Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 10 (5.2.1926)
- Date
- 1926-02-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Österreichische Wochenschrift für |Odls<he Interessen Ml* dem Beiblatt: Veröffentlichungen der „Union deufschösterrei<hls<her Jaden Redaktion und Administration: Wien II.. Helnesirafle *3. - Fernruf 42-2-16 XLII. Jahrgang Wien, 5. März 1926 Nummer 10 Die nächste Nummer unseres Blattes erscheint anläßlich des KOOjahrigen Jubiläums des Stadttempels als verstärkte Festnummer am Montag den 15. März Das jüdische Problem. Von C. Q. Costa-Foru, Bukarest. Dieser Artikel des bekannten rumänischen Publizisten und Vorkämpfers der Liga für Menschenrechte erscheint in einer von der Arbeitsgemeinschaft „Prometheus" Ende dieses Monats herausgegebenen Anthologie „Judenhaß". Worin liegt das Wesen des .Antisemitismus? In einer geistigen Erkrankung. Worin ist seine Ursache zu suchen? In einer ungenügenden sittlichen Sicherheit. Was ist der Numerus clausus? Eine Erfindung der Nachkriegszeit. Wie kam es dazu? Inifolge der Verhärtung der Gemüter, im Vereine mit dem Platzmangel an den Hochschulen. Kann man den Antisemitismus heilen? Ja,, aber oft nicht sichtbar. Woher rührt der Antisemitismus? Von einem Vorurteile. Handelt es sich um ein religiöses Vorurteil? Nein; der Antisemitismus hat keine religiöse Grundlage, wenn er auch in jener Zeit begann, da man seine christliche Gesinnung zur Schau trug. Gibt es zwischen Juden und Christen eine rassenmäßig?u begreifende Antipathie? Ich bestreite dies; der Bauer, und nur der Bauer stellt den Verkörperer der Rasse dar, ist keineswegs ein Antisemit. Und die Erfahrung lehrt, daß sich die stärkere Rasse und die schwächere Rasse gegenseitig anziehen. Hat vielleicht der Antisemitismus eine soziale Grundlage? Die Wissenden und Klarsehenden erkennen es, daß die jüdische Rasse eine soziale Notwendigkeit für «das Leben dier Völker ist, und auch diejenigen, welche sich der Dienste der Juden bedienen, wagen ihren sozialen Nutzen nicht in Abrede zu stellen. Also dürfen wir eine ökonomische Grundlage des Antisemitismus annehmen? Die Frage läßt sich durch zwei Sätze beantworten: der Jude ist ökonomisch hoch begabt, und die ökonomisch vorgeschrittenen Länder stehen an der Spitze 'der Welt. Dann dürfen wir sagen, daß der Antisemitismus einem nationalen Gefühl entspringt? Ja, aber in diesem Belange müssen wir die Juden, welche sich als angefeindet ansehen und sich deshalb in ihre eigene Nationalität zurückziehen, von jenen Juden unterscheiden, welche von ihrer Umgebung als gleichberechtigt anerkannt werden und leidenschaftliche Vertreter jener Nation werden, unter welcher sie leben, während die erstere Gruppe zu den Minderheiten zu rechnen ist. In Siebenbürgen sind die ungarischen Juden die eifrigsten Verfechter des ungarischen Gedankens. Ist dies sicher? Der rumänische Unterrichtsminister weiß es. mit weich hartnäckigem Eifer die Juden um die Beibehaltung der ungarischen Sprache in ihren Schulen gekämpft haben. Wenn aie Juden sich bedrückt fühlen, schließen sie sich gegen die feindliche Macht enge zusammen und entdecken so gewissermaßen zufällig ihr nationales Gefühl; der sich assimilierende Jude hat es aber nicht nötig, sich an seine Nationalität zu erinnern. Ist der Jude leicht assimilierbar? Unter den vielen Gästen, welche in einem Lande wohnen, ist gerade der Jude am leichtesten zu assimilieren; die Beweise für diesen Satz rinden sich in der Geschichte Nordamerikas und in der Geschichte Osteuropas. Woher rühre also der Antisemitismus? Würde es gelingen, den Führern der antisemitischen Bewegung die politischen Nebeninteressen und dem Herzen des Volkes die Leichtgläubigkeit, den Haß und den Neki zu nehmen, so wäre der Antisemitismus verschwunden, iti Rumänien sowohl wie in der ganzen Welt. Und wann wird der Antisemitismus tatsächlich verschwinden? Lassen Sie alle Mauern fallen, welche heute die Bewohner eines Landes voneinander trennen, und lassen sie die wahre Gleichheit zwischen den Staatsbürgern eintreten, dann wird die nächste Generation weder einen Antisemitismus, noch einen Philosemitismus kennen, denn keiner von beiden wird in der Ordnung der Gesellschaft seine Begründung mehr finden. Und ich darf dies sagen, denn die Erfahrung von mehr als einem Jahrhundert gibt mir das Recht dazu.