Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 10 (5.2.1926)
- Date
- 1926-02-05
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seitejj_______________ _______________DIE WAiftRHEIT____________________ Nr. 10 schiedenen Parteirichtungen zählt, hat seinerseits gesucht, durch eine Reihe von Leistungen die Koiltusgemeinde zu entlasten an der Ueberzeugung, hierbei eine jüdische Ehrenpflicht zu erfüllen. Der unterzeichnete Vorstand hält sich daher für berufen, einem Gebote der Gerechtigkeit folgend, bei diesem Anlasse Ihnen, sehr geehrter Vizepräsident, und den Mitgliedern des Mehrheitsklubs des Kultusvorstandes für Ihre mannhafte Haltung die besondere Anerkennung und im Namen deT Besucher des Leopoldstädter Tempels den wärmsten Dank auszusprechen. In gerechter Würdigung Ihrer und Ihrer Parteigenossen im Kultusvorstande aufopfernden Tätigkeit für das Gedeihen unserer Kultusgemeinde rufen wir Ihnen zu: Seid fest und stark! Der geischäftsführende Vizepräsident: Oskar Tonello. Der Bund jüdischer Eltern im II. Wiener Gemeindebezirke veranstaltete am 24. v. M. im großen Sitzungssaale der Bezirksvertretung Leopoldstadt einen Elternabend, an welchem Herr Camillo Baumgarten über den ethischen Wert der religiösen Erziehung sprach. Den Abend leitete der Obmann des Vereines, Herr Postamtsdirektor Gustav K o 1 m i n mit einer Begrüßungsansprache an die zahlreich erschienenen Gäste ein und begrüßte unter diesen als Vertreter der Kultusgemeinde den Vizepräsidenten Herrn Dr. Jakob Orn stein, den verdienstvollen Protektor des Bundes Sc. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. Max G r u n w a 1 d, Herrn Professor Moritz Antscherl. das Vorstandsmitglied Herrn Kultusvorsteher Dr. I. K1 a b e r u. a. m. Der Vortragende führte in seinem Referate in vortrefflicher Weise die Bedeutung der religiösen Erziehung für die heranwachsende jüdische Jugend und für das gesamte Judentum den Anwesenden vor Augen und wies auf zwei bedeutende Faktoren hin, welche zur Erzielung eines günstigen Resultates ganz wesentlich beizutragen vermögen: Elternhaus und Schule. Das jüdische Familienleben bildet den Grund, aui welchem die Schule in Verbindung mit dem Gotteshaus den Aufbau beginnt. Die vortreffliche Art der Ausführung dieses Themas fand unter den Anwesenden ungeteilten Beifall. Der Vizepräsident der israelitischen Kultusgemeinde Herr Dr. 0 r n s t e i n würdigte in überaus anerkennenden Worten den Inhalt des Referates und ging des näheren auf die einzelnen wertvollen Gedanken des Referenten hinsichtlich des Religionsunterrichtes ein. wobei er betonte, daß ein Unterricht den Ideen des Vortragenden entsprechend wünschenswert und äußerst fruchtbringend wäre. Dazu müsse vor allem die jüdische Mutter beitragen, weil ihr der Hauptanteil an der Erziehung des Kindes zukomme. Herr Dr. Ornstein entwickelte in sehr interessanter Weise treffliche Ideen und Gedanken, die eine genaue Kenntnis der kulturhistorischen Entwicklung des Judentums verrieten. Hierauf ergriff Herr Rabbiner Dr. Grunwald das Wort und betonte gleichfalls die ungemein große Wichtigkeit der religiösen Erziehung für die jüdische Jugend, wobei er gleichzeitig einen ausführlichen Ueberblick über die Entwicklung und den Verlauf der jüdischreligiösen Erziehung in den letzten 100 Jahren gab. Hierauf sprach Herr Kultusvorsteher Dr. K1 a b e r. der die Ansicht vertrat, daß man unserer jüdischen Jugend wie vor Jahren öffentliche Vorträge bieten und ihr Gelegenheit geben solle, außerhalb der Schule durch Veranstaltung von kameradschaftlichen Ausflügen und Zusammenkünften jüdisch-kulturelle Bestrebungen unter entsprechender Leitung zu pflegen und zu fördern. Schließlich hob Herr Professor M. Antscherl die Bestrebungen des jüdischen Elter nbun des lobend hervor, worauf Herr Direktor K o 1 m i n den Gästen, die über den Vortrag des Herrn Dr. Baumgarten und die sich daran anschließende Diskussion ungeteilten Lobes waren, für ihr Erscheinen dankte und sie um die Unterstützung auch für die Zukunft bat. Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Am 6., 7. und 8. März findet in Berlin die Hauptversammlung des Zentralvereines statt. Am 6. März sprechen Reichsratsabgeordneter Dr. Ludwig Haas, Dr. med. Friedrich Brodnitz und Dir. Dr. Ludwig Holländer über „Wege zum inneren Frieden im deutschen Vaterland"; der 7. März ist internen Beratungen gewidmet; am 8. März wird über das Positive der C. V.-Arbeit, Wirtschaftsprobleme und wichtige Einzelfragen beraten. Die Veranstaltung schließt mit sechs großen Kundgebungen, bei denen die Führer aus allen Gegenden des Reiches sprechen werden. Israelitischer Tempel- und Schulverein für den X. Gemeindebezirk Favoriten in Wien. In der am 18. Februar 1926 stattgefundenen Konstituierung des Vorstandes Israelitischen Tempel- und Schulverein für den X. Gemeindebezirk Favoriten in Wien wurden gewählt die Herren: zum Obmann Max Berge r, zum ersten Obmannstellvertreter Leopold Grünspan, zum zweiten ObmannsteHvertreteT Adolf Spira, zum Schriftführer Max Hahn, zum Schriftführerstellvertreter Leopold Drill, zum Kassaverwahrer Benjamin Scher und zum Kassa verwahr erst eil Vertreter Gustav Fuchs. Linz. (Verlobung.) Herr Siegmund Schneider, Gesellschafter der Firma Epstein & Schneider, und Fräulein Frida R o t h k o p f haben sich verlobt. Edmund Melcher — Bürger der Stadt Wien. Der Architekt und Stadtbaumeister Edmund Melcher wurde anläßlich seines 60. Geburtstages in Würdigung der großen Verdienste, die er sich um das öffentliche Leben und auf dem Gebiete der Humanität erworben hat, in der Gemeinderatssitzung vom Freitag, den 27. v. M. zum Bürger derStadt Wien ernannt. Stadtbaumeister Melcher gehörte auch viele Jahre dem Wiener Gemeinderat als Vertreter des freiheitlichen Wiener Bürgertums an, für dessen Interessen er noch heute als Vorstandsmitglied der Bürgerlich-demokratischen Arbeitspartei wirkt. Der Jubilar ist auch ein angesehenes Mitglied der „Union, deutschösterreichischer Juden", für deren Ziele er sich stets warm einsetzte. Wir sprechen Herrn Baurat Melcher, dessen Ehrung eine wohlverdiente ist, unsere herzlichste Gratulation aus. Linz. (Todesfälle.) Am Samstag, den 27. Februar 1926, verschied Herr Moses Schlesinger. Färbereibesitzer und Genossenschaftsvorsteher der Färber, nach langem Leiden im 63. Lebensjahre. Der Verewigte war vor Jahren Färbereibesitzer in Jaffa, hatte sich von bescheidenen Anfängen zu einer geachteten Stellung emporgearbeitet und zeichnete sich durch besondere Gottesfurcht und Frömmigkeit aus. Der Verewigte feierte erst im Mai 1925 das 50jährige Berufsjubiläum. An seiner Bahre trauern die tiefbetrübte Witwe, Frau Hermine Schlesinger, die beiden Söhne Otto und Richard, die Tochter Frau Olga Schlesinger und die Schwiegertochter Frau Risa Schlesinger, geb. Rujder aus Gmunden und der Schwiegersohn, Herr Gottfried Schlesinger aus Brunn a. d. Wild. — Zu einer imposanten Trailerkundgebung gestaltete sich die Beerdigung des Herrn Otto Kapp e r, Seniorchef der Linzer Oel- und Fettwerke, welche am 23. Februar 1926 von der Zeremonienhalle des hiesigen israelitischen Friedhofes aus stattfand. Lange vor der festgesetzten Stunde hatten sich schon viele Trauergäste eingefunden, um dem allseits verehrten Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Unter den Trauergästen bemerkte man den Präsidenten der Kultusgemeinde Herrn Benedikt Schwager mit dem gesamten Kultusvorstande, den Obmann der Chewra Kadischa Herrn Adolf Pick, den Tempelvorstand Herrn Inspektor Otto O r 1 i k, für den humanitären Verein B. B.-E h rm a n n die Herren Medizinalrat Dr. Eduard Bloch, Rechtsanwälte Dr. Gustav Morgenstern und Dr. Lenk; auch eine Deputation der freiwilligen Feuerwehr Urfahr gab dem Verewigten das letzte Geleite. Der Ausschuß des Geselligkeitsvereines „Gleichheit" war korporativ unter Führung des Obmannes Herrn Walter Klein erschienen. In zu Herzen gehenden Worten hielt Herr Rabbiner Dr. Viktor Kur rein die Trauerrede, in welcher er die Selbstlosigkeit, den Wohltätigkeitssinn und die Beliebtheit des Verewigten hervorhob. Herr Oberkantor Bernhard Löwen söhn sang die Trauergebete in ergreifender Weise. Herr Medizinalrat Dr. Eduard Bloch widmete namens der B. B.-Ehrmann dem Verstorbenen herzliche Worte des Abschiedes. An der Bahre trauerten die Gattin Frau Adele K a p p e r, die beiden Söhne Dr. med. Kurt und Paul K a p p e r. 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