Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 13 (22.3.1926)
- Date
- 1926-03-22
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Öeite 10 DIE WAHRHEIT Nr. 13 Von Woche zu Woche Israelitischer Bethaus-Vereln „Chewra Beth Hatfilan". Mittwoch, den 3. März 1926 fand um 6 Uhr abends im Zeremoniensaale des Tempels in der Müllnergasse die Generalversammlung obigen Vereines statt. Der Präsident des Vereines Börserat I. Glück eröffnete die Generalversammlung und begrüßte alle Erschienenen, insbesondere den Vizepräsidenten der Kultusgemeinde Dr. Jakob 0rnstein, den er für das warme interesse» das er sowie die Kultusgemeinde dem Tempelverein entgegenbringt, den herzlichten Dank aussprach, ferner die Herren Leopold K o h n in Vertretung des Tempelvereines Wieden-Margareten, L. Medak in Vertretung des Tempelvereines Josefstadt, und \. Freund in Vertretung des Klucky-Tempels, sowie Herrn Chefredakteur Ludwig Hirschfeld, dem er für das \verme Interesse, das „Die Wahrheit" den Tempelvereirten entgegenbringe, den besten Dank aussprach. Er schilderte sodann die Tätigkeit des Vereines im abgelaufenen Geschäftsjahr und zeigte, daß trotz der schweren Krise des letzten Jahres das Interesse der im Bezirke wohnenden Juden für ihre kulturellen Einrichtungen nicht erlahmt ist, wovon die der Generalversammlung vorliegende Bilanz das beste Zeugnis abgebe. Der Redner stellte mit besonderer Genugtuung fest, daß der neueingeführte allwöchentliche Jugendgottesdiest wegen seiner würdevollen, dem Gemüte de,r jüdischen Jugend in so vöMcndefer Weise Rechnung tragenden Form den größten Anklang in den weitesten Kreisen des Bezirkes gefunden habe. Die Neueinführung des Judengottesdienstes und der Bibelschule möge der Versammlung, eine Gewähr dafür sein, daß sich der Vorstand nach wie vor seiner Pflichten Gegenüber der jüdischen Jugend, welche ja die Zukunst des Judentums darstellte, voll und ganz bewußt ist. Der Schriftführer, Herr Dr. Goldh a mm er, -legte sodann den Rechenschaftsbericht für das abgelaufene Vereinsjahr der Generalversammlung vor, welcher mit großein Beifall aufgenommen wurde. Nun ergriff Vizepräsident Dr. Jakob Ornstein das Wort und dankte dem Vorstande und speziell seinem Präsidenten, Börserat Glück, der auch in seiner Funktion als Obmann des Verbandes der Tempelvereini auf ein einträchtiges Zusammenarbeiten mit der Kultusgemeinde bedacht sei. Ganz besonders rühmend hob Herr Dr. Ornstein die mustergiltige Sorgfalt hervor, die der Tempelverein im IX Bezirk der Ausgestaltung und Pflege des Jugendgottesdieustes ahgedeihen lasse, welcher im Vereine mit der neu errichteten Bibelschule die Jugend im religiösen Geiste erziehe und so eine wichtige Zufcimftsarbeit leiste, der sich insbesondere das Vorstandsmitglied des Tempel Vereines, Herr Ministerialrat Moriz Wein er, und die Funktionäre mit warmen Interesse und Hingebung in dankenswerter Weise widmen. Nachher sprach Herr Moritz Oesterreicher dem Vorstande namens der Mitglieder des Vereines den innigsten Dank aus und bat denselben, auf dem eingeschalgenen Wege fortzufahren. Herr Schön dankte speziel lim Namen der jüdischen Eltern für das so segensreiche Wirken des Vorstandes für die jüdische Jugend. Sodann sprach Präsident Glück allen Rednern für die der Wirksamkeit des Vorstandes gespendete Anerkennung den wärmsten Dank aus und gedachte speziell dankbarst der Tätigkeit sämtlicher Tempelfunktionäre, denen für das von ihnen Geleistete die größte Anerkennung gebühre. Sodamt wurden die Neuwahlen vorgenommen, bei welchen die Herren Max Eisner, Hofrat Prof. Dr. S. Frankfurter, Börserat Ignaz Glück, Dr. Leo Goldhammer, Dr. Wilhelm Knöpfraacher. Gerson Kora 1 ek, Friedrich Kraus, Adolf Moser, Isidor Trebitsch und Kommerzialrat Alfred Winter in den Vorstand und die Herren Hermann David. Rudolf Forst, Rudolf Hendl, Sigmund Kornmeh!, Sälämon Oesterreicher, Ignaz Walzer, Ministerialrat Moriz Weiner und Max Michael Weiß in den A s s c h u ß wiedergewählt wurden. In der am 10. d. M. stattgehabten konstituierenden Vorstandssitzung wurden Herr Börserat Ignaz Glück zum Obmann, Herr Hofrat Professor Dr. S. Frankfurter zum Obmann Stellvertreter, Herr Max Eisner zum Schriftführer und Herr Rudolf Forst zum Kassier wiedergewählt. Generalversammlungen. Sonntag, den 14. März, fand unter außerordentlich großer Teilnahme im Turnsäale der „Talmud Thoraschule" in der Malzgasse die Generalversammlung des Israelitischen Bethausvereines .TAdas Jisroel" (Schiffschul) statt. Der Vorstand des Vereinest war vollzählig erohienen, den Vorsitz führte der verdienstvolle ObmannsteÜvertreter Dr. Isidor Reiniger, da der Obmann Kommerzialrat Siegmund Bondi sein Fernbleiben mit seiner Abwesenheit von Wien entschuldigt hatte. Als Vertreter der Kultusgemeinde erschien Kultusvorsteher Dr. Josef T i c h o. Nach Begrüßung der zahlreich erschienenen Gäste und Mitglieder hielt der Vorsitzende einen warmen Nachruf den verstorbenen Mitgliedern: Ardei Naftaii, Beck Jonas, Braun Eduard. Brehie.r Leopold, Brody Ignaz. Deutsch Bela, Deutsch Emanuel, Deutsch Seligmann, (Ehrilich Samuel. Fl'efccbmann Michael, Frankfurter Nathan, Freund Moritz. Fuchs Rudolf, Grünwald Hermann, Hermann Eduard, Herzfeld Aladar. Hess Emanuel, Hirsch Samuel. Hofbauer Siegmund. Kalwil Wolf, Klein Jacob. Kohn Benjamin. Kohn Fannv, Kohn Gustav, Kohn Wilhelm, Kollmann Benjamin, Kobpel Emanuel.. Korrtitzer Adele, Lbitngr Adolf. Mandl Julius. Mieses Josua HL, Oesterreioher Lazar, Platschek Julius, Rosenberger Heinrich, Rosner Isak, Samuel Sophie, Spitzer Gabriel. Schiff Benjamin, Schreck Isidor, Schwarz Rosalia. Stern Max. Wachtel Isidor. Weiss David, Wenger Adolf. Wiener Josef, Winkler Julius. Es ist nicht notwendig — schließt Redner — jeden Einzelnen zu rühmen und dessen Verdienste hervorzuheben; wir haben sie alle gekannt und deren Wert geschätzt. Sie alle hängen mit Liebe und Anhänglichkeit an der Adas Jisroel iind stellten ihr ganzes Wesen in den Dienst unseres angestammten Judentums. Ihr Andenken ist bei uns unsterblich. — Sodann erstattete Obmannstellvertreter Wolf Pappenheim den mit großem Beifall aufgenommenen Tätigkeitsbericht des Vorstandes über die Jahre 1921 bis 1925, dem wir folgendes entnehmen: Nach mehrjähriger Unterbrechung hat die Adas Jisroel nun wieder einen Rechenschaftsbericht über ihre Tätigkeit aufgelegt In anspruchsloser Kürze beschreibt er nicht die Aufgaben eines eroßen Bethausvereines, er gibt vielmehr das vollkommene Bild der Arbeit einer großen, ihrer Pflicht bewußten, streng religiösen Judengemeinde. die für viele vorbildlich sein kann. Alle Forderungen, die das religöse jüdische Leben?u stellen hat. finden dort volle Berücksichtigung. Es wird für die Beschaffung aller Nahrungs- und Genußmirtel, insoweit rituelle Vorschriften dafür bestehen, in der vollkommendsten Weise Sorge getragen. Unter Aufsicht des Rabbinates der Adas Jisroel stehen neun Fleischverschleißstellen in den verschiedenen Wiener Bezirken, drei Sefch- Nvarenfabriken. viele Milch verschleißer. Buttererzeugung, Bäckereien. Milchtrinkhalle. Gastwirtschaften, Konditoren usw. Für Mazzoth ist in musterhafter Weise voreesörgt. Erfreulich ist der Bericht über die Entwicklung der Unterrichts- und Thoraförderungsanstalten. An der Jesode Hathorah zum Beispiel lernen 398 Kinder und können dort bis zur Reife zum Jeschiwohbesuche vorbereitet werden. Minder erfreulich ist es. daß von allen diesen Kindern bloß für 20 das volle Unterrichtsgeld bezahlt wird. Und der Jahresbedarf der Jesode Hathorah ist ungefähr S 30.000. Besonders hervorgehoben muß werden, daß alle diese Anstalten, wie insbesondere die Wohlfahrts- und Fürsörgeeinrichtungen der gesamten religiösen Weener Judensqhaft ohne jeden Unterschied, nicht nur den Mitgliedern der Adas Jisroel, zur Verfügung stehen. Und in diesem Zusammenhange ist es ganz bemerkenswert, daß trotz der herrschenden Not die Opferwilligkeit der Mitglieder der Adas Jisroel ohne Unterstützung der Mitgenießer unvermindert fortbesteht. Der Geldumsatz der Adas Jisroel allein, ohne die angegliederten Vereine wie Jesode Hathorah, Tiferes Baohurim usw. belauft sich auf mehr als S 400.000. Für Armenbeteiligung wurde im letzten Jahre S 1706.88, außerdem für Pessachbeteüung S 3022. für Brautausstättungsbeiträge S 1870 ausgegeben, an Unterstützungsbeiträgen wurden den Vereinen mehr als S 19 300 ausbezahlt, außerdem wurden von den Spendeneingäneen S 4845 den Vereinen überwiesen. Der Bericht erwähnt auch der im vergangenen Jahre durchgeführten Restaurierung des Bethauses und bespricht Pläne für die Zukunft, wie die Erbauung eines Geflügelschlachthäuses. Er schließt mit dem Wunsche, daß die freundschaftlichen Beziehungen der Gleichgesinnten gläubenstreuen Bethäuser Wiens dazu veranlassen mögen, eine innigere Organisation zur Erreichung der gemeinschaftlichen Zi^le zu schaffen. Das begeisterte Bekenntnis unserer Jugend "zu den Grundsätzen des thor atreuen Judentümes eröffnet einen hoffnungsfreudigen Ausblick für die Zukunft. Nun erstattete Herr Jakob Stern den Rechehsschaftsabschluß für die Jahre 1921 bis 1925 und betonte in seinem ausführlichen Referate, daß die schönen Leistungen nur dadurch vollbracht werden konnte, weil Vorstand und "Mitglieder in beittg «ttf VAQimmütm^m, QpfeWiffii^eft atfd