knüpfte, die beschämende Erinnerung an das einstige Verbot in eine ganz andere Beleuchtung zu rücken. Die Parabel von den drei Ringen mußte gestrichen werden! Der Rotstift des Zensors trat ja damit nur die Seele der Dichtung! Mußte das nicht jeder Unbefangene zugeben, daß das einstige Verbot des „Nathan" eigentlich wie eine wahre Huldigung für den Genius Lessings erscheint, wenn man es mit der Toleranz vergleicht, die nur dem schändlich verstümmelten Werk das Leben schenken will? Und doch durfte der Zensor sich beinahe mit gutem Gewissen darauf berufen, daß er nur im Geiste der 1795 erlassenen Zensurinstruktion des Regierungsrates Hägelin seinen mörderischen Rotstift gegen das Herz des „Nathan" gezückt hatte, denn in dieser Instruktion hieß es u. a.: „Es kann kein Sujet aufgeführt werden, dessen Hauptinhalt die christliche Toleranz oder überhaupt die Gleichheit der verschiedenen Gottesdienste wäre." Gestattet man sich nur eine kleine Aenderung an dem Wortlaut dieser lehrreichen Instruktion, so könnte man glauben, daß sie dem „Nathan" sozusagen auf' den Leib gedichtet worden wäre. Rühmend sei aber doch bemerkt, daß der Zensor neben der Eliminierung der Parabel von den drei Ringen nur noch die Umänderung des Patriarchen in einen Komthur und die des Klosterbruders in einen Einsiedler verlangte. Nathan durfte ein Jude bleiben. Also doch schon eine Konzession gegenüber der Shakespearischen Zeit, in der Shylock zur Taufe verurteilt wurde. * * * Klingt es da nicht wie eine blutige Ironie, daß angesichts solcher Leistungen der vormärzlichen Zensur in Oesterreich es sich ereignen konnte, daß im Jahre 1842 in Konstantinopel Lessings „Nathan" in griechischer Uebersetzung wiederholt aufgeführt wurde? Und zwar ohne Zensurstriche! Den Berichten eines anwesenden sachverständigen Deutschen zufolge waren die zahlreich erschienenen Moslemim