Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1926-04-09 · Heft 16 (9.4.1926) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 16 (9.4.1926)
Date
1926-04-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3062972-3063973-3063987--14477-3082037
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 16 DIE WAHRHEIT Seite 5 der ersten deutschen Bühne bewähren. Aber schon am 30. Oktober 1851 konnte er, mit der schwindelerregenden Gage von monatlich 30 Gulden engagiert, als jugendlicher Held die Temesvarer Bühne betreten. In einem rührenden Briefe, dem einige warmherzige Zeilen Davisons beigefügt waren, setzte Adolf Sonnenthal seine zärtlich geliebten Eltern von diesem epochalen Ereignis in seinem Leben in Kenntnis, bat sie um Verzeihung wegen der Wahl seines Berufes und erflehte ihren Segen für seine weitere Laufbahn. Einer der glücklichsten Tage im Leben Sonnenthals war, — wie er oft erzählte — als er auf der Durchreise nach Graz, wo er zu einem Probegastspiel geladen war, am 20. April 1854 in Pest in Anwesenheit seiner Eltern, unter stürmischem Beifall des Publikums den Don Carlos und den Ferdinand spielte. Man wird den ganzen, edelherzigen Menschen Sonnenthal aus den Zeilen erkennen, in welchen dieser einem Freunde über den Eindruck dieser Vorstellung berichtete: „Ja, Freund — heißt es hier u. a. —, vor Fürsten und Königen auftreten, ist nichts; aber den „Ferdinand" in Gegenwart der Eltern spielen, das versuche! Wenn ein liebender Vater dir so ernst in die Augen schaut, eine treue Mutter dir so tief ins Herz hineinblickt — dann . . . dann muß unsere Kunst entweder in gänzliche Stockung geraten, oder es muß uns eine höhere Begeisterung überkommen, die alle, welche die heilige Sprache der Seelen verstehen, mit uns fortreißt." Adolf Sonnenthal hat diese heilige Sprache der Seelen verstanden, sie gab seinem Spiel die Zaubermacht, mit der er bis in sein hohes Greisenalter die Herzen zu rühren und zu erheben wußte. Es kann nicht die Aufgabe dieser Zeilen sein, Sonnenthals Werdegang bis zu dem Gipfel seiner Macht zu begleiten. Am 18. März 1856 betrat er als Mortimer die Bühne des Burgtheaters. Laube hatte ihn nicht vergessen. Schon nach Ablauf des dreijährigen Kontraktes erhielt der erst 25jährige Künstler — ein schier beispielloser Fall — das Dekret als wirklicher k. k. Hofschauspieler mit 8000 Gulden Jahresgage und damit verbundener Pensionsfähigkeit. Aus dem Schneidergesellen, der vor wenigen Jahren noch glücklich gewesen, als Statist des Burgtheaters über Tage des Hungers hinwegzukommen, war innerhalb dieser kurzen Spanne Zeit der gefeierte große Schauspieler geworden, dessen Kunst von der damaligen Kritik mit überschwänglichem Enthusiasmus als „unübertrefflich" gepriesen wurde. Wie frühzeitig aber auch schon der Jude Sonnenthal die verehrungsvolle Würdigung seitens seiner Glaubensgenossen gewann, dafür zeugt die Adresse, die der Kultusvorstand seiner Vaterstadt dem jungen Sonnenthal, samt einer prachtvollen Ehrengabe, anläßlich seiner Vermählung widmete. In dieser Adresse hieß es: „Nicht liegt es in unserem Berufe, die rühmlichen Erfolge Ew. Wohlgeboren auf dem Gebiete der Kunst gehörig zu würdigen; wir können Ihre errungene Meisterschaft, welche sich auch während Ihres jetzigen Gastspieles hier besonders glänzend bewährte, mit der ganzen Welt nur bewundern. Was uns aber mit ausnehmender Achtung für Ew. Wohlgeboren erfüllt, ist: die Reinheit Ihrer Sitten, die Unbescholtenheit Ihres Charak- V m u m m m m * I 8 S 8 8 100% REINES FETT AUS KOKOSNÜSSEN HPD ters in privatgesellschaftlichem Leben, Ihr Festhalten an dem väterlichen Glauben, die kindliche Pietät, mit welcher Sie Ihre Eltern und Ihre ganze Familie ehren und lieben." mn. Die Anzahl der Juden in den einzelnen Ländern der Welt« Von Regierungsrat Dr. Emil Weinberg. Eine der wichtigsten Fragen, die die Juden betrifft, ist ihre Anzahl und ihre Verbreitung. Wie viel Juden gibt es auf der Welt? Wie viel leben in den einzelnen Ländern? Wie groß ist ihre Zahl im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung der einzelnen Länder? Wie groß ist die Zahl der Bekenner anderer Religionen in den einzelnen Gebietsteilen? Mit allen diesen Fragen muß sich jeder beschäftigen, der die Geschichte und das Schicksal der Juden verfolgt. Wir sehen, daß sowohl jüdische Schriftsteller als auch Judengegner sich auf diese Zahlen für ihre Zwecke berufen. Letztere lieben es, diese Ziffern recht groß darzustellen, um auf die angebliche Gefahr des jüdischen Einflusses und der jüdischen Betätigung hinweisen zu können. Die Feststellung der Zahl der Juden ist in den Ländern, in denen der numerus clausus an den Universitäten eingeführt wurde, von besonderer Bedeutung. Ebenso ist sie von Belang für die Stellung der Juden in einem Lande im allgemeinen, für die Beurteilung der Anzahl der in einem bestimmten Berufe tätigen Juden, etwa der Aerzte, Rechtsanwälte, Kaufleute, Landwirte usw. Diese Andeutungen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.