Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 7 (12.2.1926)
- Date
- 1926-02-12
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 12 Nr. 7 auch seine Lebensweise mit der Vortragsweise in harmonischem Einklang überein. Er hat nicht allein nur vorgebetet; er hat sozusagen auch vorgelebt. Es war ein rührendes Bild, wie er am zweiten Tage des Rosch-Haschonoh: mit den Stimmmitteln ringend und seine letzten Kräfte aufbietend noch das Schachris zu Ende beten wollte. Seine Stimme hat bereits versagt, doch das Volk sah die Stimmen; die versammelte Gemeinde konnte seine gewaltige Willenskraft, die äußerste Anstrengung und Anspannung aller ihm noch zur Verfügung stehenden Kräfte bewundern, das von ihm vorzutragende Schachris-Gebet zu beenden. Nun ist er vom Betoult für immer hinweggegangen und sein Leben, das für ihn Beten und Arbeiten geheißen ist, beschlossen. Wie er hiernieden vorgebetet, so möge er als Meliz-Joscher vor dem himmlischen Throne Glü^k und Segen für seine trauernden Hinterbliebenen, für unseren Tempelverein und für die Angehörigen dieser großen jüdischen Gemeinde erflehen. Wir aber wollen ihm, bevor man ihn ins Grab senkt, zum Schluß noch einmal den Schlußsatz der Einleitung unseres täglichen Morgenigebetes zurufen, den er durch Jahrzehnte Tag für Tag an heiliger Stätte wiederholt hatte und der da lautet: ..Die Toten wird einst Gott auferstehen lassen; gepriesen sei auf ewig sein ruhmvoller Name!" Kein Auge blieb trocken, als der Präsident des Tempelvereines Herr Adolf H o f m a n n mit vor innerer Erregung zitternder Stimme im eigenen Namen, sowie im Namen des Vorstandes und der Mitglieder Abschied von seinem, wie er sagte, ältesten und besten Freunde Philipp Bassel nahm. Mit bewegten Worten schilderte er dessen beispielgebende Pflichttreue und rühmte des Verblichenen umfassende Kenntnis des Bibelwortes und seinen, von tiefen religiösen Idealen getragenen, zu Herzen gehenden Vortrag. Der Präsident erwähnte auch, daß Herrn Bassel im vergangenen Jahre, anläßlich seiner goldenen Hochzeit, die höchste Auszeichnung, welche der Verein zu vergeben hat, die Ernennung zum Ehrenmitgliede. zuteil geworden ist Für die Kultusgemeinde, die dem Verblichenen ein Ehrengrab widmete, sprach Herr Amtsdirektor Dr. Emil Adler herzliche Worte des Abschieds. Herr Oberkantor J. L ö w i t nahm als Präsident des Kantorenvereines, dessen Ehrenmitglied der Verstorbene gewesen ist, Abschied im Namen des Vereines und schilderte den Dahingeschiedenen als eine Zierde seines Berufes, Am Grabe verrichteten Herr Oberkantor J. K a t z für den Tempelverein, Herr Oberkantor Simon Weiß für den Kantorenverband und Herr Oberkantor H. Fischer für die Wiener Kultus gemeinde und Heimatgemeinde des Verblichenen Stampfen ein El mole rachamirn. Herr Kantor Bassel hinterläßt eine Witwe und vier Söhne, denen sich die allgemeine Teilnahme zuwendet. Todesfälle. Am 27. Jänner starb in Wien Herr Kommerzialrat Moritz Hennann R e i c h, gewesener Großindustrieller, Handelskammerrat und Vorstandsmitglied der israelitischen Kultusgemeinde in Lemberg usw.. der vor dem Kriege eine führende Stellung in der Petroleumindustrie innehatte. Der Verstorbene, der leitender Direktor der Prager Kreditbankfiliale in Lemberg gewesen ist, war eine der prominentesten Persönlichkeiten der Stadt Lemberg und hat sowohl infolge meiner strengen Rechtlichkeit und seines seltenen Wohltätigkeitssinnes — er errichtete viele bedeutende Stiftungen — sich größter Wertschätzung erfreut. Nach Ausbruch des Krieges übersiedelte er nach Wien, wo er gar bald wieder eine angesehene Stellung im Bankwesen innehatte, sich aber namentlich wohltätigen Zwecken^ besonders der Fürsorge jüdischer Waisenkinder — er war auch Vorstandsmitglied des jüdischen Waisenhauses — widmete, bis er vor einem Jahre infolge schwerer Krankheit sich vollständig vom öffentlichen Leben zurückziehen mußte. Das Leichenbegängnis, das am 31. Jänner am Zentralfriedhofe (1. Tor) stattgefunden hat. gestaltete sich zu einer imposanten Trauerkundgebung für den Verstorbenen, der auch ein bedeutendes hebräisches Wissen hatte. Als erster sprach am Sarge Herr Rabbiner Dr. Feuchtwang, hierauf der Schwiegersohn des Verstorbenen, Landesrabbiner Doz. Dr. Herzog aus Graz, dann Dr. S t r a c h im Namen der Humanitätsloge B. B. Wien und des jüdischen Waisenhauses, Abgeordneter Reizes, ein alter Freund des Verstorbenen, und Dr. R e i c h. Aus allen Reden klang der tiefe und aufrichtige Schmerz über den schweren Verlust. Unter den zahlreich Erschienenen bemerkte man den Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde Prof. Dr. A Pick samt dem Vizepräsidenten Dr. Josef Loewenherz. Hofrat Professor Dr. E h r m a n n. Richard P e t s c h e k, viele Großindustrielle und Bankdirektoren. Die kantoraien Funktionen versah in ergreifender Weise Herr Oberkantor Kaufmann. Erschütternd war es, als am Schlüsse beim Grabe die Waisenkinder das Kaddischgebet verrichteten. In dem Verstorbenen betrauern, wie bereits erwähnt, Herr Landesrabbimer Dozent Doktor Herzog aus Graz seiraen Schwiegervater und Sejmabgeordneter Dr. Leon Reich, Präsident des jüdischen Klubs in Warschau, seinen Bruder. — In Linz ist am 4. d. M. Frau Henriette Klein im Alter von 79 Jahren gestorben. Die Verschiedene war eine vornehme, feingebildete und wohltätige Dame, eine echt jüdische Hausfrau, die ihrem Gatten, Herrn M. L. Klein, dem Begründer, der Beka-Schuhfabrik, das glücklichste Heim bereitet hatte und ihren Kindern eine aufopfernde und fürsorgliche Mutter war. Als nach dem Ableben ihres Gatten die Fabrik auf seine Söhne, die Kommerzialräte Karl und Max Klein übergegangen war, zog sich Frau Henriette Klein nach Linz zurück, woselbst sie inmitten eines zahlreichen, sie überaus schätzenden Freundeskreises einen glücklichen Lebensabend verbrachte. An der Bahre dieser guten und stets hilfsbereiten Frau trauern ihre Kinder und Schwiegerkinder Dr. Julius und Dora Klein, Kommerzialrat Max und Elsa Klein, Kommerzialrat Karl und Grete Klein, Dr. Robert und Leontine K1 a u b e r, Geza und Elsa Vogel, Kaiman und Adele Vogel, Josef und Emmy Klein, Oberbaurat Ing. Karl und Hedwig Seligmann sowie zahlreiche' Enkel und Urenkel. Das Leichenbegängnis der Verschiedenen fand Sonntag, den 7. d. M. auf dem israelitischen Friedhofe in Linz unter ungemein großer Beteiligung statt. Die Zeremonienhalle des jüdischen Friedhofes konnte die vielen -'Frauergäste nicht fassen, unter denen der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde in Mödling, Herr Dr. Moser, und eine Abordnung der Arbeiterschaft der Mödlinger Fabrik zu sehen waren. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Linz unter Führung des Präsidenten Herrn Benedikt Schwager und die Chewra Kadischa, an deren Spitze Herr Adolf Pick, waren vollzählig erschienen. Herr Rabbiner Dr. Viktor K u r r e i n hielt der Verstorbenen einen tiefempfundenen Nachruf, in dem er ihre Güte und sonstigen vielen Vorzüge schilderte. Am Grabe nahm der älteste Sohn der Verewigten, Herr Dr.-meid. Julius Klein aus Wien namens der Kinder rührenden Abschied. Der Oberkantor der israelitischen Kultusgerneinde in Wiener-Neustadt, Herr Moses Vogel, ist in überaus tragischer Weise gestorben. Er erkrankte an einer Fischvergiftung, die er sich vor einigen Tagen zugezogen hatte, und erlag nach kaum achttägiger Krankheit seinem tückischen Leiden. Das Leichenbegängnis des Verstorbenen, der sich der größten Beliebtheit und allgemeinen Wertschätzung erfreute, fand Donnerstag, den 4. d. M. unter zahlreicher Beteiligung statt. Eine nach Hunderten zählende Menge folgte dem Sarge, der vom Wiener-Neustädter Sanatorium auf den dortigen israelitischen Friedhof getragen wurde, da sich außer den vielen Freunden und Bekannten, die der Verstorbene in Wiener-Neustadt hatte, auch eine große Zahl seiner Verehrer aus den umliegenden Ortschaften, insbesondere aus seinem früheren Wirkungskreise Neunkirchen, eingefunden hatten. Oberrabbiner Weiß hielt dem pflichteifrigen Kantor, der auf so tragische Weise der Gemeinde entrissen wurde, einen würdigen Nachruf, worauf Kantor Grob im Namen des Kantoren verbau des dem Dahingeschiedenen diie letzten Grüße seiner Kollegen überbrachte. Präsident S. Frank 1 würdigte die Verdienste des Verstorbenen um die Wiener- Neustädter Gemeinde, worauf die Beerdigung stattfand. Mit einem von Oberkantor S. P o s t o 1 o w am offenen Grabe gesungenen .,E1 mole Rachamirn" fand die würdige Totenfeier ihr Ende. — Dienstag, den 9. d. M. wurde der im II. Bezirke allgemein bekannte und von allen verehrte Mazzesfabrikaait Adolf S c h m i d 1 unter einer Teilnahme zu Grabe -getragen, deren Größe der Sympathie entsprach, welche der Hingeschiedene verdientermaßen genoß. Adolf S c h m i d 1, der 63 Jahre alt wurde, war ein Mann, der keinem Menschen Unrecht oder nur die geringste Kränkung zugefügt, deshalb auch kennen Feind, sondern nur Freunde zurückgelassen hat. Musterhaft in seinem Familienleben, das ganz in der Liebe zu seiner Gattin Cilla, geb. Friedmann, mit der er 34 Jahre in glücklicher Ehe vereinigt war, aufging, tadellos im Handel und Wandel, so wird das Charakterbild Adolf S c h m i d 1 s in der Erinnerung seiner Mitbürger fortleben. Der heutigen Nummer unserer Zeitschriii liegt ein Prospekt der Firma Sußmann & Sohn, III., Wassersasse 10, bei« ^■■■■BMBBHnBaBHBHHHHHBHBHBHHBB^